Bewertung: 9

Review: #7.15 Burden Of Truth

Während die Rückkehr von Sean Roman im Auftakt des Crossovers bei "Chicago Fire" noch relativ bedacht über die Bühne ging, weil er die alten Kollegen absichtlich gemieden hat, geht es nun ans Eingemachte und hier durfte vor allem das Wiedersehen von Sean und Kim Burgess der spannendste Punkt sein, da sie schließlich das Angebot hatte, mit ihm nach San Diego zu gehen, sich aber dagegen entschieden hat und so die berufliche und private Trennung herbeigeführt hat. Wie fällt nun also das Wiedersehen nach vier Jahren aus, wo wir wissen, was sich alleine bei Kim in diesem Zeitraum schon getan hat?

In der letzten Episode, die sich Vanessa Rojas und ihrer Vergangenheit gewidmet hat, konnten wir etwas durchschnaufen, um die Ereignisse aus #7.13 I Was Here zu verarbeiten. Nun ist die Schonzeit aber vorbei und wir müssen uns den Konsequenzen stellen, die Kims Fehlgeburt mit sich bringen. Dass die Verarbeitung des Verlusts etwas herausgezögert wurde, erweist sich spätestens mit diesem Abschluss des Crossovers als gut durchdachter Schachzug, denn so treffen mit Kim und Sean nicht nur Ex-Partner aufeinander, sondern auch zwei Menschen, die ganz ähnliche Dinge in ihrem Leben durchmachen und somit genau zum richtigen Zeitpunkt im Leben des jeweils anderen auftauchen.

In Bezug auf Sarahs Verschwinden zeigt sich schnell, dass "Chicago Fire" uns noch nicht mal die Hälfte von dem angeboten hat, was letztlich Sache ist. Denn Sarah selbst war wohl als Drogendealerin tätig und ist nach einem Streit mit ihrer Mutter abgehauen. Diese gänzlich andere Ausgangslage führt zu einer Wendung, die für "Chicago P.D." so üblich ist, denn Verwandte leben hier nicht lange. Sarahs Leiche wird aufgrund einer heißen Spur gefunden und von einem Fall, wo es um Rettung von Menschen gehen sollte, wechseln wir zu einem persönlichen Racheakt. Aber was waren das für heftige Szenen, als Sarahs Leiche von der Rüsttruppe von 51 aus dem Eis geschnitten werden muss und per Voice-Over die Pathologin ihren Todeskampf darlegt. Da liefen mir doch einige Schauer über den Rücken, aber die Stilistik hiervon muss man lobend hervorheben.

Kim ist derweil stets an Seans Seite, denn es gibt von beiden Seiten aus kein böses Blut. Stattdessen wird gleich von Anfang an betont, wie gut die beiden sich kennen. Sie weiß, wann er lügt, er weiß, wann sie ihm etwas verheimlicht. Daher liegen die Fakten zwischen den beiden schnell auf dem Tisch und vor allem für Kim wird es ein wichtiger Schritt gewesen sein auszusprechen, dass sie ihr Kind verloren hat, selbst wenn sie dabei lügt, dass sie es auch als Erleichterung empfunden hat. Spätestens als die beiden wieder zusammen als Partner agieren dürfen, wird einem vor Augen geführt, wie weit die beiden gekommen sind, seit sie als Streifenpolizisten auseinander gegangen sind. Klar, Sean ist kein Polizist mehr, aber dennoch hat auch er eine Entwicklung durchgemacht. Und machen wir uns nicht vor, wäre er seinen Karriereweg weitergegangen, hätte er die Beförderung auch schon längst erhalten. Gleichzeitig bleibt aber auch die Frage zurück, ob diese Entwicklungen nicht auch bitter erkauft worden sind, zumindest Kim hat schon sehr viel genommen bekommen.

Zuletzt hat sie eben das Baby verloren und die Verdrängung ihrer Gefühle hierüber konnte nicht lange gut gehen. Der Moment zwischen ihr und Adam Ruzek war unheimlich wichtig für die Episode, denn viele Fans werden hierauf hingefiebert haben und die Szene hat gezeigt, was erreicht werden kann, wenn man bereit ist, tief zu graben. Von dem Moment an, als Kim die Ultraschallbilder in Adams Spind entdeckt, bis hin zu ihrem Flehen, dass er so wütend auf sie sein muss, wie sie es auf sich selbst ist, hatte ich Tränen in den Augen. Man konnte die Gefühle beider zu jeder Sekunde nachvollziehen und es war wichtig, dass sie nun offen auf dem Tisch liegen. Es war zwar nur ein kleiner Schritt, aber dieser und auch später das Erinnern von Trudy Platt daran, dass sie ein Team und somit immer füreinander da sind, führen dazu, dass Kim sich öffnet. Schritt für Schritt.

Dass Sean letztlich den Mann umgebracht hat, seine jüngere Schwester auf die schiefe Bahn gebracht hat, lag auf der Hand, da die Episode noch 20 Minuten hatte und was hätte man sonst noch geschickt mit seiner Figur anfangen können? Aber auch trotz dieser Vorhersehbarkeit konnte ich mit dieser Entwicklung sehr gut leben. Ich fand es auch wichtig, dass wir noch einmal tief in Seans Leben eintauchen durften. Sei es, als er seinen Eltern die Todesnachricht überbringen muss und dafür eine Attacke durch seinen Vater erleiden muss oder bei der Trauerfeier. Im Abschnitt davor habe ich schon erwähnt, dass "Chicago P.D." die letzten entscheidenden Meter oft nicht geht, aber hier geht es darüber hinaus und das hat sich für diese emotionale Episode mehr als gelohnt.

Kim findet natürlich als Erste heraus, dass Sean der Mörder ist, denn die Episode hat ja unterstrichen, dass sie ihn bestens kennt. Dass sie ihn nicht gleich den Hunden zum Fraß vorwirft, ist verständlich, denn er ist ihr nicht nur ein Vertrauter, sondern er ist auch ihr Seelenverwandter. Beide werden von Schuldgefühlen zerfressen und müssen sich der Frage stellen, wie sie damit umgehen. Sean hat den Mord ganz bewusst begangen und ist auch bereit, die Strafe hierfür zu tragen. Auch Kim hat ganz bewusst entschieden, dass sie die Jugendliche retten würde, auch in dem Wissen, dass sie damit das Leben ihres ungeborenen Kindes gefährdet. Sie kann sich noch so große Vorwürfe machen, wäre sie in einer Endlosschleife gefangen, würde sie immer wieder so handeln und Sean sicherlich auch. Dass beide mit ihren Fehlern umgehen und sie in etwas Stärkeres verwandeln wollen, spricht für ihr starkes moralisches Bewusstsein. Hank Voight hat ein solches bekanntlich nicht, weswegen es nicht verwundert, dass er die Ermittlungen im Sande verlaufen lässt. Er hätte den Mörder seines Sohnes Justins auch jedes Mal umgebracht, aber er wäre kein Mal davon ins Gefängnis gewandert. Somit handelt jeder so, wie er ist. Vor allem ist die Nichtbestrafung aber natürlich auch das Hintertürchen zu weiteren möglichen Gastauftritten von Brian Geraghty.

Fazit

"Chicago P.D." führt das Crossover mit "Chicago Fire" nahezu perfekt zu Ende. Sean und Kims Entwicklungen werden geschickt parallel gesetzt und wo sie einst im Gleichschritt unterwegs waren, sind sie sich auch dieses Mal nah. In beiden Geschichten wird extrem viel Emotionalität erzeugt und das in einer Weise, die für die Copserie nicht üblich ist. Hier wurde eindrucksvoll unterstrichen, wie es laufen kann, wenn man sich die Geschehnisse nicht so lange zurechtbiegt, bis sie passen, sondern sie einfach mal laufen lässt.

Lena Donth – myFanbase

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