Bewertung: 6

Review: #4.07 Absprung

Foto: Seattle Firefighters
Seattle Firefighters

Die tragischen Entwicklungen aus dem Crossover zwischen "Seattle Firefighters - Die jungen Helden" und "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" sind in ihren Nachwirkungen auch in der dieswöchigen Episode zu spüren. Das gelingt bei einem Handlungsbogen sehr überzeugend, beim anderen eher nicht. Mit dem weiterhin schwelenden Rassismusthema werden aber auch zahlreiche andere Themen wieder aufgegriffen. Das ergibt ein Potpourri an Themen, das für eine Episode schlichtweg zu viel war. Das fällt auch deutlich auf, weil die letzte Episode mit nur zwei großen Handlungsbögen dichter erzählt war.

Der Tod von Dr. Andrew DeLuca hat auf "Seattle Firefighters" durch zwei Figuren einen Einfluss: natürlich seine Schwester Carina, aber auch Ben Warren, der jahrelang Seite an Seite mit ihm gearbeitet hat. Bei Letzterem fand ich die Verarbeitung inhaltlich aber sehr schwach umgesetzt. Man merkt ihm deutlich an, dass er langsam genug hat, durch die Pandemie, aber auch einfach nur während der Pandemie Menschen zu verlieren. Doch er will das nicht privat mit sich selbst ausmachen, weil zuhause schon genug Trauerbewältigung angesagt war in den letzten Wochen und da will er nicht wieder Rückschritte bewirken. Also geht er arbeiten, übernimmt aber freiwillig Schreibtischarbeit. Dass es dabei nicht bleiben würde, lag natürlich auf der Hand, aber sein Handlungsbogen mit dem verletzten Jerry, der einen Krankenhausbesuch wegen seiner HIV-Infektion meidet, war so unheimlich belanglos. Die Analogie zwischen der Zeit, als die HIV-Infektionen aufkamen und eine unbekannte Größe waren, und der aktuellen Corona-Pandemie war zwar sicherlich begründet, aber es hat mich thematisch nicht angesprochen. Zumal Jerry in seinen Ausführungen auch nicht authentisch wirkte, sondern stattdessen gefühlt einfach nur ein gut durchdachtes Skript ablas.

Der Trauerprozess von Carina wirkt dagegen drastisch anders. Man hat in fiktionalen Produktionen und im realen Leben schon zig Menschen in Trauer miterlebt. Bei denen einen kann man mehr, bei den anderen weniger nachfühlen, aber man ist immer mittendrin, wenn es nur echt rüberkommt und das ist bei Carina auf den Punkt getroffen worden. Ich habe mich zwar bei dem bösen Gedanken erwischt, ob es wirklich einen Tod bräuchte, um ihr endlich eine überzeugende Storyline zu geben, denn ansonsten kann man sie aufgrund ihres Jobs noch nicht geschickt einbinden. Aber wenn man das beiseitelässt, dann kann ich nur betonen, dass nun schon zum zweiten Mal in Folge bewiesen wurde, dass Carina mehr verdient hat. Ich habe in dieser Episode mit ihr in jeder Sekunde gelitten und fand jeden einzelnen Schritt ihres individuellen Prozesses nachvollziehbar. Zuerst die innere Unruhe, dann die Schuldgefühle, das Bedürfnis, alles rauslassen zu können, es aber einfach nicht zu schaffen. Dann die Enttäuschung, dass ihr Vater schon Bescheid wusste und sich dennoch nicht bei ihr gemeldet hat. Da hätte man schon verstehen können, wenn sie völlig den Halt verloren hat. Aber sie hat Maya Bishop an ihrer Seite, die sich als die ideale Partnerin erweist. Es ist nie einfach, eine Person bei einem Trauerprozess zu begleiten, wenn man selbst außen vor ist, aber sie hat immer genau das geleistet, was Carina gerade brauchte. Gerade am Ende als Maya Carina endlich zum Schreien bekommt, war mir klar, dass die beiden als Paar aktuell die interne Serienrangliste mit weitem Abstand anführen. Weiter so!

Nun muss man ehrlich sagen, dass es ansonsten mit Paarungen bei "Seattle Firefighters" nicht so rosig aussieht, so dass Maya und Carina leichtes Spiel haben. Aber Ben und Dr. Miranda Bailey sind auf zwei Serien aufgeteilt und Andy Herrera und Robert Sullivan haben mich noch nie restlos begeistern können, aber dazu später mehr. Da ist es doch schön, dass es neue Hoffnung gibt und zwar in Form von Victoria "Vic" Hughes und Theo Ruiz. Zwar würde ich sie gerne mal mit Dean Miller erleben, wenn beide mit Gefühlen dabei sind und dennoch kann ich mich der Chemie zwischen Vic und Theo nicht entziehen. Der Pandemie entsprechend ist diese Beziehung bislang sehr behutsam aufgebaut worden und dennoch hat es von der ersten Begegnung an geprickelt. Und trotz der erotischen Schwingungen fällt mir auch ständig das Adjektiv 'süß' im Zusammenhang mit ihnen ein. Denn beide sind erfahrene Menschen und vom Selbstbewusstsein her in sich ruhend und dennoch verhalten sie sich wie Schulkinder beim ersten Schwarm und das ist herrlich mitanzusehen. Sei es, wenn sie sich auf der Parkbank nur die Hände streicheln oder sei es, wenn Vic feststellt, dass Theo extra mit Blumen bei ihr vorbeigekommen ist. Den beiden will man weiterhin zusehen, da gibt es kein Argumentieren.

Nun aber zurückkommend auf die bereits erwähnten Andy und Sullivan ist mir in diesem Kontrast besonders aufgefallen, wie erzwungen vielen Aktionen zwischen ihnen wirken. Sullivan ist als Antagonist eingeführt worden, der nach und nach seine weichen, aber auch seine kämpferischen und loyalen Seiten zeigen durfte. Gerade in der aktuell vierten Staffel hat er mir sogar sehr gut gefallen und dennoch blinzelt zwischendurch immer etwas durch, wo sich mir die Nackenhaare sträuben. Schon sein Umgang mit Dean, als es um das Ansehen von schwarzen Männern in der Gesellschaft, aber auch bei der Feuerwehr ging, war borniert. Als er in der letzten Folge dann schon eine Bemerkung machte, dass er schnell wieder die Karriereleiter besteigen will, weil er nicht länger unter Maya als Captain arbeiten will, da war mir auch nicht klar, geht es jetzt um sie als Frau oder generell darum, dass er niemanden über sich haben will. Und dann kommt diese Episode, wo Sullivan mehrfach fragwürdig reagiert, weil Andy für Maya einspringen darf. Das Thema ist in dieser vollen Folge nicht so konsequent verfolgt worden, wie man sich das normalerweise wünschen würde, aber das trägt nicht dazu bei, dass ich Andy und ihn als Paar mehr mögen kann, geschweige denn, dass er weiterhin in meiner Achtung steigt.

Ähnlich angeschnitten, aber nicht zu Ende geführt wirkt das erneute Auftauchen von Paul Montgomery, der behauptet, dass seine Profile in den sozialen Medien gehackt wurden, um so dem Verdacht der Homosexualität zu entkommen. Da das für Travis Montgomery nicht zu mehr geführt hat, frage ich mich, warum es überhaupt angesprochen wurde. Vollständiger war da schon eine weitere Liebesgeschichte und zwar die von Jack Gibson und Inara. Aber ich erwische mich dabei, dass ich sie beinahe vergessen hätte, was leider daran liegt, dass Inara in inzwischen mehr Episoden es nicht geschafft hat, den Eindruck zu hinterlassen, den beispielsweise Theo hinterlässt. Ich gönne Jack sein Glück, weil er es mehr als die meisten anderen verdient hat, aber es ist keine Magie. Dann ist seine Erkenntnis, dass er sich endlich voll auf die Beziehung mit Inara einlassen kann, auch noch mit dem kruden Einsatz bei einem Kult verbunden. Das fand ich überhaupt nicht unterhaltsam und leider auch an den Haaren herbeigezogen. Jack hätte den letzten Schubser auch interessanter bekommen können.

Nun haben wir abschließend noch Dean, der sich mit den Konsequenzen seiner Anklage gegen das SPD auseinandersetzen muss. Sein nächster Karriereschritt hin zum Lieutenant ist nun mit Steinen gepflastert, was ihn verständlicherweise frustriert. Denn zwischen dem Kampf für Gerechtigkeit und der Karriere sollte es kein 'entweder oder' geben müssen. Aber ich finde es bewundernswert, wie sinnbildlich er für Black Lives Matter geworden ist und das in jeglicher Konsequenz. Hier kommt auch wieder Sullivan ins Spiel, der ihm rät, sich ein wenig mehr anzupassen, konkret die Zusammenarbeit mit der Polizei gemeint, was Dean aber überhaupt nicht für sich in Anspruch nehmen will. Das ist auch richtig so, denn immer nachzugeben kann nicht die Lösung sein. Dennoch hoffe ich, dass sich mit seinem Widerstand gegen das SPD seine Karriere nicht vollständig erledigt hat. Aber es ist aller Ehren wert, dass er den Wert seines Jobs darüber stellt, auf welchem Rang er diesen ausfüllt. Genau deswegen ist Dean charakterlich neben Travis mein Liebling.

Fazit

"Seattle Firefighters" spricht innerhalb einer Episode diesmal zu viele Themen an, was auch mit einem qualitativen Ungleichgewicht einhergeht. Nach dem Schauen weiß man gar nicht, wo man anfangen und wo man wieder aufhören soll. Daher halte ich es kurz, Carinas Trauerprozess war mein Highlight und Sullivans angedeutetes Verhalten mein Lowlight. Der Rest arrangiert sich in der Mitte und gibt ein ganz schön buntes, aber auch wildes Bild ab.

Lena Donth – myFanbase

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