Bewertung: 6

Review: #7.16 Häusliche Gewalt

Foto: Chicago P.D. - Copyright: 2019 Universal Television LLC. All Rights Reserved.
Chicago P.D.
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Nachdem sich "Chicago Fire" und "Chicago P.D." in der vergangenen Woche durch das Crossover zu qualitativen Höhen aufgeschwungen haben, ist nun wieder das Alltagsgeschäft angesagt, das sich Hailey Upton und Jay Halstead widmet, die wieder intensiv zusammenarbeiten dürfen, da er nach seiner Schussverletzung wieder für den Außendienst als geeignet beurteilt worden ist.

Bekanntlich war Hailey nach der lebensbedrohenden Situation für ihren Partner so weit, ihm ihre Gefühle zu gestehen, aber irgendetwas (und hier kann man wirklich nur vermuten) hat sie doch abgehalten. Nun dürfen sie nach längerer Zeit also wieder zusammenarbeiten und bei ihr war die Freude sichtlich groß. Der Fall der Woche ist auch ideal auf die beiden zugeschnitten, da es um häusliche Gewalt geht und Hailey hat das durch ihren Vater am eigenen Leib erlebt. Überraschenderweise wirkte die ganze Zeit aber Jay betroffener als sie und das hat der Episode ein wenig das Genick gebrochen. Schade!

Zwar hat Hailey ihre Erfahrungen im Gespräch mit dem Opfer Michelle stets clever ausspielen können, aber wenn es um die Wurst ging, wirkte sie seltsam unbeteiligt. Jay war es, der von Anfang an mit der Frau mitgelitten hat, weil er eine Verbindung zu ihr aufgebaut hat. Er konnte es nicht ertragen, wenn sie über Verkabelung mitbekommen haben, wie sich das Paar heftig gestritten hat. Er war derjenige, der letztlich eine größere Ermittlung in den Sand gesetzt hat, um sie zu retten. Hailey hat seine Entscheidungen zwar stets mitgetragen und ihn auch immer bewundernd angeguckt, denn diese Eigenschaften, die mal wieder bei Jay deutlich werden, liebt sie ja offenbar an ihm, aber sie hat sie auch nicht so vorangetrieben, wie ich es von ihr erwartet habe. Sie ist eigentlich eine empathische Person, die für Opfer von Gewaltverbrechen und für ihre Informanten alles gibt, hier war sie aber wirklich ein laues Lüftchen.

Am Ende wurde es sogar irgendwie noch schlimmer. Es war zwar ergreifend, als sie Jay bei einem Drink in der Bar schilderte, wie sie und ihre Mutter unter ihrem Vater zu leiden hatten und wie sie zugab, dass es für ihre Familie einen solchen Polizisten wie Jay hätte geben müssen, aber was war das am Ende für ein Schock, als sie offenbart, dass ihre Mutter immer noch in der gewalttätigen Beziehung lebt. Ihr Privatleben ist so gut wie nie ein Thema gewesen, daher hat man als Zuschauer kaum mal etwas hinterfragt, aber damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Ihre Motive, ihre Mutter bei ihrem Vater zu lassen, werden in dieser Episode nicht mehr beleuchtet, daher ist das Entsetzen natürlich groß. Zwar ist mir klar, dass häusliche Gewalt unheimlich viele Facetten haben kann und dass vor allem die weiblichen Opfer ja oft nicht die Reißleine ziehen können, aber wie kann sie so cool wirken, wenn ihre Mutter Tag für Tag in Lebensgefahr schwebt? Das ist eine Hausnummer, die ich auf lange Sicht näher ergründet haben will. Wehe, das wird nun einfach wieder fallen gelassen.

Auch zu Jay habe ich noch ein paar Worte zu verlieren. Bei seiner ärztlichen Untersuchung zu Beginn der Episode wird er neben den physischen Aspekten auch auf die psychischen angesprochen. Jay hat wirklich schon einiges eingesteckt und dennoch macht er unbeirrt weiter und diese Episode zeigt gut, warum das so ist. Denn er ist ein Polizist, der diesen Job nicht nur wegen der Macht, der Ordnung oder der Gemeinschaft ausführt, sondern er macht das wirklich für die Menschen. So sehr das auf der einen Seite belasten kann, so sehr kann es auf der anderen Seite eine Wohltat sein, wenn er mitansieht, was er durch seinen Einsatz bewirkt. Daher kann Hank Voight ihm wegen der verhagelten Ermittlung auch nicht böse sein, denn genau wegen dieser Charaktereigenschaften ist er ja ein Teil des Teams. Als guter Anführer weiß Hank wohl nur zu gut, dass ein Team von gleichen Charakterköpfen mehr Probleme als Vorteile bringt.

Abschließend kommen wir noch auf Kim Burgess und Adam Ruzek zu sprechen, die eine sehr bedeutende Szene miteinander geteilt haben. In der letzten Woche ging es viel um Kims Schuldgefühle, das Baby verloren zu haben, aber sie hat nun den kritischen Punkt überwunden, so dass sie nach vorne blicken kann. Dadurch kann sie eben auch realisieren, wie sehr ihr Adam in der ganzen Zeit zur Seite gestanden hat und gibt ihm Eintrittskarten als Dank. Die Beziehung der beiden aktuell zu bewerten, ist aber dennoch eine schwierige Kiste. Sie sind für das Baby zusammengezogen, sie haben sich auf mindestens 18 Jahre Verantwortung eingestellt und das sogar mit einer gewissen Vorfreude, weswegen es sehr verständlich ist, dass sie aktuell etwas unbeholfen miteinander umgehen. Es war aber wirklich gut, als Adam mehr für sich sagt, dass er immer für Kim da sein wird. Ob für die beiden auf lange Sicht nun wirklich eine Liebesgeschichte das richtige ist, schwierig. Ich würde mir aber wünschen, dass man die Beziehung der beiden, egal mit welchem Attribut man sie versieht, nicht wieder einschlafen lässt, denn die Darsteller haben eine besondere Chemie.

Fazit

"Chicago P.D." hat es wahrscheinlich in dieser Woche gut gemeint, doch der Fall von häuslicher Gewalt hat Hailey nicht wie erwartet gut, sondern ganz im Gegenteil schlecht aussehen lassen. Dafür konnten Jay und die besondere Beziehung zwischen Adam und Kim überzeugen.

Lena Donth - myFanbase

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