Die enttäuschendsten Charaktere 2010/2011
Vivian Volkoff (Chuck)

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Mindestens genauso wichtig wie ein zugänglicher, sympathischer Protagonist ist ein vielschichtiger, unberechenbarer Antagonist, der dem Helden nicht nur ein würdiger Gegner sein, sondern von dem auch eine reale Gefahr ausgehen muss. Während es "Chuck" in der Vergangenheit durchaus gelungen ist, mit Figuren wie Ring-Anführer Ted Roark oder auch Agent Shaw interessante Widersacher in die Geschichte einzuführen (wobei sich bei Shaw wahrscheinlich die Gemüter spalten), unterlief den Autoren in der vierten Staffel leider einen Missgeschick: Vivian Volkoff.

"I have to be Volkoff now."

Foto: Chuck - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Chuck
© Warner Bros. Entertainment Inc.

An sich war die Idee ja nicht schlecht: Nachdem der Bösewicht der ersten Staffelhälfte, Alexei Volkoff porträtiert von dem herausragenden Timothy Dalton , von Team Bartowski überwältigt wurde, schickte man dessen Tochter Vivian ins Rennen. Vivian wird uns am Anfang präsentiert als harmlose Vivian McArthur, die keinen blassen Schimmer hat, dass ihr Vater ein weltweit gesuchter Terrorist ist. In ihrer Naivität und Ahnungslosigkeit ähnelt sie dabei sicherlich nicht zufällig einem jungen Chuck, denn wie er wird auch sie plötzlich in die gefährlich-intrigante Welt der Spione und Kriminellen hineingezogen. Dass Vivian gewissermaßen als Antithese zu Chuck steht, ist dabei offensichtlich: Während Chuck dank seines positiven Umfelds Unterstützung erfährt und sich daher für die gute Seite der Macht entscheidet, rutscht Vivian nicht zuletzt aufgrund einiger Missverständnisse, fehlender Aussprachen und dem manipulativen Anwalt Riley ins kriminelle Milieu und wird so zur Gegnerin von Chuck, Sarah, Casey und Co.

Leider vollzieht sich diese Entwicklung von der netten Pferdeliebhaberin zur kaltblütigen Waffendealerin aber zu schnell und ist alles andere als überzeugend. Vivian entscheidet sich ziemlich plötzlich, Chuck zu ihrem Erzfeind Nummer 1 zu machen und man kann nie wirklich nachvollziehen, warum das eigentlich so ist. Weil sie ihren Vater jetzt doch nicht sehen darf und Chuck dafür verantwortlich macht? Weil Riley sie dahingehend manipuliert? Weil sie interessiert ist an der Macht, die sie mit Volkoff Industries erlangt? Vivian kommt einem vor wie ein Spielball, der von verschiedenen Seiten Input bekommt und sich dann einfach wahllos für irgendwas entscheidet, was der Storyline am meisten nützt. Nicht gerade die beste Voraussetzung für einen guten Gegenspieler. Vivian ist konturenlos, sie besitzt einfach nicht die Gnadenlosigkeit, die ständig impliziert wird.

Doch bis hierher ist es nur das Drehbuch, das am Scheitern von Vivian Volkoff als Antagonistin verantwortlich ist. Leider kommt hinzu, dass man beim Casting kein glückliches Händchen bewiesen hat. Lauren Cohan, die beispielsweise in "Supernatural" als Bela Talbot durchaus überzeugte, ist leider eine totale Fehlbesetzung für den Part der Vivian. Die innere Zerrissenheit, die moralische Krise, die Vivian durchläuft, kann Cohan nicht zum Zuschauer transportieren, dafür wirkt sie oft zu stoisch und ungelenk. Gerade in Gegenüberstellung zu Timothy Dalton, ihrem Serienvater, hat Cohan quasi keine Chance und geht unter. Das ist insofern schade, als dass eine geeignete Schauspielerin die Rolle womöglich hätte retten können.

Die Ironie an der ganzen Sache ist: Mit Alexei Volkoff hat "Chuck" uns dieses Jahr den besten Antagonisten präsentiert, den die Serie je hervorgebracht hat. Leider kam im Anschluss dann gleich Vivian, die das genaue Gegenteil war. Bleibt zu hoffen, dass "Chuck" aus diesem Fehler lernt und sich in Zukunft an Figuren wie Alexei Volkoff orientiert, wenn es darum geht, einen neuen Gegenspieler für Staffel 5 zu kreieren.

Maria Gruber - myFanbase

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