Bewertung: 8
Barry Jenkins

Moonlight

"At some point you gotta decide who you wanna be."

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Inhalt

"Moonlight" begleitet die Entwicklung eines kleinen schwarzen Jungen, über die Jugend hinweg bis zum Start ins Erwachsenenleben. Zwischen Drogen und Gewalt, Freundschaft und Verzweiflung präsentiert der Film ein eindrucksvolles emotionales und bewegendes Portrait eines Menschen, der kontinuierlich die Erwartungen an ihn und seine eigenen Hoffnungen in Einklang zu bringen versucht.

Kritik

Ein Film, in dem die Geschichte eines Schwarzen erzählt wird, der mit wenig Geld und einer drogensüchtigen Mutter aufwächst das ist nicht unbedingt etwas Besonderes in der Kinolandschaft der letzten Jahre. Doch "Moonlight" schafft es durch einen grandiosen Cast, ein einfühlsames Drehbuch und eine Geschichte, die eben doch etwas anders ist, als eindrucksvolles Kinoerlebnis hervorzustechen. Chiron (im Verlauf des Films auch 'Little' und 'Black') ist schüchtern, zurückgezogen und weiß in seinem jungen Alter schon seine Homosexualität einzuordnen. Dies führt jedoch gerade in der Schule zu einigen Problemen. Sein bester Freund bittet ihn immer wieder, doch endlich für sich selber einzustehen und sich nicht immer von den Mitschülern und Schlägertypen der Schule niedermachen zu lassen, doch Chiron ist in dem Alter noch niemand, der sich Konfrontationen stellt, sondern lieber den Kopf einzieht.

Trotz dieser Charakterisierung, schafft es "Moonlight" seinen durch und durch liebevollen, wenn auch zerbrechlichen Charakter in den Fokus zu stellen, so dass eine starke emotionale Bindung zum Zuschauer hergestellt wird, die den Film auch weiterhin prägt. Wichtige wiederkehrende Charaktere, die ihm immer wieder zur Hilfe eilen sind einst Fremde, bei denen er Unterschlupf gesucht hat, die jedoch zu engen Verbündeten geworden sind, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten gerade Mahershala Ali (Juan) dürfte "Marvel's Luke Cage"-Fans ein Begriff sein.

Barry Jenkins bringt mit "Moonlight" einen Film ins Kino, der nicht durch teure Effekte oder ausufernde Dramatik besticht, sondern durch Ehrlichkeit und immer wieder auftretende Momente absoluter Verletzlichkeit. Der Film portraitiert das Leben eines Schwarzen in einem Vorort von Miami. Im Verlauf des Films, der in drei Kapitel aufgeteilt ist, wechselt der Hauptcharakter mehrfach seinen Namen, wodurch die gezeigten Lebensabschnitte klar voneinander getrennt werden. Diese Abgrenzungen führen im Endeffekt allerdings dazu, dass die Verbindungen zu vergangenen Lebensabschnitten in einzelnen Szenen umso stärker hervortreten. Im Laufe des Films nennt sich der Hauptcharakter Little (Alex Hibbert), Chiron (Ashton Sanders, "Straight Outta Compton") und Black (Trevante Rhodes) die Kapitel, die durch Zwischentitel eingeblendet werden, tragen die gleichen Namen was den prägenden Charakter der einzelnen Namen zusätzlich unterstreicht.

'Little' stellt mit Hilfe von Handkameras die Perspektive des kleinen Jungen dar, der sich auf der Flucht von gewaltbereiten Klassenkameraden ausgerechnet in einem Drogenverschlag wiederfindet. Einzig die Tatsache, dass sein Retter ganz zufällig vorbeikommt und sich trotz Drogendealer-Tätigkeit fürsorglich und väterlich mit Chiron beschäftigt, scheint etwas aus der Luft gegriffen. Aber auch hier führt die Kameratechnik dazu, dass schnelle Perspektivwechsel den Zuschauer in der Situation geradezu fesselt und minimale Unstimmigkeiten fast nicht bemerkt werden.

'Chiron' ist der Teil des Films, der am ehrlichsten wirkt. Vielmals wird der Hauptcharakter im Stich gelassen, nicht nur von seinem scheinbar besten Freund, sondern auch immer wieder durch seine eigene Mutter. Mehrfach wird durch eine entspannte Lichtstimmung und entsprechende Musik der Eindruck erweckt, dass sich doch alles noch zum Guten wenden kann. Barry Jenkins stellt mit "Moonlight" ganz klar, dass er weiß, welche einzelnen Aspekte im Film den Zuschauer fesseln, ohne ihn gleich vollends zu überfordern und dennoch wirkt es nie gezwungen.

Mit 'Black' geht "Moonlight" dann einen etwas anderen Weg, der sowohl vom schauspielerischen, als auch von der Handlung leider etwas schwächer ist als die ersten zwei Drittel des Films. Die Relation zu vorhergegangenen inhaltlichen Aspekten fängt an zu stolpern und rundet den Film etwas gehetzt ab. Es bleibt die Frage, ob dies nicht eventuell sogar genau so gewollt ist, da Musik und Bildsprache ebenfalls eine recht deutliche Gradwanderung begehen. Selbst ohne persönlichen Bezug zu einigen Aspekten der Handlung und der Charaktere, fühlt man sich gerade dem Hauptcharakter Chiron den ganzen Film hindurch sehr verbunden. Dies wird sowohl durch Handkameras und die daraus resultierenden schnellen Perspektivwechsel bewirkt, aber auch durch wiederkehrende Lichtmuster und vor allem durch exzellent ausgearbeitete Charaktere, die einfach authentisch sind.

Fazit

Für mich ist "Moonlight" der Underdog unter den Oscar-Kandidaten 2017 ein emotionales Portrait, ohne jemals entschuldigend zu wirken. Mit schnellen Schnitten und absolut durchchoreografierter Farbgebung schafft der Film eine reale, unverfälschte Atmosphäre, die dem Kino in den letzten Jahren oft gefehlt hat.

Jeanne Plaumann - myFanbase
20.02.2017

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