Bewertung

Review: #1.07 Gewinn oder stirb

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Lena Headey, Game of Thrones
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Wie ich mir zum Ende der letzten Episode #1.06 Eine goldene Krone hin erhofft hatte, ist der Haupthandlungsort in dieser Folge Königsmund. Ned wird immer tiefer in die Machenschaften in Königsmund hineingezogen und verzettelt sich zusehends, da er für diese Welt der Intrigen nicht geschaffen ist. In #1.07 Gewinn oder stirb geht das Spiel um den Thron in eine weitere spannende Runde. Doch nicht nur in der Hauptstadt, sondern auch in Vaes Dothrak und an der Mauer haben die Autoren einige spannende Entwicklungen für uns parat.

"I am the sword in the darkness. I am the watcher on the walls. I am the shield to guard the realm of men."

An der Mauer ist es endlich so weit. Die Neuen sollen nun ihren Eid ablegen und richtige Mitglieder der Nachtwache werden. Was recht überraschend kam, war die Einteilung von Jon zu den Kammerdienern statt zu den Grenzern. Zählt Jon damit zu den Verlierern der Folge, da sich sein Traum nicht erfüllt hat? Gut, dass wir Sam haben, der uns durch seine Überlegung auf eine interessante Möglichkeit stößt. Was wäre, wenn Jon zu Lord Mormonts Kammerdiener ernannt wurde, weil der Lord kommandant ihn zum nächsten Befehlshabenden der Nachtwache ausbilden will? Ob Jon nur wegen dieser Aussicht geblieben ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen. Es scheint schon ziemlich utopisch gleich auf ein solches Amt zu spekulieren. Dennoch gefällt mir die Freundschaft sehr gut, die sich zwischen Jon und Sam entwickelt, weil sie recht gegensätzliche Charaktere sind, die durch ihre Andersartigkeiten angezogen werden.

Zu sehen, wie die Männer den gefährlichen Weg hinter die Mauer antreten, war ein weiteres Highlight, da wir in diesen Teil des Nordens bisher noch kaum Einblick hatten. Auch wenn man von dem Land der Wildlinge nicht allzu viel gesehen hat, war der Moment, als Jon und Sam ihren Eid im Götterhain schworen, sehr fesselnd und strahlte ein Gefühl der Verbundenheit aus, das auf den Zuschauer übergriff. Die Worte im Schneegestöber und die herzlichen Umarmungen ihrer neuen Brüder ließen einen völlig vergessen, dass sich die Männer durch diesen Eid im Prinzip zur Einsamkeit verpflichten, da sie zwar viele Brüder haben, jedoch nie eine Frau ehelichen und auch das Glück, Vater zu werden, ihnen verwehrt bleibt. Doch was wäre ein emotionaler Moment ohne einen kleinen Schocker? Die Wende der Gefühle haben wir hier, als Geist plötzlich mit einer abgetrennten Hand auftaucht und die Bedrohung nicht nur der Wildlinge, sondern auch der Wiedergänger und der Weißen Wanderer, die sich vielleicht im Unterholz versteckt haben, schlagartig wieder greifbar ist. Somit wird eine neue Seite der Geschichte in Angriff genommen, da Jon und Sam jetzt vollwertige Mitglieder der Nachtwache sind und ihnen auch gleich vor Augen geführt wird, dass sie kein allzu ruhiges Leben an der Mauer führen werden, wenn sich aus dem Norden eine Bedrohung nähert.

"I will take my Khalasar west to where the world ends and ride wooden horses across the black salt water as no Khal has done before."

Gerade erst verlor Daenerys ihren Bruder und in dieser Folge mussten wir kurz um ihr Leben bangen, da Varys den Befehl erteilte, die letzte verbliebene Targaryen aus dem Weg zu räumen. Die Rettung Daenerys' durch Jorah vor dem Giftanschlag kam unerwartet, da er gerade zuvor von seiner Begnadigung aus Königsmund erfuhr. Mir scheint, dass er sich schon ein bisschen in sie verguckt hat. Indem er selbst seine eigene Spionage und den durch seine Informationen auf Daenerys angesetzten Attentäter sabotiert, scheint er einen Sinneswandel durchgemacht zu haben, der vermuten lässt, dass er sein Heimatland hinter sich lassen wird, um sich Daenerys anzuschließen.

Sehr gut hat mir die Szene gefallen, in der Khal Drogo Daenerys schwört, die Sieben Königlande zu erobern, damit ihr Sohn auf dem Eisernen Thron sitzen kann. Die Reden, die Khal Drogo schwingt, klingen in der Sprache der Dothraki immer besonders bedrohlich und mitreißend. In diesen Momenten muss ich jedes Mal den Atem anhalten, da die Energie, die Jason Momoa ausstrahlt, mich einfach vom Hocker reißt. Auch im Gesamtbild der Episode kam diese Entwicklung in genau dem richtigen Moment, da zuvor schon die Spannungskurve an der Mauer aufgebaut wurde und mit dieser Szene weiter anstieg, um das anschließende Finale in Königsmund einzuleiten.

Mit dem plötzlichen Sinneswandel von Khal Drogo hatte ich nicht gerechnet, da er ja noch zu Beginn der Episode der Meinung war, dass ein König keinen Thron benötigt, sondern lediglich ein kraftvolles Pferd zum Reiten. Die Ursache mag vielleicht mit dem Anschlag auf Daenerys zusammenhängen, der ihn realisieren lässt, dass es bei diesem Kampf um mehr, als einen eisernen Stuhl geht. Die Bedrohung der Regierung aus Westeros war für ihn bisher nicht greifbar, wird ihm in diesem Moment aber schlagartig bewusst.

Auch hier zeigt sich, dass der Titel äußerst treffend gewählt ist und Daenerys in dieser Folge eindeutig zu den Gewinnern zählt. Sie ist dem Thron ihres Vaters einen Schritt näher, da sie sich plötzlich vom Khalasar ihres Mannes umgeben sieht, das bereit ist für sie in den Krieg zu ziehen.

"When you play the game of thrones you win or you die. There is no middleground."

Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss, so war es auch mit der Storyline in Königsmund, wo sich die Ereignisse nahezu überschlugen. Nach Neds Entdeckung darüber, dass alle vermeintlichen Kinder Roberts eigentlich von Jaime gezeugt wurden, hatte ich erwartet, dass er Robert sofort darüber in Kenntnis setzt. Mich persönlich, hat das ziemlich in Alarmbereitschaft versetzt, doch sowohl sein Zusammentreffen mit Cersei, als auch später mit Kleinfinger und Renly strahlen recht viel Ruhe aus und lassen den Zuschauer glauben, dass Ned genau weiß, was zu tun ist und dass sich alles nach seinen Vorstellungen entwickeln wird.

Robert ist sein bester Freund aus Kindheitstagen und verdient es eigentlich, dass Ned ihm die Wahrheit sagt. Es ist zwar verständlich, dass Ned Robert diese qualvollen Nachrichten schonend beibringen möchte und nicht will, dass Robert seine Wut an den Kindern auslässt, aber ich denke, dass er keine gute Entscheidung getroffen hat, zuerst Cersei über sein Wissen zu informieren. Denn wie von Cersei zu erwarten war, schmiedet sie sofort einen Plan, um die Oberhand zu gewinnen. Es war an sich eine sehr spannende Szene, die für meinen Geschmack etwas intensiver musikalisch unterlegt hätte sein sollen, um ihr mehr Intensität zu verleihen. Das kam leider erst gegen Ende, als Cersei Ned darauf hinweist, dass man bei diesem Spiel gewinnt oder stirbt.

Indem er Roberts Wortlaut in dessen Testament verändert hat, um die Ordnung in der Thronfolge wieder herzustellen, hat mich Ned tatsächlich kurzzeitig zum Stutzen gebracht. Auf den zweiten Blick muss ich allerdings sagen, dass es doch nicht ganz so seltsam und unvorhersehbar war, da dadurch schließlich dem wahren König auf den Thron verhelfen will, was vollkommen seine Ideale widerspiegelt, auch wenn es von Roberts Standpunkt aus betrachtet nicht das ehrenhafteste Vorgehen war. Wie kommt es aber, dass er auf Kleinfingers Trick hereingefallen ist und wirklich glaubte, dieser würde ihm helfen, Joffrey vom Thron fern zu halten? Petyr hatte ihm schließlich ausdrücklich geraten, ihm nicht zu trauen und das auch nicht nur einmal. Denkt er, dass sich Lord Baelish durch dessen jahrelange Freundschaft mit Catelyn dazu verpflichtet sieht, auch ihrem Ehemann zu helfen? Möglicherweise schöpft er dieses Vertrauen aber auch aus dem Amt, das Petyr bekleidet, was ihn zu einem Mitglied des kleinen Rates macht und er damit dem König und der Hand des Königs treu ergeben sein sollte.

Durch diese Leichtgläubigkeit befindet sich Ned nun in der Gewalt von Cersei und das wird sich ganz sicher nicht vorteilhaft für ihn erweisen, schließlich lässt er seine Töchter schutzlos zurück und Cersei kann ungehindert ihre Karten ausspielen, um Neds Vorwürfe gegen sie als gegenstandslos hinzustellen. Als finale Szene der Episode war dieser Twist allerdings sehr gut geeignet, denn der Schock über den Verrat durch Kleinfinger stand Ned so überzeugend ins Gesicht geschrieben, das man sich beim Einspielen des Abspanns ärgerte, nun für eine Woche über Neds Zukunft im Ungewissen zu sein.

Fazit

Bei #1.07 Gewinn oder stirb handelt es sich nicht um eine wahnsinnig bildgewaltige Folge, die durch Action oder Blutrünstigkeit überzeugt, sondern um eine sich leise anbahnende Bedrohlichkeit, die mit der abgetrennte Hand nördlich der Mauer beginnt, sich durch Roberts Tod und die plötzliche Kampfbereitschaft der Dothraki weiter zuspitzt und schließlich in der Gefangenschaft von Ned Stark gipfelt. Vor allem die sehr guten schauspielerischen Leistungen von Jason Momoa und Sean Bean hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Das Einzige, das ich vermisst habe war, was Tyrion als nächstes in Angriff nimmt, denn seine Abenteuer waren bisher immer sehr unterhaltsam, hätten aber zugegebenermaßen nicht in das Gesamtbild der Folge gepasst.

Marie Florschütz - myFanbase

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