Bewertung: 7

Review: #3.02 Böses Blut in guten Kindern

Nach dem zwar sicherlich nicht perfekten, aber stellenweise zum Schreien komischen Staffelauftakt, mutet #3.02 When Good Kids Go Bad zunächst regelrecht ernüchternd an. Denn die vier Handlungsfäden der Episode wirken zu Beginn noch erschreckend uninspiriert, ja fast schon abgedroschen. Doch gerade wenn man angesichts Mannys kleptomanischer Züge sowie der mittlerweile altbekannten Kabbeleien zwischen Mitchell und Cam, Phil und Claire sowie Haley und Alex zum großen Gähnen ansetzen will, kriegt die Folge plötzlich doch noch die Kurve und endet schließlich sogar in einer derart herrlichen Schlussszene, dass man als Zuschauer am Ende in das allgemeine "Aaaah!" der großen Erleuchtung mit einstimmt, weil man endlich versteht, worauf die Drehbuchautoren die ganze Zeit hinauswollten.

"I push the buttons, daddy." - "You certainly do."

Das ganze Theater um Lilys vehemente Abneigung gegenüber dem geplanten Nachwuchs in der Familie erinnert teilweise stark an die zahlreichen anderen Konflikte, die Cam und Mitchell in den vergangenen Staffeln zu bewältigen hatten. So stellen Mitchells offene Kritik an Cams verhätschelndem Verhalten und seine anschließende Verheimlichung der wahren Gründe hinter Lilys Babyphobie um des Rechtbehaltens willen auch wahrlich keine bahnbrechende Storyline dar. Trotzdem sorgt dieser an sich so unspektakuläre Handlungsstrang letztlich doch für einige ganz wunderbare Momente, bei denen man sich ein fettes Grinsen einfach nicht verkneifen kann. Denn die "neue", nun zwar sprechende, aber manchmal immer noch herrlich stoische Lily bringt etwas frischen Wind ins Haus, sei es nun durch ihr argloses Verpfeifen von Papa Cameron, der lieber mit ihr Partnerlook-Mützen einkaufen geht, als sie in den Kindergarten zu bringen, oder ihren absolut köstlichen Gesichtsausdruck als dieser selbst dann im wahrsten Sinne des Wortes einfach nicht von ihr loslassen kann, wenn er unter der Dusche steht.

"You'd be surprised what people can live with, Jay."

Das andere Problemkind der Folge ist Manny. Denn der hat sich heimlich des Medaillons einer Mitschülerin bemächtigt und wurde vom Schulleiter überführt, auch wenn die am Telefon offenbar sehr bedrohlich wirkende Gloria ihm letztlich seine Ehre rettet. Trotz der Szene mit Jay in der Garage, die mit Mannys Aufschrecken und Jays vorgeblichem Austauschen einer Glühbirne gleich zwei nette Anspielungen auf vergangene Folgen zu bieten hat, nämlich auf #2.05 Unplugged mit der eiskalten Rattenmörderin Gloria und #1.08 Great Expectations, in der Jay während seiner Pyjama-Party Haley beim heimlichen Hinausschleichen erwischt, will die ganze Geschichte lange nicht so richtig zünden. Erst als der Fokus von Mannys Schandtat auf Glorias Vertuschen eben jener verlegt wird, werden die Lachmuskeln des Zuschauers beansprucht. Denn die Ablenkungsmanöver, welche die gerissene Gloria an den Tag legt, um vor Jay die Wahrheit zu verheimlichen, sind einfach herrlich mit anzusehen. Unvergesslich bleibt dabei insbesondere, wie sie den Spieß in der umwerfend komischen Szene im Auto umdreht, indem sie Jay vorwirft, ihr etwas verbergen zu wollen, weil er auf ihre Themenwechsel hin stets auf Mannys in Wirklichkeit nicht erfolgte Beichte beim Schulleiter zurückkommt: "So I ask about work and you change the subject. Are you trying to hide something, Jay?" Bei solchen in Mimik, Gestik und Intonation schlicht großartig vorgetragenen Onelinern fragt man sich einmal mehr, weshalb eigentlich Julie Bowen und nicht Sofía Vergara 2011 den Emmy abgestaubt hat.

"There's a line of ants going to a trick or treat bag lying in my closet. And I don't wanna still be there when they get tired of candy."

Bei den Dunphys ist es wiederum Luke, der einem mit seinen Sprüchen einmal mehr ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Absolute Highlights sind dabei sein herrlich unbedarftes "Grandpa said you used to live in a closet" zu Mitchell und seine abgeklärte "This isn't over"-Reaktion als die eifersüchtige Lily ihn von ihrem Vater wegschubst. Der in der zweiten Staffel eingeschlagene Weg der Autoren, Luke vom totalen Dummerchen zum liebenswert naiven Schlawiner heranreifen zu lassen, der Alex und Haley gerne mal im Glauben lässt, sie hätten ihn ausgetrickst, wird also offenbar auch in den neuen Folgen fortgeführt. Zum Glück, möchte man sagen, ist es doch wahrlich ein sehr putziger Anblick, wie er mit riesigem Rucksack samt Kissen und Lampenschirm bepackt auf den Dachboden klettert, um sich dort ein Leben abseits der Ameisen in seinem Zimmer einzurichten.

"I was right." - "Good governor, it's been going on since you were five?" - "Oh my God, it is a sickness."

Dass Claire ein krankhafter Kontrollfreak ist, wissen wir schon lange. Dass sie gerne Recht behält ebenso. Daher kann man bei ihrem Streit mit Phil über die ach so wichtige "Wer war schuld an ihrem Sturz in die Pfirsich-Dosen"-Frage anfangs auch nur müde lächeln, hat er doch bis auf ein paar nette Seitenhiebe von Phil und den Kindern wahrlich nichts Interessantes zu bieten. Doch als sich die ganze Familie bei Cam und Mitchell versammelt, wird aus der an sich eher schwachen Storyline plötzlich doch noch unheimlich viel rausgeholt. So wird in Anbetracht ihrer zwanghaften und letztlich auch erfolgreichen Bemühungen, ihrer Familie zu beweisen, dass sie Recht hatte, nicht nur ihren regelrecht verstört wirkenden Kindern erst so richtig bewusst, wie krank Claires Verhalten eigentlich ist, sondern schließlich auch ihr selbst. Dabei wird diese Erkenntnis auf derart großartige Weise mit den anderen Handlungsfäden verknüpft, dass man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt, weil ein Knaller (Phils völlig entrüstetes "A childhood without tumbling? You knew this and just stood by and did nothing?") dem nächsten folgt (Cams herrlich misslungener "It's gonna be a boy"-Ankündigung mit musikalischer "Footloose"-Untermalung). Als dann am Ende auch noch Manny mit der Wahrheit herausplatzt, weil er im Gegensatz zu Gloria nicht mit einer Lüge leben kann, und der stolze Jay lauthals verkündet, dass er Recht hatte, schließt sich der Kreis, fällt es doch allen gleichzeitig wie Schuppen von den Augen, von wem Claire ihren Hang zur Rechthaberei hat.

So findet eine Episode, die anfangs nicht so recht in die Gänge kommen will und augenscheinlich keinerlei originelle Geschichten zu bieten hat, letztlich doch noch zu einem zufriedenstellenden Ende, weil es den Autoren einmal mehr gelingt, die einzelnen Storylines überaus geschickt miteinander in Einklang zu bringen.

Paulina Banaszek - myFanbase

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