Bewertung

Review: #1.05 Wir erleuchten den Weg

Foto: Steve Toussaint & Eve Best, House of the Dragon - Copyright: Home Box Office, Inc. All rights reserved. HBO® and all related programs are the property of Home Box Office, Inc
Steve Toussaint & Eve Best, House of the Dragon
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"House of the Dragon" nimmt immer mehr Fahrt auf und wo man anfänglich Vermutungen angestellt hat, wohin einen die schwanenden Konflikte führen würde, da wird das Brodeln nun immer intensiver.

Das Alte, das Treue, das Tapfere

Gesagt, getan. Die Worte von Viserys und Rhaenyra Targaryen aus der letzten Episode sind keine heiße Luft und so machen die beiden sich auf den Weg nach Driftmark, um den Velaryons das Hochzeitsangebot zu unterbreiten. Bei ihrer Ankunft hat man sofort ein mulmiges Gefühl, als Viserys sich vor verschlossenen Türen wiederfindet. Dass diese Situation eines Königs unwürdig ist, wird schnell klar, doch Corlys Velaryon schert sich nicht darum, es Viserys Recht zu machen, stattdessen trägt er seine noch immer tiefsitzende Enttäuschung darüber, dass Viserys nicht Laena Velaryon zu Königin erwählt hat, offen zur Schau. Es imponiert mir, dass Corlys so treu zu sich selbst steht und mit seinem Verhalten wird er dem Leitspruch seines Hauses gerecht.

Viserys wird hier als Bittsteller in Szene gesetzt und ein ums andere Mal zeigt man uns Zuschauern, dass die Würde des Königs stark in Mitleidenschaft gerät. Das hat man bereits in früheren Episoden unterstrichen und der starke Fokus auf seine Gebrechen legt die Vermutung nahe, dass er nicht mehr lange auf dem eisernen Thron sitzen wird. Während Corlys die Aussicht zu genießen scheint, dass sein Sohn auf… äh neben…. dem eisernen Thron sitzen wird, zeigt Rhaenys Targaryen Weitsicht und erkennt, dass Alicents Sohn Aegon eine Bedrohung für alle Kinder darstellen wird, die Rhaenyra und Laenor Velaryon jemals in die Welt setzen. Mehrmals wird dieser Punkt in dieser Episode unterstrichen und uns Zuschauern wird eindringlich klargemacht, was der Knackpunkt dieser Serie ist. Diese Befürchtung lag bisher in weiter Ferne, doch mit doch Hochzeit von Laenor und Rhaenyra rückt sie in immer greifbare Nähe. Das macht einen immer größer werdenden Nervenkitzel aus, der dadurch unterstrichen wird, dass die unterschiedlichen Charakterzüge der Protagonisten in Szene gesetzt werden. Man mag momentan nur zu vermuten, wer sich bei der Thronbesteigung als friedliebend und wer als kriegerisch erweisen wird, Fakt ist jedoch, dass es immer mehr Konfliktpotential gibt, das der Serie Feuer verleiht.

Dazu zählt auch die Abmachung, die Laenor und Rhaenyra treffen. Sie machen sich nicht eine Sekunde lang die Illusion, dass sie eine Liebesheirat eingehen werden, was schon ein bisschen schade ist. "House of the Dragon" lebt bisher von unterdrückter Leidenschaft und Pflichterfüllung, weshalb ich gespannt darauf bin, wann sich hier endlich einmal ein liebendes Paar finden wird. Laenor und Gottfrid machen da den Anfang, denn sie scheinen sehr glücklich miteinander zu sein und es scheint ihnen nichts auszumachen, sich mit der Situation langfristig zu arrangieren. Leider erntet Gottfrid bei mir keinerlei Sympathiepunkte. Er ist sehr direkt und scheint sich damit zu brüsten, Laenors Liebhaber zu sein. Es ist eher Sex als Liebe, was hier in den Vordergrund gerückt wird, weshalb mich das Ende dieser Geschichte wenig geschmerzt hat.

Feuer und Blut

Was geht in Rhaenyras Kopf vor sich? Ich kann es nicht sagen, doch ich muss viel darüber grübeln, da sie einfach eine spannende Figur ist. Von Beginn an hat man Rhaenyra als sehr offene Person dargestellt, die frei ihre Meinung sagt. So verhält es sich auch bei ihrer Affäre mit Kriston Kraut, die sie gern weiterführen möchte. Ich kann Rhaenyra verstehen, denn sie braucht Leidenschaft in ihrem Leben, das als Thronfolgerin durch viele Zwänge, Pflichten und Richtlinien bestimmt wird. Gleichzeitig tut mir Kriston im Gespräch der beiden unheimlich leid. Er sehnt sich ganz eindeutig nach mehr und hat sich erhofft, dass es Rhaenyra ähnlich geht. Daher kann ich seinen Schmerz über ihre Abweisung durchaus nachvollziehen. Rhaenyras forsche Abfuhr lässt mich sofort wieder an Daemon Targaryen denken und ich frage mich, ob Rhaenyra ihren Onkel wirklich als Mann für sich wählen würde. Sie scheint sich durchaus zu ihm hingezogen zu fühlen. Die Szenen mit Daemon und Rhaenyra waren – wie immer – sehr packend. Jedes Mal wieder schaffen es Milly Alcock und Matt Smith das Knistern in der Luft zu erzeugen und jedes Mal wieder fragt man sich, ob die beiden gleich über einander herfallen werden. Ich liebe die Chemie zwischen den Schauspielern, gleichzeitig hinterfrage ich in jeder Sekunde die Intentionen ihrer Figuren. Beide sind Kopfmenschen und denken nicht mit dem Herzen, weshalb sie ihre Gefühle nicht recht zuzulassen scheinen. Wie immer gibt Daemon sich sehr bedeckt und man fragt sich, was sein Ziel im Leben ist. Er scheint eine innerlich zwiegespaltene Figur zu sein, die sich zu Großem auserkoren fühlt. Doch ein inneres Bedürfnis scheint ihm oft einen Strich durch die Rechnung zu machen. So sieht er sich immer dazu bestimmt, Empörung hervorzurufen. Man sollte sich bei ihm langsam einen Ruck geben und eine neue Facette von ihm zeigen, damit Daemon nicht zu eindimensional wirkt.

Ich habe zu Beginn dieser Episode mit vielem gerechnet, aber ganz gewiss nicht mit der Entwicklung, die Kriston hingelegt hat. Er wurde vom Liebenden zum Reumütigen und schließlich zum Mörder. Die Verlobungsfeier brachte viel Energie mit sich und spätestens ab Daemons Auftauchen konnte man sich sicher sein, dass etwas Bahnbrechendes geschehen würde. Dass Kriston jedoch dermaßen die Fassung verliert und Gottfrid so blutrünstig tötet, das habe ich nicht kommen sehen. Es war eine wahnsinnig packende Szene, die dieser emotionsgeladenen Episode die Krone aufgesetzt hat.

Wir erleuchten den Weg

Alicent entwickelt sich immer mehr zu der interessantesten Figur der Serie. Sie hat so viele Aufgaben, denen sie versucht gerecht zu werden, dass der Druck auf sie immer größer wird. In den ersten Episoden der Serie haben wir sie als liebe Freundin und gehorsame Tochter kennengelernt. Dazu kamen freundliche Königin, fürsorgliche Ehefrau und geduldige Mutter. Langsam ist das Fass voll und das merkt man Alicent immer mehr an. Sie kann nicht mehr allen Ansprüchen gerecht werden und will es auch nicht länger, da sie sich von ihrem Gegenüber verraten fühlt. Das gilt für Viserys, der Rhaenyra den Trank geschickt hat und für ihre Stieftochter, die über ihre Jungfräulichkeit gelogen hat. Die Lüge von Rhaenyra trifft Alicent dabei besonders hart, da sie Rhaenyra eher als Freundin betrachtet und nicht wie ihre Stieftochter. Es gefällt mir, dass Alicents Figur nun in Bewegung kommt und dass sie Partei ergreift. Und das für sich selbst und ihre Nachkommen. Bisher hat sie alle Ratschläge abgetan und auf ein gutes Ende vertraut, doch nach Rhaenyras Lüge kann sie nicht länger stillstehen und einfach nur den Bedürfnissen der anderen gerecht werden. Bei dem Geständnis von Kriston wollte man ihm am liebsten den Mund zu halten, um zu verhindern, dass er ein Geheimnis ausplaudert, dem Alicent gar nicht auf der Spur war. Auf der Hochzeit setzt Alicent mit ihrer Kleiderwahl ein deutliches Statement, das auch von allen registriert wird. Der Gesichtsausdruck von Emily Carey passt sehr gut zu Alicents Entschluss und lässt auf spannende Entwicklungen hoffen.

Kurze Eindrücke

  • Daemon hat mit Rhea kurzen Prozess gemacht. Diese Szene als Auftakt hat uns bereits darauf eingestimmt, was wir zu erwarten haben.
  • Hat Daemon nur deshalb mit Laena geflirtet, um Rhaenyra eifersüchtig zu machen?
  • Lyonel Kraft als neue Hand ist eine weise Wahl. Er hat sich in der Vergangenheit als sehr ergeben und uneigennützig gezeigt.
  • Larys Kraft erinnert mich an Varys. Ist die Namenswahl Zufall?
  • Von "Game of Thrones" sind wir eindrucksheischende Hochzeitsepisoden gewohnt und diese steht denen der Mutterserie um nichts nach.


Fazit

Es ist eine Episode, die ein enormes Tempo an den Tag legt. Das sind wir mit den großen Zeitsprüngen zwischen den einzelnen Episoden durchaus gewohnt, doch dieses Mal fühlt es sich anders an. Die Entwicklungen sind eindringlicher, da wir nicht indirekt daran teilhaben und uns hinterher zusammenreimen, was in der Zwischenzeit passiert ist. Stattdessen erleben wir hautnah, wie Daemon das Leben seiner Frau beendet, wie Rhaenyra und Laenor sich begegnen, wie die beiden mit ihren Liebhabern sprechen, wie die Verlobungsfeierlichkeiten ihren Gang nehmen, wie Gottfrid brutal getötet wird und wie Alicent Partei für sich selbst ergreift. So packend darf es gern weitergehen.

Marie Müller - myFanbase

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