Bewertung: 8

Review: #6.19 Vertane Chancen

Nach den letzten Episoden ist in mir die Befürchtung gewachsen, dass "Chicago P.D." es sich etwas gemütlich macht im Vorantreiben seiner großen Handlungsbögen, um dann im Staffelfinale richtig einen reinzuhauen. Zwar ist die Aussicht auf ein atemraubendes Finale immer gut, aber nicht, wenn dafür mehrere Woche Einheitsbrei geboten wird. Meine Befürchtungen waren aber umsonst, da die Serienmacher mit der aktuellen Folge mich im positiven Sinne mit einem explosiven Feuerwerk überraschen konnten.

Im Vorfeld dieser Episode gab es ein wenig Aufregung, da sich die Serie mit einer Promo in die mehrwöchige Sendepause verabschiedet hat, die bereits verraten hat, dass Blair Williams sterben wird. Das habe ich auch nicht für einen klugen Schachzug gehalten, da so doch ein entscheidendes Ereignis der ersten Sendeminuten vorweggenommen wurde. Da hat das Marketing definitiv nicht funktioniert. Denn vom Prinzip her wäre die Tötung von Blair ohne einen vorab erfolgten Spoiler wirklich eine riesige Überraschung gewesen. Obwohl ich nun also wusste, was auf mich zukommen wird, hat die Folge mich dennoch von Anfang einnehmen können und das liegt vor allem am Schauspiel von Marina Squerciati, die mal wieder ihrer Figur der Kim Burgess ein Facettenreichtum mitgeben konnte, der bewundernswert ist. Sei es Kims anfängliche Wut, als Blair in der Bar nicht zum verabredeten Zeitpunkt eintritt, sei es ihr Entsetzen, als sie ihn angeschossen in einer Seitengasse entdeckt, sei es ihr stoisches Agieren, um nur ja nicht von Gefühlen übermannt zu werden, sei es ihr unerschütterliche Glaube an das Gute in Blair und sei es dann am Ende die Trauer, der sie sich doch noch hingeben kann.

Dennoch schwingt bei mir in der Betrachtung der Beziehung von Blair und Kim immer noch etwas Wehmut mit. Immer wieder habe ich in den vorangegangenen Reviews angesprochen, dass der angebliche Funke zwischen ihnen nicht auf mich als Zuschauerin überspringen wollte. Das lag an den immer mal sporadisch eingeflochtenen Szenen, die kein konsequentes Bild zuließen, das lag an Blairs doch recht kühlen Art und das lag vor allem an der Tatsache, dass man bereits weit im Vorfeld ahnen konnte, dass dies keine dauerhafte Beziehung sein wird, man wusste nur noch nicht, woran es am Ende scheitern würde. Dieser Zwiespalt spiegelt sich nun auch sehr gut in dieser Episode wider. Gleich am Anfang spürt man Kims Enttäuschung, dass Blair sie versetzt hat und dass sie ihn dann sogar von Kevin Atwater orten lässt, war doch eine heftige Reaktion, die im starken Kontrast zu Kims Behauptungen gegenüber Hailey Upton steht, dass sie kein Problem damit haben wird, wenn die Affäre mit Blair enden wird.

Nachdem Blairs Tod dann bestätigt ist, belügt sich Kim weiterhin selbst, dass sie ihn ohnehin bitten wollte, ein weiteres Engagement in Chicago abzulehnen. Erst im Laufe der Episode bricht dann nach und nach auf, dass Kim sich selbst belügt, da sie durchaus eine richtige Beziehung zu ihm wollte. Es war tragisch mitanzusehen, wie Kim zuerst die Kette mit Herzanhänger auspackt, um später dann auch noch die dazugehörige Karte von Blair zu lesen, der sich auf eine gemeinsame Zukunft gefreut hat. Die Folge trägt nicht umsonst den ins Deutsche übersetzten Titel "Was hätte sein können?" Für die Serie an sich hätte es eine dauerhafte Beziehung von Blair und Kim sein können. Für mich geht die Frage aber noch etwas tiefer: wie viel tragischer hätte dieser Episode noch sein können, wenn die Affäre der beiden sinnvoller und tiefergehender aufgebaut worden wäre? Etwas schade finde ich auch, dass Blair in der letzten Episode einen Anruf von einer Ginny bekommen hat, den er in Kims Gegenwart weggedrückt hat. Dieses Thema wird nicht mehr aufgegriffen, da der Name Ginny bei den Mordermittlungen nicht fällt.

Kim bekommt in dieser Episode gleich mehrfach emotionale Unterstützung. Antonio Dawson als ihr Partner, Trudy Platt als ihre Mentorin und Kevin als ihr bester Freund waren zu erwarten, aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass es so viele Szenen zwischen ihr und Adam Ruzek geben würde. Nachdem Kim in #6.14 Ties That Bind erfahren hat, dass er und Hailey ein Paar sind, habe ich ja ein wenig vermisst, dass es auch zwischen ihnen eine Aussprache gab. Zwar gibt es in dieser Episode keine Aussprache, was nach der ins Land gegangenen Zeit auch deplatziert gewesen wäre, aber man spürt die Vertrautheit, die die beiden geteilt haben, überdeutlich und für jeden wird auch sichtbar, nichts steht mehr zwischen ihnen. Sie sind Freunde geworden. Es gibt keine Umarmungen, es gibt keine Tränen, es gibt kein Geschrei, es gibt einfach Trost in seiner reinsten Form und das hat auf die Situation wirklich perfekt gepasst!

In #6.17 Pain Killer haben wir Alicia und Jasmine Price erstmals kennengelernt, aber ihre Auftritte waren so dürftig, dass ich in meiner entsprechenden Review eine vertane Chance bemängelt habe. Wer hätte gedacht, dass die beiden ausgerechnet in dieser Episode noch einmal von Bedeutung sein würden??? Ich hätte durchaus wetten können, wer der Mörder von Blair ist, aber auf Alicia wäre ich wohl niemals gekommen. Zwar hat sich in der Episode immer deutlicher abgezeichnet, dass die Prices ein großes Geheimnis haben müssen, aber dennoch war die letztliche Lösung nicht mit den Händen zu greifen. Und was ist das bitte für ein Plottwist? Ewig habe ich gedacht, dass es im Staffelfinale auf ein Showdown zwischen Brian Kelton und Ray Price hinauslaufen würde und nun wurde Letzterer, der die Schuld für seine Frau übernimmt, Schachmatt gesetzt. Wer hätte damit rechnen können? Kompliment an dieser Stelle an die Drehbuchautoren, die damit wohl alle Zuschauer aus den Socken gehauen haben werden! Nun ist natürlich die Frage, wie es weitergehen wird? Wird Kelton gegnerlos der Sieger? Wird noch ein neuer Kandidat aus dem Hut gezaubert? Was macht Hank Voight mit seinen Informationen über Kelton? So viele spannende Fragen, die zu klären sind. Jetzt ist meine Lust auf den Abschluss der Staffel wirklich wieder entfacht!

Fazit

Nach den vor sich hin plätschernden letzten Episoden ist diese explosive Folge ein wirklicher Donnerschlag. Zwar gab es kleinere Mängel, aber ansonsten war die Dichte an Emotionen und Überraschungen wirklich großartig!

Lena Donth – myFanbase

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