Review: #3.02 Königinsmund
Schmerz, Verlust, Unsicherheit. Das ist es, was man nach dem Staffelauftakt von "House of the Dragon" gespürt hat. Mit Jacaerys ist nicht unbedingt eine Figur gestorben, die massiv zum Geschehen beigetragen hat, aber eine, die emotional einen großen Wert hat. Er war es, der sich immer an die Regeln hielt, er war es, auf den Rhaenyra sich verlassen konnte, er war es, an den der eiserne Thron einmal gehen sollte. Es ist, als wäre eine Hoffnung gestorben. Eine Hoffnung darin, dass Rhaenyras Thronanspruch berechtigt ist. Denn wenn sie nach diesem immer persönlicher werdenden Kampf niemanden mehr hat, an den sie die Krone vererben kann, warum dann überhaupt daran festhalten? Während sich all diese Gedanken auftun, wird der Leichnam von Jacaerys ein letztes Mal durch die Flure von Drachenstein getragen und bietet Emma D'Arcy beim Anblick des Leichnams ihres Seriensohnes einen Anblick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Anders als beim Tod von Lucerys, wo es nicht mehr viele Überreste gab, die es in den Arm zu nehmen galt, sieht Rhaenyra sich nun Angesicht zu Angesicht mit dem leblosen Körper ihres erstgeborenen Kindes gegenüber. Den Schmerz, den Rhaenyra fühlt, weiß D'Arcy schmerzhaft authentisch auf die Leinwand zu bannen, indem sie zwischen Wut, Trauer und Verleugnung schwankt. Es ist unglaublich bewegend, wie man uns an diesem Verlust teilhaben lässt und man merkt auch im Verlauf der Episode, dass hier nicht einfach nur ein Kapitel abgehakt wurde, sondern, dass dieses Erlebnis einschneidende Gefühle hinterlassen hat.
Die restlichen Ereignisse stehen unter dem Schatten von Jacaerys' Tod. Es ist schauspielerisch ein Fest, Emma D'Arcy und Matt Smith wieder vereint zu sehen und man empfindet unheimlich viel Triumph, als die beiden gemeinsam durch Königsmund schreiten. Dennoch wirkt Rhaenyra nicht mehr so selbstsicher wie früher. Im Angesicht des Thrones braucht sie die Bestätigung durch Aegons Tod, im Angesicht seines Fehlens braucht sie die Versicherung Daemons, in Angesicht von Ottos Todesurteil braucht sie einen zweiten Schlag, um dessen Leben zu beenden – einen Tod, der zu diesem Zeitpunkt der Geschichte eher als Wow-Moment wirkt, denn als richtungsweisend. Und als sie dann endlich auf dem Thron ihrer Ahnen Platz nimmt, wirkt Rhaenyra alles andere als glücklich. Furcht, Unsicherheit und Zweifel spiegeln sich in ihrer Miene wider und geben den kommenden Episoden somit sehr viel, wovon sie zehren können.
Die Episode hat viele Teilstücke, aus denen sie sich zusammensetzt. Eines davon ist das Siegesfest der Schwarzen, nach der Schlacht am Roten Arm. Es gibt einen harten Schnitt zu den feiernden Schwarzen, der ungemein gut gelungen ist. Man spürt die Freude von jedem einzelnen bezüglich des Sieges und genauso schnell stirbt diese Freude in den Augen von Daemon, als er die Nachricht von Rhaenyra erhält. Ohne zu zögern macht er sich daraufhin auf den Weg nach Drachenstein und dort gibt es eine Charaktervereinigung, die wir in Staffel 2 zu selten hatten. Matt Smith und Emma D'Arcy verstehen es, wie bereits erwähnt, unheimlich gut, das Beste auseinander hervor zu kitzeln und ich hoffe, dass wir nach den gegenwärtigen Entwicklungen in dieser Staffel noch oft die Gelegenheit haben werden, die beiden Seite an Seite zu sehen. Indes wendet sich der Schauplatz Königsmund zu, wo Alicent tatsächlich – fast – all das in die Wege leitet, was sie Rhaenyra versprochen hat.
In Bezug auf Rhaenyra steht der Verlust ihrer Familie im Vordergrund, doch was die Velaryons angeht, gleicht man die Waagschale deutlich aus. Wir bekommen Szenen zwischen Alyn und Baela, Addams Suche nach Corlys und schlussendlich einen gemeinsamen und intimen Moment zwischen Corlys und seinen Nachkommen. Dieses Zusammentreffen schlägt allerdings ebenfalls einen melancholischen Ton an und fügt sich daher sehr gut mit dem der Targaryens zusammen. Gern mehr davon.
Kurze Eindrücke
- Zusätzlich zu den Hauptgeschehnissen sehen wir Aegon, der auf der Flucht selbst Partei für sich ergreift und sich nicht länger schwächlich zeigt. Das ist eine vielversprechende Wendung.
- Aemond erreicht Harrenhal. Abgesehen von dem Saphirauge könnte er Daemons jüngerer Bruder sein. Mal schauen, was Alys ihm für Träume bereitet.
- Wieder kein Blick auf Daeron. Man macht es wirklich spannend.
- Warum versucht Mysaria gegen Daemon zu sticheln?
- Rhaena war nicht direkt für den Tod von Jacaerys verantwortlich. Warum ist sie geflohen? Man schafft hier eine interessante Grundlage für Daemons anstehende Erkenntnis, dass seine Tochter in die Schlacht verwickelt war, in der der Sohn seiner Frau ums Leben kam.
- Ein weiterer Hinweis auf die fragwürdige Loyalität von Hugo und Ulf. Während man Addam durch die Bindung an Corlys ganz eindeutig als "Familie" kennzeichnet, macht man genau so deutlich klar, dass Hugo und Ulf durch ihre fehlenden direkten Bande zu den restlichen Targaryen weitaus weniger stark mit ihnen verbunden sind.
- Hat die Szene mit Jasper "Eisenrute" Wylde irgendwem etwas gebracht?
- Jacaerys und Lucerys sind beide wie Targaryens auf Drachen gestorben und fanden ihr Ende wie Velaryons in der See.
Fazit
Obwohl diese Episode um einiges ruhiger war, als ihr Vorgänger, so weiß sie emotional doch umso deutlicher zu überzeugen. Die Saat des reißerischen Staffelauftaktes trägt deutliche Früchte und bestätigt damit den Eindruck, dass diese Staffel sich hohe Ziele gesteckt hat.
Marie Müller - myFanbase
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Diskussion zu dieser Episode
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: Queen's LandingErstausstrahlung (US): 28.06.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Erstausstrahlung (Pay-TV): 29.06.2026
Regie: Clare Kilner
Drehbuch: Sara Hess
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