Bewertung: 5

Review: #1.04 Die Jagd

Kaum lobt man einmal eine Serie und lässt sich zu der Aussage hinreißen, dass sie erstaunlich konstant hohe Qualität abliefert, wird man auch schon eines besseren belehrt und der unvermeidliche Ausrutscher nach unten folgt. Denn #1.04 Die Jagd kann leider mit dem bisherigen Niveau der Serie nicht mithalten und wirkt zum ersten Mal, als wären die Autoren an der Aufgabe, einen Roman zu adaptieren zumindest vorübergehend gescheitert. Denn mein ganz großes Problem mit dieser Episode ist es, dass sie nicht wie eine für sich stehende Einheit wirkt, sondern wie drei wahllos aneinander gereihte Kapitel aus der Vorlage, die man eben handlungstechnisch irgendwann abarbeiten musste. Weder Claires Fluchtversuch, noch Jamies Schwierigkeiten innerhalb der Zeremonie um den Treueschwur der MacKenzies noch die Wildschweinjagd schaffen es, der Folge eine thematische Einheit zu verleihen, was vor allem daran liegt, dass sie nicht viel miteinander verbindet, außer dass sie direkt nacheinander geschehen.

Dazu kommt, dass der einzig spannende und mit zahlreichen Neuigkeiten gespickte Teil rund um die politischen Wirrungen innerhalb der Erbfolge der MacKenzies am schnellsten abgehandelt und am undeutlichsten dargestellt wird. Auch hat man hier genau das Gegenteil von dem getan, was ich beim letzten Mal noch so gelobt habe. Da hat man die einmalige Möglichkeit, viel mit Claires Erzählerperspektive zu arbeiten und setzt sie dieses mal wirklich nur dazu ein, um das offensichtliche laut auszusprechen. Man hätte in der Anfangsszene keine Erklärung für Claires Vorhaben der Fluchtvorbereitungen gebraucht, zumal diese sorgsam ausgearbeitete Flucht dann ja auch enorm antiklimatisch mit wenigen Worten von Jamie wieder abgesagt wird. Dabei stört mich einerseits, dass diese im ersten Folgendrittel eben so groß vorbereitete Flucht hier so völlig im Nichts verpufft, auch wen mir natürlich klar war, dass Claires Plan sicher an irgendetwas scheitern musste. Aber ich hätte mir für dieses Ende doch schon einen etwas spektakuläreren Abbruch vorgestellt. Aber gut, da war man wohl auch an die Vorlage gebunden.

Mit meiner geringen Kenntnis über den Inhalt der Bücher kann man allerdings das Problem erklären, dass das Drama rund um Jamies für mich hier leider enorm unübersichtlich geblieben ist und ich erst nach einigem Nachlesen und Nachfragen verstanden habe, was dort wirklich abgelaufen ist. Und diese Verwirrung damit zu erklären, dass Claire dies auch nicht wirklich durchschaut und wir deshalb als Zuschauer folgerichtig auch nicht, reicht mir hier in diesem Falle nicht aus. Genau hier wäre ein Voice-Over, der uns eben dann durchaus auch in Form von Fragen oder den Dingen, die Claire nicht durchblickt, auf den neuesten Stand bringt mehr als angebracht gewesen. Wenn ich richtig informiert bin, sind die Voice-Overs oftmals direkt aus dem Buch übernommen, was ich im Allgemeinen sehr begrüße, aber dennoch sollte eine Adaption in ein anderes Medium auch die Möglichkeit nutzen, Dinge zu verändern und zu ergänzen. Gerade an dieser Stelle hätte man der Sache einfach mehr Zeit widmen und mehr Klarheit verbreiten müssen. So passiert alles rund um Jamies abgewandten Eid innerhalb von ein paar Minuten, und ist dann auch schon wieder vorbei. Mein Problem ist dabei auch, dass mir bisher gar nicht bewusst war, dass Jamie überhaupt innerhalb der Erblinie der MacKenzies relevant ist. Der Fakt, dass er aufgrund seiner Beziehung zu seinem Onkel hier auf Burg Leoch vor seiner Verfolgung untertauchen kann, wurde zwar erwähnt, aber wahrscheinlich um den genauen Status von Jamie im Machtgefüge noch im Vagen zu halten, ist man darauf nicht näher eingegangen. Zumal man natürlich auch keine Ahnung hat, wie es die Highland-Schotten nun so mit der Erbfolge genau halten und was nun genau nach einem eventuellen Tod von Colum passieren würde. Hier haben wir nun die Erkenntnisse erhalten, dass es dann praktisch auf eine Rivalität zwischen Jamie und Dougal hinausläuft. Warum Jamie aber offensichtlich gerne auf der Burg versteckt gehalten wird, man aber nicht möchte, dass er seine Loyalität dem Clan erklärt, verstehe ich immer noch nicht so Recht. Und wie gesagt, die Verwirrung ist nicht das Problem, das Problem ist, wie viel der Verwirrung wir mit Claire teilen sollen.

Überhaupt hat sich diese Episode sehr auf Dougal konzentriert, der bisher zwar auch öfter als der Konkurrent seines Bruders dargestellt wurde, vor allem aber als der Misstrauische Claire gegenüber. Und nachdem er sie hier zuerst sexuell bedrängt (was sich mit seinem Verhalten im Piloten doch auch etwas widerspricht, als er Claire vor Jack Randall bewahrte), diesen Vorfall aber dank zuviel Alkohols aber wieder vergisst, sieht er sie nach der Jagd doch mit anderen Augen. Die blutigen Momente bei dieser Jagd haben mir dann aber doch ganz gut gefallen, vor allem wie man es hinbekommen hat, dass die tödlichen Verletzungen wenig glamourös oder cool wirkten, ganz im Gegenteil. Auch ist Claires Erfahrung mit solchen Situationen, dank ihrer Arbeit als Kriegskrankenschwester gut vermittelt worden, ohne darüber viele Worte zu verlieren.

Insgesamt war dies also eine eher durchwachsene Episode, die strukturell und inhaltlich irgendwie sehr unausgegoren wirkt. Wahrscheinlich ist sie eine klassische Vorbereitungsfolge für weitere Ereignisse, aber etwas flüssiger hätte man die hier abgehandelten Vorkommnisse sicher erzählen können. Positiv erwähnen kann ich aber noch die Tatsache, dass ich mich mittlerweile köstlich über Claires Aufpasser Rupert und Angus amüsiere, und insgesamt die Nebenfiguren langsam Kontur erhalten. So etabliert sich Murtagh als immer sympathischer Charakter, Geillis hingegen bleibt weiter rätselhaft. Sie durchschaut offensichtlich Claire sehr gut, ob sie der das allerdings übel nimmt, ist noch lange nicht klar.

Cindy Scholz - myFanbase

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