Bewertung: 5

Review: #4.02 Versklavt

Foto: Sam Heughan & Caitriona Balfe, Outlander - Copyright: MG RTL D / © 2017 Starz Entertainment, LLC
Sam Heughan & Caitriona Balfe, Outlander
© MG RTL D / © 2017 Starz Entertainment, LLC

Das blutige Finale des Staffelauftakts hallt in #4.02 Do No Harm nicht lange nach. Denn nachdem Jamie und Claire sich kurz darüber einig geworden sind, dass es ein Fehler war Stephen Bonnet zu trauen, kommen sie auch schon in River Run ("Game of Thrones" lässt grüßen) an und stehen vor ganz anderen Problemen.

Die Frage, mit welcher Thematik sich "Outlander" nun zuerst auseinandersetzen wird – Indianer oder Sklaven – ist beantwortet. Auf der Plantage angekommen werden wir von Tante Jocasta und ihrem Buttler Ulysses (der mich ein wenig an Carson aus "Downton Abbey" erinnert) begrüßt. Der Blick über das Anwesen zeigt gleich, dass dort nicht wenig andere Sklaven leben und Jocasta rühmt sich damit, ganze 152 von ihnen zu besitzen. Augenblicklich spiegelt sich in Claires Augen Entsetzen wieder, denn auch wenn sie sich darüber im Klaren schien, dass Amerika zu diesem Zeitpunkt eine Hochburg der Sklaverei war, hatte sie scheinbar nicht damit gerechnet, das auf River Run so vor Augen geführt zu bekommen. Es ist schade, dass man Claires Blickwinkel auf die Sklaverei so sehr in den Vordergrund rückt, schließlich wissen wir bereits, wie Claire zu diesem Thema steht und da sie eine moderne Frau ist, ist ihre Reaktion wenig überraschend. Viel lieber hätte ich mehr von Jamies Einstellung dazu gesehen. Auf den ersten Blick scheint er sich nicht groß daran zu stören, er hat jedoch auch nichts dagegen, die Sklaven auf der Farm zu befreien und so ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.

Sklaverei in den Koloniestaaten Amerikas ist ein großes Thema und genau so sehr, wie ich hier lieber etwas mehr von Jamies Ansichten gesehen hätte, hätte ich mir gewünscht, dass diese Geschichte nicht so hastig erzählt wird. In nur einer Episode sehen wir die Ankunft auf River Run, die Erkenntnis über die allgegenwärtige Sklaverei, den Fehltritt eines Sklaven und den Mob, der dessen Bestrafung einfordert. Man hetzt durch die Geschichte, wodurch sie ihre emotionale Wirkung nicht recht entfalten kann. Zudem stehen durch den großen Fokus auf Claire keine Überraschungen ins Haus. Man ahnt bereits, dass sie sich für den Sklaven Rufus einsetzen wird und auch dass Rufus seine Tat nicht überleben wird, ist klar, wodurch man die schrecklichen Lebensumstände einfach hinnimmt.

Das Drehbuch für die Szene, in der Rufus am Haken hängt und von den Weißen bestraft wird, war sehr gut geschrieben und mit Erschrecken sah man, wie Rufus unter Qualen am Haken in die Luft gezogen wurde. Doch leider hielt sich das Gefühl der Anspannung nicht lange, weil das Ende dieses Handlungsstranges die ganze Zeit über in die Luft hing. Hätte man die Geschichte auf mehrere Episoden gestreckt, wäre man als Zuschauer involvierter gewesen und hätte dem Tod des jungen Sklaven hinterhertrauern können. So haben wir Rufus vor seinem Ableben jedoch kaum kennengelernt und es zwängt sich das Gefühl auf, dass "Outlander" die Sklaven-Problematik mal eben erwähnt und abgehakt hat.

Unterstrichen wird dieses Gefühl davon, dass Claire und Jamie noch immer das Angebot von Tryon im Hinterkopf haben. Mit dem Stück Land, das er den beiden angeboten hat, könnten sie ein Leben in Amerika frei von den Verpflichtungen führen, die River Run mit sich bringt. Ohne Sklaven und die Pflicht, sie zu betrafen, als wären sie nicht viel mehr als Tiere.

Vom emotionalen Standpunkt aus gesehen, finde ich es auch ungünstig, uns die Ungerechtigkeit der Sklaverei durch die Augen von zwei weißen Hauptfiguren zu zeigen. So unzufrieden Claire und Jamie damit auch sein mögen, einen bleibenden Eindruck hinterlässt diese Art der Menschenverachtung erst dann, wenn man sie aus der Sichtweise eines Opfers geschildert bekommt.

Gut gelungen ist jedoch Tante Jocasta. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sich bei ihr um eine Großgrundbesitzerin handelt, weshalb ich nach der Ankunft auf River Run überlegte, wie sie der Sklaverei gegenüber wohl eingestellt ist. Man malt sie mit sehr sympathischen Zügen und für eine Frau ihrer Zeit gilt sie Sklaven gegenüber sicher als warmherzig. Indem sie Wert darauf legt, dass Familie beisammen bleiben und ordentlich ernährt werden, zählt sie zu den wenigen Menschen, die in den Sklaven teilweise den Menschen zu sehen scheinen. Ich möchte mich nicht groß darüber auslassen, wie surreal es aus heutiger Sicht erscheint, Farbige nicht als vollwertige Menschen zu sehen, finde allerdings, dass man die Darstellung der damaligen Weltansicht sehr gut getroffen hat.

Nach der "Rettung" Rufus' taucht sogleich die Nachbarschaft auf und fordert dessen Bestrafung. Der wütende Mob wirft mit Steinen, schwingt seine Hacken, es hätte nur noch gefehlt, dass jemand eine Fackel wirft und die Plantage in Brand steckt. Auch diese Szenen sind gut gelungen und konnten für den Zuschauer den Zeitgeist der 1760er einfangen.

Leider wissen wir, dass die Sklaverei Amerika noch für ein Jahrhundert im Griff haben wird, weshalb es ein etwas unglücklich gewähltes Thema für die zweite Episode der Staffel ist. Man hat durch das geschichtliche Wissen das Gefühl, dass die Frasers gegen Windmühlen kämpfen, schließlich begann die Sklavereifrage erst in den 1830ern für politische Unruhen in Amerika zu sorgen und erst weitere 30 Jahre später wurde die Sklaverei dann abgeschafft. Der Funke der Hoffnung, den Jamie überlegt zu setzen, indem es auf River Run zukünftig keine Sklaven mehr geben soll, ist ein nobler Gedanke, in damaliger Zeit jedoch vollkommen undenkbar. Genau diese Ansicht unterstreichen die protestierenden Menschen am Ende der Episode.

Neben der sinnlos wirkenden Stellung, die die Frasers beziehen, gelingt es der Folge nur schwer, Spannung aufzubauen. Die ganze Zeit über sieht man die nächste Wendung bereits kommen und fühlt sich dadurch nur mäßig unterhalten. Auch mit Blick auf die restliche Staffel fragt man sich nun, wie es mit Claire und Jamie weitergehen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die ganze Zeit über einen aussichtslosen Kampf gegen die Sklaverei führen, dafür weiß Claire über die amerikanische Geschichte zu gut Bescheid. Zudem wird sich die Politik erst einmal mit der Unabhängigkeit beschäftigen, weshalb die Frage nach der Sklaverei zusätzlich in die Ferne rückt.

Kurze Eindrücke

  • Die Unterhaltung zwischen Ian und John Quincy Myers sorgte für ein wenig Auflockerung.
  • Jocasta-Darstellerin Maria Doyle Kennedy habe ich zuletzt in "Die Tudors" als die spanisch stämmige erste Frau von König Heinrich VIII. gesehen. Sie funktioniert allerdings auch als Schottin sehr gut.
  • Dass Claire ihren Ehering von Jamie an Bonnet verloren hat, wurde nicht thematisiert. Ob Jamie ihr einen neuen machen lassen wird?


Fazit

Mit der Sklaverei versucht man ein schwieriges und zu großes Thema in nur einer Folge abzuhandeln, was leider nicht ganz gelingt. Die Einstellung von Claire und Jamie zu dieser Frage kennen wir bereits und die Geschichte der Vereinigten Staaten lässt noch lange darauf warten, dass die Amerikaner die Ansichten der Frasers teilen, weshalb es unzufriedenstellend ist, mit einer aussichtslosen Frage eine ganze Episode zugebracht zu haben.

Marie Florschütz - myFanbase

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