DVD-Rezension: Outlander, Staffel 1

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Foto: Caitriona Balfe & Sam Heugan, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Caitriona Balfe & Sam Heugan, Outlander
© 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

"Outlander" ist die von Ronald D. Moore ("Star Trek", "Battlestar Galactica") entwickelte Adaption des Bestsellers "Feuer und Stein" von Diana Gabaldon, der 1991 erstmalig als Roman erschien. Vom 9. August 2014 bis zum 20. Mai 2015 lief die erste Staffel der Serie auf dem amerikanischen Sender Starz. In Deutschland erfolgte die Ausstrahlung im Free-TV vom 20. Mai bis zum 8. Juli 2015 auf Vox, auf dem Pay-TV-Sender Passion war sie vorher schon zu sehen. Volume 1 erschien am 5. Juni 2015 auf DVD und Blu-ray, Volume 2 am 15. Oktober 2015.

Inhalt

Foto: Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
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Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs verbringt die Kriegskrankenschwester Claire (Caitriona Balfe) mit ihrem Mann Frank Randall (Tobias Menzies) ihre zweiten Flitterwochen in der schottischen Kleinstadt Inverness. Dort sucht sie den Steinkreiszirkel Craigh na Dun auf, der sie in das Schottland des 18. Jahrhundert versetzt, wo sie nach einer Begegnung mit dem sadistischen Johnathan Randall (Tobias Menzies), einem Vorfahren ihres Ehemanns, von einer Gruppe Schotten aufgelesen wird. Die Mitglieder des MacKenzie-Clans wissen nicht, ob sie es mit einer englischen Spionin zu tun haben, und entschließen sich, sie kurzerhand auf den Familiensitz des Clans, Burg Leoch, mitzunehmen. Dort muss Claire sich nicht nur an das Leben in dieser Zeit eingewöhnen, sondern auch noch beweisen, dass sie keine Spionin ist, um so zu dem Steinkreis und damit zu ihrem Ehemann zurückkehren zu können. Schnell macht sie sich auf der Burg einen Namen als Heilerin und wird wegen ihrer Fähigkeiten geachtet, so dass weder der Burgherr Colum MacKenzie (Gary Lewis) noch sein Bruder Dougal (Graham McTavish) geneigt sind, sie einfach so ziehen zu lassen. In diesen Zeiten ist ihr der charmante Schotte Jamie Fraser (Sam Heughan) ein guter Freund.

Rezension

Foto: Lotte Verbeek & Caitriona Balfe, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Lotte Verbeek & Caitriona Balfe, Outlander
© 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.

Es ist so eine Sache, einen Bestseller, der eine große und leidenschaftliche Fangemeinschaft besitzt, filmisch umzusetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Fan enttäuscht, ist oft sehr groß, schließlich lässt sich so viel falsch machen: die Besetzung der Schauspieler, die Kostüme und Kulisse, das Herauslassen oder Umschreiben der Lieblingsszenen sowie viel zu viele Änderungen am Material… Daher ist es eine umso größere Leistung, wenn man einen Großteil der Fans mit der Adaption begeistern kann (man kann es sowieso nie allen Recht machen). Für mich ist Moores "Outlander" eine sehr gelungene Umsetzung des Materials von Diana Gabaldon, allerdings muss man auch dazu sagen, dass ich das Buch vor über zehn Jahren gelesen habe und mich daher nur grob an die wichtigsten Ereignisse erinnern kann.

Es beginnt für mich bei dieser Serie schon mit dem gelungenen Intro und dem Titelsong "Skye Boat Songs" von Bill McCready, der mit seinem Hauch an Mystik direkt schon gekonnt auf die Serie einstimmt. Mit den Klängen des traditionellen Volksliedes in neuen Gewändern begegnet der Zuschauer anschließend dem Schottland des 20. bzw. des 18. Jahrhunderts. Und allein die Kulisse ist ein riesen Pluspunkt der Serie, die bezaubernd, mystisch und atemberaubend daher kommt und die auf diese Weise der Geschichte von einer Zeitreise zumindest ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit verleiht. Glücklicherweise kann eine Serie, deren Episoden fünfzig bis sechzig Minuten dauert, sich auch die Zeit nehmen, eine solche Landschaft ausgiebig zu zeigen, so dass ich allein schon wegen dieser schottischen Landschaftsbildern die Serie schauen würde, selbst wenn die Handlung der Serie nicht überzeugen könnte.

Zum Glück können aber auch Handlung und Schauspieler gefallen. Die mehr oder weniger bekannten Schauspieler des Casts machen ihre Sache ohne Frage alle ausgezeichnet und jeder der von ihnen dargestellten Charaktere wirkt äußerst authentisch, sei es der mürrische und gefährlich wirkende Dougal MacKenzie oder die mysteriöse Geillis Duncan (Lotte Verbeek). Das größte Lob an dieser Stelle muss man an dieser Stelle aber vor allem Catriona Balfe, Sam Heughan und Tobias Menzies aussprechen, die nicht nur ausgezeichnet ihre Charaktere darstellen, sondern denen es viel mehr noch gelingt, die unter den Figuren notwendige Chemie aufzubauen. Daher schaut man den dreien auch in ihren unangenehmeren Szenen gerne zu, bei denen man gelegentlich eigentlich nur wegschauen möchte.

Foto: Caitriona Balfe, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Caitriona Balfe, Outlander
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Wie im Buch führt Protagonistin Claire die meiste Zeit durch die Handlung der Serie. Nach dem Ende des Weltkrieges erlebt Claire wie viele Paare, die zu der Zeit durch ihre Arbeit an der Front getrennt waren, eine Entfremdung von ihrem Ehemann. Um sich wieder näher zu kommen, verbringen sie ihre zweiten Flitterwochen in Inverness. Statt des geplanten Neuanfangs, reist Claire unbeabsichtigt in der Zeit und man kann sie nur dafür bewundern, wie schnell sie es schafft zu begreifen, was passiert ist. Claire gelingt es nach einem kleinen Zusammenbruch bei Jamie und mit ein bisschen Hilfe von Glenna Fitzgibbons (Annette Badland) sich an das Leben auf der Burg zu gewöhnen und sich als Krankenschwester einen Ruf zu machen. Der ein oder andere mag es unlogisch und zu erstaunlich finden, wie souverän Claire sich einfügt, und es für realistischer halten, wenn Claire einen Nervenzusammenbruch erleiden würde. Aber seien wir mal ehrlich, so realistisch das wäre, es wäre nicht sonderlich unterhaltsam mitanzusehen, wie Claire wegen der Ereignisse durchdreht und am Ende bestenfalls weggesperrt werden würde.

Claires Herkunft aus der Zukunft führt zu einer Reihe interessanter Handlungen und Konflikte, denn die Weltanschauung ist 1743 eine ganz andere als 1945. Claire muss sich mit allgemeinen Aberglauben, aber auch mit der Rohheit und der Brutalität in dieser Zeit auseinandersetzen, in der die Pacht trotz des sichtlichem Elends der Familie eingenommen oder ein Kind wegen eines Diebstahls an einen Pranger genagelt wird. Mit ihrem selbstbewussten Auftreten und mit hin und wieder unbedachten Äußerungen überrascht sie ihrerseits aber auch die Clansmitglieder und verursacht Misstrauen gegenüber ihrer Person, schließlich ist die Rolle der Frau in der Öffentlichkeit zu dieser Zeit eine ganz andere. Für Claire geht es aber nicht nur um das Überleben dieser Zeit, sondern auch um die Rückkehr in die Zukunft und damit zu ihrem Ehemann.

Foto: Caitriona Balfe & Sam Heughan, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Caitriona Balfe & Sam Heughan, Outlander
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In der ersten Staffelhälfte erlebt der Zuschauer, wie Claire sich an das Leben im Jahre 1743 gewöhnt und dabei den MacKenzies beweisen muss, dass sie keine englische Spionin ist. Besonders die Episoden #1.06 Black Jack und #1.07 Die Hochzeit sind in meinen Augen kleine Meisterstücke. Einen Großteil der Handlung besteht in beiden Episoden "bloß" aus einem Gespräch mit Claire: zum einen mit Jonathan Randall, der Claire zunächst mit Charme, dann mit Gewalt ihre Geheimnisse entlocken will, zum anderen mit Jamie in der Hochzeitsnacht. Das erste Gespräch lebt von der unterschwelligen Spannung dem Nicht-Einschätzen können von Jonathan Randall, so dass man gar nicht merkt, wie die Zeit beim Schauen verfliegt. Das zweite Gespräch ist eine schüchterne Annäherung von Claire und Jamie in ihrer Hochzeitsnacht und besitzt eine wunderbare Dynamik. Mit geschickt eingesetzten Flashbacks zu den Hochzeitsvorbereitungen schafft die Serienmacher hier eine grandiose Episode.

Foto: Tobias Menzies, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Tobias Menzies, Outlander
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Die zweite Staffelhälfte ist sehr viel düsterer und besteht aus zahlreichen Intrigen und Verstrickungen, die sowohl Claires als auch Jamies Leben gefährden könnten. Die in der ersten Staffel vorkommenden Vergewaltigungs- und Folterszenen, die definitiv nichts für schwache Gemüter sind, werden aber vollkommen von den Ereignissen in den letzten zwei Episoden in den Schatten gestellt. Hatte ich selbst vorher bei einigen Szenen das Bedürfnis wegzuschauen, unter anderem Jamies Auspeitschung, hätte ich hier Zeitweise am liebsten die ganze Episode übersprungen und mir einfach nur das Ende angeschaut. Als Buchkennerin wusste ich zwar, was mich leider noch erwarten würde, aber wie so oft, war meine Fantasie harmloser als das zu sehende Bildmaterial. Randalls Versuch Jamie durch Folter und sexuellen Missbrauch zu brechen, haben die Serienmacher ohne Frage grandios inszeniert. Es ist den Serienmachern sicherlich auch positiv anzurechnen, dass sie sich trauen ein Tabuthema, wie die Vergewaltigung eines Mannes durch einen Mann, so authentisch darzustellen, dass den Zuschauer das Grauen überkommt und er Jamies Schmerzen nachfühlen kann. Dies führt auch dazu, dass die letzten beiden Episoden natürlich dem Zuschauer kein wirkliches Vergnügen bereiten und nur die ausgezeichnete Machart dieser Episode verhinderten, dass ich nicht die Vorspul-Taste drückte.

Foto: Caitriona Balfe & Tobias Menzies, Outlander - Copyright: 2014 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.
Caitriona Balfe & Tobias Menzies, Outlander
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Meine Lieblingsszene nicht nur in der gesamten Staffel, sondern auch in Hinblick auf sämtliche Serien, die ich gesehen habe, ist der Tanz der Druidinnen am Craigh na Dun zu Samhain in #1.01 Sassenach. Zusammen mit der grandiosen musikalischen Untermalung kann man förmlich die Magie spüren, an die die Wiccas selber glauben. In zahlreichen Serien, in denen Hexen und Magie vorkommen, wurde in meinen Augen Magie nie so authentisch dargestellt. Witzigerweise üben die Druidinnen von Inverness in dieser Szene keine Zaubersprüche aus. Spätestens als ich diesen mystischen Augenblick gesehen hatte, war es um mich geschehen und mein Herz schlug für die Serie.

Specials

Die acht Episoden der ersten sowie zweiten Staffelhälfte finden sich jeweils auf zwei Discs und sind in Deutsch und Englisch zu sehen. Ferner findet sich Bonusmaterial auf einer dritten Disc. Das Bonusmaterial zu der ersten Staffelhälfte enthält zwei kurze Dokumentationen mit den Titeln "Outlander: An Epic Adaption" und "Authentic in Design: The Dresses & Kilts of Outlander". Die DVDs zur zweiten Staffelhälfte halten Bonusmaterial, wie ein Gag-Reel und eine kurze Dokumentation über die in der Serie verwendeten Stoffe, bereit.

Technische Details

Erscheinungstermin: 5. Juni 2015 (Volume 1), 15. Oktober 2015 (Volume 2)
FSK: ab 12 Jahren (Volume 1), ab 16 Jahren (Volume 2)
Laufzeit: 225 Minuten (Volume 1), 445 Minuten (Volume 2)
Bildformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Fazit

"Outlander" ist in meinen Augen eine äußerst gelungene Adaption des Bestsellers "Feuer und Stein" und ist über weiten Strecken ein großes Fernsehvergnügen. Die Serienmacher beweisen ausgezeichnet ihr Können im Umgang des Materials und unterstützen die Handlung durch gelungenes Verwenden von Kulisse und Kostümen, so dass eine herrliche Atmosphäre geschaffen wird. Aber sie haben auch den Mut die Rohheit und Brutalität dieses Zeitalters ungeschönt zu zeigen, weswegen die Serie nichts für schwache Nerven ist.

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Ceren K. - myFanbase

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