Bewertung: 8

Review: #1.07 Lang lebe der Bürgermeister

Die bevorstehende Nahrungsknappheit dominiert diese Episode und weitere Nachrichten uns dem Umland schüren Spekulationen. Da Bürgermeister Green immer geschwächter ist, entstehen auch hier weitere Probleme.

Kompromissloser Vater

Wir lernen in dieser Episode einen weiteren Charakter kennen, der wohl auch in weiterer Zukunft noch eine größere Rolle spielen könnte. Jonah Prowse ist nicht nur ein Bandit und offensichtlich ein Feind der Stadt Jericho sondern außerdem auch noch der Vater von Emily. Da ist doch einiges an Potenzial vorhanden, um mit diesem Charakter noch einiges zu machen. Welche Dynamik möglich ist, hat diese Episode bereits gezeigt, denn es gibt ihm gegenüber einige Differenzen. Jonah will die Befreiung seines Handlangers Mitchell erwirken. Jake hat da den eigentlich richtigen Ansatz und will über ein Gespräch vermitteln, zumal er damit auch noch die dringend notwendigen Lebensmittel zurück gewinnen will. Doch frei nach dem Motto, wir verhandeln nicht mit Terroristen, wird Jake zurückgepfiffen. Er darf sein Vorhaben nicht umsetzen, was Jonah nicht gerade gut findet. Fast zurecht schickt er einfach zwei bewaffnete Männer ins Gefängnis und lässt Mitchell eben mit Gewalt befreien. Das kann man ihm fast nicht verübeln. Doch natürlich will sich das Jericho so nicht gefallen lassen und es entwickelt sich eine doch heftige Diskussion, die sich wohl auch noch in die nächsten Episoden hineinziehen wird. Denn eines ist klar. Die Lebensmittel werden dringend benötigt und langfristig muss man auch deutlich machen, dass man sich von Jonah nicht auf der Nase herumtanzen lassen will.

Was mir an Jonah als Charakter sehr gefällt, ist, dass er auch eine nachvollziehbare emotionale Facette besitzt. In den kurzen Szenen mit Emily spürt man doch schnell, dass ihm seine Tochter sehr wichtig ist und er nicht frei von Reue ist, was die Vergangenheit betrifft. Hier zeigt sich deutlich, dass ein Miteinander möglich ist. Natürlich musste Emily erst mal über ihren Schatten springen und einen externen Impuls bekommen, um sich überhaupt zu zeigen, aber dass es dazu kommen musste, war allein schon durch die Kreation der Ausgangslage nur eine Frage der Zeit. Auf jeden Fall haben die Autoren hier noch eine weitere Storyline eröffnet, die mein Interesse geweckt hat.

Kleinkämpfe

Nebenher gab es mal wieder ganz viele Kleinigkeiten, die in ihrem jeweiligen Umfang ihre absolute Berechtigung in der Episode haben, denn in Jericho geht das Leben weiter und auch die vielen kleine Probleme des Alltags haben eine hohe Relevanz und bringen dem Zuschauer so auch einfach das Leben in dieser Extremsituation näher. Da wäre zum Beispiel der Konflikt von Gracie und Dale. Gracie lässt wieder ihren kapitalistischen Geist dominieren und paart ihn mit der fehlenden Sympathie gegenüber Skylar. Ihr fehlt einfach jegliches Gefühl für die Situation. Dass sie den Tausch nicht rückgängig macht, kann man entweder als sehr extreme Erziehungsmaßnahme interpretieren, durch die man lernen soll, dass man mit den Konsequenzen seiner Taten zu leben hat. Oder aber man erkennt das wahre Gesicht von Gracie, die nichts über das Geschäft stellt und dafür auch knallhart lügt. Dale hat das inzwischen auch erkannt und wirft Gracie sehr viele wahre Worte an den Kopf. Da hat sie doch zu schlucken, aber als Zuschauer sitzt man doch nur vor dem Fernseher und sagt sich "Jawohl". Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und wenn Gracie nur eine Winzigkeit an Menschlichkeit besitzt, wird sie ihren Fehler einsehen und sich entschuldigen. Zudem braucht sie Dale einfach auch, um den Laden am Laufen zu halten. Ihre Art hat aber auch ihre witzigen Seiten. Als Mimi an den EC-Automat gegangen ist und mit ihrem Großstadt-Ego nicht ganz auf den angedeuteten Rat von Gracie hört, habe ich mich doch schön amüsieren können.

Apropos Mimi. Sie und Stanley bleiben auch weiterhin mein Lieblingsduo in der Serie. Selbst die kürzesten Szenen sorgen immer wieder für eine willkommene Erheiterung in der sonst sehr düsteren Stimmung, die die Serie vermittelt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und die giftigen Dialoge tun ihr Übriges. Diese Auflockerungen werden immer sehr schön beigemischt und dass es womöglich darauf hinaus läuft, dass sich die Anspannung zwischen den beiden in eine sexuelle Spannung weiterentwickelt, ist etwas Wunderbares und Wünschenswertes. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten, dass sich Mimi und Stanley näher kommen. Das ist mein Traumpaar der Serie, denn Jake und Heather sind zwar ganz niedlich, aber da fehlt weiterhin der letzte Kick.

Bleiben hier noch die ständig schwelenden Querelen mit Gray Anderson. Auch dieser Charakter gefällt mir ausgesprochen gut, weil er eine Art Antagonist darstellt, aber eigentlich immer im besten Sinne der Stadt agiert. Durch die Krankheit von Johnston Green kann er langsam aber sicher das Kommando übernehmen. Zudem schafft er es auch immer wieder, den Finger in die richtigen Wunden zu halten. Dass ihm die Umstände um den Zuzug der Familie Hawkins aufgefallen sind und er diese nun hinterfragen will, ist auch eine folgerichtige Entwicklung, die weitere Spannung in das Gesamtgefüge bringt. Robert Hawkins ist in dieser Folge leider etwas im Hintergrund gewesen und man hat nur wenig neue Informationen bekommen. Dass ihn die Tatsache, dass New York noch existiert, so überrascht hat, macht aber deutlich, dass da noch einiges im Busch ist, was den Zuschauer zwangsläufig zum weiteren Einschalten zwingt. Inwieweit die Familiengeschichte mit Darcys Freund Doug eine wirklich wichtige Rolle spielt, wird sich noch zeigen, aber auch das sind zumindest Faktoren, welche die Beziehung belasten.

Große Sorge

Die letzte Phase der Episode behandelte dann vor allem Johnston Green und seine überaus gefährliche Krankheit. Nahezu perfekt hat man hier die Spannung für die nächste Episode aufgebaut, denn sein Leben steht auf dem Spiel. Der Bürgermeister und Vater der Protagonisten muss gerettet werden und dafür bleiben Jake und Eric nichts anderes übrig, als mit einem gerade noch fahrtüchtigen Auto in die gefährliche Außenwelt zu fahren, um die absolut notwendigen Medikamente aus der nächstgrößeren Stadt zu holen. Zudem ist die Zeit sehr begrenzt, denn April gibt eigentlich nur zwölf Stunden, um ihn überhaupt noch retten zu können. Viel besser kann man die Grundlagen erst mal nicht legen, um den Puls und den Atemrhythmus schon mal hoch zu halten. Nur hat dieser gesamte Part fast ein bisschen zu viel Zeit gebraucht. Die intensive Vorbereitung für die nächste Episode hat dieser Episode ein bisschen geschadet.

Fazit

Es bleibt weiterhin richtig spannend. Sowohl die kleinen Geschichten als auch die große Story sind hochinteressant, verlieren nichts von ihrem Potenzial und sind dann auch noch abwechslungsreich genug, um keine Langeweile oder eine Trägheit hervorzurufen. So kann es weitergehen.

Emil Groth – myFanbase

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