Bewertung: 5

Review: #16.03 Reunited

Foto: Grey's Anatomy
Grey's Anatomy

Ich kämpfe zurzeit mit mir. "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" ist und bleibt eine meiner Lieblingsserien, das habe ich oft genug betont, aber es fällt mir momentan etwas schwer, Positives an vielen der Handlungsstränge zu erkennen. Viele der Figuren agieren zurzeit unglaublich unsympathisch und obwohl es tatsächlich nicht so schlimm wie in den vorherigen Episoden ist, gibt es dennoch genug Baustellen. Um das ganze etwas übersichtlicher zu gestalten, habe ich mich für eine klassische Aufteilung in Pro/Contra entschieden: Was spricht zurzeit für "Greys" und was dagegen?

Pro

Ich finde zurzeit Meredith und Andrew sowohl beide jeweils, aber auch zusammen unglaublich sympathisch. Andrew fand ich gerade als Autorität gegenüber Levi sehr beeindruckend und halte es für sehr spannend, dass man ihn als so erfahren und einflussreich porträtiert. Das unterstreicht seine Entwicklung durch die Beziehung mit Meredith. Diese wiederum ist wohl noch nie so positiv und optimistisch wie in dieser Staffel gewesen: Sie hat sehr viel riskiert, ihr ganzes Berufsleben steht vor dem Abgrund, sie wird für ihr Engagement für Schwächere bestraft – und bleibt gelassen, nein, sie fühlt sich sogar dazu angestachelt, weiter zu kämpfen, sich noch mehr einzusetzen, noch mehr zu riskieren. Zwar ist sie durchaus gefrustet, bleibt dennoch weiterhin ein wahrer Sonnenschein. Auch das scheint eine logische Konsequenz aus der Beziehung mit Andrew zu sein. Die "dark and twisty"-Zeiten sind wohl vorbei, was ebenso wunderbar durch ihre glückliche Reaktion über Amelias Schwangerschaft unterstrichen wird.

Apropos Amelia: Auch diese lässt mich in dieser Folge immer wieder strahlen und lachen. Die immer ernster werdende Beziehung mit Link kann abermals vollends überzeugen (wie süß war das bitte schön mit den Zwergen!) und es ist einfach schön zu sehen, dass Amelia endlich einen Partner in Link hat, der ihre Bedürfnisse immer an vorderste Stelle setzt, ihr die Entscheidungsgewalt in fast vielen Belangen überlässt und ihr immer zuhört. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Amelia in dieser Folge weiterhin aufblühen darf und sich immer mutiger und sicherer präsentieren darf. Ich hoffe inständig, dass Krista Vernoff und Co. sich nichts Gemeines einfallen lassen; zu sehr gönnt man doch Amelia dieses Glück.

Obwohl beides in dieser Folge eher untergeht, so freue ich mich, wie stabil Levis und Nicos Beziehung zu sein scheint und welche Fortschritte weiterhin Jo machen darf. Gerade Jos souveränes Auftreten im OP betont vollends, dass diese sich immer mehr von ihrem Trauma entfernt, was mich total freut.

Contra

Das wars aber auch schon wieder mit den positiven Aspekten. Eine der Dinge, die mich insbesondere traurig stimmen, ist die Art, wie die Autor*innen sich entscheiden haben, das Drama um Tom, Owen und Teddy fortzuführen. Insbesondere die Tatsache, dass man zwanghaft aus dem zynisch-arroganten, aber eigentlich sehr komplexen und sympathischen Tom eine missgünstige, kleinlich agierende Person macht, nur, um irgendwie Sympathie für Owen zu generieren, stößt mir bitter auf. Schließlich ist es Owen gewesen, der sich in den letzten Staffeln die Fehltritte gegenüber Amelia und Teddy geleistet hat. Und nun darf er den leidenden, aufopferungsvollen Vater spielen, während Tom nicht nur als Figur, sondern auch in seiner Charakterisierung an sich abgestraft wird? Die ganze Geschichte mit der einstweiligen Verfügung ist einfach nur lächerlich. Warum Teddy sich auch nicht bei Tom für Owen einsetzt, obwohl dieser sie doch liebt und alles für sie tun würde, kann ich auch nicht nachvollziehen. Nein, diese Storyline macht keinen Sinn und soll uns darüber hinaus noch als lustig verkauft werden.

Ähnliches lässt sich über die Storyline von Jackson, Vic und Maggie sagen. Zum einen gehen mir die Entwicklungen zwischen Jackson und Vic viel zu schnell. Als Nicht-"Seattle Firefighters - Die jungen Helden"-Zuschauer kenne ich Vic nicht und habe lediglich dunkel die Entwicklungen mit ihr und Ripley mitbekommen und hatte damals den vagen Eindruck gehabt, es handle sich um eine Art Izzie-Denny-Geschichte. So kann ich ihren Charakter kaum einschätzen und somit auch nicht wirklich verstehen, ob die Trauer noch eine Rolle für sie spielt oder nicht. Dazu wirkt die Anziehung mit Jackson trotz einiger Gemeinsamkeiten auf mich in erster Linie körperlich und weniger emotional. Insgesamt fällt es mir also ziemlich schwer, die Beziehung von Vic und Jackson einzuschätzen. Und schlussendlich ist es natürlich Maggie, die es mir schwermacht, überhaupt irgendetwas Positives an dieser Geschichte zu finden.

Im Gegensatz zu Jackson mag ich Maggie, sehr sogar, doch mir fällt einfach immer mehr auf, dass die Autor*innen überhaupt keine Ahnung haben, was sie mit dieser Figur anfangen sollen. Nach den potenzialreichen Entwicklungen in Staffel 11 und Staffel 12 ließ man sie in den vergangenen Staffeln nur in Love Triangles und Unsicherheiten versinken, anstatt ihr die Chance zur Weiterentwicklung zu geben. Im Prinzip steht Maggie entwicklungstechnisch immer noch am selben Punkt, als sie im Staffelfinale von Staffel 11 erfuhr, dass ihre Eltern sich scheiden lassen würden, nein, sie scheint sich durch ihre momentane Verbitterung und ihren Hass auf Jackson sogar zurück zu entwickeln.

In den vorherigen Folgen hat Webber mich durch sein kindisches und eingeschnapptes Verhalten enttäuscht. Ich hatte dabei immer den Vergleich zur Alzheimer-Geschichte im Kopf, wo er sehr viel souveräner agierte und fand so sein Benehmen ziemlich out-of-character. In dieser Woche scheint er jedoch die Kurve zu kriegen, nur um offensichtlich Richtung Gemma abzubiegen. Wir erinnern uns: Ollie war auch Gemmas Sponsorin und ohne sie verfiel Gemma wieder dem Alkohol. Nun begegnen sich Gemma, neue Mitarbeiterin am Northwest, und Richard sich wieder und es wirkt, als würden sie flirten. Ich hoffe inständig, dass das Ganze nicht zu einer Affäre ausufert und Webber seine Ehe aufs Spiel setzt – zwar kann ich Catherine nicht besonders leiden, aber eine Affäre würde einen Charakterrückschritt für Webber bedeuten.

Über Baileys Charakterentwicklung zu schreiben ist mittlerweile so, als würde man in einem Mülleimer nach etwas suchen, was man da aus Versehen reingeworfen hat: Man findet zwar das Gesuchte, aber es ist natürlich nicht mehr in dem Zustand, wie es davor war. Bailey hat sich weit von ihren Anfängen weg entwickelt und manchmal, wie im letzten Staffelfinale, wirkt es, als hätte sie die Kurve gekratzt und sei wieder ihr altes Selbst. Doch in den letzten Folgen hat sie ein solch kleinliches und rachsüchtiges Verhalten an den Tag gelegt, das es das von Tom oder Webber um Meilen übertrifft. In dieser Folge kann ich sie aber in einem Punkt verstehen: Die Heiligenverehrung von Meredith, so sehr ich diese mag, ist unglaublich anstrengend und Qadri hat sich ihre Kündigung wahrlich verdient. Doch wer weiß – vielleicht bekommt das Northwest nun so endlich seine erste anständige Assistenzärztin? Es wäre schade, eine weitere Anfängerin zu verlieren, nachdem auch Roy so sang-und klanglos verschwand und Qadri meist eigentlich sympathisch auftritt.

Weder Pro noch Contra

Der Fokus der Folge lag allerdings ganz deutlich mehr auf den Patient*innnen – vielleicht eine bewusste Entscheidung der Autor*innen, um von den Geschichten ihrer Figuren abzulenken? Der Fall um Bird/Bert und Soyoung war zwar unglaublich herzlich und hat mich auch sehr gerührt, erinnerte jedoch stark an #6.22 Der Traum vom Glück und die damaligen star-crossed lovers. Mit Lisa Ann Walters hat man eine Schauspielerin aus einem meiner Lieblingskinderfilme, "Ein Zwilling kommt selten allein" engagiert, die allerdings viel zu wenig in dieser Episode auftaucht. Und darüber hinaus gab es natürlich die große "Charmed - Zauberhafte Hexen"-Reunion in dieser Folge: Holly Marie Combs und Alyssa Milano als zwei Schwestern, die ihren langjährigen Seriencharakteren Piper und Phoebe nicht ähnlicher sein konnten (ich meine, sie haben die gleichen Initialen!) und deren große Schwester vermeintlich im Sterben liegt. Das fühlte sich insgesamt ein bisschen so an, als hätte man Staffel 4 von "Charmed" in eine einzige Folge pressen wollen. Aber wie gesagt, nur vermeintlich liegt ihre große Schwester Heather im Sterben. Eigentlich handelt es sich in der Patientin, über deren Ableben die beiden Frauen entscheiden dürfen, um eine Diebin, die lediglich den Rucksack ihrer Schwester gestohlen hat; Heather lebt noch. Obwohl der Moment dieser Erkenntnis doch sehr lustig war ("Plug her back in!", "Do not go toward the light!"), wirkt es doch einerseits sehr konstruiert und andererseits ist es ein weiteres Armutszeugnis für das Pacific Northwest General Hospital, das Alex und Webber noch lange nicht aus Versenkung geholt haben.

Fazit

Was überwiegt schlussendlich - Pro oder Contra? Ich habe mich durchaus von dieser Folge unterhalten gefühlt: Charaktere wie Meredith oder Amelia wissen zu überzeugen und die Patientenfälle haben durchaus Schwung in die Episode gebracht. Insgesamt fühle ich mich aber nicht 100%ig abgeholt und bin mehr als skeptisch, in welche Richtung das Ganze geht. Nein, "Grey's Anatomy", du machst es mir zurzeit wahrlich nicht einfach.

Lux H. - myFanbase

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