Bewertung: 7

Review: #7.14 Center Mass

Ehrlich gesagt habe ich die Leiden der vergangenen Woche mit Kim Burgess und ihrem Schicksal immer noch nicht ganz verwunden, weswegen ich an die aktuelle Episode mit einer gewissen Skepsis herangegangen bin. Zum Glück ist das Thema wirklich kaum präsent und stattdessen ist es eine Folge, die sich Neuling Vanessa Rojas widmet. Diese ist zwar bereits nun eine halbe Staffel an Bord, aber dennoch hat sie bisher wenig Raum bekommen, was angesichts von Darius Walker und der Baby-Geschichte zu verwinden war. Sie nun aber am emotionalen Tiefpunkt der Staffel in den Fokus zu nehmen, ist wohl der cleverste Schachzug.

Natürlich kann ich Kim und Adam Ruzek in dieser Episode nicht gänzlich ausschließen, aber ich hake sie lieber gleich als Erstes ab. Dass sie nun erstmal Abstand braucht, ist verständlich, aber auch gefährlich, gerade vor dem Hintergrund, dass sie und Adam einen Status in ihrer Beziehung erreicht haben, der sich nur zu wünschen war. Wie sie sich weiterhin ihm gegenüber verhalten wird, ist nun abzuwarten. Ich fand es jedenfalls gut, dass sie noch außen vor ist und dass sie am Ende der Episode selbst andeutet, dass ihr noch etwas fehlt, um in den Dienst zurückzukehren. Das ist auf jeden Fall sehr vernünftig. Richtig stark fand ich dafür, dass Adams Perspektive in dieser Episode widergespiegelt wurde. In Fällen von Fehlgeburten ist die Fokus verständlicherweise auf der Frau, aber auch für den Mann ist es ein Verlust. Nun erkundigt sich Hank Voight speziell nach seinem Zustand und seine Antwort fand ich nahezu perfekt. Er hat sich schwer getan mit dem Gedanken, dass er Vater wird, aber genauso gut kann er diesen jetzt nicht einfach abstreifen. Dieses Gefühlschaos mag ich mir im realen Leben gar nicht vorstellen.

Nun also zu Vanessa, über die wir bereits wissen, dass sie ihre Jugend in Pflegefamilien verbracht hat. Detaillierte Infos hat es hierzu nicht gegeben, aber in dieser Episode werden uns immer weitere Bröckchen hingeworfen. So erfahren wir, dass sie seit ihrem sechsten Lebensjahr offenbar keine Familie mehr hatte, so dass sie mit ihrem Sozialarbeiter Ben Reynolds in Kontakt gekommen ist. Zudem hat sie zwischendurch auch auf der Straße gelebt, aber diese Zeit will sie nicht missen, zumal sie so auch den Umgang mit Abhängigkeiten und psychischen Problemen gelernt hat.

Dies kommt ihr nun für den Fall der Woche zu Gute, denn ein potenzieller Täter, späterer Kronzeuge, leidet an paranoider Schizophrenie und ist dementsprechend im Umgang ein Fall für sich. Als ich gerade den Gedanken, dass es noch einen Gastauftritt von Dr. Daniel Charles bräuchte, zu Ende gedacht habe, hat sich aber gezeigt, dass es ihn gar nicht braucht, denn Vanessa hat die Situation intuitiv im Griff. Sie mag das Themengebiet nicht wie Daniel studiert haben, aber sie ist durch eine harte Schule gegangen, die Leben heißt. Sie hatte für Sammy immer wieder die richtige Ansprache und hat auch ohne Absprache mit den Kollegen immer wieder die nötigen Schritte eingeleitet. Sammy hat sie aber auch abseits des Falls nicht losgelassen, was für große Empathie und Moral spricht. Es war sicherlich ein Fall, der die echte Vanessa gezeigt hat. Sie ist nicht nur tough und angstfrei, sondern auch clever und sanft. Während die Episode also andere Charaktereigenschaften von ihr in den Fokus gerückt haben, ist es bezüglich ihrer Hintergrundgeschichte noch etwas schwach.

Informationshäppchen hin und her, irgendwann muss es ans Eingemachte gehen, zumal nun genug Fährten für potenzielle spannende Handlungen gelegt wurden. Der Kriminalfall an sich war aber auch sehr spannend. Was zunächst als Mord an einem obdachlosen Mann begann, bei dem man Rache, Missgunst etc. als Tatmotiv vermutet hätte, ergab sich schließlich ein ganz schön raffinierter Identitätsdiebstahl. Der Gedanke war schon absurd, dass der Schwerverbrecher, der jahrelang vor der Festnahme fliehen konnte, weil er immer wieder ähnliche aussehende Männer umgebracht hat, um ihre Identität anzunehmen, nur geschnappt werden konnte, weil im Sozialsystem mal einer nicht locker gelassen hat. Es ist wie bei Serienverbrechern, die zuerst bei Prostituierten anfangen, weil diese niemand vermisst. So wurde eine hoffnungsvolle Betrachtung unserer Gesellschaft doch noch mit Hoffnung angereichert.

Fazit

"Chicago P.D." setzt nach der immer noch nachhallenden vergangenen Episode clevererweise einen gänzlich anderen Fokus, der gut gelingt. Mit Vanessa hat man die neuste Figur im Visier. Bahnbrechend viel Neues gab es noch nicht über sie, aber charakterlich durfte sie sich beeindruckend unter Beweis stellen. Dennoch muss bei ihr noch mehr kommen.

Lena Donth – myFanbase

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