Bewertung: 6

Review: #10.04 Masken

Foto: Cassady McClincy & Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead - Copyright: Eliza Morse/AMC
Cassady McClincy & Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead
© Eliza Morse/AMC

In der vierten Episode der zehnten Staffel von "The Walking Dead" ist die Bedrohung durch die Beißer mal wieder ein zentraler Punkt, denn in Hilltop reißt eine Mauer ein. Derweil ist Alexandria damit beschäftigt, den Umgang mit Lydia und Negan besser zu definieren.

"Wie lange wird es noch halten?"

In Hilltop bricht erst eine Konstruktion und durch die angelockten Beißer schließlich auch eine Wand ein. Mal davon abgesehen, dass es wohl wieder eine riesige Menge an Beißern war, die man stundenlang relativ erfolglos zu bekämpfen hatte, bot die Geschichte eigentlich nur etwas Sinnhaftes, weil man zeigt, wie Yumiko, Luke und Co. bereit sind, ihre neue Heimat zu verteidigen. Trotzdem bleibt alles stückhaft und vieles wird angerissen. Da ist der Disput zwischen Yumiko und Magna, der überraschende Abschied von Luke, der sein Liebesglück in Oceanside finden will, und ein paar tolle Szenen mit Judith, die sich im Kampf fast schon besser als Michonne anstellt. Außerdem war das Gespräch zwischen beiden auf dem Weg nach Hilltop sehr interessant, fast schon philosophisch und hat wieder mal gezeigt, wie viel Grips Judith hat und dass sie das Erbe von Carl anzutreten weiß. Ich bin sehr gespannt, wie es mit Judith weiter geht. Im Moment scheint sie diejenige zu sein, die am Ende für Frieden sorgen könnte und die Vision ihres Vaters wahr werden lässt.

"Ich will nicht, dass du meine Kämpfe für mich kämpfst?"

Deutlich spannender ging es in Alexandria zu und das ganz ohne Beißer. Lydia wird nämlich von ein paar Leuten gemobbt und entscheidet sich selbstbewusst dazu, sich zu wehren. Nur hat sie einfach keine Befürworter außer Negan, sodass die Rache nicht lange auf sich warten lässt und Negan sie vielleicht sogar vor dem Tode retten muss. Ich frage mich immer, was sich die Einwohner denken? Wieso sollte sich Lydia mit ihnen verbünden, wenn sie so ausgegrenzt wird. Natürlich sind alle auf ihre Mutter sauer und trauen ihr nicht, doch die Ängste bewahrheiten sich doch nur, wenn man Lydia weiter zusetzt. Und sie wurde wirklich übel zugerichtet. Der einzige, der Lydia wirklich wie ein Mensch behandelt, ist Negan. Für alle anderen ist sie nur eine Manifestation des Feindes. Aaron hat keine Größe und schaut nur zu, wenn Lydia aus dem Nichts geärgert wird. Kann man es ihm verdenken? Nicht wirklich, aber das Problem liegt ja woanders. Selbst Michonne hat deutlich gemacht, dass Lydia ein taktisches Mittel gegen die Whisperer ist bzw. sie der einzige Trumpf gegen Alpha sei. Mit dieser Einstellung kann auch niemand sonst einen Menschen in ihr sehen. Mir tut Lydia jedenfalls leid, weil ihr großes Unrecht getan wird. Leider fehlt es den Alexandrinern an Reflexionsfähigkeit und Empathie, sodass Lydia sich eigentlich immer im Hinterhalt sieht. Ein spannender Ansatz ist hier die Erwähnung ihres Vaters, der für sie ein Beschützer war. Im ersten Rückblick hatte ich diesen eher als Feigling wahrgenommen, der mit der neuen Welt überfordert ist. Lydia wird aber in Negan endlich ihren ersehnten Vaterersatz finden. Oder wird es dann doch Daryl, der nur Michonnes Befehl ausführt? Ich hoffe jedenfalls sehr, dass man Lydia weiter als Mensch darstellt und so weiterentwickelt und sie nicht nur mit dem strategischen Aspekt belegt wird. Ich finde, dass sie noch für so viel mehr stehen könnte.

"Könntest du von der Kante weggehen?"

Einen größeren Raum nimmt in dieser Episode auch Ezekiel ein, dessen Lebensmut immer mehr schwindet. Er scheint am Ende und sehnt sich offenbar nach einem Ende. Im Moment macht es den Eindruck, als wenn er die Staffel nicht übersteht. Sein philosophisches Gespräch mit der aufmerksamen Michonne war ganz nett und hatte ein paar Denkanstöße, das hilft aber auch nicht so richtig weiter um aus ihm schlau zu werden. Dass er dann plötzlich Michonne küsst, war dann etwas zu plump. Als wenn es da etwas geben würde, nur weil Michonne ihm mal zehn Minuten zuhört. Dass er unter der Trennung von Carol leidet, ist ja verständlich, aber das war unnötig. Trotzdem wird die weitere Entwicklung von Ezekiel in den nächsten Episoden vielleicht noch richtig interessant.

"Wir konzentrieren uns nicht aufs Wesentliche"

Die kritischen Stimmen zum Umgang in Alexandria und die vielen Diskussionen, die eigentlich nur alle ablenken, lassen erahnen, dass das dicke Ende noch kommt. Es sind im Moment nur viel zu wenige, die das auch erahnen. Die knappen Ressourcen werden in kleinen Kämpfen verschwendet, der Rat beschäftigt sich plötzlich mit Negan, obwohl klar ist, dass ihm hier keine echte Schuld trifft und man eher generell etwas an der Stimmung verbessern sollte. Es fehlt aber auch ein richtig klar denkender Anführer. Michonne ist ständig unterwegs, Daryl nicht kommunikativ genug, Carol und Ezekiel haben ganz andere Sorgen und Gabriel wird nicht von allen so richtig akzeptiert oder gehört. Ähnlich ist es auch bei Eugene und Aaron trägt zu viel Hass in sich. Wer also soll wieder richtig Linie in die Gemeinschaft bringen. Maggie muss wohl dringend zurück kommen. Oder aber alle konzentrieren sich wieder auf das Wesentliche.

"Die Menschen machen hier freundliche Gesichter, aber das sind nur Masken."

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu einem der wohl wichtigsten Beobachtungen von Lydia, die sie mit obigen Zitat zum Ausdruck bringt. Der Schein, dass die Gemeinschaft funktioniert, ist wirklich nur ein oberflächlicher Blick. Darunter rumort es, viele sind unzufrieden und es könnte noch einige unnötige Kämpfe geben, wenn sich niemand findet, der zumindest aus Alexandria erst mal wieder eine Einheit bildet.

Fazit

Es flackern immer wieder sehr spannende Aspekte auf, die viel Lust auf mehr machen, allen voran Lydia, Negan und Judith. Im Gesamtkonstrukt fehlt aber der richtige Punch und so wirkt es dann doch etwas ziellos. Irgendwie ist die Episode damit aber auch sinnbildlich für die Situation unserer Helden selbst. Das reicht aber nicht, um die Episode mit mehr als sechs Punkten auszustatten.

Emil Groth - myFanbase


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