Review: #3.06 Gesichtslose Männer
Bereits die vergangenen Episoden haben die Weichen für die nächsten Konflikte gestellt und #3.06 Faceless Men wirkt wie eine weitere Übergangsfolge. Vieles befindet sich noch in der Vorbereitung, während einige Handlungsstränge spürbar auf ihren großen Wendepunkt warten. Das muss grundsätzlich nichts Schlechtes sein, schließlich braucht eine Serie auch ruhigere Episoden, um ihre Figuren weiterzuentwickeln. Gleichzeitig macht sich inzwischen aber bemerkbar, dass manche Geschichten etwas zu lange auf der Stelle treten.
"Who are they?" – "Our death."
Beginnen wir so, wie die Episode selbst es auch tut, mit Kriston, dessen Geschichte nun ihr Ende findet. Dass Kriston von mehreren Pfeilen niedergestreckt wird, noch bevor er überhaupt in den letzten Kampf ziehen kann, wirkt bewusst antiklimaktisch. Sein Tod entspricht dabei nahezu eins zu eins der Romanvorlage und gerade deshalb war ich gespannt, ob die Serie diesen ebenso unspektakulären Moment übernehmen würde. Dass man sich daran gehalten hat diesen ungleichem Kampf, der von George R. R. Martin Schlachtertanz genannt wurde, zu übernehmen, gefällt mir sehr gut, denn es macht deutlich, dass der Krieg niemandem den heroischen Abgang garantiert, den er sich vielleicht erhofft. Und trotzdem hat mich sein Ende überraschend traurig gestimmt. Kriston ist eine Figur, die die Fangemeinde seit Jahren spaltet und deren Entscheidungen oftmals schwer zu verteidigen sind. Dennoch begleitet er uns seit Beginn der Serie und gerade in seinen letzten Momenten übernahm er noch einmal Verantwortung für seine verbliebenen Männer. Dass Oscar Tully selbst eine Kapitulation ablehnt und keinerlei Gnade zeigt, unterstreicht zudem, wie erbarmungslos dieser Krieg inzwischen geworden ist.
"You have my condolences. I shall light a candle for her when next I attempt the sept."
Dies wird auch bei Rhaenyra deutlich. Viele ihrer Entscheidungen lassen sich nachvollziehen, denn Ormund führt einen Propagandakrieg gegen sie, ihre Armee kommt nur langsam voran und überall scheint sie auf neue Probleme zu stoßen. Dennoch häufen sich die Momente, in denen Rhaenyra kaum noch bereit ist, andere Meinungen gelten zu lassen. Sie hält Alicent und Helaena weiterhin gefangen, obwohl sie deren Beweggründe versteht, schickt Alicent gegen ihren Willen nach Harrenhal und hält Daemon bewusst an der kurzen Leine. Gleichzeitig wirkt sie gegenüber Ulf und den Goldröcken immer autoritärer. Auffällig ist auch, dass Rhaenyra immer häufiger Entscheidungen trifft, die sie zu Beginn der Serie vermutlich selbst kritisiert hätte. Genau diese langsame Entwicklung gefällt mir deutlich besser als das, was wir einst bei Daenerys in der letzten Staffel von "Game of Thrones" erlebt haben. Dort wurde ihre Wandlung nahezu über Nacht vollzogen. Bei Rhaenyra hingegen beobachten wir Schritt für Schritt, wie Krieg, Verantwortung und zunehmender Druck ihren Charakter verändern. Dadurch wirkt ihre Entwicklung wesentlich glaubwürdiger und tragischer. Besonders symbolträchtig ist dabei der Schnitt am Eisernen Thron, bei dem man gemeinsam mit Rhaenyra zum Spekulieren angehalten wird, ob es sich hier um einen Zufall handelt, oder ob der Schnitt etwas über ihre Herrschaft aussagen soll.
"I think you sacrificed lives to feed your own pride."
Weniger überzeugt mich inzwischen hingegen der Handlungsstrang um Ormund. Seine Einführung hat mir ausgesprochen gut gefallen und auch seine manipulative Beziehung zu Daeron bleibt weiterhin interessant. Allerdings wirkt seine ständige Geheimniskrämerei langsam ermüdend. Zwar bringt Gawans Ankunft spürbar neuen Schwung in die Handlung und seine Gespräche mit Daeron gehören zu den besseren Szenen der Episode, insgesamt zieht sich dieser Erzählstrang für meinen Geschmack aber inzwischen zu sehr. Die Attentäter, die sich als Gesandte der Baratheons ausgeben, sorgen zwar kurzfristig für Spannung und Belustigung, denn Ormunds ausgeprägter Geruchssinn wurde hier so stark in den Vordergrund gerückt, dass ich mehrfach schmunzeln musste, dennoch hatte die Szene etwas Unglaubwürdiges an sich. Dass Gawan scheinbar allein daran erkennt, dass die Männer keine Baratheons sein können, weil sie dafür nicht stattlich genug wirken, erschien mir doch reichlich konstruiert.
"And to what end?"
Schon in Staffel 2 spürte man, dass die Handlung der Romanvorlage manchmal nicht genug hergibt, um allen Figuren über die gesamte Staffel hinweg etwas zu tun zu geben. Wie schon in Stolperstadt verhärtet sich der Eindruck, dass wir erneut an diesem Punkt angekommen sind, nun auch bei Daemon und Aegon. Daemon wirkt zunehmend ungeduldig und seine Szenen vermitteln den Eindruck, als müsse er lediglich beschäftigt werden, bis die eigentliche Handlung ihn wieder benötigt. Ähnlich empfinde ich Aegons Geschichte, auch wenn Tom Glynn-Carney Aegons Versuch der Selbstreflexion hervorragend zu spielen weiß. Auf gleichem Kurs bewegen sich der Handlungsstränge in Harrenhal und auf Hohenehr. Alys bleibt zwar eine faszinierende Figur und ihre Szenen mit Aemond besitzen eine gewisse Atmosphäre, doch seit mehreren Episoden scheint die Geschichte auf der Stelle zu treten. Zu Rhaena fragt man sich indes nur noch, wie lange es dauert, bis sie und Schafsdieb entdeckt werden, denn einen anderen Weg kann die Handlung um sie nicht einschlagen. Es fehlt momentan an vielen Stellen an entscheidenden Impulsen, die ihre jeweiligen Geschichten wieder sichtbar voranbringen und auf die müssen wir wohl bis zum Staffelfinale warten.
Eine Handlung, die mich äußerst überrascht hat, ist die Annäherung zwischen Baela und Alyn – allerdings nicht im positiven Sinne. Noch in #3.05 Unbent and Unbroken entstand der Eindruck, dass die Serie eher auf eine engere Verbindung zwischen Baela und Addam hinarbeitet, doch nun schlägt die Handlung plötzlich eine ganz andere Richtung ein, ohne dass dieser Wechsel wirklich überzeugt. Die Szenen zwischen Baela und Alyn funktionieren zwar für sich genommen ordentlich, da sie mit einem emotionalen Gespräch über die Probleme der beiden mit ihren Vätern beginnen, dennoch konnte ich ihre romantische Entwicklung nicht richtig nachvollziehen.
Kurze Eindrücke
- Ein wenig zwiegespalten hinterlässt mich Hugos Wiedersehen mit Kat. Dass Kat ihren Mann nicht einfach jubelnd in die Arme schließt, sondern ihn mit den Folgen seines Verschwindens konfrontiert, ist absolut nachvollziehbar. Gleichzeitig ging dieser Konflikt etwas zu schnell vorbei. Hier hätte ich mir durchaus gewünscht, den beiden noch etwas mehr Zeit einzuräumen, schließlich wurde ihre Wiedervereinigung über mehrere Episoden hinweg vorbereitet.
- Alicents Abschied von Helaena gehört für mich zu den emotional stärksten Momenten der Episode.
- Ist es Helaena, die den Teppich im Intro webt?
- Der Angriff auf Corlys im Cliffhanger wollte bei mir überhaupt nicht funktionieren. Jon Steinern und einige wenige Hohenturm-Soldaten überraschen ausgerechnet Corlys und seine kampferfahrenen Männer? Das wirkte reichlich konstruiert und diente offensichtlich nur dazu, künstlich Spannung für die nächste Episode aufzubauen.
- Ich bin gespannt, welche Rolle die Dracheneier in Harrenhal künftig noch spielen werden. Im Moment fehlt mir allerdings noch der rote Faden dieses gesamten Handlungsstrangs.
- Die letzten Handlung vor seinem Tod war es, dass Kriston Alicents Taschentuch um seinen Schwertheft wickelte. Das war ein netter finaler Liebesbeweis.
Fazit
Dies ist keine Episode, die von spektakulären Drachenkämpfen lebt. Stattdessen setzt sie auf Figurenentwicklung und politische Verschiebungen, allerdings gelingt das nicht in jedem Handlungsstrang gleichermaßen. Während Kristons konsequenter Abschied und insbesondere Rhaenyras langsam fortschreitende Wandlung zu den großen Stärken der Episode gehören, treten viele Figuren zu lange auf der Stelle. So hinterlässt die Episode einen etwas zwiespältigen Eindruck, denn sie besitzt einige starke Charaktermomente, offenbart aber gleichzeitig, an welchen Stellen die Erzählung langsam Gefahr läuft, sich selbst auszubremsen.
Marie Müller - myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: Faceless MenErstausstrahlung (US): 26.07.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Erstausstrahlung (Pay-TV): 27.07.2026
Regie: Loni Peristere
Drehbuch: David Hancock & Shyam Popat
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