Bewertung

Review: #5.18 Crawl Out Through the Fallout

Es ist zwar eine schöne Tradition, wenn die Episode VOR dem Staffelfinale immer ein inhaltliches Ausrufezeichen ist, es ist aber weniger schön, wenn das Finale selbst dafür etwas ereignislos über die Bühne geht. Es ist zwar für viele Handlungsbögen ein rundes Ende gefunden worden und es gibt in Ansätzen eine versöhnliche Stimmung, aber diese Episode wird sicherlich nicht lange in Erinnerung bleiben.

Seit Januar 2022 stand bereits fest, dass "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" eine sechste Staffel bekommen würde, was doch Zeit genug gelassen hat, um ein spektakuläres Finale zu planen, jedenfalls hätte ich mir das in der Theorie so gedacht. Jedoch hätte ich diese Episode nicht als Staffelfinale erkannt, wenn ich es nicht gewusst hätte. Der zentrale Einsatz hatte eigentlich alle Bestandteile, um wirklich groß und mitreißend aufgezogen zu werden, doch das Endergebnis war durchschnittlich. Es war sicherlich beklemmend, die panischen Kinder in dem Schulbus zu sehen, was es für die Feuerwehrkräfte schwierig gemacht hat, abwarten zu müssen, weil überall Strahlung war und auch die Heldentat von Truckfahrer Carl hatte etwas sehr Berührendes, aber insgesamt ist alles zu simpel und ereignislos aufgelöst worden. Exakt diese Wortkombination aus simpel und ereignislos kann ich auch verwenden, um Andy Herrera und ihren Prozess zu umschreiben, denn dazu kommt es einfach nicht, weil sie eine Zeugin ausfindig macht, die gegen Jeremy auch eine Anschuldigung vorbringen konnte und vorbei ist es auch schon. Auch wenn Andy noch eine letzte wichtige Ansprache geschrieben bekommen hat, dass es nicht zum Prozess gekommen ist, finde ich schade. Es wäre doch ein cleverer Schachzug gewesen, die Absurdität eines solchen Prozesses vorzuführen, denn schon das von Victoria "Vic" Hughes angesprochene Schuldbekenntnis ist im Grunde eine Farce, aber hier hat "Seattle Firefighters" einfach eine Chance vertan. Wichtiges Thema, aber am Ende einfach fallen gelassen. Ich hätte zwar nie damit gerechnet, dass Andy wirklich im Gefängnis landet, aber dieses magische Wegzaubern einer Storyline erinnert an einen Angsthasen.

Travis Montgomery nimmt es also wirklich mit Michael Dixon bei der Bürgermeisterwahl auf. Das war eigentlich schon unvermeidlich nach den letzten beiden Episoden, aber so steht also der erste große Handlungsbogen für Staffel 6 fest. Ich bleibe dabei, ich muss hiervon erst wirklich überzeugt werden und will mich nicht davor verschließen, dass das vielleicht wirklich klappen kann, aber alleine die Aussicht auf weitere Dixon-Auftritte macht das nicht gerade attraktiv. Bei Carina DeLuca wiederum wird ein Kapitel abgeschlossen, denn sie hat nun ihre Green Card. Ich bin froh, dass die Bedenken, dass ihre Ehe aus Zweckgründen eingegangen wurde, in dieser einen Episode abgehandelt wurde. Es war auch eine nette Storyline für sie und Maya Bishop, weil die Dynamik ihrer Beziehung wieder sehr gut eingefangen wurde. In manchen Punkten sind sie sich gar nicht unähnlich, aber wie in einer Waage gleichen sie sich immer aus. Erst Carina völlig nervös und Maya völlig entspannt, später genau andersherum. Es wäre vielleicht noch der ideale Höhepunkt für die beiden und für uns als Fans gewesen, wenn wir erfahren hätten, wie es mit der Babyplanung aussieht; ob der erste Versuch gefruchtet hat oder nicht, aber das wurde uns jetzt nicht vergönnt. Dennoch dürfte klar sein, dass dieses Thema ein weiterer fester Bestandteil für Staffel 6 sein wird.

Mit Andys Coup, nun eine freie Frau zu sein, ist das nächste Personalkarussell auf Wache 19 definitiv eröffnet und dazu trägt auch Sean Beckett bei. Auch hier scheint es erstmal den Abschluss einer Storyline zu geben, wenn auch hier wieder zu simpel gestrickt. Denn angetan von Carls Heldentat beschließt er mal so eben, dass er nun einen Entzug machen will. Schön und gut, aber so furchtbar einfallslos. Ich hätte es sinniger und für den Charakter an sich (der uns schon schließlich eine volle Staffel begleitet hat) besser gefunden, wenn er noch einmal wirklich an seine Grenzen getrieben worden wäre, um eine vernünftige Entscheidung für sich zu treffen. So wurde auch die Rivalität zu Robert Sullivan in einer Dimension aufgebauscht, die ohne Knalleffekt verpufft ist. Doch die nächste Gegnerin steht bereit und das besorgt mich. Nachdem Sullivan nämlich von Beckett informiert wurde, wendet er sich an Natasha Ross, denn so kann ihr Versteckspiel ohne weitere Gefahr ein Versteckspiel bleiben. Doch denkste, denn da kommt Maya um die Ecke und will sich ihren Captain-Posten erpressen. Es ist nicht so, als würde dieser Schachzug nicht zu Maya passen, denn sie ist uns im Grunde ja immer als weiblicher Sullivan vorgestellt worden, sie hat das Sieger-Gen und sie ist wahrlich nicht der empathischste Mensch, da sie eine Gabe hat, alles auszublenden, wenn sie selbst davon profitieren kann. Dennoch hat die Beziehung mit Carina sie auch verändert, denn diese ist voll von Gefühlen und Emotionen, was Maya gezwungen hat, sich auch mehr mit sich selbst auseinanderzusetzen. Das hat sie letztlich auch zu einem besseren Captain gemacht, bis sie eben degradiert wurde. Sie hat auch als Lieutenant ihren Job gut gemacht und war immer für ihre Kolleg*innen da, aber im Hinterkopf hat sie sich immer gesagt, ich bekomme meinen Job schon wieder. Als Natasha ihr diesen Zahn aber gezogen hat, war gerade die Babythematik mit Carina so dominant, dass ich einfach dachte, das wird jetzt vielleicht ihr neuer Hauptschwerpunkt. Dementsprechend ist ihre Erpressung nun doch ein großer Rückschritt für ihren Charakter.

Jetzt ist es nicht so, dass ich bei Sullivan und Natasha als Gegenüber wirklich Mitleid empfinde. Ich betone zwar gerne wieder, dass Sullivan sich in dieser Staffel echt gemacht hat, gerade wenn ich an den ganzen Ärger aus der vierten Staffel denke, aber seine Beziehung zu Natasha wird nicht unbedingt als Highlight inszeniert. Der Start mit Natasha war gut, doch die vorletzte Episode war enttäuschend. Diesmal war deutlich zu merken, dass an ihrer Beliebtheit wieder geschraubt wurde, denn ihre Unterstützung für Travis sowie ihre permanente Sorge um Sullivan waren wieder menschlichere Züge und dennoch führen die beiden eben eine geheime Beziehung und das tut sein Übriges, weil es sich irgendwie schmutzig anfühlt. Dabei ist ihre gemeinsame Geschichte alleine vom Papier her echt romantisch und könnte toll inszeniert werden. Aber nach der Liebesszene aus der vergangenen Episode sowie aus der aktuellen hat sich für mich deutlich gezeigt, dass da leider kein Funken ist. Dementsprechend können sie mir nicht wirklich leid tun, dass es mit Maya nun wieder jemanden gibt, der ihr Glück bedroht. Ich fand aber auch Sullivans Miene ganz beachtlich, denn er hat Maya nichts erwidert. Die beiden haben definitiv eine sehr gute kollegiale Beziehung aufgebaut, weil sie eben ähnlich ticken und dementsprechend musste er vielleicht in diesem Moment anerkennen, dass er sich die Gelegenheit auch nicht hätte entgehen lassen. Bei Maya wiederum wird spannend, wie es bei Carina ankommt, wenn sie von der Erpressung erfährt. Auch sie ist kein Freund von Sullivan, aber sie ist auch eine sehr ehrliche und aufrichtige Person und genau deswegen wird ihr Mayas Handeln nicht gefallen. Wird das also die große Bestehensprobe ihrer Ehe in Staffel 6? Oder sehe ich Gespenster?

Bei diesen dunklen Wolken war es dann doch schön, dass es eine richtig wohlige Zusammenkunft in Pru Millers Ehren gab, wo alle dabei sein durften, vor allem Ben Warrens Familie, denn ihm war es auch noch einmal ein Anliegen, seinem Freund und Bruder Dean Miller zu danken. Das war als Abschluss von Staffel 5 noch einmal genau die richtige Botschaft. Auch wenn Dean durch Pru und sein Krisenprogramm weiterleben wird, aber die unmittelbare Trauer um ihn ist damit abgeschlossen und das auf die beste Art und Weise. Vic noch einen typischen Gefühlsausbruch zu geben, war auch total typisch und die gemeinsame Szene mit Pru einfach zuckersüß. Auch dass in diesem Zuge alle Andys Entkommen aus den gesetzlichen Mühlen feiern konnten, war ein guter Schachzug und es sind eben solche Szenen, die das spezielle "Seattle Firefighters"-Gefühl ausmachen.

Auch wenn vor Mayas Intervenieren nicht klar war, ob Natasha den Posten als Captain nun Andy oder Sullivan übergibt, Mayas Eingreifen ändert vermutlich alles, aber auch Jack Gibson setzt noch einen entscheidenden Schlusspunkt. Nachdem in der letzten Episode das traurige Geheimnis seiner Familie offenbart wurde, war er diesmal etwas im Hintergrund und dennoch wurde immer so kleine Hinweise gestreut, die gezeigt haben, wie sehr es in ihm arbeitet. Sei es der Einsatz, wo er den kleinen Edgar näher kennenlernt und wieder einmal ein vertrauensvolles Familienleben erzählt bekommt, oder als er sich Maya und Carina etwas überfordert entzieht und dann spätestens die kleine Feier, wo Dean gedacht wurde und ihm in Flashbacks gemeinsame Momente in den Sinn kamen. Dennoch kam es für mich völlig aus dem Nichts, dass er seinen Job hinschmeißt, um Andy seinen Platz zu überlassen. Es war schon eine traurige Szene, wo sie seinem Auto hinterherlief. "Seattle Firefighters" verabschiedet sich also doch mit einem kleinen Cliffhanger. Auch wenn ich nicht ausschließen mag, dass Grey Damon als Jack wirklich aussteigen könnte, glaube ich aber eher nicht dran, denn ich finde seinen Weggang, um Abstand zu gewinnen, auch seinem Charakter entsprechend. Zwar war Jack immer der, der sich an feste Bindungen klammert, aber auch mit denen ist nun alles zusammengebrochen, was ihm wohl gezeigt hat, dass er sich erstmal selbst mit seinen Dämonen auseinandersetzen muss. Zumindest gehe ich davon aus, dass Jack das in seinem Unterbewusstsein weiß, aber im ersten spontanen Agieren einfach nur fliehen wollte, weil alles zu viel ist. Ich hoffe es jedenfalls, denn seine Geschichte wurde gerade richtig spannend.

Fazit

Wäre das nicht gerade das Staffelfinale gewesen, meine Bewertung wäre ehrlich gesagt schlechter ausgefallen, weil sich fast überall gewisse Mängel eingeschlichen haben, vor allem dass mir zu viele Handlungsbögen zu einfach gelöst wurden. Aber ich will doch auch mit versöhnlichen Gedanken aus dieser Staffel gehen, denn nachdem diese so schleppend losging, dann aber definitiv ihre Highlights geboten hat, ist diese Episode an einigen Stellen durchaus rund. Es ist zwar kein Feuerwerk an Überraschungen geboten worden, aber dennoch war es eine solide Episode, die genug Türen für die sechste Staffel aufstößt.

Lena Donth – myFanbase

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