Bewertung: 7

Review: #5.09 The Ride

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Vier Geschichten, vier Zeitebenen und doch haben alle etwas gemeinsam. Das ist typisch "This Is Us". Die Pearsons haben zuletzt Zuwachs in Form der so passend von Kate getauften "New Big Three" erhalten und es ist an der Zeit, dass diese in Ihr neues Zuhause gefahren werden. Dazu werden Parallelen aus der Vergangenheit gezogen, aber auch ein Blick in die Zukunft auf weiteren Pearson-Nachwuchs geworfen.
 
Zuletzt hatte ich mehr Flash Forwards gefordert und bin nun gleichzeitig froh, einen solchen sehen zu dürfen, aber auch enttäuscht, weil sie im Gegensatz zu den Flashbacks immer sehr kurz ausfallen und mehr Fragen aufwerfen, als sie letztendlich beantworten. Ich war mir eigentlich gleich in der ersten Szene mit den angehenden Jungärzten ziemlich sicher, dass es sich bei der jungen Frau um Déjà handelt. Dem Casting gebührt wieder einmal großes Lob, denn die Auswahl der Darsteller in den verschiedenen Altersstufen hat schon immer überzeugen können, was sich einmal mehr in der kurzen Montage der Autofahrten von Jack und Rebecca mit ihren Kindern über mehrere Jahre hinweg zeigte. Und so passt auch diese Schauspielerwahl so verblüffend treffend auf die uns bisher bekannte junge Déjà. Das man ausgerechnet sie in den Fokus der Zukunftshandlung stellte, hat mich zusätzlich gefreut, wird diese mir doch sehr ans Herz gewachsene Figur in der aktuellen Gegenwartshandlung doch nur sehr stiefmütterlich behandelt. Sie ist also schwanger und neben der Frage nach dem Vater, stellt sich natürlich auch die Frage, wie weit sie damit ist und warum sie zwar ihre Schwester, nicht aber Randall und Beth darüber eingeweiht hat. Da von Malik keine Rede war, gehe ich jetzt nicht davon aus, dass er der Vater sein wird. Schließlich ist es ihre erste Beziehung und daraus gleich eine gemeinsame Familienzukunft ableiten zu wollen, ist mir dann doch zu weit hergeholt. Wirklich mehr Aufschluss gibt die Handlung leider nicht und so bleibt wenigstens die Aussicht darauf, dass die Familienbande weiter besteht und die nächste Generation ansteht. Wer am Ende der Folge mit dem Auto anreist, bleibt noch im Dunklen und ich hoffe, wir müssen jetzt nicht wieder bis zum Staffelfinale warten, um darauf eine Antwort zu bekommen.
 
Die Blicke in die Zukunft enden stets am gleichen Ort und zuvor stellte sich dort auch beispielsweise die Frage, wer die Mutter von Kevins Kindern und möglicherweise auch die Frau an seiner Seite sein könnte. Die Episode lässt mich nun zunehmend warm mit dem Gedanken werden, dass Madison nicht nur die Mutter, sondern auch tatsächlich Kevins künftige Frau sein könnte. Der Heiratsantrag könnte natürlich auch eine falsche Fährte sein, aber Madison hat im Laufe der Staffel eine deutlich ausgereiftere Charakterisierung erhalten. Aus dem eher komödiantisch angelegten Side-Kick von Kate, ist eine junge Frau mit Geschichte, Reife und Ernsthaftigkeit geworden. Sie zeigt inzwischen so viele Facetten. Vor der Geburt stand noch die Einsamkeit und fehlende Zugehörigkeit im Fokus und in dieser Folge ist sie nicht nur souverän mit den Neugeborenen, sondern zeigt im Umgang mit dem Kevin und dem sie verfolgenden Paparazzo eine witzig charmante und überraschende Seite. Ich musste wirklich laut lachen, wie sie den Mann um den Finger wickelte und Kevin gleichzeitig erden konnte. Gleichzeitig konnte mich in diesem Handlungsstrang die fiktive Unterhaltung von Kevin und Jack überzeugen. Ich bin eigentlich kein Freund solcher Konstellationen, aber es hat mich einfach berührt Jacks Worte an seinen Sohn zu hören, er solle ihm nicht weiter nacheifern, sondern als Vater seinen eigenen Weg gehen. Damit wurde endlich etwas ausgesprochen, das schon lange im Raum stand und es fühlte sich einfach harmonisch an.
 
Etwas schwächer war für mich die zweite Gegenwartshandlung. Ich fand es nicht sonderlich überraschend, eher vollkommen verständlich, dass Ellie einen Rückzieher von der offenen Adoption machen will. Grundsätzlich muss das ja auch wie Toby auch Kate zu verstehen gab, keine endgültige Entscheidung sein. Aber ich würde es wohl auch seltsam empfinden, das eigene Kind zwar zur Adoption freizugeben, aber dennoch einen regelmäßigen Part in dessen Leben zu spielen. Der Abstand wird es für Ellie zunehmend leichter machen, sich mit ihrer Entscheidung arrangieren zu können und auf der anderen Seite wird es auch Kate und Toby den Aufbau der Beziehung zu Hailey vereinfachen. Immerhin kennen sie die Mutter und können in der Zukunft Haileys Fragen nach ihrer Herkunft beantworten. Am Rande erfahren wir außerdem, dass Toby seinen Job verloren hat und Kates Reaktion darauf zeigt einmal mehr, wie gefestigt ihre Ehe inzwischen wieder ist. Es bleibt nun abzuwarten, ob dies ein neuer Handlungsstrang werden wird, der möglicherweise auch Auswirkungen auf die Zukunftshandlung haben könnte. Eindeutig geklärt war diese Situation in den kurzen bisher bekannten Szenen nicht.

Die Szenen mit Randall, Beth und Annie unterschieden sich zunächst einmal darin, dass es sich dabei nicht um die Heimfahrt mit ihrem ersten Kind handelte. Dennoch gab es darin zwei Dinge, die mir gut gefielen. Der von Randall gehaltene Monolog an Annie, dass er sich freue, mit ihrer Geburt seinem inzwischen eigenen Stammbaum einen weiteren Ast und damit seiner Familie entgegen seiner eigenen Erfahrung eine Herkunft schenken zu können, war ein schöner, emotionaler Moment, der noch einmal die zuletzt zurückgelegte Reise Randalls auf der Suche nach seiner Abstammung zusammenfasste und damit hoffentlich nun auch erzählerisch einen Abschluss fand. Auf der anderen Seite musste ich über das recht plakative Product Placement von Dairy Queen schmunzeln. Wer auf einer USA-Reise schon einmal dort Halt gemacht und einen "Blizzard" bestellt hat, kann Beths Verlangen danach sicher besser nachvollziehen (auch wenn ich persönlich die Oreo-Variante vorziehe). Den typischen Blizzard-Moment hat man uns allerdings leider vorenthalten. Denn traditionell wird der Eisbecher beim Überreichen durch das Personal kurz auf den Kopf gestellt und das ist einfach so albern, dass ich mir auch ganz ohne bildhafte Vorführung ein Lachen nicht verkneifen konnte.
 
"And I would give anything I own. I'd give up my life, my heart, my home. I would give everything I own. Just to have you back again."
 
"This Is Us" wäre nicht "This Is Us", wenn nicht erneut eine Episode aus Rebeccas und Jacks Vergangenheit die Basis aller anderen erzählten Geschichten bildet. Und natürlich ist man als Zuschauer versucht, die Parallelen ihrer Vergangenheit in den einzelnen Geschichten der (ersten) Heimfahrt aus dem Krankenhaus zu suchen und dabei dennoch Unterschiede festzustellen. Wir kennen Rebeccas Traurigkeit nach dem Verlust eines der Drillinge, die ad hoc auch nicht durch Jacks Begeisterung über die Aufnahme von Randall in die Familie zu verdrängen war. Und während Jack in Rebeccas Gegenwart immer den ruhenden Pol geben durfte, der für alles eine Lösung parat zu haben scheint, war es nun auch irgendwie beruhigend zu sehen, dass auch er angesichts dreier Neugeborener, so etwas wie Panik verspürte, die von nun an sein und Rebeccas Leben auf den Kopf stellen sollten. Die Erinnerung an seinen Vater, der ihm schon als Kind die Luft zum atmen nahm, ist zwar nicht neu, aber die Art und Weise wie Rebecca ihm diesen Druck mit wenigen Worten nehmen konnte, war nicht weniger anrührend, wie die Geschichte der Fehlgeburt ihrer Mutter und deren Kummer, den sie angesichts ihres eigenen Verlustes nicht selbst länger mit sich herum tragen wollte. All das gepaart mit dem Songtext aus dem Radio, den sie fortan als ihren Song für sich und ihre Familie titulierte, gab in sich eine runde und stimmige Geschichte ab. Rebecca und Jack haben alles für den jeweils anderen und ihre Kinder gegeben und nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder würden sich eine Rückkehr Jacks in ihr Leben sicher sehr wünschen. Besser konnte es einfach nicht passen.
 
Fazit
 
Erst beim Schreiben dieser Review ist mir aufgefallen, dass die zunächst scheinbar inhaltlich so unspektakulär daherkommende Episode in der näheren Betrachtung ihrer Einzelteile viele kleine und wunderbar stimmige Geschichten erzählen konnte, die die serientypischen Wohlfühlmomente aufkommen ließen und dabei vergessen machten, dass die fortlaufenden Handlungen kaum voran kamen, aber insgesamt doch Vieles mehr stimmig zusammenpasste, als dies noch zu Beginn der Staffel der Fall war.
 
Jan H. - myFanbase

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