Bewertung

Review: #1.16 Erlösung

Das war also das Finale der ersten Outlander-Staffel und es konnte durchaus überzeugen. Mit den Ereignissen der letzten Episode sorgt man für eine sehr brutale und emotionale Auflösung.

Er wurde gebrochen

Wer die Szenen aus #1.15 Im Kerker schon brutal fand, wird 'überrascht' sein, dass man jetzt noch einen obenauf gesetzt hat. Mit welcher Brutalität und Gelüsten Randall vorgeht, konnte man schon das ein oder andere Mal mit einem gewissen Ekelfaktor verfolgen und saß dennoch wie gebannt vor dem Bildschirm, da man dieses Verhalten einfach nicht fassen konnte. Ähnlich ist es auch bei der Vergewaltigung Jamies, die man uns in diesem Finale präsentiert. Dass Randall ein Sadist ist, konnte man bereits in #1.06 Black Jack sehen und trotzdem ist man auch diesmal davon gebannt, mit welchen kaltblütigen und grausamen Methoden er Jamie bricht.

Denn auch wenn der Schotte ein starker Mann ist, so hat er doch neben seiner Schwester Jenny einen weiteren Schwachpunkt – Claire. Das weiß auch Randall, spätestens seit seiner versuchten Vergewaltigung an dieser, und setzt genau da an, was ihn letztlich zum 'Erfolg' führt. Schließlich weiß er nach seinem Beinah-Vergehen an Claire, wie sehr diese von Jamie geliebt wird. Immerhin hat jener sich damals auf den Weg gemacht, um die – für ihn - fremde Frau vor dem zu schützen, was ihm jetzt selbst bevorsteht. Zudem haben wir erst kürzlich erfahren, wie sehr der Schotte Claire schon vor der Ehe geliebt hat. Randall bricht Jamie schließlich dadurch, dass er ihm seine Ehre und seinen Stolz darüber nimmt, nichts bei Randalls Vergehen zu empfinden, zumindest nicht nach der brutalen Vergewaltigung, die man am Anfang dieser Episode gesehen hat. Und möglicherweise wäre dies auch so geblieben, hätte der Hauptmann nicht verlangt, dass Jamie sich ihm hingibt und es nicht nur über sich ergehen lässt. Hier wurde sehr deutlich, dass es dem Sadisten nicht nur um sein reines Vergnügen geht, sondern auch, dass er ebenso geliebt werden will. Wobei Liebe wahrscheinlich das falsche Wort für das ist, was man gesehen hat. Denn mit dem schönsten Gefühl der Welt hatte dies gar nichts zu tun.

Wie zerstörend diese Behandlungen für Jamie waren, sah man an seinem ganzen Verhalten und seiner Mimik, die er bei dem Liebesspiel zum Ausdruck gebracht hat. Man sah ihm deutlich an, wie sehr es ihn gegrämt hat, Randalls Verlangen mit Demut nachzukommen, wobei er immer Claire im Hinterkopf und das Gefühl hatte, sie zu betrügen. Dass Jamie schließlich doch noch etwas dabei empfand, machte auch nochmals deutlich, dass er von Randall gebrochen wurde und daher auch keinen Grund mehr sah zu kämpfen bzw. sich dagegen zu wehren, geschweige denn Claire wiederzusehen. Doch nicht nur der Betrug raubte ihm seine Ehre, sondern auch die Tatsache, dass er von seinem Erzfeind zum Sex gezwungen wurde. Die Vergewaltigung eines Mannes so offen im Fernsehen zu zeigen, zeigt auch den Mut von Showrunner Ron Moore. Ich denke, diese Vergewaltigung so deutlich zu zeigen, war auch für den Zuschauer wichtig, um noch besser nachzuvollziehen, welche Ängste Jamie kurz vor seinem Tod aussteht und wie es ihn sich letztlich auch nach dem Tod sehnen lässt.

Schließlich machte ihm Randall schon im Vorfeld klar, dass er nicht lebend aus dem Gefängnis kommt. Wahrscheinlich wäre dies auch so gewesen, hätte Murtagh keinen Plan gehabt, ihn zu befreien. Allerdings war für Jamie das Geschehene so traumatisch, dass er nicht nur Claire tätlich angriff, sondern den Tod dem Leben vorzog. Jedoch war nicht mal die Vergewaltigung das Ausschlaggebende für seinen Wunsch. Nein, es war sein gebrochener Stolz und sein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau, da er ihr bei der Hochzeit versichert hat, sie niemals zu betrügen und mit seinem Körper und Blut zu beschützen, letzteres hat er ja auch getan. Und dann ist da noch die Tatsache, dass Randall ihn dazu gebracht hat, sich selbst ein Brandmahl zu setzen und damit zu bekennen, dem Hauptmann zu gehören. Dadurch entstand aber auch eine sehr schöne Szene mit Murtagh. Obwohl man nichts von dem Gälischen Wortwechsel verstanden hat, war einem klar, was das Thema ihres Gesprächs war. Somit ließ sich auch wieder erkennen, wie wichtig Jamie für seinen Patenonkel ist.

Die Macht der Liebe

An dem Sprichwort "Liebe übersteht alles" scheint etwas dran zu sein, zumindest wenn man Jamie und Claire betrachtet. Obwohl es erst acht Monate her ist, seit sich die zwei kennen gelernt haben, merkt man immer wieder, dass diese Begegnung eine schicksalhafte sein muss, die die beiden mit jedem weiteren Erlebnis näher zusammenbringt und ihre Liebe wachsen lässt.

Ich denke, dass Claire die einzige gewesen ist, die Jamies Seele aus der Dunkelheit holen konnte. Nur sie hat meiner Meinung nach die Courage, ihren Ehemann auch mal härter anzugehen als andere. Das bewies auch die Szene zwischen Murtragh und ihr, bei der klar wurde, dass der Clansmann viel zu sehr mit Jamie mitleidet bzw. er viel zu viel Verständnis für den Wunsch zu sterben hat, als dass er dazu fähig wäre, sich dagegen auszusprechen.

Claire ist da sehr viel forscher, was zum einen auch daran liegt, dass sie aus einer anderen Zeit kommt und vielleicht weil sie der Grund für Jamies Todeswunsch ist. Zumindest scheint sie zu glauben, in gewissem Maße für die letzten Ereignisse verantwortlich zu sein, da sie dem Pater ihre Geschichte erzählt und es sehr deutlich wird, dass sie sich schuldig für den seelischen Zustand von Jamie und auch Frank fühlt. Ich denke, das Gespräch und die Tatsache, dass sie weiß, dass Jamie aus dem Leben scheiden will, hat sie dazu bewogen, ihn mit seinem Trauma zu konfrontieren. Sehr interessant war dabei ihre Vorgehensweise, die es wirklich in sich hatte und auch gezeigt hat, wie gut sie ihren Mann kennt.

Sehr gut hat mir auch gefallen, wie sie ihn an sein Eheversprechen erinnert und ihm gleichzeitig ihre Liebe versichert hat. Hierbei zerriss einem beinahe das Herz, weil man noch einmal gesehen hat, wie sehr sie ihn liebt und braucht. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie Claire sich gefühlt haben muss, nachdem sie den wahren Grund seiner Ablehnung erfahren hat. Ihr ist sicherlich klar gewesen, dass Jamie arg zu leiden hat, nachdem sie das Gefängnis verlassen musste. Doch für sie scheint auch klar gewesen zu sein, ihren Mann trotz allem zu lieben. Somit war sie auch in der Lage ihm dies klar zu machen und ihn so aus seiner Dunkelheit zu holen. Dadurch hat auch Jamie erkannt, weiterleben zu müssen, da Claire ihm sein Schuldgefühl ihr gegenüber genommen hat. Durch diese Entlastung fand er auch die Kraft, sich von Randall loszulösen und seinen Weg fortzuführen.

Eine neue Zukunft

Nach Jamies Genesung und zurückgewonnem Lebenswillen, blickt er zusammen mit Claire in eine ungewisse Zukunft und tritt die Reise nach Frankreich an. Doch bevor sie diesen Weg antreten, steht noch der Abschied der anderen an. Bei diesem hat man gemerkt, dass die einstige Fremde mittlerweile zum Clan dazu gehört und man sich dadurch wünscht, dass sie eines Tages wieder aufeinander treffen.

Dass Claire dem Vorschlag, irgendwann wieder nach Schottland zurückzukehren, nicht positiv gegenübersteht, kann man durchaus verstehen. Immerhin kennt sie die Zukunft und möchte Jamie nicht (wieder) verlieren, zumal sie jetzt auch zu einer kleinen Familie werden und sich ihr Wunsch nach einem Kind erfüllt. Es war sehr schön mit anzusehen, wie Jamies Lebensfreude nach dieser Botschaft zurückkehrt und er dadurch wieder fähig ist, glücklich zu sein.

Randnotizen

  • Wieder einmal muss man die schauspielerische Leistung von Tobias Menzies, Sam Heughan und Caitriona Balfe loben. Alle drei bewiesen wieder ihr können und das Talent, Emotionen hochkochen zu lassen.
  • Erwähnenswert sind auch die Kulissen, ganz besonders die Gefängniszelle, die in dieser Folge nochmals einen Hauch grausamer wirkte, und alles noch mehr dramatischer gemacht haben.

Fazit

Mit #1.16 Erlösung verabschiedet sich "Outlander" in die Pause und hinterlässt bei den Zuschauern ein atemberaubendes Gefühl. Ein Gefühl, welches sich nur schwer in Worte fassen lässt. Im Ganzen lässt sich jedoch sagen, dass man mit der ersten Staffel etwas Grandioses geschaffen wurde, was in allen Sparten überzeugt hat. Man schließt hier mit einem Cliffhanger ab, welcher zwar etwas unspektakulär wirkt, jedoch viel Vorfreude auf die zweite Staffel birgt.

Daniela S. - myFanbase

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