Oscars 2017 - Die besten Filme

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In den vergangenen Wochen haben wir uns mit den männlichen und weiblichen Nominees der Oscars 2017 befasst und nun, knapp eine Woche vor der Verleihung der 89. Academy Awards, ist es an der Zeit, sich mit der Königskategorie auseinanderzusetzen. Welcher Streifen darf in diesem Jahr den Titel "bester Film" mit nach Hause nehmen?

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© 2016 Sony Pictures Releasing GmbH

Anders als in den Jahren 2016 und 2015 stehen dieses Mal wieder neun Filme zur Wahl, die sich einen Kampf um den Preis aller Preis liefern. Es ist nicht verwunderlich, dass es einer mehr ist, da das vergangene Jahr so einige beeindruckende Filme mit sich brachte und man diese schon bereits durch eine Nominierung für den Oscar auf ewig ehrt. Doch auch wenn in allen Filmen viel Arbeit steht und die Schauspieler gut abgeliefert haben, ist bereits jetzt klar, dass manche bessere Chancen auf den Sieg haben als andere.

Fangen wir mit "Arrival" an. Der Film hat es in drei der Big Five Kategorien geschafft und überrascht damit, dass Hauptdarstellerin Amy Adams nicht zu den diesjährigen weiblichen Nominees gehört. Schon allein das ist ein schlechtes Zeichen, stellt sie doch den Dreh- und Angelpunkt des Filmes dar. Ebenfalls hinderlich für den Oscar-Sieg ist das Genre des Filmes, da Science Fiction nun einmal nicht zu den Lieblingen der Academy zählt. Ich bin mir sicher, dass "Arrival" nicht mit leeren Händen nach Hause gehen muss, doch als bester Film kann sich dieser Werk sicher nicht behaupten.

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© Paramount Pictures Germany GmbH

Als zweites geht "Fences" von und mit Denzel Washington sowie Viola Davis an seiner Seite ins Rennen. Diesem Film rechne ich mehr Chancen ein als "Arrival", doch das Drama wird es schwer haben, sich mit den anderen Werken des Genres zu messen. In "Fences" erzählt man uns die Geschichte eines dunkelhäutigen Arbeiters in den 60er Jahren, dessen Leben nicht allzu viel Anlass zur Freude bietet und genau das könnte dem Film zum Verhängnis werden. Man braucht einen Silberstreifen am Horizont, etwas, dass dem Film zum Schluss gut abrundet, doch im Fall von Washingtons Charakter fehlt dieses Element. Ohne Zweifel setzt Washington sich hier sehr gut in Szene und hat auch als Regisseur ganze Arbeit geleistet, doch ich denke, dass er und Viola Davis hier mehr Chancen haben, einen Award in den bester Schauspieler-Kategorien zu gewinnen, als der Film an sich, da das Drama dafür einfach zu wuchtig ist.

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© 2017 Universum Film

Es ist in der Film-Branche sehr beliebt, sich wahre Begebenheiten zu Nutze zu machen und diese zu verfilmen. Genau dies hat man bei "Hacksaw Ridge - Die Entscheidung" getan. Der Film dreht sich um einen waschechten amerikanischen Helden, der seinen Mut, seine Tapferkeit und seinen unbeugsamen Willen im Zweiten Weltkrieg mit den Japanern als Feind unter Beweis stellt. Andrew Garfield passt sehr gut in die Rolle des gutherzigen Pazifisten und man beobachtet seinen Leidensweg mit Interesse und Anteilnahme. Doch für einen Oscar reicht es meiner Meinung nach nicht. Zwar ist das Kriegsdrama äußerst bildgewaltig, es gibt an sich alles, was das Herz begehrt: einen Helden, eine Liebesgeschichte, ein Happyend, wahre Begebenheiten, doch der Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass "Hacksaw Ridge" in Sachen Regie, Sound oder Editing gewinnt, als besten Film des Jahres 2016 würde ich ihn aber nicht bezeichnen.

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Die geringsten Chancen auf einen Oscar als bester Film hat meiner Meinung nach "Hell or High Water". Man erzählt uns hier die Geschichte von zwei Brüder, die sich als abgewandelte, moderne Variante von Robin Hood versuchen. Dabei liegt es ihnen nicht im Sinn, sich zu bereichern und das obwohl sie das gestohlene Geld allein für sich selbst wollen. Sie wollen eine finanzielle Ungerechtigkeit ausgleichen, um ihrer nächsten Generation das Leben zu erleichtern. Das Prinzip ist recht simpel und spielt sich in einer Cowboy-Atmosphäre ab, wodurch man dem ganzen noch einen Hauch mehr Männlichkeit verleiht und erneut aufzeigt, dass die Geschichte sehr einfach gestrickt ist. Richtige Begeisterung ist bei mir jedoch nicht aufgekommen, denn die Charaktere sind zu grob angelegt und man geht mit ihnen nicht genug in die Tiefe. Dadurch wirkt der Film phasenweise sehr schleppend, wogegen selbst das gute Schauspiel der vier im Vordergrund stehende Männern nicht helfen kann.

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© 2017 Twentieth Century Fox

Viel lebendigen wirkt dagegen "Hidden Figures Unerkannte Heldinnen" und auch in diesem Fall macht man sich die amerikanische Geschichte zu Nutze, da die drei bei der NASA arbeitenden Frauen tatsächlich existiert haben und großes in der Historie der farbigen Frauen bewirken konnten. Das Dreiergespann aus Octavia Spencer, Janelle Monáe und Taraji P. Henson gibt ein sehr gutes Team ab, das durch seine Zielstrebigkeit den Zuschauer in seinen Bann zieht. Auch dass der Film sich um den ersten bemannten Weltraumflug dreht, kommt ihm zum Vorteil, da dies ein fesselndes Thema ist. Trotz allem glaube ich nicht, dass "Hidden Figures" mit dem Oscar rechnen kann. Die anderen nominierten Dramen sind dafür einfach zu stark, wodurch die positive Wendung, die der Film zum Schluss hin für alle drei Frauen mit sich bringt, fast schon kitschig wirkt.

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Ebenfalls nach wahren Begebenheiten erzählt ist der Film "Lion: Der lange Weg nach Hause" und auch ihm rechne ich ähnliche mittelmäßige Chancen ein wie "Hidden Figures". Das zentrale Thema in "Lion" ist die Suche. Die Suche nach der Familie. Nach dem wahren Ich. Nach seinen Wurzeln. Mit Dev Patel hat man die Figur des Saroo Brierley sehr gut besetzt, besonders wenn man sich daran erinnert, dass der Brite bereits in "Slumdog Millionär" ausgezeichnete Arbeit geleistet hat und die Zuschauer auf seiner Suche vor die Leinwand fesseln konnte. Genau so gut gelingt des Dev Patel auch ein paar Jahre später und auch Nicole Kidman spielt ganz wunderbar. Leider befürchte ich, dass "Lion" als einer der großen Verlierer aus dem Oscarrennen hinaus gehen wird. Der Film ist in sechs Kategorien nominiert, wobei ich denke, dass er sowohl in den Schauspiel-Kategorien als auch als bester Film nur mäßige Chancen hat. Ich würde ihm wünschen, dass er wenigstens für das beste adaptierte Drehbuch geehrt wird, doch auch hier ist die Konkurrenz stark.

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Kommen wir zu den Filmen, die sich selbst als Favoriten bezeichnen können. Da hätten wir als erstes "Moonlight", der in vier der Big Five-Kategorien nominiert ist. Dieses Drama wird in drei Abschnitten erzählt und berichtet uns vom Leben des Jungen Chiron, der ein Außenseiter, schüchtern und eher introvertiert ist. "Moonlight" bringt genau die richtige Mischung aus Drama, Hoffnung und charakterlicher Entwicklung mit sich, um sich als bester Film profilieren zu können. Allerdings schläft die Konkurrenz nicht und in den bisherigen Preisverleihungen lieferte sich "Moonlight" stets ein Kopf-an-Kopf Rennen, wobei der Film bei den Golden Globe den Preis für sich beanspruchen konnte, während er bei den SAG-Awards nur in der Kategorie bester Nebendarsteller gewann und bei den BAFTA-Awards gänzlich leer ausging. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mahershala Ali mit einem Oscar ausgezeichnet wird und auch in Sachen bester Film und bestes Drehbuch stellt "Moonlight" einen der drei Spitzenkandidaten dar.

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"Manchester by the Sea" kann sich über sechs Nominierungen freuen, ist ebenfalls in vier der Big Five vertreten und steht "Moonlight" in Sachen Drama um nichts nach. Wir begleiten in diesem Fall den von Casey Affleck gespielten Hauptcharakter durch sein düsteres Leben, das in der einen Zeitebene vom Ableben seines Bruder erzählt und uns in der anderen Zeitebene Flashbacks in dessen Vergangenheit zeigt, die die Ursache für den von Grund auf erschütterten Mann ist, den Affleck so wunderbar traurig auf die Leinwand zaubert. Wenn ich mich entscheiden müsste, welches Drama die besten Chancen hat, wüsste ich nicht, ob ich "Manchester by the Sea" oder "Moonlight" sagen sollte, denn in beiden Fällen geht einem die Geschichte des Hauptcharakters sehr zu Herzen und man versteht es ausgezeichnet, den Zuschauer in jeder Sekunde mit ihm mitleidet zu lassen. Hut ab also vor diesem heißen Oscar-Kandidaten.

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Last but not least haben wir da noch "La La Land", der Nominierungs-Spitzenreiter, der in sage und schreibe 14 Kategorien auf einen Oscar hoffen darf. Im Gegensatz zu "Moonlight" und "Manchester by the Sea" kann man "La La Land" nicht als Drama durch und durch bezeichnen, da der Musical-Film zunächst viel fröhliche Töne anschlägt und somit eigentlich schon fast aus dem Rahmen fällt, da Comedy und Musical im Mix nicht unbedingt zu den Filmen zählen, die man als Oscar-würig bezeichnen würde. Doch die Geschichte, die uns Emma Stone und Ryan Gosling erzählen, hat es in sich und wandelt sich im Verlauf des Filmes von spaßigem Gesang, zu Romantik, zu Schmerz und der Frage "Was wäre wenn?". Somit stellt "La La Land" zwar was das Genre angeht so halb einen Außenseiter dar, doch in Sachen Schauspiel und Wandlungsfähigkeit ist man lange nicht so positiv überrascht wurden. Genau das spiegelt sich auch in den zahlreichen Auszeichnungen wieder, die der Film bereits für sich verbuchen durfte.

Der Autorentipp

Es fällt schwer sich zu entscheiden. Ich denke, dass "Moonlight", "La La Land" und "Manchester by the Sea" gleich große Chancen haben. Die Frage ist, ob die Mitglieder der Academy lieber ein Drama vorne sehen wollen und sich daher zwischen "Manchester by the Sea" und "Moonlight" entscheiden werden, oder ob man dem bunten Hund "La La Land" die Ehre gibt und sich eingesteht, dass auch ein Film mit bunten Kostümen, freudigem Gesang und einer süßen Liebesgeschichte der beste Film des Jahres sein kann. Ich würde es "La La Land" am meisten gönnen, da der Film zunächst so weit unter dem Radar flog, dass er nicht einmal in allen großen Lichtspielhäusern Deutschlands auf dem Programm stand.

Marie Florschütz - myFanbase

Wer hat den Oscar verdient? Stimmt ab!

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