Bewertung: 6

Review: #4.08 Make No Mistake, He's Mine

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Natürlich war es völlig klar, dass es für die so gebeutelte Victoria "Vic" Hughes kein länger anhaltendes Happy End geben würde, aber so schnell hätte ich mit den dunklen Wolken bei ihr und Theo Ruiz nicht gerechnet. Noch weniger hätte ich aber damit gerechnet, dass die Beziehung der beiden vor allem wegen Travis Montgomery zu scheitern droht, dabei waren die Hinweise definitiv da; ich hätte nur besser aufpassen müssen.

Ich habe schon in der letzten Episode betont, wie sehr mir Vic und Theo miteinander gefallen, weil die Darsteller eine besondere Chemie miteinander haben. Daher war die Anfangsszene auch wieder eine Bestätigung, dass die beiden großes Potenzial miteinander haben. Doch als Theo bei Station 19 einspringen muss, weil Jack Gibson einen freien Tag braucht (dazu später mehr), ist es mit dieser Herrlichkeit auch schon wieder vorbei, denn nur ein Blick von Travis reicht, um alle Beziehungsvisionen für Vic und Theo zerschellen zu lassen. Es ist schon oft angedeutet worden, dass Travis in Bezug auf den Tod seines Mannes Michael noch Groll hegt, aber wer hätte schon gedacht, dass ausgerechnet Theo die Personifikation davon darstellt? Nach Logik, wenn es um die internen Ränge innerhalb der Feuerwehr, zu fragen ist bei "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" sicherlich vergebliche Lebensmühe, denn Beförderungen werden hier verteilt für jeden, der nur laut genug ruft, nur für Dean Miller nicht. Aber Theo mit dem verschmitzten Übereifer eines jungen Mannes sich als Captain vorzustellen, naja. Das nur zu meiner Verteidigung gesagt, warum ich hier einen Zusammenhang nicht bereits im Vorfeld feststellen konnte. Aber Ränge sind hier nicht mit Alter in Verbindung zu bringen, von daher müssen wir mit der Erklärung wohl leben.

Aber abseits des logischen Aspekts gefällt mir das Potenzial dieser unerwarteten Verbindung nur halb. Für Vic ist das trotz der Tragik eine starke Story, denn wie sie sich vor Travis stellt, weil er ein Teil von ihr ist, ist eine wunderschöne Freundschaftserklärung, der jeder folgen kann, der die beiden seit Serienbeginn miteinander wachsen sieht. Selbst wenn sie Gefühle für Theo entwickelt, die schon weit mehr als nur bloße körperliche Anziehung sind, so wäre genau jetzt der Zeitpunkt für eine Notbremse noch da, um sich für Travis zu entscheiden. Nur das Problem ist, dass genau dieser Travis in meinen Augen völlig übertrieben reagiert und das sage ich als großer Fan von ihm. Wir wissen zwar noch nicht genau, wie Michael gestorben ist, da wird wohl die nächste Episode Aufschluss geben, aber wie sich Travis immer mehr in Rage redet, hatte nur mit rohem Schmerz, aber nicht mit Logik zu tun. Kann man das einem trauernden Witwer wirklich vorwerfen? Vermutlich nicht. Seine spontane Reaktion trage ich daher auch mit, aber seine Verteidigung für sein unkollegiales Verhalten war zwar emotional, aber nicht überzeugend. Er sprach davon, dass er nicht mehr der Mann sei, der er mit Michael war und verzweifelt versucht, dahin zu kommen, es aber nicht schafft. Lieber Travis, reden wir da wirklich von dir? Wir haben dank Rückblenden einen Travis mit Michael kennengelernt, aber dieser hatte aufgrund des Verhaltens seines Vaters nie ein völlig unbeschwertes Glück, dafür hatte er aber nach dem Tod von Michael Momente, in denen er definitiv frei sein durfte, weil er seine Feuerwehrfamilie treu um sich hat. Natürlich wird der Verlust von Michael ihn immer prägen, aber er hat schon längst gelernt, ohne ihn weiterzuleben. Daher wünsche ich mir von ihm noch ein vernünftiges Auseinandersetzen mit dem Thema. Denn bei Theo merken wir, dass wir es nicht mit einem eiskalten Menschen zu tun haben, ganz im Gegenteil, er ist selbst tief geprägt von dem Verlust Michaels. Beide Männer haben es miteinander verdient, dass sie sich mit dem Schmerz auseinandersetzen. Und ich will Theo ehrlich gesagt so schnell nicht verlieren, denn ich mag ihn wirklich sehr.

Warum ich Theo so gerne mag, ist wohl in dieser Episode auch aufgefallen, weil Robert Sullivan wieder einen konsequenten Schritt in der Sympathierangleiste nach unten gestiegen ist. Schon in der letzten Episode habe ich sein Problem mit seinem Status innerhalb der Wache, aber offenbar auch mit seinem Problem Befehle anderer zu befolgen, speziell wenn es Frauen sind, angesprochen und das setzt sich diesmal noch augenscheinlicher durch. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass er ein beruflich erfahrener Mann ist, dem es schwerfällt, gute Ideen runterzuschlucken, nur weil jemand anderes das Befehlskommando hat. Gerade weil Sullivan selbst die Befehlsgewalt jahrelang hatte und ihm das in Fleisch und Blut übergangen ist. Aber er legt dabei leider keine Art und Weise an den Tag, die nicht so leicht zu verzeihen ist. Er hat sich schon über Maya Bishop als Captain mokiert, als er nun mit Andy Herrera mehrfach beruflich aneinandergerät, winkt er ab, dass sein despektierliches Verhalten ja erledigt sei, wenn Maya wieder in die Führungsrolle schlüpft. Aber das ist es eben nicht, weil er sich speziell unter Frauen sehr schwertut und das kann man nicht wegargumentieren. Mir war natürlich bewusst, dass Sullivan als Probie kein Zuckerschlecken werden würde, aber er erweist sich zunehmend als Unruheherd, was ihn charakterlich nicht gut dastehen lässt. Ich habe aktuell keine Idee, wie man dieses Problem auflösen könnte. Ihn zu versetzen, würde wohl einem Serienausstieg gleichkommen, ihn aber magisch wieder zu befördern, wäre absurd und ein Persönlichkeitswandel sehe ich jetzt auch nicht kommen. Zudem merkt man schon deutlich, dass sich privat auch etwas zwischen Sullivan und Andy aufbaut. Noch mag es im Bett hervorragend laufen, aber ich denke, es ist eine Strategie von ihm, ernsthaften Gesprächen aus dem Weg zu gehen und so könnte Andy doch noch zu seiner Droge werden, die ihn rückfällig werden lässt. Ich hoffe sehr, dass sie die Alarmsignale rechtzeitig bemerkt.

Einen schönen kleinen Moment gab es für Jack und seine Kleinfamilie. Er hat sich nämlich freigenommen, um Marsha abzuholen, deren Zustand sich aber doch noch verschlechtert. Da sie nicht offiziell zu ihrer Familie gehören und es durch die Pandemie ohnehin Restriktionen gibt, dürfen sie nicht zu ihr, weswegen Jack die Idee mit der Drehleiter kommt, damit er und Marcus ihr ihren Beistand signalisieren können. Es war ein kleiner, wirklich schöner Moment, der in dieser ansonsten so schwermütigen Episode der Lichtstrahl war. Zumal es wieder unterstreicht, warum man dieses Familienglück Jack so gönnt, selbst wenn es mit Marcus, Inara und Marsha noch nicht völlig Zoom gemacht hat.

Völlig Zoom gemacht hat es aber definitiv mit Maya und Carina DeLuca, die weiterhin eine großartige gemeinsame Storyline nach der anderen geschrieben bekommen. Man merkt, dass der Trauerprozess bei Carina nun den nächsten Schritt erreicht, aber das ist in Ordnung, denn nach dem Schrei der vergangenen Woche ist Zeit für Akzeptanz. Und ausgerechnet dann taucht eine Ex-Flamme namens Gabriella auf, die sowohl Carina als auch Andrew intensiv kennt, weswegen Maya sich automatisch außen vor fühlt. Jetzt war Gabriella nun wahrlich nicht die Netteste, aber sie war auch jemand, den Carina brauchte, weil Mayas Bekanntschaft mit Andrew nun nicht so intensiv war, dass es ein wirklich gemeinsamer Trauerprozess werden konnte. Aber es war vollkommen logisch, dass die Vertrautheit zwischen Carina und Gabriella die Ängste von Maya schürt, die Beziehungen Führen erst noch lernen muss. Deswegen fand ich es so passend, dass sie in ihrer Sorge ausgerechnet bei Jack landet, mit dem sie ihre Beziehung ja auch selbst zerstört hat. Der Dialog der beiden war einfach herrlich. Zum einen weil klargeworden ist, dass die beiden ihre verletzten Gefühle definitiv hinter sich haben, aber auch, weil Jack Maya genau das sagt, was sie hören muss. Daher war das Abschlussgespräch zwischen dem Paar dann auch auf den Punkt, weil Maya zu ihren Ängsten stehen kann und weil Carina dann genau das Richtige zu antworten weiß.

Abschließend haben wir noch Dean Miller, der in seiner Ex-Freundin Condola, die als Prozessanwältin tätig ist, genau die richtige Unterstützung gefunden hat. Es ist eine Wohltat, dass ehemalige Gefühle erstmal hintenanstehen und dass es wirklich um die Strategiefindung geht, wie Dean sein Ziel gegen das SPD durchsetzen kann. Bei Dean war es daher ein wichtiger Prozess, dass seine durch Wut produzierten Rachegedanken nicht helfen. Stattdessen will er dafür sorgen, dass andere Menschen nicht das erleiden müssen, was er selbst erlitten hat. Dieser Wunsch klingt so simpel und ist doch so utopisch, wenn man sich nur die Menschheitsgeschichte anschaut. Dennoch bin ich gespannt, in welche Richtung die Handlung weiterhin führen wird.

Fazit

Man kann "Seattle Firefighters" nun wahrlich nicht vorwerfen, nicht zu unterhalten zu wissen, aber dennoch ist es kein reines Vergnügen, weil die Tendenz derzeit zu sehr gen schwermütige Themen geht und dabei einige Charaktere nicht gut aussehen lässt. Aber wohltuend gibt es dann auch die Handlungsbögen fürs Herz, die bitte beibehalten werden sollen, denn für die nächsten Wochen prophezeie ich weitere dunkle Täler.

Lena Donth – myFanbase

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