Bewertung: 6

Review: #4.20 Der Kult

#4.19 Never Let You Go hat kurz vor dem Staffelfinale noch einmal ein dringend benötigtes Ausrufezeichen gesetzt, da unter Beweis gestellt wurde, dass für eine gehörige Portion Drama auch auf die üblichen Thematiken verzichtet werden kann und trotzdem kommt noch eine überzeugende Episode heraus. Kann man diese Erkenntnis bis zum Finale ausnutzen oder verfällt man doch wieder in alte Muster?

Die Beantwortung dieser Frage ist gar nicht so einfach, so dass es vermutlich auf ein Jein hinausläuft. Es wurden wirklich zwei spannende Patientenfälle aufgeboten, aber auf das übliche persönliche Drama konnte man dennoch nicht verzichten. Dr. Connor Rhodes und Dr. Ava Bekker streiten seit gefühlt 175649857 Episoden über die gleichen Dinge, doch diesmal gibt es zumindest eine dringend benötigte Konfrontation, die vielleicht eine Wendung einläuten könnte. Da Cornelius Rhodes erneut am Herzen operiert werden muss, vermutet Connor sofort, dass Ava bei der ersten OP ein Fehler unterlaufen ist und es schwingt durch, dass er ihr sogar Absichtlichkeit unterstellen könnte. Daher ist es für ihn eine große Überraschung, als Dr. Isidore Latham (oh hallo Latham, lange nicht mehr gesehen) ihm erklärt, dass ein defektes Patch die Ursache war. Connor bleibt nichts anderes übrig, als sich bei ihr zu entschuldigen, doch Ava will das gar nicht mehr hören.

Die letzten Episoden über haben sich die Drehbuchautoren sehr bemüht, bei Connor – und damit auch bei uns – Zweifel zu säen, ob mit Avas geistiger Gesundheit noch alles in Ordnung ist, da sie vermeintlich manipuliert, wo es nur geht, um ihn an sich zu binden. Mir persönlich hat diese Theorie noch nie groß gefallen, da es zu Ava als Person einfach nicht gepasst hat. Nun hat sich auch Connor wieder in eine Verschwörungstheorie hineingesteigert, nur um damit auf die Schnauze zu fallen. Ava hält ihm dies brutal ehrlich vor und bei ihrem emotionalen Ausbruch konnte ich wirklich mit ihr fühlen! Mehr denn je bestärkt sich bei mir der Verdacht, dass Ava vielleicht nie das Problem war, sondern dass es vielleicht bei Connor zu suchen ist. In jedem Fall war es dringend nötig, dass Ava ihm mal die Wahrheit vor den Kopf knallt und nach langer Zeit bin ich wirklich mal wieder gespannt, wie es nun für die beiden weitergeht.

Eng verknüpft mit Cornelius' fehlerhaftem Patch ist eine kleine Szene mit Gwen Garrett, die vielleicht noch keine richtige Bedeutung hat, aber ich bin mir sicher, dass hier vielleicht für die nächste oder spätestens für die finale Folge etwas vorbereitet wird. Schon vor längerer Zeit habe ich geäußert, dass Garretts Schwangerschaft gewiss noch zum Thema werden wird. An der Theorie halte ich auch weiterhin fest, nun kommt aber auch noch eine Verlängerung ihres Vertrags ins Spiel. Cornelius ist zugegebenermaßen empört, dass das Krankenhaus infolge eines strengen Sparplans auf minderwertige medizinische Produkte setzt und so Leben gefährdet. Seinen Frust lässt er an ihr aus, da er genau weiß, dass über ihre Zukunft am Chicago Med noch abgestimmt werden muss und dass er noch genug Zeit hat, Zweifel an ihr zu säen, wenn sie ihm nicht entgegenkommt. Ich denke, dass sich hier wirklich eine vielversprechende Storyline auftut, die aber bitte auch genutzt werden sollte!

Sämtliche Paare in dieser Serie stehen für ein ewiges Hin und Her und davon kann man noch nicht einmal die Nebenfiguren ausschließen, da das Gleiche auch für Emily und Bernie gilt. Ihren Umzug nach Las Vegas haben sie überfordert mit dem geborenen Baby Vincent abgebrochen und zurück in Chicago ist Bernie direkt bei seiner Ex-Frau untergekrochen, während Emily und ihr Kind sich Unterschlupf bei April Sexton suchen musste. Ich habe wirklich keinerlei Respekt vor Waschlappen Bernie, daher macht mich jeder weitere Auftritt von ihm unheimlich wütend, so dass ich in dieser Episode ganz bei Dr. Ethan Choi war. Ich kann auch nicht verstehen, wie ruhig April angesichts der Situation bleiben kann, da sie doch auch eine sehr vernünftige Person ist.

Es ist vollkommen normal, dass man für Familienangehörige nur das Beste will, gleichzeitig hat wohl jeder auch schon die Lektion gelernt, dass man in seiner Fürsorglichkeit nicht zu sehr übertreiben darf, da man den geliebten Menschen so möglicherweise erst recht von sich stößt. Diese Gefahr erkennt schließlich auch Ethan, der sowohl mit seiner Schwester als auch mit Bernie die Versöhnung sucht. Dieser hat wirklich schon oft das Talent bewiesen, dass er in seinen Versprechungen unheimlich authentisch wirkt, so dass man ihm fast glauben könnte, dass er endlich sein Leben in den Griff bekommen will. Diesmal macht er es sich jedoch selbst kaputt, da er Ethans Hilfe nur für ein Rezept gegen seine Erektionsstörung in Anspruch nehmen will. Dass Ethan in dieser Situation so ruhig geblieben ist, finde ich bewundernswert, denn es hat nur unterstrichen, was für ein hoffnungsloser Fall Bernie doch ist. Ich hoffe jedenfalls sehr, dass wir Emily und Bernie bald wieder loswerden, denn aktuell sorgen sie mit ihren Problemen dafür, dass auch ständig etwas zwischen Ethan und April steht.

Bei Dr. Will Halstead und Dr. Natalie Manning bin ich nach dieser Episode wieder etwas mit meinem Latein am Ende. Zuletzt habe ich immer mehr den Eindruck bekommen, dass es Will wirklich gelungen ist, das Natalie-Kapitel für sich abzuschließen, denn immerhin hat er in der letzten Episode eine ganz normale Konversation mit ihr führen können, in der sogar Phillip Davis zum Thema wurde. Nun kann man natürlich argumentieren, dass Will nur wegen Owen in eifersüchtiges Getue verfällt, aber das müsste er genauso abschütteln können, wenn er wirklich mit allem abgeschlossen hätte. Wills Intuition zu Phillip scheint ja auch richtig zu sein und auch ich habe ja gleich nach Ian Hardings erstem Auftritt als Phillip gesagt, dass er ihm etwas Suspektes mitgibt, aber muss das unbedingt einhergehen mit einem Eifersuchtsausbruch während der Arbeit? In diesem Moment habe ich mich wirklich sehr für Will geschämt, da es all die Momente, in denen ich gedacht habe, dass es mit immer wieder aufwärts geht, zerstört. Nur gut, dass es Maggie Lockwood gibt, die entschieden dazwischen geht.

Wills Probleme wirken sich wie sooft auf seine Arbeit aus, wobei es diesmal sogar für uns Zuschauer so inszeniert wurde, dass wir mit ihm gedacht haben und auf seiner Seite waren, nur um dann vom Gegenteil überrascht zu werden. Will vermutet in der ungewöhnlichen Patientenkombination aus Brandon und V aus Moldawien einen Fall von Organhandel. Auch ich war vollkommen überzeugt, dass dort etwas Seltsames vorgeht, da V oft sehr ängstlich und Brandon eher aggressiv und kontrollierend dargestellt wurde. Wie hätte man da auch vermuten sollen, dass es wirklich zwei Freunde sind, die auf eine lange gemeinsame Geschichte zurückschauen, aber eben das Problem der Sprache zwischen sich stehen haben? Ich weiß immer noch nicht so recht, ob ich es gut oder schlecht finden soll, dass es sich letztlich nicht um Organhandel handelte. Die Thematik war eben höchst interessant und hat zum Rätseln eingeladen, wurde dann aber nicht zu Ende geführt und andererseits habe ich die Wendung nicht kommen sehen. Unterhaltsam war es aber in jedem Fall. Auf Will lässt es jedoch ein schlechtes Licht fallen, denn er hat seine Skepsis gegenüber Phillip auf seine Arbeit auswirken lassen. Zwar lernt er seine Lektion, nur um dann zu merken, dass Phillip wirklich sehr suspekt agiert. Wohin soll uns das noch führen?

Natalie hat nicht nur mit Wills erneuter Eifersucht zu kämpfen, sondern auch mit einem schockierenden Patientenfall. Sie und Ethan übernehmen jeweils eine junge Frau, bei denen sich herausstellt, dass sie sich als Engel der Erde bezeichnen und sich selbst mit Thallium vergiftet haben, um den Planeten vor der Menschheit zu retten. Während Ethans Patientin recht schnell Selbstmord begeht, da sie die Schmerzen nicht mehr aushält, will Meadow diese aushalten und treibt so Natalie an ihre Grenzen, die ihr Leid nicht mitansehen kann. Auch ich fand diesen Fall sehr einnehmend, da es wirklich mal etwas anderes war und es war spannend, nach und nach sich dem Denken von Meadows Gruppe zu nähern. Ich konnte auch Natalies Qualen nachvollziehen, aber wie sooft lässt sie das Grenzen überschreiten. Da Dr. Daniel Charles bis dato noch keinen Weg gefunden hat, Meadow für unmündig erklären zu lassen, will sie ihrer Patientin das Gegenmittel durch eine Nasensonde verabreichen, was Daniel aber so gerade noch verhindern kann.

Am Ende findet Daniel noch einen Weg, um Meadow auszutricksen, wenn auch nur vorerst. Ich fand es schon erschreckend, wie enthusiastisch Natalie das Krankenhaus verlassen wollte, weil sie einen Selbstmord verhindert hat, nur um dann zu realisieren, dass das gleiche Spiel am nächsten Tag wieder ansteht, da Meadow das Gegenmittel über mehrere Tage nehmen muss. Hätte sie das nicht wissen müssen und wie kann man es dann als Sieg empfinden? Zudem hebt Daniel vor, dass sie erneut ihre medizinische Lizenz gefährdet hat. Bereits in #4.13 Ghosts In The Attic hat sie gegen den Willen eines Patienten gehandelt, der vor seiner Partnerin nur die Schwere seiner Krankheit verheimlichen wollte, während sie ihm eine Simulation unterstellt hat. Daniel vermutet nun, dass sie vielleicht etwas belastet. Damals war es definitiv ihr Gefühl, dass Will etwas vor ihr verheimlicht. Heißt es nun also, dass sie selbst auch bei Phillip etwas spürt oder hat es doch wieder etwas mit Will zu tun? Ich hoffe jedenfalls, dass sie ihr nicht noch etwas ganz anderes andichten...

Fazit

"Chicago Med" kann zwar in dieser Woche mit gleich zwei interessanten Patientenfällen aufwarten, die voller Überraschungen stecken, aber dafür bleiben die Probleme dieselben. Vor allem Wills Rückfall stößt mir säuerlich auf, da ich ihn auf einem guten Weg sah. Damit bleibt mein Fazit wie sooft, dass diese Staffel noch irgendwie durchgebracht werden muss, aber in der fünften Staffel muss man sich dringend etwas überlegen.

Lena Donth – myFanbase

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