Bewertung: 7

Review: #5.23 Die Königin ist tot, es lebe die Königin!

Mayor Mills und Mrs. Queen. Regina wird in diesem letzten Akt des Staffelfinales aufgespalten in die zwei Teile ihrer Persönlichkeit, einmal in die Regina, die wir zuletzt zumeist gesehen haben und die sich für ihre Freunde und ihre Familie einsetzt, und in die Böse Königin, die jedem, dessen Nase ihr nicht passt, das Herz herausreißt. Wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde, die in dieser Episode ebenfalls voneinander getrennt werden und sich nicht mehr länger einen Körper teilen müssen. Manche Wohngemeinschaften sind eben einfach zum Scheitern verurteilt.

Eigentlich war es geplant, dass Regina die von ihr getrennte Böse Königin tötet, doch diese überlebt, da man sich seiner Persönlichkeitsfehler nicht so einfach entledigen kann. Stimmt. Im Prinzip wollte Regina, also die komplette Regina, eine Abkürzung nehmen bzw. den leichtesten Weg gehen, um ihre eigene Schattenseite loszuwerden und die Schatten der Vergangenheit gleich mit. Klappe zu, Königin tot. Das konnte doch eigentlich nur schief gehen! Hat von unseren Helden denn keiner "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" gelesen? Natürlich kann man Regina in ihrer Trauer und Müdigkeit nicht verdenken, dass sie die unverhoffte Chance auf einen schnellen Ausweg aus ihrem inneren Kampf ergreift, aber Emma und Snow, die Regina erst auf die Idee gebracht haben, agieren doch mal wieder etwas blauäugig. Bisher hatten so massive Eingriffe in die natürliche Ordnung stets ernsthafte Konsequenzen für die Beteiligten. Sagen wir es alle nochmal im Chor: Magie hat immer ihren Preis! Der Tag, an dem unsere Helden dies wahrlich verinnerlichen, ist wohl der Tag, an dem die Serie endet.

Obwohl man sich als Zuschauer sofort bewusst war, dass diese "Jekyll & Hyde"-Nummer ein Boomerang werden würde, bin ich doch sehr gespannt, was wir von der Bösen Königin nun erwarten können. Dr. Jekyll erklärt in dieser Folge ja, dass jeder seine schlechte Seite anders sieht - der eine als Spiegelbild und der andere als Ungeheuer. Reginas dunkle Seite manifestiert sich natürlich in Form der Bösen Königin, das war von vornherein klar, aber wie mächtig ist sie, was sind ihre Ziele und wie sind ihre Empfindungen, z.B. gegenüber Henry? Das alles müssen wir noch herausfinden. Im Grunde lernen wir jetzt die Böse Königin kennen, wie Regina sie sieht. Ich hoffe nur, die BK versucht nicht einfach, Reginas Platz einzunehmen, so dass wir wieder bei dem abgegriffenen Zwillingsspielchen landen.

Die "Jekyll & Hyde"-Thematik wird noch an anderer Stelle aufgegriffen: in Bezug auf unsere Welt, bekannt als die "Welt ohne Magie". So ganz ohne Magie ist sie nämlich gar nicht. Sie hat auch noch eine andere Seite. Magie kann hier durchaus funktionieren, wenn die Menschen daran glauben. Das tun die meisten nur nicht. Kurzfristig kann Henry, als der wahre Gläubige, einige Bürger von New York City dazu bringen, auch so ein bisschen an Magie zu glauben und dadurch Snow und Co. aus der Welt, die sich "Land der unerzählten Geschichten" nennt (dazu kommen wir noch), zurückzuholen. Diese ganze Szene am Wunschbrunnen ist einerseits irgendwie berührend und faszinierend, andererseits aber auch kitschig und befremdlich. Es kommt einem beinahe so vor, als würden Emma, Regina, Mr. Gold und Henry plötzlich bei einem selbst auf dem Marktplatz oder auf dem Parkplatz vorm Aldi stehen. Irgendwie ein surrealer Eingriff in die bisherige Mythologie der Serie. Vorerst wird sich die Magie aber, wie der Radiohut und das motorisierte Surfboard, wohl nicht durchsetzen. Die New Yorker applaudieren am Ende in dem Glauben, so eben einen aufwendigen Zaubertrick gesehen zu haben. So ziemlich jeder von uns würde sich in der Situation ebenfalls auf eine rationale Erklärung zurückziehen, denn nur so kann man das Leben, wie man es bisher kannte, weiterführen, ohne plötzlich alles in Frage stellen zu müssen.

Somit bleiben wir erst einmal bei dem Namen "Welt ohne Magie", verstehen nun aber besser, wieso der Dragon, den wir in #2.18 Selbstlos, mutig und treu kennen gelernt haben, etwas Magie beherrscht. Auch Emma hat ja damals bei der Auseinandersetzung mit Lily außerhalb von Storybrooke kurz ihre magischen Fähigkeiten aufblitzen lassen – im wahrsten Sinne des Wortes. Dem Dragon schien in der zweiten Staffel ja ein ziemlich würdeloses Schicksal beschienen zu sein, ermordet mit einem kuriosen Super-Taser von Peter Pans vollkommen verblendeter Marionette Tamara. Offensichtlich war er aber doch nicht so erschreckend leicht totzukriegen, wie es damals aussah. Jetzt hat er es allerdings mit einer etwas beeindruckenderen Gegnerin zu tun: der frisch von ihrer guten Seite geschiedenen Bösen Königin.

Zurück zum Land der unerzählten Geschichten. Wie Jekyll den Gästen aus Storybrooke deutlich macht, ist diese Welt ein Zufluchtsort für getriebene Menschen aus vielen anderen Welten. Schaut man genau hin, entdeckt man unter den dort herumwuselnden Personen unter anderem Musketiere, mittelalterliche Ritter, Männer und Frauen, die aus "Tausendundeine Nacht" stammen könnten, sowie Matrosen. Zu den Geschichten, die in der vorangegangenen Folge in Form der vergessenen Märchenbücher angedeutet wurden, kommen also noch einige dazu. Ich weiß nicht, ob ich die Matrosen bei "Moby Dick" oder einer anderen berühmten Seefahrtgeschichte einordnen soll, aber die Musketiere sind ziemlich eindeutig. Das heißt natürlich nicht, dass diese Stories wirklich aufgegriffen werden.

Wir wissen am Ende dieser Folge nur, dass Mr. Hyde einige seiner Freunde/Gefangenen/Mitbürger aus dem Land der unerzählten Geschichten mit nach Storybrooke gebracht hat. Wer diese Personen sind, wissen wir aber nicht. In gewisser Weise wird die Uhr damit wieder auf 8.15 Uhr zurück gestellt. In der sechsten Staffel erwartet uns eine Kleinstadt voller Figuren, die einen märchen- oder mythenhaften Hintergrund haben, den es zu entdecken gilt. Ich bin schon recht gespannt, wie damit umgegangen wird. Sehen wir ganz neue Flashbacks, kristallisieren sich vielleicht ein oder zwei neue Hauptfiguren heraus? Es ist eine Menge möglich, dazu mit drei Bösewichten im Hintergrund (Mr. Hyde, die Böse König, Mr. Gold). So ein paar Musketiere zur Unterstützung könnten da ja eigentlich nicht schaden. Ganz fremd dürften sich die neuen Bürger in Storybrooke ohnehin nicht fühlen, schließlich ist die Stadt in gewisser Weise auch ein Ort der un- bzw. nicht weitererzählten Geschichten (Lily, Will, Maleficent, August ...).

Kurzes Fazit

"Once Upon a Time" ist ein Stückweit selbst Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Die Serie hat viel Gutes, darunter sympathische und interessante Charaktere, gute Ideen, Emotionen und Humor, aber eben auch eine schlechte Seite, mit viel Unlogik, abgeschnittenen Handlungsfäden und sehr simplem Storytelling. Die erste Hälfte der fünften Staffel war mehr Hyde-isch, die zweite Hälfte orientierte sich eher in Richtung Dr. Jekyll und konnte nicht vollends, aber über weite Strecken überzeugen. Ganz besonders im Vergleich zur ersten Hälfte. Jetzt bist du dran, Season 6 ...

Maret Hosemann - myFanbase

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