Bewertung: 6

Review: #11.16 Gott

Foto: Lauren Cohan & Kien Michael Spiller, The Walking Dead - Copyright: Jace Downs/AMC
Lauren Cohan & Kien Michael Spiller, The Walking Dead
© Jace Downs/AMC

Sicherlich gab es schon beeindruckende Episoden, die eine Pause einleiten. Nach der letzten Episode bin ich aber ganz zufrieden damit, dass es eine eindeutige Richtung gibt, die in den letzten acht Episoden der Serie dann aufgegriffen werden muss. Trotzdem gibt es immer noch einige Unklarheiten, die an der Schwelle von "noch nicht erklärt" zu "nicht gut durchdacht" stehen.

"Du wirst kaum merken, dass ich weg war."

Maggie verabschiedet sich zum gefühlt zehnten Mal in dieser Staffel von Hershel, was langsam nervig bis lächerlich ist. Wie muss er sich fühlen, ständig zurückgelassen zu werden. Dann soll sich ausgerechnet Negan wieder um ihn kümmern. An sich finde ich es wirklich gelungen, wie sich Maggie in dieser Staffel bezüglich Negan entwickelt hat. Sie beginnt Negan wirklich zu vertrauen. Dass sie aber mal wieder alles auf eigene Faust regeln will und Negan in dieser Episode dann auch eine äußerst passive Rolle zukommt, ist aber ärgerlich. Mit jeder Szene, in der Maggie vorkam, hat sich meine Sorge um sie gesteigert. Ich hätte den Autoren durchaus zugetraut, dass sie Maggie mit ihrem x-ten Alleingang dieses Mal einen Abschied bescheren. Diese Sorge war eigentlich prägend für die gesamte Episode. Alle Vorzeichen waren dafür gesetzt. Und mit Leah hat man ihr ziemlich schnell doch eine adäquate Gegnerin gegeben, die eigentlich resolut genug wäre, Maggie zu töten. Warum das Bösewicht-Syndrom dann aber zuschlägt und Leah Maggie schlecht an einen Stuhl fesselt, um mit ihr noch mal zu sprechen, statt den Auftrag von Lance Hornsby auszuführen, ist dann mal wieder typisches Storytelling mit fadem Beigeschmack, weil es nicht wirklich zu Leah passt, dass sie es nicht übers Herz bringt, Maggie zu töten oder wenigstens mit einem Schuss in die Schulter zum Schweigen zu bringen. Der Nahkampf von Maggie und Leah war dann etwas zu dick aufgetragen, doch obwohl man so viel Hin und Her eingebaut hatte, war ich bis zum Schluss nicht sicher, ob Maggie nun überleben wird oder nicht. Dass Daryl dann die Entscheidung darüber fällt, passt in die gesamte Storyline, hat es dann aber doch etwas abrupt beendet. Und so bleibt von dieser Geschichte eigentlich nur hängen, dass alle sinnfrei und unnötig wagemutig nachts alleine durch den Wald laufen, sich dann aber das Gefühl breit macht, sehr viel Potenzial verschenkt zu haben, weil Leah zu schnell gestorben ist.

"Das war eine zauberhafte Nacht."

Innerhalb des Commonwealth wird der Widerstand voran getrieben, doch zunächst muss man noch zeigen, wie glücklich Eugene mit Max plötzlich ist. Prinzipiell finde ich es immer ganz niedlich, wenn es bei Eugene um Liebesbeziehungen geht, weil er das immer so gut in Worte fasst. Hier war es für mich aber doch sehr übertrieben und daher nicht ganz rund. Auf der anderen Seite muss Eugene wohl so voll darin aufgehen, damit Max auch wirklich dieses notwendige Zutrauen hat, um aus ihrer unkonkreten Unzufriedenheit mit dem Commonwealth eine konkrete Handlung zu generieren. Ihre Probe mit Pamela Milton, als sie ihren Vorschlag für das Geld macht, war dann der letzte Funke für ihre Überzeugung. Dass sie sich etwas umständlich anstellt und von Sebastian überrascht wurde, passt dann auch irgendwie zu ihr. Allerdings bin ich durch diese Szene vor allem gespannt, welche Bedeutung Sebastian noch bekommen wird, weil er trotz aller Vorzüge am unglücklichsten im Commonwealth zu sein scheint, aber sicherlich niemals die Hierarchien aufgeben wollen würde.

"Ziehen wir es durch?"

Die Revolution von innen wird dann konkret, als Connie mit der Akte ihre nötigen Beweise gesammelt hat und Ezekiel sogar mal eben noch Manpower zusammengestellt hat, sodass der Mut gepaart mit der Notwendigkeit ausreicht, um zu starten. Dass dies mit der Veröffentlichung des Artikels quasi keine schnelle Aktion ist, sondern sich eventuell den Rest der Staffel widmen wird, ist dabei auch logisch und folgerichtig. Ich freue mich durchaus auf diese innere Zerstörung des Commonwealth bzw. die Möglichkeit der Neuorientierung und letztendlich ja Verbesserung. Trotzdem stellen sich mir hier immer wieder die gleichen Fragen, die diese Entwicklung etwas undurchdacht wirken lassen. Wieso hat man so eine große, wildniserprobte Gruppe im Commonwealth aufgenommen und sie an relevante Positionen installiert (Carol politisch nah an Lance dran, Daryl und Rosita als Kämpfer als ausführende Organe, Connie als Journalistin gesellschaftlich usw.) ohne das ordentlich zu überwachen. Immerhin hat man viel Aufwand betrieben, um Eugene zu kontrollieren, man hatte sogar eine Agentin auf ihn angesetzt. Hat man es wirklich als Verliebtheit abgetan und sich dann gesagt, dass man seine ganze Community erst einfach für sich gewinnen und dann ausnutzen kann? Irgendwie will ich nicht glauben, dass man mit so viel Naivität diese große Gesellschaft aufbauen konnte. Weiterhin fehlt mir hier sehr viel Hintergrundwissen, wie sich Pamela Milton und Lance an die Spitze bringen konnten, wie die Organisationsstrukturen entstanden sind und akzeptiert wurden. Vielleicht wird die Revolution aber auch sehr schnell im Keim erstickt und ich damit eines Besseren belehrt. Im Moment geht mir das aber viel zu einfach, sodass es unglaubwürdig ist, dass sich das Commonwealth überhaupt so entwickeln konnte.

"Er will das Feld räumen."

Was in dieser Hinsicht auch nicht ganz klar ist, ist die Strategie nach außen hin, insbesondere die Absprache zwischen Pamela Milton und Lance. Wie oft kommunizieren sie miteinander? Darf er an den Außengrenzen schalten und walten, wie es ihm beliebt? Ich war mir ziemlich sicher, dass seine Aktion in dem Haus nicht wirklich autorisiert war. Dass da nun ein großer Einsatz draus wird, in dem er selbst mehrere Tage und dann vielleicht sogar Wochen unterwegs ist und einige Leute benötigt (und viele Verluste zu beklagen hat), sollte doch auch mal Fragen aufwerfen. Auch hier ist also absolut nicht klar, wie das Commonwealth funktioniert, warum wer (blind) Befehlen folgt und welche Vorteile man sich von alldem verspricht. Die Sicherheit erhöht man damit jedenfalls nicht. Lance hat Maggie als Hauptfeind bzw. Haupthindernis ausgemacht, weil sie sich nicht beirren lässt. Doch statt ihr weiterhin nach und nach die Leute mit Sicherheitsversprechen und Nahrung zu nehmen, will er Maggie schnell tot sehen. Das zeugt von Ungeduld und Größenwahn. Dass er sich dabei eine Wildfremde, nämlich Leah, als eine Art Söldnerin dazu holt, passt zu ihm, obwohl er dann doch recht aktiv an vorderer Front agiert. Seine Aufgabe besteht aber offenbar darin, Daryl und Co. aus seiner Nähe zu bringen. Warum er sie nicht einfach sofort tötet, bleibt unklar. So kommen Daryl, Aaron und Gabriel selbst noch darauf, dass sie offenbar beseitigt werden sollen und können in einer wilden Schießerei auf einem verlassenen Parkplatz irgendwie überleben. Typischerweise hat Lance für diesen wichtigen Außeneinsatz ofenbar alles andere als seine besten Männer mitgenommen, sodass sie in Überzahl und besserer Ausstattung es nicht hinbekommen, unsere drei Helden zu töten. Mehr als ein Schuss in Aarons Schulter sollte ihnen nicht gelingen. Gefühlt war das eine absolut sinnlose Schießerei, die an vielen Stellen unglaubwürdig war. Beide Parteien hätten im Wald meines Erachtens bessere Möglichkeiten gehabt, das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Nun gut. Es ist nicht das erste Mal, dass unsere "Helden" unglaubwürdig überleben. Nur waren das meist irgendwelche kleinen Gruppen und nicht so eine große, organisierte Gemeinschaft mit Militär.

"Jetzt holen wir uns alles."

Nachdem Lance durch Leahs Tod einsehen muss, dass er gescheitert ist und man sich den Feind in gewisser Hinsicht in die eigenen Reihen geholt hat, fährt er die großen Geschütze auf und übernimmt Alexandria, Hilltop und Oceanside. Bei den ersten beiden frage ich mich, wer da eigentlich noch vor Ort war bzw. was sich Lance genau davon verspricht? Will er einfach Rückzugsorte für Maggie einschränken? Mit wie vielen Leuten will er das alles sichern? Eine Flagge am Eingang wird da nicht viel bringen. Ist das denn mit Milton abgesprochen? Bei Oceanside wundert es mich, dass man offenbar einfach reinspazierte und gar keinen Widerstand hatte? Wieso hat Maggie sie nicht gewarnt? Wahrscheinlich keine Zeit und Möglichkeit, aber das ging mir dann doch zu schnell und zu einfach. Der Cliffhanger lässt zudem erahnen, dass Lance Oceanside nicht übernimmt sondern vernichtet. Was verspricht er sich davon? Schafft er damit nicht nur noch mehr Widerstand? Er weiß auch nicht wirklich, wie viele dort sind, wer sich also vielleicht versteckt hat und zurückschlagen könnte usw. Auch hier passt für mich Einiges noch nicht zusammen.

Positiv ist aber anzumerken, dass diese Episode mit all ihren Entwicklungen sehr deutlich macht, was uns in den letzten acht Episoden der Serie erwarten wird. Gewinnt das Commonwealth oder wird es neu organisiert bzw. wie wird es neu organisiert? Die Fronten sind klar. Außen hat Lance den Vorteil, innen scheint es sehr unruhig zu werden. Kann Maggie mit Negan zurückschlagen? Wie gut hat Daryl die Leute im Commonwealth (Rosita, Eugene, Carol usw.) vorbereitet? Oder passiert manches nur zufällig parallel? Es gibt wirklich noch sehr viele Fragen, doch zum Schluss läuft es wohl auf eine einzige hinaus. Wer wird überleben?

Fazit

Die grundlegende Richtung dieser Episode hat mir gefallen, weil sie ein sehr klares Gefühl vermittelt, was die letzten acht Episoden bringen werden und es keine Zweifel mehr gibt, dass das Commonwealth von den falschen Leuten geführt wird. Trotzdem gibt es viel zu viele offene Fragen und die ein oder andere künstlich und dadurch unglaubwürdig aufgebaute Spannung, die dieser Episode schaden. Der Rahmen mit der Insektenplage war dabei übrigens vollkommen unnötig, zumal es überhaupt keinen Einfluss auf die Handlung war und als Metapher nicht wirklich kreativ daher kommt.

Emil Groth - myFanbase

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