Bewertung: 8

Review: #5.20 A Needle In The Heart

"Chicago Med" hat sich ohne Frage in den vergangenen Wochen in einen Flow begeben und sich mit #5.17 The Ghosts Of The Past und der 100. Episode zudem auch noch belohnt. Die Corona-Pandemie sorgt nun dafür, dass OneChicago und damit auch die Arztserie in eine verfrühte Sommerpause gehen musste. Hätte man um diesen Umstand nicht gewusst, hätte man die nun zum Staffelfinale gewordene aktuelle Episode auch problemlos dafür ursprünglich konzipiert haben, denn es gab eine ungewöhnliche Ballung von dramatischen Momenten; nur der Cliffhanger fehlte am Ende.

In den vergangenen Episoden sind einige interessante Handlungen begonnen worden, wie das Auftauchen von Sharon Goodwins Sohn Michael oder die Kleinfamilie von Maggie Lockwood. Das Staffelfinale greift von diesen Themen nun nichts auf, vermutlich ein Hinweis darauf, dass ein paar der Geschehnisse noch für das eigentliche Staffelfinale hinausgezögert werden sollten. Aber das ist auch gar nicht schlimm, da dafür andere interessante Aspekte vorangetrieben wurden, wovon diesmal vor allem Dr. Crockett Marcel und Dr. Natalie Manning herausragen. Seit einigen Wochen wissen wir nun schon, dass der Traumachirurg offenbar ein Kind hatte und damit ein trauriges Schicksal erlebt hat. Diesen Andeutungen wird nun Nahrung gegeben, was wirklich super ist, denn endlich ist man bereit, bei Marcel tiefer zu gehen. Er gerät in den Fokus von Mordermittlungen in New Orleans, da es bei einem Cold Case einen neuen Hinweis gegeben hat. Dadurch, dass Marcel mit Natalie in #5.16 Who Should Be The Judge in eine Entführung geraten ist, wurden nachher zur Beweissicherung ihr und ihm eine DNA-Probe entnommen, woraufhin es in der Datenbank einen Treffer bei Marcel gegeben hat.

Auch wenn wohl keiner der Kollegen behaupten kann, Marcel wirklich zu kennen, da er lieber auf Schutzmauern und Ablenkung setzt, sind sich doch alle einig, dass sie in ihm keinen Mörder sehen. Vor allem Natalie kann die Anschuldigungen nicht fassen, da sie nun schon seit einiger Zeit mehr in ihm vermutet. Zufällig stößt sie bei ihren Recherchen durch einen Studienfreund von Marcel auf die Wahrheit, dass er eine Tochter an Leukämie verloren hat. Da sie selbst Mutter ist und oft genug traurige Schicksale bei den jüngsten Patienten miterlebt, schweißt das natürlich zusammen und Natalie wird endgültig klar, dass der trauernde Mann ganz sicherlich kein Mörder ist und über die gestorbene Harper wird ihr auch klar, dass Marcel als Knochenmarkspender registriert worden sein muss, in der Hoffnung, auf Harper zu passen und ihr das Leben retten zu können. Der eigentliche Glückliche der Spende ist aber anscheinend von den Schlechten, denn er hat den Mord begangen und Marcels DNA wurde am Tatort gefunden, weil er einen Teil davon mit der Spende abgegeben hat. Es war eine extrem spannende Konstruktion und die beispiellose Leidenschaft von Natalie und ihrem Spürsinn. Ich fand es am Ende auch gut, dass Natalie in die Dankbarkeit hinein verrät, dass sie von Harper weiß. Das lässt Marcel seine Schutzschilde zwar wieder hochfahren, aber es wäre eine unnötige Qual gewesen, die Info weiter hinauszuzögern. Wir sind nun auf Marcels wichtigstes Geheimnis gestoßen und ich bin extrem gespannt, was daraus entstehen wird.

Bei Dr. Will Halstead und Dr. Hannah Asher bleibt derweil alles beim Alten. Die Geschichte der beiden wird leider weiterhin nicht so inszeniert, dass ich bei den beiden als Paar wirklich mitfiebern könnte. Hannah bleibt als Figur blass wie ein Schlossgespenst und Will trifft in Bezug auf sie weiterhin fragwürdige Entscheidungen. Er hat sich trotz der Warnungen von Dr. Daniel Charles auf eine Beziehung mit Hannah eingelassen, daher wäre es fatal, ständig hinter allem einen Rückfall zu vermuten. Bislang hat er ihr auch vorbildlich den Rücken gestärkt, dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass Will sich oft genug einredet, dass schon alles gut werden wird. In dieser Episode gab es gleich mehrere Anzeichen dafür, dass Hannah lügt. Ob nun, weil sie tatsächlich wieder rückfällig geworden ist oder aus ganz anderen Gründen, das ist völlig egal, denn Will merkt, was vorgeht und dennoch schweigt er die Beobachtungen tot. Stattdessen lässt er seine Gefühle wie immer an den Patienten und ihren Kontaktpersonen aus. Wie immer wenig professionell. Am Ende hat er seine "Lektion" gelernt, denn Maggie erinnert ihn, dass er einfach immer an das Gute im Menschen glaube. Ja wunderbar, aber man kann förmlich gegen den Wind riechen, dass bei ihm diese Eigenschaft zu sehr an Naivität grenzt, weswegen er sich damit in Schwierigkeiten bringen wird. Von daher leider weiterhin kein Potenzial, das ich in Staffel 6 weiterverfolgt sehen will.

Ich bin auch unentschlossen, wie ich eine weiter andauernde Beziehung zwischen Dr. Ethan Choi und April Sexton für Staffel 6 sehe. Richtig harmonisch ging es da auf Dauer nie zu, da ihnen immer schon wieder der nächste Stein in den Weg gelegt worden ist. Dennoch will ich ihre Beziehung auch nicht gänzlich verteufeln, da die beiden etwas haben, was auch in dieser Episode wieder zu sehen war. April hat Ethans Wunsch erstmal befolgt und seine Wohnung geräumt, obwohl sie ganz offensichtlich noch nicht endgültig mit der Beziehung abgeschlossen hat. Ethan aber braucht Abstand, weswegen er die Notaufnahme auch vorerst für den Einsatz im aktiven Rettungsdienst getauscht hat. Wenn man diesen Schritt schon geht, dann wäre es extrem vertan gewesen, hier keine spannende Situation zu kreieren. Ethan und seine Kolleginnen werden zu einem Kiosk gerufen, wo sich ein Geiselnehmer mit einem angeschossenen Jungen verkrochen hat. Ganz Ethan zögert dieser nicht eine Sekunde und läuft mitten in die Gefahr, ausgebildeter Soldat eben. Ganz oft steht es ihm nicht besonders, wenn er ganz nach seinem Naturell handelt, hier kann er aber wunderbar seine heroischen Züge ausspielen und es war ein kurzer, aber wilder Ritt. Und am Ende steht April bereit, die mitbekommen hat, in was für eine Gefahr er sich gebracht hat. Für mich persönlich war das von Seiten Aprils aus mal wieder ein starker Moment für diese Beziehung. Ewig lang hat sie Marcel noch sehnsüchtige Blicke zugeworfen, so dass man genauso wenig wie Ethan wusste, was sie wirklich will. Das war aber eine Geste ganz alleine für ihn und daher gehe ich fest davon aus, dass die Beziehung der beiden weitergehen wird.

Weiterhin dabei bleiben könnte auch Anna Charles. Sie bringt zwar vorerst nur typische Probleme einer Jugendlichen mit sich, aber es ist interessant mitzuerleben, wie Daniel, der nun wahrlich kein junger Vater mehr ist, damit umgeht und dadurch auch sich selbst reflektiert. Bei den eigenen Familienmitgliedern ist es immer schwierig, auf der professionellen Ebene zu bleiben, weswegen er bei ihr wohl noch öfters ins Fettnäpfchen treten wird. Es ist aber vor allem schön, wie sehr er sich aktuell bemüht und wer weiß, was aus Annas Anwesenheit nicht noch alles herausgeholt werden kann. Sie ist auf privater Ebene jedenfalls die ideale Ablenkung von seinem Verlust von Caroline Charles.

Fazit

"Chicago Med" beweist auch in der zufällig zum Staffelfinale gewordenen Episode, dass die zweite Staffelhälfte der Arztserie ein zufriedenstellendes Level erreicht hat, das wieder richtig Lust macht. Diesmal ist es auch eine sehr spannende Episode geworden, die vor allem mit dem Geheimnis um Marcel und dem Showdown rund um Ethan Nadelstiche setzen konnte. Einzig Will bleibt aktuell das große Laster, aber ich bezweifle, dass die Serienmacher das auch so empfinden. Also auf eine Staffel 6 mit Will und allen anderen!

Lena Donth – myFanbase

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