Bewertung: 5

Review: #11.15 Vertrauen

Foto: Josh Hamilton, The Walking Dead - Copyright: Jace Downs/AMC
Josh Hamilton, The Walking Dead
© Jace Downs/AMC

Da sich der zweite 8-Episoden-Block dem Ende zuneigt, habe ich eigentlich eine Episode erwartet, die schon viel Tempo und Spannung mit sich bringt und man danach die kommende Episode kaum noch erwarten kann. Stattdessen wirkt #11.15 eher wie eine Füll-Episode, die man auch als Hinhaltetaktik interpretieren könnte. Es passieren zwar durchaus interessante Dinge, aber man räumt allem schon sehr viel Zeit ein.

"Wenn sie sagen, es war so, dann war es so."

Lance Hornsby ist von dem missglücktem Einsatz natürlich alles andere als begeistert und ist logischerweise misstrauisch, dass Aaron und Gabriel überlebt haben, während alle anderen getötet wurden. Die Ausrede ist auch relativ mager, aber Lance akzeptiert es erst mal. Sein Außeneinsatz geht aber noch weiter. Er stattet Maggie in Hilltop einen Besuch ab und versucht ihr zuzusetzen. Das ist also der Ausblick vor ein paar Episoden gewesen. Tatsächlich bin ich etwas enttäuscht, weil es gar keine echte Konfrontation ist und darüber hinaus Daryl und Maggie gar kein Problem haben und auch nicht wirklich einen gemeinsamen Plan haben. Das ist schon schade. So wird nur eine Schnüffelei von Lance daraus, der viele kleine Indizien hat, die zeigen, dass er eigentlich alles durchschaut, er aber die Beweisführung nie abschließen kann. Das nimmt alles etwas zu viel Zeit in Anspruch, dafür, dass dabei nichts rumkommt. Und ganz nachvollziehbar ist es auch nicht. Wieso lässt Maggie Hershel alleine und riskiert damit die Konfrontation mit Lance? Wieso kann Lance mit seiner kleine Gruppe so unkompliziert durch die Gegend marschieren? Macht er das öfter? Weiß die Gouverneurin von seinem Ausflug? Irgendwie fühlt es sich so bruchstückhaft an, was hier passiert. Und dann kommt er auch noch Leah auf die Schliche, greift sie trotz der Überlegenheit sinnlos in der Nacht an, vermasselt es dann eigentlich und bietet ihr einen Job an. Ich freue mich, dass Leah hier wohl noch eine tragende Rolle bekommen wird, mindestens für das "Finale" des mittleren Drittels dieser drei mal acht Episoden-Staffel, aber Lance wirkte für mich bisher sehr geplant und zielstrebig, während das hier dann doch etwas zu spontan und unsicher ist. Insofern muss man mal schauen, was da noch draus wird.

"Ich will nur, dass alles cool ist."

Neben diesem Außeneinsatz geht es vor allem um Entwicklungen im Commonwealth selbst, was vor allem zur Charakterentwicklung beiträgt, dafür aber weniger die Handlung wirklich voranbringt. Zunächst sind das Princess und Mercer, die hier eine Beziehung miteinander eingehen, die mich erst mal emotional überhaupt nicht packt, aber dafür sorgt, mehr über Mercer zu erfahren. Gerade sein Geständnis verbunden mit seinen Selbstzweifeln machen ihn zu einem sehr interessanten Charakter. Zumal er im Commonwealth wohl die wichtigste Position außerhalb der Politik einnimmt, also nah dran ist an den Entscheidungsträgern und als einziger wirklich die entscheidende Stärke für die Welt mit bringt. Nur ist ihm eben die Bürde zu groß, wirklich Verantwortung zu übernehmen. Ein Mitläufer und Ja-Sager ist er aber keineswegs und so zeigt sich immer mehr, dass Mercer zentral sein wird, wenn es darum geht, die Rolle vom Commonwealth (und wohl auch die Führung) neu zu denken. Ich hoffe sehr, dass Princess aufrichtig ist und Mercer nicht ausnutzt, aber diese Episode hat da erst mal keine Tendenzen aufgezeigt.

"Hier gibt es gute Menschen und die müssen die Wahrheit erfahren."

Verknüpft wurde die Entwicklung von Mercer nicht nur mit der Liebesbeziehung sondern auch dem Hilfegesuch ihrer Schwester. Nachdem Connie mit Eugenes Hilfe bei ihrer Recherche bezüglich der Liste kleine Fortschritte macht, ist Insiderwissen gefragt und da ist Max die passende Schnittstelle. Mal davon abgesehen davon, dass ich es schon noch befremdlich finde, dass Max so schnell bereit ist, Eugene und Co. zu helfen (es also wirklich nicht gut zu laufen scheint im Commonwealth), ist Mercers Konflikt zwischen "ich bin nur ein Soldat" und "du könntest hier alles verändern" schon spannend. Trotzdem fehlt es mir hier an genauen Gründen, die deutlich machen, wieso eine Änderung nötig ist. Letztlich lebt es sich doch sicher und man hat bekannte politische Strukturen. Also was sind die Anlässe, wie ist es überhaupt dazu gekommen, usw. Um mit den neuen Charakteren richtig mitfühlen zu können, fehlt es immer noch zu sehr in Hintergrundinformationen zur Entstehung und Entwicklung vom Commonwealth. Der Kuss zwischen Eugene und Max war dann zwischenmenschlich gesehen noch ganz niedlich, hat mich emotional aber auch nicht so mitgerissen.

"Man denkt, das Leben wäre hier leichter, und doch scheint es hier viel grau zu geben."

Auch der letzte Plot in dieser Episode rüttelt weiter an dem Glauben, dass das Commonwealth gut sein könnte. Nachdem sich Ezekiel bei Carol richtig bedankt und man kurzzeitig wieder spürt, warum die beiden mal ein richtig gutes Paar abgegeben hatten, einigen sie sich quasi darauf, gute, geschätzte Freunde zu sein. Alles andere wäre hier jetzt auch zu viel des Guten gewesen. Aber Ezekiel ist eh viel zu sehr mit Samariteraufgaben beschäftigt. Seine Rettung ist quasi Grund genug, nun selbst andere zu retten. Hier scheitere ich wieder an der Organisationsstruktur des Commonwealth. Ich hatte angenommen, dass es ein intensiver Aufnahmeprogramm gibt, mit Befragungen, Krankheitsgeschichte und vielem mehr. Dass bei 50.000 Leuten nicht alles sauer läuft, mag ja sein, aber dass sich hier schon fast eine Subgesellschaft gebildet hat, die quasi außerhalb des Systems eine eigene Krankenversorgung organisieren muss. Auch hier hatte ich mir was anderes vorgestellt bzw. das Commonwealth offenbar zu sehr als potenzielle Muster für eine Zukunft auserkoren, doch das scheint offenbar nur sehr oberflächlich so zu wirken. Da bin ich offenbar meinen Hoffnungen erlegen und jetzt doch überrascht, dass eigentlich so gar nichts wirklich funktioniert, außer einer systematischen Ungleichheit, die man aus unseren Gesellschaften heraus schon lange kennt.

Fazit

Ich hatte wirklich mehr von dieser Episode erwartet, aber statt die nächste Episode so vorzubereiten, dass man eine Ahnung hat, welche Richtung man einschlagen wird, widmet man sich auch wieder neuen Bereichen, die zwar alle grundsätzlich zum Ausdruck bringen, dass das Commonwealth sehr viele Fehler zu haben scheint, eine Idee, wie man damit aber nun umgehen will, gibt es eher nicht. Bleibt also nur das Vertrauen in die Autoren, die hoffentlich wissen, wie alle Fäden zusammengeführt werden. Insofern muss man sich wohl überraschen lassen, inwieweit es nächste Woche zu einem Showdown kommt und in welchem Bereich der überhaupt stattfindet.

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Emil Groth - myFanbase

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