Bewertung

Review: #3.03 ???

Wo die ersten beiden Episoden der Staffel laut waren, ist #3.03 leise, wo sie Jubel entfacht haben, ist diese Episode grüblerisch. Sie schlägt einen ganz anderen Ton an, als die ersten beiden und ist sehr fokussiert auf Rhaenyra, deren erste Tage auf dem eisernen Thron so ganz anders sind, als sie es sich erträumt hat.

Man kann schwer sagen, die genau sich Rhaenyra die Eroberung Königsmunds vorgestellt hat und wie sie sich ihre Thronbesteigung ausmalte, doch man kann davon ausgehen, dass in ihren Gedanken weder eine leere Schatzkammer, noch eine Rattenplage, ein falscher Daeron Targaryen oder eine abgelehnte Krönung zu finden waren. Es ist eine harte Realität, mit der Rhaenyra sich hier konfrontiert sieht und hinter jeder Ecke, um die sie biegt, finden sich neue Probleme und Aufgaben, die es zu erledigen gilt. Es gefällt mir sehr gut, wie Emma D'Arcy die zunehmende Erschöpfung Rhaenyras zeigt. Zu viele Fragen prasseln auf sie ein, zu viele Baustellen tun sich gleichzeitig auf und zu wenig vertraut fühlt sich der Ort an, an dem sie aufgewachsen ist. Die Wendungen, mit denen Rhaenyra sich befassen muss, werden dabei musikalisch wunderbar drastisch unterstrichen, wodurch sich im Verlauf der Episode ein immer mulmiger werdendes Gefühl aufbaut. Es fühlt sich an, als sei diese Episode ein Vorbote für etwas Schreckliches, was bald geschehen wird.

Rhaenyras Dasein in Königmund steht hier im krassen Kontrast zu dem auf Drachenstein. Dort war sie von ihrer Familie umgeben, von geschätzten Ratgebern und einer Königinnengarde. In Königsmund ist sie allein unter Fremden. Sie weiß nicht, wem sie trauen kann, sie fühlt sich in ihren eigenen Gemächern unwohl und sie schafft es nicht, einem ihrer treuersten Anhänger einen Gefallen zu tun. Beim gemeinsamen Essen von Rhaenyra, Addam, Alyn und Corlys wurde durch die musikalische Untermalung schnell klar, dass wir uns auch hier wieder in einer Situation befinden, in der Rhaenyra sich mit einer Aufgabe überfordert fühlt. Es ist eine recht einfache Bitte von Corlys, seine Söhne zu legitimieren und sie gipfelt kurz nach dem Ritterschlag in einem äußerst dramatischen Wortgefecht. Rhaenyra wirkt hier unsicher und hat viel der Überzeugungskraft eingebüßt, die sie in Staffel 2 ausstrahlte. Sie sieht sich nicht in der Lage, Corlys diesen Gefallen zu tun und nachdem er bereits seine Kinder Laena und Laenor verloren hat, Rhaenys im Kampf für Rhaenyra ihr Leben lies und er Rhaenyras Sohnmit fragwürdiger Abstammung als seinen Erben anerkannte, kann man Corlys' Gefühlsausbruch vollkommen nachvollziehen. Seine harschen Worte erinnern stark an die seines Bruders Vaemond in #1.08 The Lord of the Tides und auch hier zeigt man wieder, wie viel sich seither geändert hat. Damals war Rhaenyra umgeben von Familie mit Viserys und Daemon, die sofort auf Vaemond losgingen. Nun ist sie allein und ihr steht niemand zur Seite, der die harschen – wenn auch ehrlichen – Worte Corlys' für sie abfangen kann. Das ist eine sehr interessante Ausgangslage für die kommenden Episode, denn wenn Corlys sich nach diesem Streit von Rhaenyra abwendet, könnte dies auch den Bruch mit einem ihrer Drachenreiter bedeuten – und zwar genau mit dem, der ihr bisher am treuesten ergeben war.

Diese Episode bietet einige Gespräche zwischen Rhaenyra und Alicent, bei denen jedes unter die Haut geht. Als die beiden sich im Beisein Helaenas begegnen, ist Rhaenyra forsch und verlangt Antworten, die Alicent ihr nicht geben kann. Es ist eine kalte Unterredung, bei der man deutlich merkt, dass Alicent schwer daran zu knabbern hat, dass sie die Stadt in Rhaenyras Hände fallen ließ. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass die Flucht ihr nicht gelingen würde, sie hatte nicht erwartet, mit dem Leichnam ihres Vaters konfrontiert zu werden und nun soll sie darauf hoffen, dass Aemond getötet wird, damit man sie frei lässt. Es ist viel, was Alicent hier auf sich nehmen muss und Olivia Cooke setzt die Ernüchterung Alicents glaubhaft um. Auch im zweiten Gespräch, als Rhaenyra Rat für die schwierigen Entscheidungen sucht, die man manchmal treffen muss, gefällt mir die Dynamik zwischen den beiden Frauen. Alicent war lange an den Regierungsgeschäften beteiligt, während Rhaenyra genau so lange außen vor war. Alicent wurde von ihrem Vater in die Rolle der Königin erzogen, wo Rhaenyra lediglich der Mundschenk ihres Vaters war und sich als Erwachsene dann aus der Hauptstadt zurückzog. Man zeigt hier deutlich auf, dass Rhaenyra sich mit der Krone eine Verantwortung aufgebürdet hat, deren Tragweite sie vorher gar nicht richtig erfasst hatte.

Jedes Mal wieder freue ich mich über gemeinsame Szenen zwischen Rhaenyra und Daemon. Die beiden sind ein interessantes Liebespaar, das nach außen hin nicht sonderlich emotional erscheint, aber gleichzeitig eine unglaublich tiefe Verbundenheit ausstrahlt. Daemon wirkt, als würde er Rhaenyra die Welt zu Füßen legen wollen, gleichzeitig hat er eine kalte Art an sich, durch die man seine Gefühle nicht recht ergründen kann.

Kurze Eindrücke

  • Bei der ersten Szene der Episode dachte ich erst, ich hätte etwas verpasst, da ich erwartet hatte, dass wir in Königsmund starten würden. Daemon mit Ormund Hohenturm auf dem Schlachtfeld zu sehen, fühlte sich etwas überhastet an und das eigenartige Gefühl setzte sich fort, als Ormund einfach kapitulierte und Daemon Daeron auslieferte. Zudem passte es nicht ins Bild, dass Tessarion seinen angeblichen Drachenreiter einfach ohne eine Art von Protest gehen ließ. Ich bin froh, dass man diese Entwicklung noch aufgelöst hat und dass Ormund den Prinzen (dessen Drache Daemon scheinbar einfach zurücklies…) nicht einfach so an den Feind übergab. Gleichzeitig finde ich es weiterhin eigenartig, dass wir den echten Daeron noch immer nicht kennengelernt haben.
  • Rhaenyras Bankett mit den Adligen wird ihr sicher noch zur Last werden.
  • Sehr schade, dass wir keinen Blick in Richtung Harrenhal geworfen haben.
  • Ist mittlerweile sicher, dass Tyland tot ist?
  • Neben Corlys scheint Rhaenyra sich auch in dem Glauben einen neuen Feind zu machen. Wird sie den Septon dazu zwingen können, sie zu krönen und zu salben?
  • Als Rhaenyra ihr Volk anhörte, erinnerte dies stark an #2.01 A Son For A Son, als Aegon sich in der gleichen Situation wiederfand und ebenso überfordert und hilflos erschient wie nun seine Schwester.
  • Daemon soll nun also ins Grüne Tal aufbrechen. Ich gehe fest davon aus, dass er auf Rhaena treffen wird und ihr Geheimnis aufdeckt.
  • Die Spannung zwischen Mysaria und Daemon wächst stetig an. Arbeiten die Autoren darauf hin, dass Rhaenyra sich irgendwann zwischen den beiden entscheiden muss?

Fazit

Es ist eine melancholische Episode, die Rhaenyra in ihrer neuen Aufgabe zeigt und ihr dabei in jeder neuen Situation vor Augen zu halten scheint, dass sie nicht gut auf den Thron vorbereitet ist. Man merkt bereits, wie dies an ihr nagt und wie sie mit aller Macht versucht, sich selbst treu zu bleiben und gleichzeitig den Erwartungen gerecht zu werden. Mal sehen, wie lange das gut geht.

Marie Müller - myFanbase

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