Bewertung: 8

Fences

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Inhalt

Troy und Rose Maxson leben im Pittsburgh der 1950er Jahre. Während Troy bei der Müllabfuhr arbeitet, ist Rose Hausfrau. Die beiden und ihr Sohn Cory scheinen ein glückliches wenn auch bescheidenes Leben zu führen. Troy, dessen Traum es früher war Baseball-Star zu werden, ist der festen Überzeugung, dass er damals aufgrund seiner Hautfarbe diskriminiert wurde und schwingt vor seiner Frau und seinem besten Freund Bono stets Reden, was aus ihm hätte werden können und wie er sich in seiner ereignisreichen Vergangenheit bereits durchgeschlagen hat.

Kritik

Bereits der erste Ton des Filmes malt ein eindeutiges Bild vom schweren Leben des Troy Maxson. Die Geräusche der Müllabfuhr, das Viertel, indem Troy und Bono leben, der Hinterhof vom Haus der Maxsons. All dies macht klar, dass wir es hier mit einer Arbeiterfamilie zu tun haben, die sich für das tägliche Brot die Hände schmutzig machen muss und das ist in Troys Fall wörtlich zu nehmen, denn als "Müllmann" ist genau dies seine Aufgabe. Im krassen Gegensatz zu diesen Bildern steht der starke Charakter dieses Mannes, der von nichts aus der Bahn zu bringen ist, Lobeshymnen auf sich selbst singt und in jeder Sekunde neue Fragen beim Zuschauer aufwirft. Schon als man Troy zum ersten Mal auf dem Weg nach Hause begleitet und sein stetiger Redestrom einen in seinen Bann zieht, fragt man sich, wie sich dieser Mensch selbst sieht und was wir im Verlauf der Geschichte noch alles über ihn erfahren werden.

Es ist fantastisch, wie Denzel Washington gleichzeitig die liebende Seite Troys gegenüber Rose aufzeigen kann, allerdings in der nächsten Sekunde dann wieder sein kaltes Herz zeigt, das stets zum Vorschein kommt, wenn sein Sohn Lyons auftaucht. Auch an diesen Stellen will man tiefer in Troys Vergangenheit abtauchen und erfahren, was ihn zu diesem verbitterten aber dennoch selbstsicheren Mann gemacht hat.

Im Lauf der Geschichte war ich mir nicht sicher, ob mir Troy nun sympathischer oder unsympathischer wird. Klar ist auf jeden Fall, dass Washington wie für diese Figur geboren zu sein scheint, denn er vermag beide Seiten des Charakters wahnsinnig glaubhaft auf die Leinwand zu zaubern. Man nimmt Troy ab, dass er Rose über alles liebt, aber die Wende zur Hälfte des Filmes, passt eben so sehr zu ihm. Es steht im vollkommen Einklang mit den Kindheits- und Verbrechergeschichten, die Troy uns erzählt und durch die wir erfahren, dass Troy stets einen rechtschaffenen Kern hatte, sich aber dennoch immer auf Abwege hat ziehen lassen.

Wenn man neben einem großartigen Schauspieler steht, wirken alle andern um ihn herum manchmal recht fad und man kann ihnen im direkten Vergleich nicht viel abgewinnen. Doch im Fall von Viola Davis ist genau das Gegenteil der Fall. Diese Frau versteht es, über ihre Grenzen zu gehen, Rotz und Wasser zu heulen, sich in einer Minute sexy und in der nächsten zutiefst erschöpft zu zeigen. Ganz egal in welchem Moment, sie kann ihrem Film-Mann immer das Wasser reichen und in einigen Aufnahmen stellt sie Washington sogar in den Schatten.

Als die Wahrheit ans Licht kommt, entsteht im Film ein dramaturgisch wunderbar gelungener Moment. Man kann Troy verstehen, seine Erklärungen sind vollkommen logisch und dennoch war ich überrascht über den Wandel und den plötzlichen Frost, der sich über die Maxsons legt. Dem gegenüber stand die Reaktion von Rose, die nicht weniger auf den Punkt getroffen ist und stellt einen enormen emotionalen Wandels dar.

Es ist, als würde Davis in der letzten Hälfte des Filmes einen Schalter umlegen, da ihre Figur in der vom Beginn des Filmes nicht mehr wiederzukennen ist. Es ist ein Funkeln in ihren Augen erloschen und gleichzeitig ein neuer entstanden. Dass sie nicht mehr die Gleiche ist, merkt man auch in Sachen Erziehung, denn zwischen den Zärtlichkeiten, die Rose mit Cory und Raynell austauscht, liegen Welten.

Man greift in "Fences" ein gleichzeitig banales und tiefgründiges Thema auf: das Leben, die Ehe. Auch sonst ist der Film eher minimalistisch angelegt, er spielt sich zum Großteil im Hinterhof der Maxsons ab, auf den das ganze Leben reduziert wird. Auch dass man einige Personen, über die gesprochen wird, niemals zu Gesicht bekommt, verschärft den Fokus auf Rose und Troy, was aufgrund des emotionalen Druckes, der mit jeder abgelaufenen Minute des Filmes immer größer wird, sehr passend wirkt.

Fazit

Ein schauspielerisch grandioser Film, in dem Viola Davis und Denzel Washington sich immer wieder gegenseitig übertrumpfen. Das harte Drama passt daher sehr gut zu diesen starken Akteuren.

Marie Florschütz - myFanbase
16.02.2017

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