Bewertung: 8
Kenneth Lonergan

Manchester by the Sea

Foto: Copyright: Universal Pictures International Germany
© Universal Pictures International Germany

Inhalt

Der zurückgezogen lebende Lee Chandler arbeitet als Hausmeister und versucht, sich stets von den Menschen in seiner Umgebung zu distanzieren. Eines Tages erfährt er, dass sein Bruder Joe gestorben ist, weshalb sich Lee gezwungen sieht, in seine alte Heimatstadt Manchester-by-the-Sea zurückzukehren. An den Ort hat Lee sehr schmerzhafte Erinnerungen, die ihn nie loslassen und nun kommt alles erneut hoch. Gleichzeitig muss sich Lee um seinen Neffen Patrick kümmern, da Joe wollte, dass sein Bruder das Sorgerecht für ihn übernimmt. Lee versucht, eine Lösung für alles zu finden, während er die Beerdigung seines Bruder in die Wege leitet und immer wieder an seine Vergangenheit in Manchester-by-the-Sea erinnert wird.

Kritik

Bereits mit den ersten Tönen im Film erklärt man den Zuschauern wortlos, dass man sich auf dem Weg in eine todtraurige Drama-Geschichte befindet, was erneut unterstrichen wird, als man uns den Hauptcharakter des Filmes, Lee Chandler (Casey Affleck), vorstellt. Der leere Blick, die herunterhängenden Schultern, die Unfähigkeit ein Lächeln über die Lippen zu bringen und die Art, wie Lee zu jedem auf Distanz zu gehen scheint, sprechen Bände und lassen erahnen, dass er Schreckliches durchlebt haben muss. Doch es scheint Lee noch nicht schlimm genug getroffen zu haben, denn man beginnt die Geschichte mit dem Tod seines Bruders Joe (Kyle Chandler). Hier zeigt Affleck, aus was für einem Holz er gemacht ist und dass er selbst eine Figur, die von vornherein hoffnungslos wirkt, noch einen Schatten dunkler darstellen kann. Erneut scheint das Herz von Lee zu brechen, doch der Mann scheint durch den permanenten Schmerz, den er mit sich umherträgt, bereits so abgestumpft zu sein, dass er nicht einmal eine Träne vergießen kann. Und obwohl es Lee nicht gelingt, die Trauer um Joes Tod auszuleben, wird doch klar, dass er seinen Bruder schmerzlich vermissen wird.

Mit Flashbacks erzählt man uns langsam, wie Lees Leben noch vor ein paar Jahren ausgesehen hat. Er war ein äußerst glücklicher Mann, hatte Familie und verbrachte seine Freizeit liebend gern mit Joe und dessen Sohn Patrick (Lucas Hedges) beim Angeln auf ihrem Boot. Damals konnte Lee strahlen und sich mit anderen freuen, eine Fähigkeit, die ihm im Verlauf des Lebens abhanden gekommen zu sein scheint. Doch warum? Was ist passiert? Eine Antwort auf diese Frage lässt sich mit jedem weiteren Flashback erahnen und je mehr Details aus Lees Vergangenheit man erfährt, desto mehr Mitleid hat man mit diesem Mann.

Den gleichen Schmerz teilt auch Lees Exfrau Randi (Michelle Williams) und strahlt mit jeder Pore Traurigkeit aus. Am intensivsten ist dabei die Szene, in der sich Randi und Lee zufällig treffen und eine Art Aussprache haben. Hier kommen Schauspieler und Zuschauer gleichermaßen auf ihre Kosten, denn die Akteure dürfen ihr Können unter Beweis stellen, während das Publikum erneut zutiefst erschüttert reagiert. Zwar sieht man von Michelle Williams im Film nicht allzu viel, Casey Affleck hingegen begleitet einen durch jede Szene und man erhofft sich für den gebrochenen Mann einen Silberstreifen am Horizont.

Im Umgang mit Patrick stellt sich Lee recht steif an, was allerdings sehr gut zu der Figur passt. Patricks Verhalten ist für mich hingegen der einzige Kritikpunkt am Film. Man erkennt schnell, dass er unter zerrütteten Familienverhältnissen aufgewachsen ist. Einerseits scheint er zu wissen, wie man eine liebevolle Beziehung zu einem anderen Menschen aufbaut, andererseits ist er sehr berechnend, was für mich nicht gut unter einen Hut passt. Denn in dem einen Moment glaubt man, dass Patrick nun etwas dazu lernt und dass sich eine Wendung in der Handlung ergibt, dann lässt man diese Chance aber fallen wie eine heiße Kartoffel, wodurch mir Patrick im Verlauf des Filmes fast ein wenig unsympathisch geworden ist.

Bei einem Drama dieser Klasse ist es nur logisch, dass es zum Schluss keinen Regenbogen und stimmungsvolles Gelächter gibt, doch das Ende des Filmes ist dennoch sehr passend inszeniert. Es wird darauf verzichtet, die Düsternis, die Lee umgibt, plötzlich verpuffen zu lassen, da klar ist, dass er über die Vergangenheit nie wirklich hinweg kommen wird. Doch mit Patrick an seiner Seite scheint Lee nun in der Lage zu sein, endlich wieder auf Menschen zuzugehen und so hat man dann doch Hoffnung, dass er irgendwann wieder ungezwungen Lächeln kann.

Fazit

"Manchester by the Sea" ist ein wirklich trauriges Drama, bei dem die Schauspieler ihr Bestes geben, um uns den Gemütszustand ihrer Charaktere näher zu bringen. Dabei muss nicht immer alles in Worte gefasst werden, denn manchmal reicht die traurige Melodie im Hintergrund, um uns zu zeigen, wie es in den Figuren aussieht.

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Marie Florschütz - myFanbase
24.01.2017

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