Bewertung

Review: #3.04 Tumbleton

Foto: Benjamin Evan Ainsworth, House of the Dragon - Copyright: Theo Whiteman/HBO
Benjamin Evan Ainsworth, House of the Dragon
© Theo Whiteman/HBO

Nachdem die letzte Episode etwas Kammerspiel-artiges an sich hatte, da sie nur auf Rhaenyra blickte und deren erste Tage als Herrscherin in Königsmund beleuchteten, dürfen nun wieder mehrere Figuren am Geschehen teilnehmen. Dadurch wird die Handlung etwas mehr ins Rollen gebracht und einige interessante Intrigen und Geheimnisse werden aufgedeckt.

Fangen wir bei Daeron Targaryen an, dessen Gesicht uns nun endlich offenbart wurde – wobei man rückblickend anmerken muss, dass wir ihn sogar schon in #3.01 Fire an Blood, Salt and Sea kurz zu sehen bekamen. Dass Ormund ihm braunes Haar verpasst hat – zumindest gehe ich davon aus, dass er eigentlich die silberblonden Haare der Targaryens hat – ist ein schöner Verweis auf den falschen Daeron aus #3.03, dessen Haar Ormund extra bleichen lies. Es hat mir gut gefallen, dass Daeron gleich ordentlich ins Rampenlicht gerückt wurde und dass wir viel über ihn in Erfahrung bringen konnten. Der Junge, dem Alicent ein Leben fernab des Hofes wünschte, wächst leider keineswegs so behütet auf, wie seine Mutter es gern sehen würde. Ormund mag ihm in manchen Dingen ein guter Lehrer sein, doch hier ist nichts von einem warmherzigen Vater-Sohn-Band zu spüren, dass man sich irgendwie für Daeron erhofft hat. Er wirkt von Ormund eingeschüchtert, kennt dessen dunkle Seiten und weiß, wann er gefügig zu sein hat. Es ist eine Art Spiegelwelt zu der, in der Daerons Brüder aufgewachsen sind. Auch sie wurden in dem Glauben erzogen, dass sie als Targaryens etwas Besonderes darstellen und dass sie sich von den gewöhnlichen Menschen aufgrund ihrer Abstammung absetzen. Ormund bestärkt Daeron in diesem Glauben ebenfalls, doch er bezieht sich damit auf Daerons Hohenturm-Wurzeln und die damit verbundene Göttlichkeit. Beides sind sehr abgehobene Weltanschauungen, wobei man die der Targaryens in Zusammenhang mit ihren Drachen wenigstens einigermaßen nachvollziehen kann. Doch auch wenn ihn Ormunds enorme Selbstüberschätzung nicht sonderlich sympathisch macht, ist sie ein guter Grundstein für eine spannende Geschichte. Man merkt hier sehr deutlich, dass es sich um einen Mann mit hohen Zielen handelt, der vor nichts zurückschreckt. Er ist ein ebenbürtiger Gegner für die Schwarzen und ich bin gespannt, wie sich sein Einfluss auf Daeron weiter auswirken wird.

Wo wir einmal bei den Grünen sind, verweilen wir vielleicht noch kurz bei Alicent und Helaena. Die beiden hatten dieses Mal nicht viel Anteil an der Episode, doch die kleine wortlose Entdeckung, die Alicent gemacht hat, kann enorm hohe Wellen schlagen. Ist Helaena tatsächlich schwanger? Buchkenner haben sich bereits gefragt, ob ihr drittes Kind aus der Geschichte geschrieben wurde, ebenso wie es bei Daeron den Anschein hatte, doch es scheint so, als würde "House of the Dragon" in dieser Staffel alle noch fehlenden Familienmitglieder ergänzen. Diese Entwicklung ist sehr vielversprechend, bedeutet sie doch für Rhaenyra eine weitere Bewährungsprobe im Angesicht eines Erben von Aegon.

In Sachen Aegon gibt es dieses Mal erneut viel harsche Realität. Da ist zuerst der Anblick des toten Sonnfeuer, der Aegon vor Augen hält, dass ein wichtiger Teil von ihm gestorben ist. Und dann kommt da noch der Aufenthalt in Krähenruh, wo Aegon so sehr erniedrigt wird, wie er es bisher nicht erlebt hat. Wo Larys sich angesichts der trostlosen Normalität nicht aus der Ruhe bringen lässt, eckt Aegon mehrmals sehr deutlich an, was zeigt, wie fernab eines gewöhnlichen Daseins er bisher gelebt hat. Ich zweifle indes nicht daran, dass Aegon seinen Peiniger zur Rechenschaft ziehen wird und bin gespannt darauf, ob und wann es eine Situation geben wird, die ihn neue Kraft schöpfen lässt. Von Tom Glynn-Carney wurde in dieser Episode auf jeden Fall viel gefordert und es macht Spaß, ihn in dieser neuen Situation zu erleben.

Rhaenyra ist weiterhin damit beschäftigt, als Königin von Westeros Fuß zu fassen und es scheint noch lange nicht so, als würde sie stabilen Boden betreten. Zwar liegt der Fokus dieses Mal nicht so stark auf ihr, doch in ihren Szenen wird wieder deutlich unterstrichen, dass sie unzählige Baustellen gleichzeitig zu bearbeiten hat. Dabei zeigt sich, wie viel Wert sie auf Mysarias Rat gibt, was die Frage aufkommen lässt, ob Daemon ihr das irgendwann übel nehmen wird. Die Autoren arbeiten somit weiter emsig daran, Zwietracht zwischen Daemon und Mysaria zu säen. Auch wenn ich die Motive nachvollziehen kann, finde ich die gegenseitigen Sticheleien schon jetzt etwas ermüdend.

Die Worte von Corlys haben in dieser Episode keine großen Auswirkungen, was mich verwundert. Es ist erstaunlich, dass Rhaenyra seine Beleidigung einfach hinnimmt und sogar erwartet, dass Corlys einfach wieder zur Tagesordnung zurückkehrt und seinen Sitz in Rhaenyras Rat einnimmt. Das ist ein Teil der Geschichte, den ich nicht recht nachvollziehen kann. Auch dass Alyn so einfach seinen Platz einnimmt, erschließt sich mir nicht recht. Was ich umso besser nachvollziehen kann, sind die Anliegen von Hugo und Ulf. Während Hugo pflichtbewusst nach Stolperstadt aufbricht, frage ich mich, ob er hier eigenmächtig reagieren wird, sollte er seine Frau erblicken. In Bezug auf Ulf wird indes immer deutlicher, dass er keine enge Verbindung zu Rhaenyra hat und dass er aufgrund ihrer gesellschaftlichen Unterschiede auch ihre Welt und ihre Beweggründe nicht recht nachvollziehen kann. Wo Hugo ein gewisses Grundverständnis für Rhaenyra mit sich bringt, scheint Ulf auf einem vollkommen anderen Planeten zu leben. Es scheint mir nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er genug davon hat, sich an Rhaenyras Regeln zu halten.

Bei Daemons Ausflug ins Grüne Tal wurde indes das Geheimnis um Rhaena gelüftet – zumindest zwischen den beiden. Es war ein sehr ehrliches und bedrückendes Gespräch, das wir hier mit angesehen haben und die Distanziertheit zwischen Vater und Tochter war in jeder Sekunde deutlich zu spüren. Es gab keine Wiedersehensfreude, keine herzliche Umarmung, kein Leugnen Daemons, als Rhaena sich als Targaryen zweiter Klasse beschrieb. Die Szene war schmerzhaft für sie und das wusste Phoebe Campbell auch gut auszudrücken. Die Lüge, der sich Daemon anschließend bedient, wirkt auf den ersten Blick praktisch und kann durchaus glaubhaft sein. Allerdings funktioniert sie nur, wenn Rhaena nun vollkommen untertaucht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr Geheimnis für immer gewahrt wird, schließlich gibt es noch einige Drachenreiter in Westeros, die ihr jederzeit begegnen könnten.

Kurze Eindrücke

  • Obwohl Kriston und Gwayne Harrenhal verlassen vorfinden, ist die Mutlosigkeit Kristons verschwunden. Es gefällt mir, dass er sich nicht einfach geschlagen geben will, sondern lieber auf dem Schlachtfeld stirbt.
  • Was ist mit Aemond passiert? Hat Alys ihn behandelt und hält ihn nun versteckt oder ist er wirklich aufgebrochen, nachdem er von der Eroberung Königsmunds erfuhr?
  • War der grobe Umgang der Goldröcke mit dem Volk vielleicht schon ein Zeichen dafür, dass Rhaenyra vielleicht erst hätte ihre Männer bezahlen sollen, bevor sie wieder etwas für die Bevölkerung tut?

Fazit

Diese Episode ist weniger intensiv als die ersten der Staffel und dient eher dazu, die Weichen für kommende Ereignisse zu stellen. Ein großer Pluspunkt ist indes auf jeden Fall die Enthüllung von Daeron. Ich bin gespannt darauf, welche Charaktere als nächstes aufeinandertreffen werden und wann die nächste Phase des Drachentanzes eingeleitet wird.

Marie Müller - myFanbase

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