Bewertung: 9

Review: #4.09 Niemand ist allein

"Ein Leben ohne Freunde ist kein Leben, wie behaglich und gesichert es auch sein mag. Wenn ich Freunde sage, meine ich Freunde. Nicht irgendwer, nicht jeder kann dein Freund sein. Es muss jemand sein, der dir so nah ist wie deine Haut, jemand, der deinem Leben Farbe, Dramatik, Bedeutung verleiht. Irgend etwas jenseits der Liebe, das dennoch Liebe mit einschließt." Die Review beginne ich mit den Worten des US-amerikanischen Schriftstellers Henry Miller, da es mir nach dieser aktuellen Episode von "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" richtig erschien, die Wichtigkeit von Freundschaft mit schönen Worten aufzufangen. Denn diese Episode war eine Ode an die Freundschaft, mit all ihren Hochs und Tiefs und damit mitten aus dem Leben.

Das Thema Freundschaft zog sich tatsächlich mehr oder weniger durch alle dargebotenen Teilthematiken, was dieser Episode einen sehr schönen Rahmen gegeben hat. Gleichzeitig wurde auch dafür gesorgt, dass nach den letzten beiden Episoden, die thematisch sehr vollbepackt waren, wieder etwas Zeit zum Durchatmen gegeben worden ist. Anfangen möchte ich mit Jack Gibson, der viele gemeinsame Szenen mit Theo Ruiz bekommen hat. Für die beiden war es ein Erstkontakt, da der eine den anderen in der vergangenen Woche schließlich vertreten hat. Bei den beiden merkte man aber sofort, dass sie eine Chemie miteinander haben, die mit wenigen Szenen sehr schön aufgefangen wurde. Beide finden im Verlauf des Gesprächs Dinge übereinander heraus, die für eine beginnende Freundschaft schon ein No-Go sein könnte, aber es treffen auch zwei Männer aufeinander, die wissen, was es bedeutet, Fehler im Leben zu machen. Deswegen war es schön mitanzusehen, wie Theo Jack bei Marcus hilft und wie beide nahezu blindes Verständnis füreinander haben. Und genau das sorgt auch dafür, dass ich Theo gerne fortan im Hauptcast sehen würde, denn schon in der letzten Episode hatte er einen guten Kontakt zu Dean Miller. Er will also mehr und mehr mit den anderen bekannt gemacht und dabei entstehen gute Sachen, deswegen wäre es eine Schande, dieses Potenzial nicht zu nutzen.

Ganz viel Freundschaft, aber auch Liebe haben wir in den Rückblenden. Ich hatte mir ja erhofft, dass wir mehr in das einsteigen, was den Streit zwischen Theo und Travis Montgomery verursacht hat, das wurde auch erfüllt, nur doch anders als erwartet. Ich hätte eher damit gerechnet, dass wir den Einsatz minutiös mitverfolgen, der Michael das Leben gekostet hat. Stattdessen haben wir im Zeitraffer miterlebt, dass Michael und Theo sogar die besten Freunde waren, dass auch die Beziehung zu Travis nichts daran geändert hat und dass sie eine Dynamik zu dritt gefunden haben, die kaum zu übertreffen war. Diese Herangehensweise hat für diese Episode thematisch so gut gepasst, auch wenn es natürlich im Zeitraffer nicht die volle emotionale Wirkung entfalten konnte, aber das war auch nicht nötig, denn wir benötigten als Zuschauer Informationen und die haben wir bekommen. Ich fand es auch gut, dass Theos etwas absurd schneller Karriereweg angesprochen wurde, denn normal ist das wirklich nicht und ganz gewiss nicht für einen Latino, was Theo selbst in Bezug auf Rigo Vasquez gegenüber Jack angesprochen hat. Einzig eines der letzten Gespräche von Travis und Michael war arg gestellt, nachdem bei Ersterem Sorgen um die Gesundheit seines Partners auftauchten, wenn dieser unter so einem jungen Captain in Einsätze ausrückt. Wenn Michael dann erwidert, dass Travis sich nach ihm nur ja niemals mehr verlieben sollte, dann ist das völlig scherzhaft gemeint gewesen, um auch die Liebe zueinander zu betonen. Denn seien wir doch ehrlich, könnte Michael Travis so sehen, würde er ihm genau das Gegenteil sagen. Aber es ist typisch für den Menschen, sich an einer einzigen Aussage aufzuhängen.

Während eine Annäherung zwischen Theo und Travis erst noch in weiter Ferne ist, aber wenigstens von Wut zu einstimmigem Schweigen wechselt, so ist das Kernthema dieser Episode natürlich die Freundschaft zwischen Travis und Victoria "Vic" Hughes. Von allen bislang dargestellten Freundschaften in "Seattle Firefighters", seien es Maya Bishop und Andy Herrera oder seien es Jack und Dean, waren Travis und Vic mit Abstand die besten. Ausgerechnet die beiden nun an einem Knackpunkt ihrer Freundschaft zu erleben, war für mein Fanherz kaum zu ertragen. Aber jede einzelne Szene in dieser Episode, in der die beiden gemeinsam vor der Kamera agierten, war einfach ganz großes Kino, was sicherlich auch für eine magische Verbindung zwischen Jay Hayden und Barrett Doss spricht. Passenderweise haben die beiden auch mehrere Einsätze bekommen, die sich um beste Freunde drehte. Man sieht, auch hier war dem Thema Freundschaft nicht zu entgehen, aber das war auch genau richtig, denn diese Parallelen zwischen den beiden Drogensüchtigen, die sich gegenseitig helfen wollen und es doch nicht können und dann eben Vic und Travis waren sehr gut gesetzt und vor allem für Travis so wichtig, der sich nun schon zwei Episoden in Folge kaum wie der Mann verhalten hat, den man lieben gelernt hat. Deswegen bin ich froh, dass es ein Comeback des sensiblen Mannes gab, der er nun einmal im Kern ist.

Das absolute Highlight dieser Episode ist ohne Frage das ellenlange Streitgespräch zwischen Vic und Travis, als sie aufgebracht den Truck verlassen und in einer dunklen Straßenecke herumschreien. Das hat wohl perfekt verkörpert, wie Freundschaften, aber auch Beziehungen allgemein, sein können. Man kann sich enorm gegenseitig verletzen, aber gleichzeitig muss es auch standhalten können, Wahrheiten aussprechen zu können und es werden viele Wahrheiten ausgesprochen. Eine schmerzhafter als die andere, aber alle bitter nötig, um wieder neu zueinander finden zu können. Ich habe im Verlauf dieser Episode oft gezweifelt, ob die Versöhnung zwischen Travis und Vic tatsächlich noch drin ist, aber spätestens ab dem Punkt, als Travis sich einen verkümmerten Stock packte und wild in der Gegend herumfuchtelte, war ich plötzlich wieder optimistisch. Denn das war wieder der Travis, den ich sehen wollte, überfordert mit sich selbst, aber wieder bereit, anderen zuzuhören und nicht nur sein eigenes Leiden zu sehen. Ich bin so dankbar, dass Travis in dieser Episode diese zerfressende Wut loslassen durfte, denn er war so kaum zu ertragen. Auch sein abschließendes 'Gespräch' mit Michael war dann noch ein positives Zeichen. Ja, Travis hätte schon viel früher an diesem Punkt sein können und hat sich eigentlich auch schon längst so verhalten, aber ich hoffe, dass es wirklich nun den definitiven Abschluss darstellt. Michael wird immer seine große Liebe sein, aber Travis hat es verdient, sein Herz wieder bedingungslos öffnen zu dürfen. Nur bitte nicht Emmett Dixon… Dieser taucht aktuell regelmäßig für eine Szene auf, aber ich hätte auch nichts dagegen, ihn gar nicht mehr sehen zu müssen.

Die Episode hatten noch kleinere weitere Momente, die mich sehr berührt haben. Das war sicherlich die endgültige Versöhnung zwischen Vic und Travis, die auch mitten aus dem Leben war. Wenn alles einmal raus ist, dann ist es eben schwer, sofort wieder in den alten Rhythmus zu finden. Das müssen auch diese beiden bemerken. Aber letztlich kennen die beiden sich schon zu lange und zu gut, deswegen ist das gemeinsame Lachen am Ende wohl ein schönes Geschenk, für die beiden, aber auch für uns als Zuschauer. Und wir haben noch den Moment gezeigt bekommen, als die beiden sich kennengelernt hat, um so zu zeigen, dass es schon da Freundschaft auf den ersten Blick war.

Und dann haben wir noch das Gespräch zwischen Theo und Vic, denn auch die beiden haben noch eine Verbindung, nämlich Lucas Ripley. Denn dieser war Theos stärkster Förderer. Deswegen war er auch auf dessen Beerdigung, wo er dann über Travis, der die Glocke geschlagen hat, die Verbindung zu Vic als Ripleys Verlobte herstellen konnte. Das eröffnet für beide noch einmal eine weitere Ebene, denn obwohl sie sich noch nicht lange kennen, so wissen sie nun jeweils über den Tiefstpunkt des anderen Bescheid. Und gleichzeitig ist Ripley eine Verbindung, die ich nicht habe kommen sehen, die aber Sinn ergibt. Denn könnt ihr euch nicht auch vorstellen, wie Ripley auf Theo und Vic runterblickt und ihnen seinen Segen gibt?

Fazit

Ich habe lange mit mir gerungen, ob sich "Seattle Firefighters" in dieser Woche tatsächlich die volle Punktzahl verdient hat, aber das lange Nachdenken hat sich gelohnt, denn ich bin auch Tage später noch tief berührt von einer so rund erzählten Episode, die so viel zu bieten hatte, aber alles nur fürs Herz, selbst wenn es stellenweise furchtbar schmerzhaft war hinzuschauen. Aber Echtheit im Fernsehen muss sein, selbst wenn es vom eigenen Alltag dann gar nicht so weit weg ist.

Lena Donth – myFanbase

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