Bewertung: 8

Review: #3.09 The Beginning Is the End Is the Beginning

Foto: Eris Baker - Copyright: Doreen Stone
Eris Baker
© Doreen Stone

Nach der letzten viel zu voll gepackten Episode hatte ich ein wenig Angst, dass man das gleiche mit dem Herbstfinale anstellen wird. Daher könnte ich nicht erleichterter sein, dass man das Steuer nun extrem herumgerissen hat und zur guten alten Erzählweise zurückgekehrt ist, in der es nur eine Flashback-Handlung gibt. Die Episode funktioniert dadurch viel besser als ihr Vorgänger und kann sich in jedem Handlungsstrang entfalten. Ganz langsam tastet die Episode sich an die großen Cliffhanger heran, mit denen man uns in die Winterpause schickt und verfehlt damit nicht ihre Wirkung.

"Maybe it's not the ending. Maybe we're just in the middle."

Die Suche nach Antworten in Bezug auf Nicky begleitet uns nun seit Beginn der Staffel und dieses Mal geht es ein großes Stück voran. Zuletzt war ich etwas frustriert, da die Vergangenheits-Vietnam-Handlung sehr langsam vor sich hinschlich und eigentlich nur aufzeigte, dass Nicky ein gebrochener Mann ist und Jack ihm unbedingt helfen möchte. Das wussten wir bereits aus #3.04 Vietnam und #3.07 Sometimes, weshalb sich das Gefühl einstellte, auf der Stelle zu treten. Dieses Mal werden wir endlich mit einem schönen Moment zwischen den Brüdern beglückt, in dem Jack versucht, Nicky Mut zu machen. Die Art und Weise, wie unterschiedlich die Brüder das verarbeiten, was sie bisher im Krieg erlebt haben, kommt dabei sehr gut zur Geltung. Jack ist jemand, der seine Gefühle in eine Art imaginäre Box packt und einfach nach Vorne schaut, in der Hoffnung, irgendwann den Silberstreifen am Horizont zu erblicken. Für Nick hingegen ist die Zerstörungswut des Krieges allgegenwärtig und er schafft es nur im zugedröhnten Zustand, dessen Schrecken hinter sich zu lassen.

Nicks Worte an Jack "I'm not gonna complete the mission." haben mich tief berührt und noch einmal gezeigt, dass egal was Jack sagt, Nick nicht daran glaubt, irgendwann wieder lachen zu können. Umso erschreckender war der große Knall, der kurz darauf das Camp erschütterte. Man stellte sich bereits vor, wie Nick sich selbst in tausend Stücke zerfetzen lies, nur um die Bilder von Tod, Blut und Gewalt, die er immer wieder vor seinem inneren Auge sah, endlich abschalten zu können. Noch während man sich mit diesem Gedanken auseinandersetze, erhielten Kevin und Zoe die Nachricht, dass es keine Aufzeichnungen darüber gibt, dass Nick im Krieg gestorben ist und just darauf zeigt man uns Nick in der Gegenwart. Mit offenem Mund starrte ich auf den Briefumschlag, der verlauten ließ, dass Nick all die Jahre unweit von seinem Bruder entfernt gelebt hat. Die tausend Stücke, in die man Nick kurz zuvor noch zerfetzt glaubte, wandelten sich schlagartig in tausend Fragen um: Wie hat Nick überlebt? Wusste Jack, dass Nick überlebt hat? Warum erzählte Jack allen, dass sein Bruder im Krieg gestorben ist? Warum hat Nick keinen Kontakt zu seiner Familie? Werden Kevin und Zoe diesem Geheimnis weiter auf den Grund gehen? Wusste Rebecca vielleicht sogar von Nicks Überleben? Schließlich offenbarte sie in dieser Episode, dass sie einige Geheimnisse vor ihrem Mann hütete und nun unterstellt man ihr nur umso bereitwilliger, dass Nick eines davon war.

Der Cliffhanger in dieser Geschichte trifft den Zuschauer mit voller Wucht und wo ich zuvor noch befürchtete, dass mir die Vietnam-Geschichte nun doch zu langatmig wird, sehne ich jetzt schon die zweite Staffelhälfte herbei.

"It's a"

Um einiges erfreulicher aber nicht weniger spannend geht es bei Toby und Kate zu. Die Schwangerschaft, die in den letzten beiden Wochen nur am Rande thematisiert wurde, wird nun wieder in den Fokus gestellt. Dabei setzt man auf die Stärken der beiden als Paar und Toby, der zwar noch sichtlich mit seinen Depressionen zu kämpfen hat, aber gleichzeitig schon viel stabiler wirkt, kann endlich einmal wieder mit einer großen Geste glänzen. Indem er Kate vorschlägt, während der restlichen Schwangerschaftsmonate ihren Collegeabschluss nachzuholen und sich dabei einen etwas eingestaubten Traum zu erfüllen, tritt er auf wunderschöne Weise in die Fußstapfen von Jack.

Das Ringen der beiden, ob sie das Geschlecht ihres Babys erfahren möchte, wurde schön in Szene gesetzt und spiegelte die Ängste von allen werdenden Eltern wieder. Denn sobald man erfährt, ob es ein Mädchen oder Junge wird, wird die Schwangerschaft nochmal einen Tick realer und umso größer wird die Angst, das kleine Wesen nie zu Gesicht zu bekommen. Die Überraschung am Schluss, dass die beiden einen Jungen erwarten, ist genau der richtige Abschluss für dieses Jahr.

"Maybe you can't win this campaign, but you sure did learn how to talk like a politician."

Dem harmonischen Ausgang bei Kate und Toby setzt man die Geschichte rund um Randall und Beth entgegen. Die Ehe der beiden steht in dieser Staffel unter keinem guten Stern, denn auch wenn wir sie auf ihre gewohnte Art mit einander flirten sehen, liegt doch ein Schatten über dem Ganzen. Beth wirkt orientierungslos und hat bereits mehrmals versucht, bei ihrem Mann Unterstützung zu suchen. Doch Randall, der für seine Familie sonst Berge versetzt, hat nur noch seinen Wahlkampf im Sinn und sieht nicht, wie sehr dies seine Ehe belastet. Dieser Handlungsstrang ist der einzige, mit dem ich in dieser Woche nicht recht warm geworden bin. Zwar ist es logisch, dass nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen sein kann, doch wie man Randall von einem einfühlsamen Familienvater zum erfolgsorientierten Politiker mutieren lässt, passt einfach nicht zu der Figur, die wir seit Beginn der Serie kennen. Ein Talent für eindrucksvolle Reden hatte Randall zwar schon immer, doch stets richteten diese sich auf Menschen die er liebt und nicht auf die Karriere, weshalb er mir nun immer fremder wird. Ich weiß nicht genau, was wir von der bröselnden Ehe der beiden in der zweiten Staffelhälfte zu erwarten haben. Schon häufiger hat man bei "This Is Us" befürchtet, in Klischees abzudriften, wurde dann aber positiv überrascht, weshalb ich erst einmal unvoreingenommen bleiben möchte.

Im Haus der Pearsons gibt es zudem noch eine andere wichtige Entwicklung, die Tess zum zweiten Mal in Folge ins Rampenlicht rückt. Beim Schauen der Szene, in der Tess ihren Eltern gesteht, vielleicht an Mädchen interessiert zu sein, sind mir die Tränen in die Augen geschossen. Jungschauspielerin Eris Baker durfte zum ersten Mal ihr ganzes Können unter Beweis stellen und hat sich dabei großartig geschlagen. Voller Unsicherheit vertraut sie sich ihren Eltern an und wird genau so warmherzig von ihnen aufgefangen, wie wir es von den Pearsons gewohnt sind.

Randnotizen

  • Es fragt sich nun wohl jeder, ob Kate und Toby ihrem Sohn den Namen "Jack" geben werden.
  • Nachdem Randall bei seiner Diskussionsrunde die Kurve bekommen hat und sich den Applaus der Menge sichern konnte, zeigte man uns noch einmal die Reaktion von Brown. Er lächelte und es war die Art von Lächeln, bei dem man weiß, dass man gerade einen herben Rückschlag hinnehmen musste. Eine schöne Parallele zu #3.06 Kamsahamnida.
  • Nick wurde in der Gegenwart von einem anderen Schauspieler dargestellt. Weshalb hat man hier jemand neues gecastet und nicht auch wie bei Mandy Moore und Jon Huertas die bekannten Schauspieler mit Hilfemitteln altern lassen?
  • Da man sich dieses Mal auf zwei Erzählebenen beschränkt hat, blieb am Ende noch ein bisschen Platz für einen kleinen Flashforward, den ich sehr begrüßt habe. Die Spekulationen wurden in letzter Zeit immer wilder, doch nun wissen wir, dass die Pearsons sich auf den Weg zu Rebecca machen. Zwar stehen noch immer viele Fragen im Raum und drehen sich dieses Mal um die Ehe von Randall und Beth, doch es ist schon einmal schön, dass man uns weitere kleine Hinweise gegeben hat. Der Verbleib von Kevin und Kate ist noch immer ungewiss und ich vermutet, dass das auch noch bis zum Staffelfinale so bleiben wird. Ein weiteres Rätsel gibt das Spiel "Pin the Tail On the Donkey" auf, das Beth mit zu ihrer Schwiegermutter nehmen will.


Fazit

Staffel 3 von "This Is Us" schafft es trotz vieler durchwachsener Episoden beim Herbstfinale wieder zu alter Stärke aufzulaufen. Mit einer Unmenge an neuen Fragen aber auch einer befriedigenden Anzahl an Antworten verabschiedet sich die Serie in die Winterpause und macht große Lust auf die zweite Staffelhälfte.

Marie Florschütz - myFanbase

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