Bewertung: 5

Review: #10.08 Nichts ist wie zuvor

Foto: Avianna Mynhier, Dan Fogler & Danai Gurira, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Avianna Mynhier, Dan Fogler & Danai Gurira, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

Wie zu erwarten war, setzt diese Episode direkt ans Ende der letzten Episode an. Zunächst mit einem wichtigen Rückblick, dann mit einer starken Rosita. Danach spielt Taktik eine große Rolle und man widmet sich auch wieder ganz anderen Abschnitten, wodurch der Showdown hinausgezögert wird. Das macht natürlich Sinn, denn spontanes Handeln würde die Situation nicht besser machen. Trotzdem liegt eine beeindruckende Atmosphäre über der Episode die zum Ende hin dann aber leider nachlässt.

"Niemand ist wirklich gütig."

In der letzten Episode hatte ich in Bezug auf Dantes Rolle doch einige Fragen gestellt, die mir Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Storyline ließen. Diese Episode knüpft genau an dieser Stelle an und gibt tatsächlich befriedigende Antworten. Dante wollte zu den Whisperern gehören und hat sich quasi angebiedert. Dass er zu dieser großen Aufgabe kommt, macht dann sogar Sinn, weil Lydia langjährige Vertraute hätte identifizieren können. Ein Fakt, den ich in meinen Zweifeln nicht berücksichtigt habe. Trotzdem ist für mich nicht schlüssig, mit welcher Vehemenz Dante davon überzeugt ist, dass das Leben der Whisperer das bessere sei, weil es dem schlechten Wesen des Menschen gerechter wird. Die philosophische Komponente in diesen Konflikten macht immer wieder Freude. Dante ist überzeugt, ein Verfahren zu bekommen, weil das in Alexandria so läuft. Und diesen Weg geht man auch erst, bis Gabriel die Leitungen durchbrennen und er Selbstjustiz walten lässt. Es gibt einfach diese Momente, an denen man weiß, dass es genau so kommen musste und das auch gut so ist. Dante ist einfach Gift mit seinen Ansichten. Ich habe jedenfalls eine gewisse Art von Genugtuung verspürt, als Gabriel das Kapitel Dante beendete.

"Möglicherweise hatte Dante recht mit uns und wir sind nicht so stark wie wir glauben."

Trotzdem bzw. auch deshalb hat Dante natürlich tiefen Schaden im Selbstverständnis von Alexandria angerichtet, denn der Anspruch an sich als Gesellschaft ist natürlich ein anderer. Darf man wegen einzelner Nutznießer deshalb das Grundsystem in Frage stellen? Diese Frage bzw. diese Stimmung breitet sich sofort auf alle Charaktere aus, denn über Funk wurde natürlich die traurige Kunde von Siddiqs Tod und die hinterlistige Verfahrensweise der Whisperer schnell weitergegeben. So ist es also nicht nur Rosita, die nun zweifelt, plötzlich viel mehr Angst hat und auch in ihrer Mutterrolle eine neue Überforderung spürt. Auch alle anderen wissen nun, dass die Gefahr noch größer als eh schon ist.

"Mitgefühl ist heutzutage sehr selten."

Und so begleiten wir nach größerer Pause auch mal wieder Michonne mit ihrer Gruppe in Richtung Oceanside, die dabei auf einen Fremden treffen, der erst Luke rettet, dann in Oceanside aber als Dieb agieren will und Beißer ins Dorf bringt. Das nun wieder grundsätzliche Misstrauen bestimmt die Geschichte und schafft damit eine beeindruckende Atmosphäre dieser unterschwelligen Angst, weil jeder Anflug von Gnade ein riesiger Fehler sein kann. Judith macht mal wieder eine gute Figur als Kämpferin, während Michonne sich gegen ihre Wut stemmt und dem Fremden schließlich erst mal eine Unschuld zugesteht. Das muss man ihr hoch anrechnen. Mir haben dann aber doch noch ein paar entscheidende Fragen gefehlt. Wenn er auf einer Insel wohnt und man viele Waffen hat, wieso ist er alleine losgezogen, ohne wirklich viel Schutz? Mit welchem Boot ist er gekommen und wo ist das jetzt? Wieso sollte man Michonne dort Zutrauen entgegen bringen? Es ist also alles noch eine vage Geschichte und die lange Abschiedsszene beruhigte mein ungutes Gefühl erst mal nicht. Trotzdem finde ich es absolut richtig, auch in der schlechtesten aller Welten Mitgefühl am Leben zu halten. Und das steckt genau so in jedem Menschen wie alles andere. Die Reise von Michonne wird hoffentlich auch im zweiten Teil der Staffel schnell wieder eine Rolle spielen, wobei man eher davon ausgehen kann, dass dies keine regelmäßige Storyline ist.

"Ich glaube nicht, dass sie lügt."

Aaron glaubt an wichtige Informationen zur Herde gekommen zu sein, weil er Gamma versprochen hat, dass sie ihren Neffen sehen dürfe. Ich glaube auch, dass sie die Wahrheit gesagt hat, finde aber auch, dass es keine gute Idee ist, sich deswegen auf den Weg zu machen. Hätte man sich doch lieber andere Informationen liefern lassen um dann eher die Zweifel an Alpha zu verstärken, statt eine Art Selbstmordkommando zusammen zu stellen. Ein richtiger Plan ist es jedenfalls nicht, sich zu acht gegen die Whisperer aufzulehnen, selbst wenn man es mit Überraschung versucht. Das ist leider ein ziemliches Defizit dieser Episode.

"Wir haben eine Zukunft. Die darf sie nicht auch noch zerstören."

Zumal dann auch noch dazu kommt, dass man nach misslungenen Plan A eigentlich die Suche nach Lydia angehen will, Carol trotz Warnung aber Alpha hinterherrennt, die vollkommen allein scheinend durch den Wald läuft. Dass sie die Gruppe in einen Hinterhalt führen könnte, ist so dermaßen naheliegend, dass ich Carol wirklich nur peinlich finde. Ein bisschen nachdenken sollte schon möglich sein. Wieso hat sie es nicht einfach mit einem Pfeil versucht? Die Fronten sind doch inzwischen geklärt. Die Gruppe hat die Grenze überschritten, insofern gibt es auch kein Taktieren mehr. Jetzt sind sie, ob beabsichtigt oder nicht, in die Falle gegangen. Bravo. Wenn jetzt nicht Negan als Ass im Ärmel gezogen wird, wüsste ich keine logische Erklärung, wie man aus diesem Dilemma wieder herauskommen sollte. Aber für einen Cliffhanger ist wohl alles erlaubt.

Fazit

Das Midseason-Finale der zehnten Staffel kann zwar einige Unklarheiten aus der Vorfolge beseitigen und mit einer bedrückenden von Angst und Zweifel erfüllten Atmosphäre überzeugen, das Handeln der Charaktere erscheint mit dem jetzigen Wissen aber äußerst töricht. Dadurch reicht es nur zu einer durchschnittlichen Bewertung. Vielleicht klären sich mit der nächsten Episode wieder ein paar Dinge auf.

Emil Groth - myFanbase

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