Bewertung

Review: #1.06 Die Prinzessin und die Königin

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Olivia Cooke, House of the Dragon
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Aus der ersten Staffelhälfte sind wir Zeitsprünge mittlerweile gewohnt und dieses Mal legt "House of the Dragon" des bisher größten hin. Ganze zehn Jahre nach dem Ende von #1.05 We Light the Way steigen wir in die Geschichte ein und bei der ersten Szene musste ich tatsächlich erst einmal schlucken. Denn der Blick auf die in den Wehen liegende Rhaenyra ist mehr als ungewohnt, da wir nicht Milly Alcock zu sehen bekommen, sondern Emma D'Arcy. Wer vor Beginn der Serie die Castingsnews verfolgt hat, konnte bereits ahnen, dass es irgendwann einen Castwechsel geben wird und dass wir uns von Milly Alcock und Emily Carey verabschieden müssen, da die beiden D'Arcy und Olivia Cooke Platz machen würden. Vor dem Piloten hatte ich eher gedacht, dass die Serie mit Flashbacks arbeiten wird und dass wir die jüngeren und älteren Versionen von Rhaenyra und Alicent im Wechsel sehen würden, doch im Verlauf der ersten Staffelhälfte wurde klar, dass dies nicht der Fall ist. Dennoch war ich von dem harten Einschnitt an dieser Stelle sehr überrascht, da ich nach der Hochzeit von Rhaenyra und Laenor nicht mit einem so riesigen Zeitsprung gerechnet hätte. Man muss das Gesehene daher erst einmal sacken lassen und sich damit abfinden, dass Alcock und Carey nicht länger zu sehen sein werden, was nach ihrer grandiosen Performance in der vorangegangenen Episode äußerst schade ist. Doch auch wenn der Übergang etwas schwerfällt, muss ich sagen, dass sich D'Arcy und Cooke bei ihrem "House oft he Dragon"-Debut durchaus gut geschlagen haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei Cooke, die den versteinerten Geschichtsausdruck Alicents von der Verlobungsfeier wunderbar in diese Zeitebene transportiert hat und bei der man gleich den Eindruck hat, dass man es mit der gleichen Figur zu tun hat. Auch spürt man durch Alicents Umgang mit Viserys die alte Vertrautheit zwischen dem Ehepaar, da Alicent sich trotz des großen Altersunterschiedes weiterhin sorgsam um ihren Ehemann kümmert. Die Figur ist jedoch nicht auf der Stelle getreten und ihre neue Entschlossenheit gefällt mir sehr. Denn nachdem Alicent auf der Verlobungsfeier zu den Fahnen gerufen hat, hat sich das Verhältnis zu Rhaenyra wieder stark abgekühlt, was in jeder Szene deutlich zu spüren ist und was Alicent mit jeder Pore ihres Seins ausstrahlt.

Es ist gleichermaßen spannend und erschreckend, dass Rhaenyra den schwelenden Emotionen ihrer Stiefmutter noch weiter Feuer gibt, indem sie ein Kind – oder wie spätere Erkenntnisse zeigen: das dritte Kind – zur Welt bringt, das recht eindeutig nicht von Laenor abstammt. Die ohnehin angespannte Situation in der Königsfamilie wird dadurch immer heikler und es bietet beim Ansehen unglaublich viel Nervenkitzel, mitzuerleben, wie die Prinzessin und die Königin sich auf Kollisionskurs begeben.

Nach dem Zeitsprung gibt es in dieser Episode viel zu entdecken. Da hätten wir Alicents gewachsene Freundschaft (?) mit Larys, Rhaenyras Affäre mit Harwin und die auf den Kopf gestellten Gefühle Kristons. Larys erscheint mir immer mehr wie eine frühe Version von Varys aus "Game of Thrones" und es ist wahrlich erschreckend, zu welchen Mitteln er greift. Indes finde ich es schade, dass wir durch den Zeitsprung keine weiteren Einblicke in die Affäre von Rhaenyra und Harwin erhalten haben. War es die Rettung auf der Verlobungsfeier, die den Startschuss dafür gegeben hat? Leider vermag man es nicht zu sagen, weshalb ich – wie schon in früheren Episoden – ein wenig enttäuscht über den Zeitsprung bin. Sehr schade ist das auch deshalb, weil der Affäre durch Harwins Tod ein jähes Ende bereitet wird. Wir konnte uns emotional gar nicht richtig auf diese Beziehung einlassen und trauern daher wenig um den Knochenbrecher, auch wenn er wesentlich sympathischer war als Laenor Geliebter Gottfrid Lonmund – es ist sicherlich kein Zufall, dass der dritte Sohn von Rhaenyra ebenfalls Gottfrid heißt. Der Zeitsprung führt außerdem dazu, dass wir den Sinneswandel von Kriston nicht miterleben durften. Ich kann gut nachvollziehen, dass er nach der Abfuhr Rhaenyras in der vorangegangenen Episode sehr verletzt ist, doch ich hätte gern erlebt, wie sich die einstige Liebe in die jetzige Verachtung verwandelt. Mit sehr harschen Worten zieht er über die Prinzessin her und wo er früher vor Rhaenyras Tür wachte, so steht er nun vor Alicents. Ich bezweifle, dass zwischen den beiden auch etwas läuft und gehe davon aus, das Kriston nach dem Fehltritt mit Rhaenyra nie wieder seinen weißen Umhang besudeln wird.

Der immer deutlicher werdende Zwist zwischen den Thronanwärtern wird in dieser Episode auf eine neue Ebene gestellt, da nun auch die nächste Generation darin verwickelt wird. Während man sich durch Viserys' Verkündung im Serienauftakt sofort damit anfreunden konnte, dass eine Frau ihm – ungewöhnlicherweise – auf den Thron folgen wird, so hadere ich nun doch damit, dass Rhaenyra nur außereheliche Kinder geboren hat, die ihr dann auf den Thron folgen sollen. Man kann Alicents Worte an ihren ältesten Sohn Aegon dadurch sehr gut verstehen und wird in einen inneren Konflikt gezwängt. Denn wo man sich mit Rhaenyra anfreunden kann, hinterfragt man den Thronanspruch ihrer Söhne und wo man Alicent versteht, ist einem ihr Sohn Aegon nicht gerade sympathisch. Es fällt daher schwer, sich mit voller Überzeugung auf eine Seite zu stellen, was die kommenden Entwicklungen umso interessanter macht.

Wir haben es mit einer langen Episode zu tun, bei der man das Gefühl hat, kurz vor einem entscheidenden Wendepunkt zu stehen, da es Viserys deutlich schlecht geht. Er wirkt unheimlich gebrechlich und es wird sicherlich ein schwerer Schlag für ihn sein, wenn er von Lyonels Tod erfährt. Die Szene in Harrenhal mit dem Tod er beiden Krafts kam sehr unerwartet und es zeugt von einer großen Hinterhältigkeit, dass Larys Vater und Bruder so einfach in den Flammen verbrennen lässt. Ob bei seiner Tat auch Selbstbereicherung mitspielte? Denn schließlich dürfte er Harrenhal nun selbst erben. Und was bedeutet der Tod der Hand für die Hohenturms? Wird Alicent nun darauf bestehen, dass Otto wieder als Hand eingesetzt wird? Es sieht alles danach aus, als würden die Hohenturms in Königsmund kurz davor stehen, den König auf ihre Seite zu ziehen, weshalb es ihnen sicher ganz gelegen kommt, dass Rhaenyra sich mit ihrer Familie nach Drachenstein zurückgezogen hat. Ich hätte nicht gedacht, dass Rhaenyra sich derart aus der Schusslinie zieht.

Parallel zu der nervenaufreibenden Geschichte in Königsmund erhalten wir auch Einblick in das Leben von Daemon, der sich momentan in Pentos befindet. Auch an dieser Stelle verfluche ich den großen Zeitsprung, da ich nur zu gern miterlebt hätte, wie es zur Eheschließung zwischen ihm und Laena kam. War Viserys damit einverstanden? Corlys hatte nach dem gemeinsamen Sieg auf den Trittsteinen sicher keine Einwände, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Viserys ebenso reagiert hat. Die gemeinsamen Szenen des Ehepaars haben mir gut gefallen und zeigten eine Harmonie, die man so von Daemon noch nicht kannte. Zwar ist der noch immer keine geerdete Figur, doch das erwarte ich von ihm auch überhaupt nicht. Man merkt ihm eine tiefsitzende Unzufriedenheit hat, doch auch wenn er manchmal über die Stränge schlägt, sympathisiere ich weiterhin mit Daemon. Gern hätte ich noch mehr von ihm und Laena gesehen, doch ähnlich wie bei Rhaenyra und Harwin ist uns das nicht vergönnt. Auch Laena stirbt in dieser Episode den Feuertod, der ebenso erschreckend mit anzusehen war, wie die Bilder der Flammen aus Harrenhal.

Fazit

Der große Zeitsprung ist schon ein harter Brocken, den man schlucken muss, doch die fesselnde Geschichte macht sehr viel des kurzen Bedauerns über verpasste Momente wieder gut. Man gewöhnt sich schnell an die neuen Gesichter von Rhaenyra und Alicent und spürt, dass die Geschichte kurz vor einem großen Knall steht.

Marie Müller - myFanbase

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