Bewertung: 6

Review: #7.06 Seattle Medical

Diese sechste Folge der siebten Staffel von "Grey's Anatomy" fällt unter eine Rubrik, die ich für mich persönlich gerne "Freak-Episoden" nenne. Das sind Episoden, die eindeutig aus dem gewohnten Schema der betreffenden Serie herausfallen und daher sehr zwiespältige Gefühle bei der Zuschauerschaft wecken. Einerseits sind solche Ausnahme-Folgen interessant, doch andererseits wird man die ganze Zeit das frustrierende Gefühl nicht los, irgendwie nicht das zu bekommen, was man eigentlich bestellt hat. Das trifft auf diese Episode von "Grey's Anatomy" auch zu.

Die gesamte Folge ist im Dokumentarstil gehalten. Wir sehen eine komplette Reportage mit dem Titel "Seattle Medical - Road to Recovery", so als wäre das Seattle Grace/Mercy West real. Auf diese Weise sehen wir die uns bekannten Protagonisten aus einer anderen, sachlicheren und distanzierteren Perspektive. Wir beobachten, wie sie sich darstellen und wie sie doch Manches nicht verbergen können. Wirklich neue Erkenntnisse gewinnen wir bei den meisten Charakteren aber nicht. Chief Webber will das Ansehen des Krankenhauses aufpolieren, Cristina kämpft weiter mit ihrem Trauma und Lexie hat noch immer das Problem, irgendwie ständig verrückt zu wirken (diesmal funktioniert ihre Schlüsselkarte nicht und bringt sie zur Weißglut).

Ein eher ungewohntes Bild ist dagegen der ausflippende Jackson, der zum ersten Mal die seit dem Amoklauf in ihm gärende Angst, Wut und Verzweiflung herauslässt, als er durch einen Fehlalarm für einige Minuten zwischen zwei Türen feststeckt. Früher oder später musste eine Art von Ausbruch kommen, denn dass auch Jackson, trotz seiner oft zur Schau gestellten Lockerheit, seelische Wunden davongetragen hat, versteht sich von selbst und wurde durch Aprils Bemerkung, dass er unter Alpträumen leiden würde, bereits früher angedeutet.

Die größte Überraschung ist wohl die Tatsache, dass Arizona und Callie aus heiterem Himmel nach Afrika verduften, was aber noch kein Grund zur Unruhe ist, denn beide werden definitiv zurückkehren und bekommen diese kleine Pause in erster Linie wegen Jessica Capshaws Schwangerschaft. Nun ist uns natürlich noch gut in Erinnerung, dass auch Katherine Heigl "nur" eine Auszeit nehmen sollte und am Ende ganz hingeschmissen hat, aber die Umstände waren da doch andere. Abgesehen von der Tatsache, dass der "Grey's Anatomy"-Cast einen lobenswert hohen Beitrag zur Verhinderung einer möglichen Unterbevölkerung leistet, wiederholt sich glücklicherweise nicht alles. Ich bin gespannt, wie sich der Afrikatrip auf Arizona und Callie im Einzelnen, aber vor allem auf die beiden als Paar auswirkt.

Der bemerkenswerteste Aspekt dieser Episode ist für mich letztlich das Wiedersehen mit der Patientin Mary. Ihre Storyline steckt so voller bitterer Ironie, dass es einem wirklich die Kehle zuschnürt. Wir erinnern uns: Mary war Patientin im Seattle Grace/Mercy West und sollte operiert werden, als Gary Clark seinen verhängnisvollen Rachefeldzug startete. Gemeinsam mit Bailey hat Mary versucht, den angeschossenen Charles zu retten, konnte ihm am Ende aber nur beim Sterben Gesellschaft leisten. Nun also kehrt Mary ins Seattle Grace/Mercy West zurück, um sich endlich der geplanten Operation zu unterziehen. Ein Routineeingriff, wie es scheint, doch Mary wacht aus der Narkose nicht wieder auf und wird nur noch von Maschinen am Leben erhalten, die ihr Ehemann Bill schließlich auf den Rat der Ärzte hin abschalten lässt. Noch zynischer kann das Schicksal gar nicht sein. Mary und ihr Mann Bill erleiden letztlich exakt das gleiche Schicksal wie dereinst Gary Clark und seine Frau. Mary und Mrs. Clark wachen beide, nachdem ihren Männern zunächst noch gesagt wurde, der jeweilige Eingriff sei gut verlaufen, nicht wieder auf, so dass Bill und Gary mit ansehen müssen, wie die Lebenserhaltenen Maschinen abgestellt werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass sich Mary damals während Gary Clarks Amoklauf auf Baileys Geheiß hin totgestellt und somit unbewusst ihr späteres Schicksal abgebildet hat, muss man der Ironie zum grausamsten Scherz des Monats gratulieren.

Maret Hosemann - myFanbase

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