Emmys 2011 - Die Gewinner

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Die 63rd Primetime Emmy Awards sind Geschichte und die diesjährigen Gewinner des wichtigsten TV-Preises der US-Branche stehen fest. Es gab wie jedes Jahr einige Überraschungen, gleichzeitig natürlich aber auch erwartete Sieger und manchmal die gewohnte unterschwellige langweilige Konstanz. Durch den Abend führte Jane Lynch und wie immer gab es einige lustige Einspieler, dennoch war die Show insgesamt eher dröge. Dafür konnten einige wirklich unerwartete Überraschungen für Emotionalität sorgen.

Die Gewinner bei den Miniserien oder TV-Filmen

Wie erwartet hat sich diese Kategorie zu einem Kopf an Kopf Rennen zwischen "Mildred Pierce" und "Downton Abbey" entwickelt, aber auch der ein oder andere Außenseiterkandidat hat sich zwischen diese beide Shows geschlichen. So hat den Preis als bester männlicher Hauptdarsteller völlig überraschend Barry Pepper für "The Kennedys" gewonnen und die klaren Favoriten Édgar Ramírez und Idris Elba hinter sich gelassen. Bei den Damen nahm aber wie erwartet Kate Winslet für die Titelrolle in "Mildred Pierce" mit nach Hause. Auch ihr Kollege Guy Pearce überzeugte die Academy als bester Nebendarsteller, aber die ebenfalls hochfavorisierte Evan Rachel Wood konnte sich gegen die Grand Dame aus dem englischen "Downton Abbey" Maggie Smith nicht durchsetzen. Und auch was den Hauptpreis angeht, hatten die Engländer am Ende die Nase vorn und schnappten dem siegesgewohnten Sender HBO die Trophäe vor der Nase weg.

Die Gewinner bei den Comedy-Serien

"Welcome to the 'Modern Family' Awards", wie Jane Lynch es so schön sagte, fasst diesen Teil des Abends eigentlich sehr gut zusammen, denn dieser begann gleich einmal mit vier Preisen in Folge für eben "Modern Family". So zeichnete die Academy neben zwei Preisen für das beste Drehbuch und die beste Regie in einer Comedy-Serie auch Julie Bowen und Ty Burrell als beste Nebendarsteller aus und die "Modern Family"-Siegesserie wurde wahrscheinlich nur deshalb unterbrochen, weil die Show bei den Hauptdarstellern nicht vertreten war.

So ging der Preis als bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie wie im letzten Jahr an Jim Parsons für "The Big Bang Theory", was eigentlich niemand so richtig hätte überraschen dürfen, es dann aber doch irgendwie tat. Denn mit Steve Carell in dessen Abschiedsjahr bei "The Office" schien der Gewinner eigentlich schon fest zu stehen. Aber manchmal kommt es dan doch eben anders als man im Vorfeld so denkt. Bei den Damen räumte Melissa McCarthy ab, die für ihre Rolle in "Mike & Molly" geehrt wurde. Besonders war deren Sieg aber vor allem durch die Art und Weise der Präsentation, denn als Rob Lowe und Sofía Vergara die Nominierungen vorlasen, stürmten alle sechs Damen nach vorn und fieberten gemeinsam dem Ergebnis entgegen. Diese unheimlich sympathische und erfrischende Idee hatte Amy Poehler, die sich so eben zur Emmy-Siegerin der Herzen kührte, auch weil sie gemeinsam mit Melissa McCarthy später eine der wenigen wirklich witzigen Award-Übergaben präsentierte.

Der Hauptpreis in dieser Kategorie ging dann wie erwartet an "Modern Family" und die Serie hat damit wieder einmal eindrucksvoll unterstrichen, dass man mit ihr wohl noch einige Jahre rechnen muss. Der Sieg sei ihnen wirklich gegönnt, aber diese allumfassende Dominanz ist doch etwas enttäuschend, wo doch gerade das Comedy-Genre momentan eine Blüte der Kreativität und eben Vielfalt durchlebt, die man weder in den Emmy-Nominerungen noch in den Preisen wiederfindet.

Die Gewinner bei den Drama-Serien

Ganz im Gegensatz dazu stehen die diesjährigen Gewinner der Drama-Kategorie. Eine Überraschung jagte hier die nächste und auch die erwarteten Sieger, die auch wirklich abräumten, waren von der wohlverdienten Sorte und zeigen vor allem die breite Dichte an Dramaserien, die das amerikanische Qualitätsfernsehen momentan zu bieten hat. Der große Underdog des Abends, der sich sozusagen in letzter Minute den Sieg schnappt, war eindeutig "Friday Night Lights". Nicht nur erhielt Jason Katims den Preis für das beste Script fürs Serienfinale (und ließ Matthew Weiner und The Suitcase somit völlig überraschend leer ausgehen), auch Kyle Chandler wurde zur Überraschung aller und offensichtlich auch ihm selbst als bester Hauptdarsteller geehrt. Wie ich bereits in der Vorberichterstattung erwähnte, war Chandler für mich persönlich der einzig akzeptable Gewinner, sollte Jon Hamm wieder keinen Award mit nach Hause nehmen, aber ich muss doch auch bei aller Freude für Chandlers sympathischen Sieg sagen, die beste Leistung wurde hier nicht geehrt.

Im Gegensatz dazu habe ich an Julianna Margulies Sieg bei den Hauptdarstellerinnen nichts auszusetzen, sie hätte letztes Jahr bereits gewinnen müssen und in diesem Jahr hat es nun verdienterweise geklappt. Auch Margo Martindales Sieg bei den besten Nebendarstellerinnen war lange überfällig und das Peter Dinklage für "Game of Thrones" als bester Nebendarsteller ausgezeichnet werden würde, war aufgrund der Vorurteile gegen Fantasy-Shows wahrlich kein Selbstläufer.

Den Hauptpreis des Abends als beste Dramaserie nahm dann doch noch "Mad Men" mit nach Hause, nachdem der haushohe Favorit bis dato komplett leer ausging. Es ist schon etwas seltsam, dass die beste Serie des Jahres keine der besten Zutaten zu haben scheint, die diese eigentlich ausmachen sollten, aber hier spiegelt sich wohl doch eine größere Vielfalt und anscheinend auch Offenheit der Academy gegenüber den vielen würdigen Kandidaten wieder.

Fazit

Wie jedes Jahr am Tag nach den Emmys bleibt man als Fan und Bewunderer von qualitativ anspruchsvollem Fernsehen mit einer gewissen schizophrenen Gefühlslage zurück. Einige Überraschungen aus dem Nichts sorgen zwar einerseits für gute Laune, zerstören aber auch das sich andererseits aufdrängende Gefühl, man kann die ganze Sache doch sowieso nicht ernst nehmen. Also gilt es für den eigenen Serienfan-Seelenfrieden, sich an den verdienten Siegern zu erfreuen und die Ärgernisse am besten schnell zu verdrängen. In dieser Wirkung der Sache liegt auf jeden Fall die größte Konstanz der Show.

Cindy Scholz - myFanbase

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