Bewertung: 8

Review: #15.11 Überleben und Sterben

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Freud und Leid liegen nah beieinander. So liegt es häufig im Auge des Betrachters, in welche Richtung das Pendel denn nun schwingt. Im Fall von #15.11 The Winner Takes It All haben wir es mit zwei Geschichten zu tun, die ein bittersüßes Ende bekommen: Catherines riskante Operation und Merediths Wiedersehen mit Thatcher.

"These two pulled off a miracle. Miracles aren't always punctuation marks, but they are still worth celebrating."

Die Storyline rund um Catherines gefährliche Krebserkrankung findet heute ihren ersten Höhepunkt. Der Tag der Operation ist gekommen und auch wenn sie für alle eine starke Miene aufsetzt, merkt man Catherine ihre Angst an. Kein Wunder, schließlich hängt ihr Leben von diesem Eingriff ab. Umso schöner war es zu sehen, wie ihre Familie hinter ihr steht und Richard und Jackson trotz ihrer eigenen Sorgen für sie da sind. Während Richard die ganze Angelegenheit relativ stoisch hinter sich bringt, rückt Jacksons Reaktion auf die Lage seiner Mutter in den Vordergrund der Erzählung. Sein Zusammenbruch vor dem OP war eine der stärksten Szenen in dieser emotional geladenen Folge, nicht zuletzt durch Jesse Williams' grandiose Performance. Doch auch Maggie muss hier kurz erwähnt werden, die Jackson toll zur Seite stand und mit ihren eigenen Erfahrungen mit ihrer Mutter nur zu gut weiß, wie er sich jetzt fühlt. Er erinnert sich daran, wie omnipräsent seine Mutter immer für ihn war (manchmal mehr als ihm lieb war), wie sie immer ein Teil seines Lebens gewesen ist. Wie soll bitteschön eine Welt ohne Catherine Fox aussehen? Und dann ist schon die Zeit der Operation gekommen und während Catherine sich noch nach Jackson erkundigt, kommt der mit ihrer Musik herein. Der Musik, die ihr immer Halt gegeben hat. Als sie dann alle gemeinsam im OP getanzt haben, kommt man nicht darum herum, an die anderen Gelegenheiten zu denken, in denen "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte" Tanz einsetzte. Meistens sind es die Momente, in denen Meredith mit ihren Freunden etwas "austanzen" möchte und auch hier passt dieser Gedanke wunderbar. Catherine tanzt im Beisein ihrer Lieben all die Sorgen und die Angst zu dem Lied, das ihr immer Stärke gegeben hat, heraus. Ein schönes Bild, was recht schnell jedoch durch die nervenaufreibende Operation gestört wird.

Machen wir es kurz: Catherine lebt. Irgendwie hätte ein anderer Ausgang auch nicht gepasst, aber bei dieser Serie weiß man ja nie. Klar, der Krebs ist nicht komplett besiegt, schließlich gibt es da ja noch diese gemeinen 5%, die sich nicht vernichten ließen. Trotzdem kann diese Operation als klarer Sieg abgebucht werden und das freut mich für Catherine und ihre Familie genauso sehr wie für Amelia und Tom, die hervorragende Arbeit geleistet haben.

Zunächst einmal haben wir dadurch wieder mehr von Tom gesehen (und sogar mehr als nur seine coolen One-Liner), was mich nur mal wieder darin bestätigt hat, dass wir mehr von diesem Charakter zu sehen bekommen sollten. Aber hey, Catherine wird weiterhin behandelt und Teddy scheint auch Interesse an ihm zu zeigen, also habe ich da vielleicht ja Glück. Auf jeden Fall hat Tom die Ausstrahlung und Präsenz, die vielen der neueren Charakteren in letzter Zeit einfach fehlen. Ob nun lustige Gags, motivierende Gespräche mit Amelia oder offen-emotionale Momente mit Teddy oder in der Kapelle, er überzeugt einfach auf ganzer Linie, auch wenn Tom nach wie vor nur ein Nebencharakter ist.

Auch Amelia konnte wieder glänzen, sowohl chirurgisch als auch persönlich. Ihre Rede am Schluss bei den AAs war unglaublich bewegend und es tut einfach gut zu sehen, dass sie sich von dem Chaos rund um Owen nicht runterziehen lässt, sondern weiterhin auf dem richtigen Weg ist und optimistisch in die Zukunft sieht.

"There's so much to say, I don't know what to say."

Im Gegensatz zu den Geschehnissen im Krankenhaus lief Merediths Treffen mit ihrem Vater um einiges ruhiger ab. Thatcher hat sich dazu entschlossen, die Behandlung gegen seinen Krebs einzustellen und somit unter seinen Bedingungen zu sterben. Ein klarer Kontrast gegenüber der lebensfreudigen Catherine. Ich war anfangs nicht allzu sehr erpicht auf ein erneutes Wiedersehen mit Thatcher, endeten die doch meist nur in einer weiteren Enttäuschung für Meredith. Doch siehe da, ich wurde eines Besseren belehrt. Denn Thatcher, der oft eher als Versager dargestellt wurde, hat die letzten Jahre tatsächlich noch etwas aus sich gemacht und Gutes getan. Natürlich ändert das nichts daran, dass er nie für Meredith da war und auch sonst Verantwortung seiner Lieben gegenüber aus dem Weg gegangen ist. Trotzdem lässt es den Charakter in einem besseren Licht dastehen. Überhaupt schien Vergebung der große Schwerpunkt der Geschichte gewesen zu sein. Denn egal wie widerwillig Meredith auch das Haus betritt, sie tut es. Egal, wie wenig bereit sie dafür ist, vermeintlich weitere Ausreden ihres Vaters aufgetischt zu bekommen, sie lässt es zu. Und wird von einem unerwartet reflektierten und ehrlichen Thatcher überrascht, dem eindeutig viel daran liegt, seine zerrüttete Beziehung zu seiner Tochter zu kitten.

Es ist ein sehr offenes Gespräch, das die beiden führen. Meredith gibt ihre Enttäuschung darüber zu, dass Thatcher während ihrer Schicksalsschläge nicht für sie da gewesen ist, nur um herauszufinden, dass er unauffällig Dereks Beerdigung besucht hat. Diese und weitere Erzählungen von Thatcher sind es wohl, die Meredith dazu bringen, ihm auch etwas von ihrem Leben zu offenbaren, Maggies Existenz und Geschichten von ihren Kindern mit ihm zu teilen. Zusammen mit den Erinnerungen an Ellis, die die beiden auch nach all den Jahren noch verbinden, waren es friedliche Momente, die die beiden gemeinsam hatten, bevor Thatcher schließlich in Merediths Beisein verstirbt. Und wer hätte gedacht, dass Meredith nach all dem Ärger und all den Enttäuschungen, die sie über die Jahre mit ihrem Vater erleben musste, einmal tatsächlich so von seinem Tod betroffen wäre? Ich konnte mit Thatcher nie viel anfangen, trotzdem freut es mich, dass man hier in einer kleinen Nebenstoryline noch Platz gefunden hat, um diesen Teil von Merediths Leben, der die Serie ja nun doch auch ziemlich lange begleitet hat, ordentlich und vor allem positiv zu Ende zu bringen.

Fazit

Das war eine emotional geladene Episode, die trotz ihres Fokus auf nur eine Hand voll Charaktere und zwei Storylines unglaublich mitreißend war und mit starken Charaktermomenten punkten konnte. Der Kampf gegen eine Krebserkrankung wurde mit zwei völlig unterschiedlichen Geschichten beleuchtet, die sich schließlich doch in ihrem emotionalen Chaos gleichen. Während die Geschichte für Thatcher ein Ende gefunden hat, geht Catherines Kampf derweil in die nächste Runde: Fortsetzung folgt.

Denise D. - myFanbase

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