Bewertung

Review: #3.01 Salt and Sea, Fire and Blood

Foto: Harry Collett & Emma D'Arcy, House of the Dragon - Copyright: Ollie Upton/HBO
Harry Collett & Emma D'Arcy, House of the Dragon
© Ollie Upton/HBO

Der Auftakt der dritten Staffel von "House of the Dragon" lässt nichts anbrennen und startet direkt mit Vollgas durch. Es gibt Schlachten so weit das Auge reicht, Siege und Niederlagen, vor allem aber das Gefühl, endlich wieder mittendrin in der Geschichte der Targaryens zu sein.

Es ist zwei Jahre her, dass wir den Kampf um den eisernen Thron in die Pause geschickt haben und ich war mir nicht sicher, auf welche Weise man das nächste Kapitel in dieser Geschichte beginnen würde. Würde es sanft und gespickt von Intrigen sein, um Rhaenyras Machtübernahme in Königsmund in den Vordergrund zu rücken? Wäre es laut und erfüllt von Drachenfeuer? Würden wir neue Gesichter kennenlernen, die in dieser Staffel relevant sein werden, oder wirft man zuerst einen Blick auf die bereits etablierten Figuren? Würde man sich auf einige wenige Figuren konzentrieren und die Handlung bei ihnen einen großen Schritt voranbringen, oder könnte man es auch schaffen, uns ein kleines Wiedersehen mit jedem der altbekannten Gesichter zu verschaffen. Zu meiner großen Freude hat man es geschafft, von jedem dieser Aspekte ein wenig in die Episode einzubringen. Dadurch entsteht ein rascher Wechsel zwischen den Schauplätzen, der der Episode eine enorme Dynamik verleiht.

Wir starten im grünen Tal, wo Rhaena dem herrenlosen Drachen Schafsdieb nachstellt, was bereits in #2.08 The Queen Who Ever Was angeteasert wurde. Wie schon in Staffel 2 ist es ein wahrer Nervenkitzel, einen Targaryen dabei zu erleben, wie er versucht, einen ausgewachsenen Drachen zu unterwerfen. Überdeutlich fühlte ich mich an #2.07 The Red Sowing erinnert, als Ulf und Hugo zu Drachenreitern wurden und nun ist Rhaena an der Reihe. Nachdem sie so viele Jahre im Schatten ihrer Schwester stand und sich nur wie ein halbes Mitglied der Familie fühlte, gönnt man es ihr ungemein, dass sie nun ebenfalls eine Drachenreiterin ist. Doch dieses Gefühl des Wohlwollens schlägt mit einem Ruck um, als sich zeigt, dass sie Schafsdieb nicht kontrollieren kann. Waghalsig stürzt Rhaena sich in die Schlacht an der Gurgel und es ist eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle, sie bei ihrem Unglücksritt zu beobachten. Gepaart ist dieser Teil der Episode mit der eigenmächtigen Entscheidung Jacaerys', sich ins Kampfgetümmel zu stürzen. Die Euphorie, Jacaerys einmal in Aktion erleben zu dürfen, nachdem er sich sonst immer brav gefügt hat, schlägt allerdings bald in Anspannung um, als Sharako Lohar drauf und dran ist, Jacaerys und Vermax vom Himmel zu holen. Die Schlachtszenen sind eindringlich und spannungsgeladen, da keine Partei in der Übermacht ist und man wahrlich bangen muss, wie die Sache ausgehen wird. Und hier liefert "House of the Dragon" bereits im Staffelauftakt die ersten Kracher, indem einer der Hauptcharaktere direkt das Zeitliche segnet. Nachdem der erste Schuss auf Vermax durch das Zutun von Baela auf Mondtänzerin glimpflich ausging, trifft dies auf den zweiten nicht zu und wir müssen mit Schrecken in den Augen mit ansehen, wie erst Vermax in den Tiefen des Meeres versinkt und ihm gleich darauf ein mit Pfeilen gespickter Jacaerys folgt. Dieser Tod trifft beim Zusehen direkt ins Mark und erinnert an den von Lucerys und Arrax, die beide ebenfalls viel zu zeitig Opfer des Drachentanzes wurden.

Parallel zum Drachen-Anteil der Schlacht, weiß auch der See-Anteil zu überzeugen. Mit Sharako hat man einen unberechenbaren Gegenspieler vor sich, vor dem sich nicht nur Corlys, sondern auch Tyland in Acht nehmen muss. Getrieben von altverankerten Rachegelüsten setzt Sharako alles daran, Corlys zu vernichten und dabei sollen nicht nur seine Schiffe brennen und im Meer versinken, auch seinen Sitz Driftmarkt lässt Sharako nicht unversehrt. Das Entsetzen darüber stellt Steve Toussaint eindrücklich zur Schau. Als die Schlacht, die bildgewaltiger nicht sein könnte, sich fortsetzt, bleibt am Ende offen, ob Corlys und Tyland noch am Leben sind, oder ob sie ebenfalls Opfer dieses packenden Spektakels wurden.

Während die Schlacht ganz eindeutig das Herzstück dieser Episode ist, kommen aber auch die anderen Figuren nicht zu kurz und man legt jeweils den Grundstein für die nächsten Episoden. Rhaenyra, erst ganz erpicht darauf, Königsmund in Kürze einzunehmen, muss tatenlos mit ansehen, wie ihr Sohn und Erbe an ihrer statt in den Kampf zieht und man kann nur erahnen, wie der Tod eines weiteren Kindes sie in der nächsten Episode treffen und ihr den Boden unter den Füßen wegziehen wird. Gleichzeitig haben wir da Alicent, die bei ihrer Rückkehr nach Königsmund erschrocken feststellt, dass alles, was sie Rhaenyra versprochen hat, in Trümmern liegt. Aegon verschwunden, Aemond auf dem Thron und keine Aussicht, dass die Stadt friedlich an Rhaenyra übergeben werden kann. Während ich Aemonds Kuss mit Alicent genau so wenig einordnen kann, wie Alicent, so ist dennoch ganz deutlich, dass man eine weitere Parallele zwischen ihm und Daemon schafft, da der Moment stark an Daemons Traum in #2.05 Regent erinnert.

Es gibt nur kleine Blicke auf Daemon und Kriston, doch diese unterstreichen sehr kräftig, wie unterschiedlich die Gefühlslagen der beiden sind. Daemon ist nach dem Sieg über die Lannisters in der Schlacht am Roten Arm und nach dem Auftauchen der Winterwölfe selbstsicher, während der Tag für Kriston düsterer kaum sein könnte. Gleichzeitig nutzt man den Ausflug ins Landesinnere, um uns mit Alicents Cousin Ormund bekannt zu machen. Als ein kleines Manko empfand ich es an dieser Stelle, dass wir zwar einen Blick auf Tessarion erhaschten, Daeron Targaryen allerdings noch nicht vorgestellt wurde.

Neben dem fesselnden Kampf in der Gurgel, lässt es sich die Episode nicht nehmen, auch noch für einen Lacher zu sorgen. Es war einfach herrlich, mit welcher Selbstsicherheit Larys auftrat und wie er sich trotz der Konfrontation mit Anhängern Rhaenyras nicht aus der Ruhe bringen ließ. Im krassen Gegensatz dazu stand Aegon, dem im Angesicht der Enttarnung jegliche Gelassenheit abhandenkam.

Kurze Eindrücke

  • Die Vater-Sohn-Dynamik zwischen Corlys und Alyn hat mir gut gefallen. Ich bin gespannt, ob Corlys vielleicht doch überlebt hat und wir die beiden Schauspieler noch einmal zusammen in Aktion erleben dürfen.
  • Als Addam, Ulf und Hugo abwarten, um Aemond abzufangen, unterstreicht man deutlich, wie unterschiedlich gefestigt ihre Loyalität zu Rhaenyra ist. Während Addam sehr entschlossen hinter ihr steht, ist Ulf das komplette Gegenteil von ihm. Mal sehen, in welche Richtung sich Hugo entwickeln wird.

Fazit

Das war ein sehr gelungener Staffelauftakt, der trotz des großen Fokus auf die Schlacht auch mit sanften und ruhigen Momenten überzeugen konnte. Die Balance, die diese Episode mit sich bringt und die Sorgfalt, mit der man jede Figur in die Handlung einbezieht, lassen auf eine großartige Staffel hoffen.

Marie Müller - myFanbase

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