Bewertung: 8

Review: #7.13 Der große Sprung

"Chicago Fire" arbeitet derzeit eher mit innerhalb einer Folge abgeschlossenen Storylines, was der Serie aktuell sehr gut tut, da so viele verschiedene Aspekte angepackt werden können. Aus der letzten Folge waren nur Emily Fosters Probleme mit Dr. Jim Shaw offen, der ihren Korb offenbar nicht akzeptieren will und ihr ankündigt, dass sie ihn so schnell nicht loswird. Dieser Entwicklung habe ich zwar skeptisch entgegengesehen, aber nähern wir uns dadurch endlich Emilys privater Seite an?

Die Antwort darauf ist gar nicht so einfach zu geben. So wie gewünscht, sind wir nicht in Emilys private Seiten eingetaucht. Es wird zwar deutlich herausgestellt, dass sie eher eine Einzelgängerin ist, die ihre Probleme lieber mit sich selbst ausmacht, aber das ist immer noch nicht das Ausmaß an Anknüpfungspunkten, das ich mir erhofft hatte. Andererseits konnte ich auch erleichtert feststellen, dass die Folge genutzt wurde, um Emily enger an Wache 51 zu binden und das wiederum hat den Rest aufwiegen können. Aber erstmal der Reihe nach. Shaw stellt sich als sehr hartnäckiger Mann heraus, der kein Nein versteht und ist damit bei der selbstbewussten und sich selbstbehauptenden Emily genau an der richtigen Stelle. Ich hatte ja eher damit gerechnet, dass er ihr ständig nachrennt, aber ich hätte nicht gedacht, dass er so eine hinterlistige Methode wählt, die sogar auf Kosten von Sylvie Brett geht. Daher bin ich sehr froh, dass er seine Abreibung so schnell bekommen hat und dass wir ihn damit auch schon wieder los sind.

Zwar muss ich wie Chief Wallace Boden feststellen, dass Emily mit Shaw wohl alleine fertig geworden wäre, aber ich fand es trotzdem toll, dass die ganze Storyline genutzt wurde, um die Verbindung von Emily zu ihren Kollegen zu stärken. Gerade nach dieser Folge ist mir aufgefallen, dass sie tatsächlich immer noch etwas isoliert war. Sie war zwar immer dabei, aber nie richtig mittendrin. Erstmal lernt sie in dieser Folge, dass Sylvie ihr eine bedingungslose Partnerin ist, da sie sie bei allen Schritten ohne zu zögern unterstützt. Selbst als ihr Job gefährdet ist, sucht sie die Schuld nicht bei Emily. Das wussten wir Zuschauer definitiv schon über Sylvie, nun weiß es auch Emily. Boden hatte ihr in #7.09 Always A Catch bereits bestätigt, dass sie Teil der Familie ist und das wird in dieser Folge eindrucksvoll unterstrichen. Natürlich war die ganze Mannschaftsstärke aufzufahren etwas übertrieben, als Zeichen war es aber so 100 % Wache 51, dass ich den Moment richtig gefeiert habe.

Eng verknüpft damit war nun auch die Charity-Aktion, bei der man in den Lake Michigan springt. Emily verneint zunächst eine Teilnahme, einer dieser Momente, die ihre Außenseiterrolle noch unterstreicht, aber am Ende erscheint sie doch, aus Dankbarkeit, weil sie Hilfe in der Angelegenheit mit Shaw bekommen hat. Wie dann alle zusammen ins bitterkalte Wasser laufen, das war wirklich der perfekte Schlusspunkt dieser Folge, die gezeigt hat, wie man zwei Storylines geschickt zu einer verweben kann. Natürlich wurde die Charity-Aktion auch wieder für einige humorvolle Szenen genutzt. Diese waren auch wunderbar inszeniert. Mein persönliches Highlight waren Joe Cruz, Randall 'Mouch' McHolland und Brian 'Otis' Zvonecek in der Dusche.

Die zweite starke Storyline dreht sich um Christopher Herrmann, der nach längerer Pause nun einmal wieder in seiner neuen Position als Lieutenant des Löschzugs herausgefordert wird. Auf dem Weg zu einem Einsatz kommt es zu einem verhängnisvollen Unfall mit einem Jugendlichen, der mit seinem Auto am Heck des Löschzugs geklebt hat, um alle Verkehrsregeln missachten zu können. Herrmann kann den jungen Mann unter Einsatz seines Lebens retten, doch bei ihm mag so recht keine Erleichterung einkehren. Ich denke, das war begründet durch die Tatsache, wie verzweifelt das Opfer war, da er überzeugt war, sterben zu müssen. Sätze, die man niemals hören will, aber ganz sicherlich nicht von einem Jugendlichen, der noch ein langes Leben vor sich hat. Ich fand es nur logisch, dass Herrmann sofort Parallelen zu seinem gleichaltrigen Sohn Lee Henry gezogen hat, der selbst gerade erst seinen Führerschein gemacht hat. Vermutlich ist Herrmann in diesem Moment erst klar geworden, dass sein Sohn damit einer unkontrollierbaren Gefahr mehr ausgesetzt ist.

Ich fand dieses Thema unheimlich spannend, weil es so realistisch umgesetzt war. Ich kenne es selbst von meinen Eltern, die in Situationen um mich besorgt sind, wo ich gerne mal die Augen verdrehe. Andererseits bin ich auch wiederum große Schwester und bin immer überzeugt, dass die kleine Schwester nicht so verantwortungsbewusst ist, wie ich es selbst von mir meine. Das ist aber alles ein schmaler Grat, da tagtäglich Menschen sterben, sei es nun tatsächlich aus Unvernunft oder als Opfer von anderen unvernünftigen Menschen. Zudem fand ich diese Elternsorge einnehmend dargestellt, da man die Kinder am liebsten für ewig in einen Kokon packen würde, doch damit nimmt man ihnen die Luft zum Atmen. Etwas schade fand ich in diesem Zusammenhang nur, dass Herrmann sich nicht direkt seiner Frau Cindy Herrmann anvertraut hat, da die beiden nun wirklich eine vertrauensvolle Beziehung haben, andererseits wurde so natürlich die Dramatik noch erhöht.

In einer Folge voller Highlights rätsle ich immer noch, was in dieser Folge mit Kelly Severide und Matt Casey geplant war. In den letzten Folgen hat mir sehr gefallen, wie viele gemeinsame Szenen sie miteinander haben und dass sie sich als Freunde bei ihren gegenseitigen Problemen beistehen. Diesmal wirkten ihre gemeinsamen Szenen aber, als ob es kein genaues Ziel für sie beide gab. Kelly fühlt sich scheinbar in der Ehre gepackt, dass Stella Kidd ihre Freizeit in vollen Zügen genießt und will mit Matt einen richtigen Partyabend erleben. Alles gut und schön, aber am Ende sehen wir nur wieder, dass Kelly sich leichter tut, Frauen aufzureißen, aber ansonsten fehlt mir bei dieser Teilhandlung ein wenig die Botschaft. In dieser ansonsten so runden Folge hätte man sich diese paar Szenen also sparen können.

Fazit

"Chicago Fire" trifft in der zweiten Folge nacheinander genau den richtigen Ton bei gleich drei Storylines. Die Mischung aus Humor und Tiefgründigkeit ist auf den Punkt getroffen und schleicht sich somit einfach ins Herz der Zuschauer. Einzig die gemeinsamen Szenen von Matt und Kelly standen etwas planlos im Raum.

Lena Donth – myFanbase

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