Bewertung

Review: #5.08 All meine Wünsche

Im Dezember 2021 sind auffällig viele Serienepisoden mit weihnachtlichem Schwerpunkt ausgestrahlt worden, was ich begeistert registriert habe, denn bei Weihnachten sage ich nie 'nein'. Auch "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" hat eine Weihnachtsepisode spendiert bekommen und diese hat mich glücklicherweise exzellent unterhalten, weil sie all die Emotionen widergespiegelt hat, die ein Weihnachtsfest bereit halten kann, denn zwischen Freud und Leid wurde viel geboten.

Es war schon häufig meine Kritik, dass "Seattle Firefighters" zu oft den Fokus auf persönliche Dramen legt und dadurch die klassische Einsatzstruktur der Feuerwehr oft leidet. In dieser Episode ist es aber gelungen, zwei große Einsätze anzubieten, die völlig unterschiedlich waren, die mich aber beide auf ihre Weise an den Bildschirm gefesselt haben. Wir haben einen Fall von häuslicher Gewalt, bei dem das von Dean Miller initiierte Krisenprogramm aktiviert worden ist. Es ist der erste Fall dieser Art, den wir seit dessen Serientod präsentiert bekommen haben. Ich hatte schon meine gewissen Sorgen, ob sie das inhaltlich vielleicht aus dem Auge verlieren, aber dem ist zum Glück offenbar nicht so. Victoria "Vic" Hughes und Jack Gibson sind hierfür zugeteilt und diese Kombination ist aus vielerlei Gründen gut gewählt und dann auch inhaltlich umgesetzt worden. Am Anfang der Episode könnte das Bild von Vic und Jack nämlich nicht unterschiedlicher sein. Sie schwebt auf Wolke 7, weil sie endlich wieder arbeiten darf und er ist völlig alkoholisiert gemeinsam mit Marsha einen Weihnachtsbaum aussuchen. Damit war eigentlich schon geklärt, für sie geht es aufwärts… für ihn eher nicht so. Aber denkste. Als Vic und Jack sich gemeinsam mit Emmett Dixon dem Fall von häuslicher Gewalt stellen müssen, behält er den Überblick, während sie genau das Gegenteil von Deeskalation heraufbeschwört. Es war nicht so, als man nicht hätte verstehen können, warum Vic Amy und ihrem Sohn so unbedingt helfen wollte. Das Haus sah völlig verwüstet aus, das Kind war völlig aufgelöst und auch Amy war am Ende. Man konnte also erahnen, welche Gefahr von Greg ausgeht und gerade deswegen wäre Vorsicht geboten gewesen, denn es war völlig offen, wie der Ehemann und Vater wohl reagieren würde, wenn er sieht, dass er die Kontrolle über seine Familie führt. Es ist für alle noch einmal gut ausgegangen, aber Vic hatte keine Garantie, dass Greg nicht plötzlich eine Waffe zückt und alles abschießt, was ihm vors Visier kommt. Dementsprechend hat Vic grob fahrlässig agiert.

Nachdem die Situation aufgelöst ist, wurde es auf mehreren Ebenen noch sehr interessant. Denn Jack hält ihr eine Ansprache, die es in sich hatte. Wie oft habe ich in den letzten Staffeln bemängelt, dass von Lieutenant Jack mit hohen Ambitionen nichts mehr zu erkennen war, aber wie er Vic in die Schranken verwiesen hat, da war dieser Jack wieder zu erkennen. Und wie unerwartet war das doch, wenn man bedenkt, dass dieser Mann sich am Vortag noch die Kante gegeben hat. Jack ist sicherlich noch nicht über den Berg, aber im Job weiß er es sich zusammenzureißen. Speziell bei dem Krisenprogramm ist ihm das auch leichter gefallen, weil man deutlich gemerkt hat, dass er es im Andenken von Dean getan hat. Bei Vic umgekehrt war es aber vermutlich eine zusätzliche Bürde, weil sie sich emotional noch überhaupt nicht sortiert hat. Deswegen kommt es offenbar auch zur vorläufigen Trennung von Theo Ruiz, jedenfalls würde ich die finale Szene zwischen den beiden so bewerten. Ich bin da ganz auf seiner Seite. Sie hat sich unmittelbar nach dem Krankenhaus von ihm entfernt und auch wenn ich glaube, dass sie Theo wirklich liebt, so steht dieser Liebe aktuell zu viel im Weg. Aber wie sehr ich ihn als Figur mag, das hat sich in dem Gespräch noch einmal gezeigt. Als er von dem Kuss mit Jack erfahren hat, da war ihm sofort klar, dass das nicht das Problem ist. Deswegen hat er auch nicht aus einem Machogehabe heraus agiert, sondern es ging ihm rein um die Gefühle und da war die Botschaft von Vic klar: Ich liebe dich, aber ich kann dich gerade nicht an meiner Seite ertragen. Nun bin ich gespannt, wie es für Vic weitergeht.

Auf der anderen Seite haben wir den großen Einsatz, bei dem ein Familienvater zwischen zwei Autos eingeklemmt ist, die ihn auch erstmal am Leben halten. Dieser hätte auch nicht emotionaler inszeniert werden können. Terrence war sofort sympathisch und diesem Kerl hat man einfach gewünscht, dass er es schaffen muss. Dazu wurde der Fall für Ben Warren besonders emotional und spätestens als er am Ende in Tränen ausbricht, war für mich klar, dass er in dem Opfer Dean erkannt hat. Auch hier ein Mann mit Familie, der droht, aus dem Leben gerissen zu werden. Deswegen wollte er die Situation nicht noch einmal vor seinen Augen heraufbeschwören. Aber auch wie Theo eine alte Geschichte von Travis Montgomery und seinem verstorbenen Mann Michael ausgepackt hat, um Terrence abzulenken, das war auch so eine kleine Szene, die perfekt passte, denn wo Theo im Truck noch betont hat, dass Travis Vics Freund ist, so hat diese Szenen gezeigt, dass im Grunde auch sie Freunde sind. Es mal waren und jetzt wieder sind. Schließlich kommt auch noch das PRT-Team wieder ins Spiel. Ich habe es schon fast nicht mehr für möglich gehalten. Spätestens wo die Idee aufkam, dass auf der Feuerwache eine Art kleine Klinik aufgebaut wurde, dachte ich mir, okay, RIP PRT, denn wie viele Nebenprojekte will "Seattle Firefighters" noch stemmen? Jetzt ist das PRT-Team aber wieder da und ich bin überzeugt, dass es so schnell nicht wieder verschwinden wird. Es hat sich ja auch gezeigt, dass es die ideale Möglichkeit ist, Carina DeLuca einzubinden; die aber natürlich auch durch die Klinik ihre Daseinsberechtigung haben wird. Es bleibt also spannend, wie es an dieser Front weitergeht.

Fast schon nebenbei wird dann noch die Ehe von Andy Herrera und Robert Sullivan zu einem friedlichen Ende gebracht. Das habe ich nicht mehr für möglich gehalten, aber als sie so herzlich miteinander lachten, nachdem eigentlich beiden separat klar geworden ist, dass es das wirklich war, da wirkte es wunderbar stimmig und gelöst. Es ist sicherlich so offengehalten, dass deutlich wird, dass die beiden vielleicht doch noch einmal zusammenfinden werden. Aber aktuell tun die beiden sich nicht gut und da gibt es lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Auch wenn die Episode extrem friedlich endet, weil die Wache vertraut die Weihnachtsstimmung genießt und auch Pru Miller mitfeiern darf, so wird doch auch deutlich, dass das Jahr 2022 mit "Seattle Firefighters" Veränderungen bescheren wird. Chief McAllister ist Geschichte. Sein Posten wird erstmals mit einer Frau besetzt. Noch wissen wir nicht, um wen es sich dabei handelt, aber ich kann mir vorstellen, dass diese noch eine wichtige Rolle einnehmen wird. Zudem wird bald eine Entscheidung bezüglich Maya Bishops Zukunft fallen; wird sie begnadigt? Dann bleiben zig weitere Fragen offen. Kehrt Andy zu Station 19 zurück? Was ist mit Theo? Geht dann Sean Beckett? Und wie lange hält noch Sullivan still? Nicht zu vergessen ist natürlich die Entscheidung, bei wem Pru am Ende dauerhaft landen wird. Es ist gut, dass die Episode noch so viel gedanklich anstößt, aber vieles offenlässt, denn das macht Lust auf ein neues Jahr mit "Seattle Firefighters".

Fazit

"Seattle Firefighters" geht mit einer stimmungsvollen Episode in die Winterpause. In ansprechender Weihnachtsatmosphäre ist eine Bandbreite an Emotionen dargeboten worden, die mich durchgängig an den Bildschirm gefesselt haben. Ich habe nichts, wo ich groß Kritik üben könnte, weil alles geschickt ineinander gespielt hat. Auch wenn es (offenbar) zwei Trennungen gegeben hat, so wirkten beide friedlich und aktuell auch richtig gewählt. Das dargebotene Drama ist damit sehr erwachsen angegangen worden und das hat sich wunderbar in die Stimmung eingefügt, so dass ich das Jahr 2021 mit "Seattle Firefighters" doch sehr zufrieden abschließen kann.

Lena Donth - myFanbase

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