Bewertung: 9

Review: #6.13 Träume werden wahr

Foto: Glee - Copyright: 2015 Fox Broadcasting Co.; Adam Rose/FOX
Glee
© 2015 Fox Broadcasting Co.; Adam Rose/FOX

Es ist nun fast vier Jahre her, dass Glee mit #6.13 Träume werden wahr zu einem endgültigen Abschluss gebracht wurde. Vier Jahre dauerte es, bis auch ich das Serienfinale anschauen konnt,e und gerne möchte ich nun meine Gedanken, Eindrücke und Emotionen dazu niederschreiben. Eines kann ich durchaus schon einmal vorwegnehmen: Ich werde diese Serie vermissen.

The winner takes it all

Als ich gelesen hatte, dass dieser Song in dieser finalen Episode sein wird, brachte ich ihn natürlich sofort mit der schwedischen Kultband Abba in Verbindung und ich kann diese Wahl vollkommen nachvollziehen. Kein anderes Lied kann die erste Hälfte des Finales besser beschreiben. Ein Großteil von "Glee" machte natürlich das Siegen aus und damit meine ich nicht nur die Wettbewerbe, sondern vor allem die Kämpfe zwischen den einzelnen Charakteren. Ganz besonders natürlich Sue und Will. Somit wunderte es mich auch absolut nicht, dass gerade diese beiden Charaktere der Dreh- und Angelpunkt hier gewesen sind. In meinen Augen haben sie die Kids nämlich zu dem gemacht, was sie am Ende waren: Starke Persönlichkeiten.

Diese starken Persönlichkeiten gehen definitiv ihren Weg. Den Anfang macht Mercedes, die ich zwar schon immer als solche gesehen habe, aber gerade mit ihrem Song nochmals gezeigt hat, dass sie vor allem jetzt das Selbstvertrauen in sich trägt, was sie die ganzen Staffeln über auch ausgestrahlt hat. Und sie glaubt daran, dass ein Abschied das Ende bedeutet. Ich bin froh, dass man ihr das zugestanden hat, wovon sie immer geträumt hat: Ein Star zu werden und zu sein.

Sam ist für mich ebenfalls eine starke Persönlichkeit, nicht weil er ein Star werden wollte, sondern weil er sich selbst treu geblieben und zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist. Natürlich hat auch Sam Neues versucht und in New York eine Modelkarriere probiert. Und er hatte für sich schließlich den Erfolg, der für ihn von Bedeutung gewesen ist. Es gehört aber auch eine Menge Mut und Stärke dazu, um zu erkennen, dass die Großstadt nichts für einen ist. Dafür zolle ich Sam meinen ganzen Respekt, denn das schaffen die wenigsten. Zudem muss man auch neidlos anerkennen, dass er standfest geblieben ist und Blaine eine Absage erteilte. Immerhin hatte Sam zu diesem Zeitpunkt eine neue Verpflichtung, mit der ich ehrlich gesagt nicht gerechnet habe, aber die letztlich durchaus Sinn macht: Er ist der neue Leiter der New Directions! Damit schließt sich für mich ein Kreis. Nach Will und Finn ist Sam derjenige, der den Kids auf sehr einfühlsame Art und Weise verdeutlichen kann, an sich zu glauben und das zum Ausdruck zu bringen, was einen bewegt, dabei sich selbst aber immer treu zu bleiben.

Genau auf diese Weise hat es auch Will geschafft. Er blieb seinen Idealen immer treu, egal wie viele Steine ihm in den Weg geworfen worden sind. Egal, wie oft er eine Niederlage hinnehmen musste. Er ist sich selbst treu geblieben und geht als Gewinner hervor. Dass er der neue Schulleiter ist, macht ebenso Sinn. Nachdem Figgins nicht mehr da ist und Sue gefeuert wurde, blieb nur noch er übrig. Will ist eine Art von Lehrer, den man sich für seine Kinder wünscht: Er steht immer zu seinen Kids, glaubt an sie und stärkt dadurch ihr Selbstbewusstsein, so dass sie zu starken Persönlichkeiten werden, die andere stärken können.

Und das führt mich zu Sue. Dass sie ihren Job verloren hat, ist sicherlich gerecht, ebenso dass all ihre Lügen aufgeflogen sind. Dennoch geht sie für mich ebenfalls als Gewinnerin hervor. Sue war immer das Salz in der Suppe. Diejenige, die nicht nur Will das Leben unglaublich schwer gemacht hat, sondern eigentlich allen, mit denen sie zu tun hatte. Jedoch hat sie aus ihren Fehlern gelernt und gesteht diese auch ein, was sie für mich auch zu einer starken Persönlichkeit macht. In der Vergangenheit von "Glee" gab es bereits einige Momente, die eigentlich darauf hingedeutet haben, dass Sue den Glee Club doch nicht so sehr hasst, wie sie es immer gesagt hat. Allerdings war damals ihre Zeit noch nicht reif, dass sie sich dies auch wirklich eingestehen kann. Umso schöner fand ich es, dass sie den Menschen gedankt hat, die sie zu der gemacht haben, die wir in dieser Episode erleben durften.

Zum einen ist da Kurt, der ihr unbewusst durch seine Erlebnisse gezeigt hat, dass sie empathisch ist und zu dem sie selbst auch eine besondere Verbindung hatte. Wobei Becky natürlich die Person ist, die sie am meisten geprägt hat und die am meisten dafür gesorgt hat, dass wir die weiche und menschliche Seite an Sue kennen lernen durften. Ich bin froh, dass sich die Autoren dazu entschieden haben, diese besondere Freundschaft zwischen den beiden wieder zu 'reparieren' und damit einmal mehr bewiesen haben, dass sich dieser Charakter weiterentwickelt hat. Zu guter Letzt ist da noch Will. Will hatte ehrlich gesagt mit am meisten unter Sue zu leiden, doch auch bei ihm beweist sie Stärke und gesteht ihm neidlos zu, dass er vollkommen zurecht den Posten des Schulleiters bekommen hat; eben "The winner takes it all". Danke an Jane Lynch, dass sie diesen Charakter so facettenreich gemacht hat.

5 years later … 2020

Zeitsprünge in Serien bereiten mir immer leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen. Ehrlich gesagt benötigt man nämlich immer noch eine extra Staffel um zu erklären, was innerhalb des Zeitsprungs passiert ist. "Glee" hat hier sehr schlau agiert und mit der vorherigen Episode eigentlich schon den Grundstein dafür gelegt, wie die Verbindungen einiger Charaktere im jetzigen Serienfinale sein werden.

In fünf Jahren passiert einiges: Will und Emma sind immer noch glücklich verheiratet und habe weitere Kinder bekommen, was ich sehr schön finde, weil sich Will immer Kinder gewünscht hat und weil Emma ihre Krankheit sehr viel besser im Griff hat. Artie und Tina haben auch endlich zueinander gefunden, auch wenn mir hier doch ein bisschen mehr Storyline gefallen hätte, aber die beiden hatten in dieser Staffel ohnehin keine riesige Geschichte, so dass ich gut mit diesem Ergebnis leben kann. Kurt und Blaine sind auch noch immer glücklich verheiratet und bereisen Städte, um Kindern klar zu machen, dass sie immer an ihre Träume glauben sollen. Fast Selbiges gilt für Mercedes, die mittlerweile sehr viel in der Welt umher kommt und ein gefeierter, aber dennoch auf dem Boden gebliebener Star ist.

Zum Star ist auch Rachel geworden, die sogar einen Tony Award für ihre Rolle am Broadway gewonnen hat. Ich war nie ein großer Fan von Rachel, da ich sie für zu ehrgeizig hielt und sie mir deswegen oftmals ziemlich unsympathisch gewesen war. Ich muss aber sagen, dass ich tatsächlich beeindruckt war, was sie auf sich nahm, um Kurt und Blaine ihren Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllen zu können. Damit unterstreicht man noch einmal, wie intensiv und eng die Freundschaft zwischen Kurt und Rachel tatsächlich ist. Zudem hat man ihr einen (Ehe)Mann zur Seite gestellt, mit dem ich persönlich meinen Frieden über die Jahre gemacht habe: Jesse.

Natürlich bleibt einem immer im Hinterkopf: Was wäre mit Rachel passiert, wäre Cory Monteith noch am Leben? Ich bin mir sicher, dass wir eine Hochzeit zwischen Rachel und Finn erlebt hätten. Mir ist auch klar, dass einige Fans nicht besonders glücklich darüber sind, dass sie ausgerechnet Jesse gewählt hat, der Finn immer als Konkurrenz gesehen und auch so behandelt hat. Letztlich wollten Finn und Jesse aber stets immer dasselbe für Rachel; nämlich, dass sie glücklich ist. Und genauso wirkt sie auf mich. Zudem hat sie ihr Glück mit einem Menschen geteilt, der auch immer an sie geglaubt hat: Will.

Auch bei Sue ist Einiges passiert und ich konnte es anfangs gar nicht glauben, welchen Posten sie inne hat. Aber durch ihre Wandlung und die Erkenntnis, dass man alles (auf einem sehr viel besseren Weg) schaffen kann, fand ich es letztlich gar nicht mehr so abwegig, dass sie Vice Präsidentin ist. Wer weiß? Vielleicht verändert sie die Welt, immerhin hat sie sehr gute Vorbilder (gehabt).

Finn Hudson Auditorium

Der Tod von Cory hatte auch Finns Tod zur Folge und hinterließ eine riesige Lücke in der Serie. Trotzdem hatte man das Gefühl, dass er immer noch ein großer Teil des Clubs ist, der dazu beigetragen hat, das zu schaffen, was uns die Autoren in dieser Episode präsentierten. Aus diesem Grund kann ich die Namensgebung sehr gut nachvollziehen und mit Sue hätte man keine bessere für diese Rede finden können. Nicht nur weil sie nun anerkannt hat, dass der Glee Club alles andere als blöd ist, sondern auch um so nochmals Finn zu ehren und deutlich zu machen, dass sie durchaus sehr viel Potenzial in ihm gesehen hatte.

I Lived

Unglaublich, aber "I Lived" war tatsächlich die letzte Performance, die wir bei "Glee" gesehen haben und was soll ich sagen? Ich war emotional sehr berührt. Es ist unfassbar, wie viele Darsteller und Charaktere diese Serie bereichert haben und wie die Power mit diesem Song nochmal auf die Bühne geschmettert wurde. Dadurch erinnert man sich daran, welche tollen, interessanten, dramatischen, lustigen und emotionalen Geschichten die Serie geboten hat und irgendwie hat man tatsächlich dadurch nochmals 'anders' gelebt. Es ist ein perfekter Abschluss.

Randnotizen

  • Dass alle Darsteller in der letzten Szene in rot/weiß gekleidet waren, war ein schöner Bogen zurück zum Pilot, in welchem am Ende bei "Don't stop believin'" auch diese Kleidungswahl genutzt wurde. Außerdem signalisieren die Farben auch eine schöne Mischung aus Power und Ausgeglichenheit.
  • Ich bin froh, dass zum Abschluss nicht "Don't Stop Believin'" gesungen wurde, sondern noch ein besser passender Song.
  • Ich frage mich, warum Emma so irritiert geguckt hat, als Will und Terri sich umarmt haben. Für mich wurde so signalisiert, dass die beiden mit sich im Reinen sind und das Vergangene hinter sich lassen können. Emma muss in meinen Augen ohnehin nicht fürchten, Will an Terri zu verlieren.
  • Ein bisschen schade war es, dass Charaktere wie Marley, Holly oder April nicht zugegen waren. Aber das kann ich gut verschmerzen.
  • Ich fand die Umarmung zwischen Sue und Becky so süß, dass ich sie einfach hier erwähnen musste.



Fazit

Sechs Jahre. Sechs Staffeln. Eine Ära geht zu Ende. Auch wenn "Glee" in der Vergangenheit nicht mehr dauerhaft stabil gewesen ist, muss man der Serie dennoch zugute halten, dass sie noch immer diese enorme Kraft hat, die Fans zu Tränen zu rühren. "Glee" hat das in meinen Augen geschafft, wovon viele Formate nur träumen können: Die Autoren haben uns eine andere Sichtweise auf Dinge und die Welt gegeben. Wie Finn es sagen würde See the world not as it is, but it as should be – sehe die Welt nicht so wie sie ist, sondern wie sie sein sollte. Danke an die Autoren, die Crew und den Cast. Sie haben zumindest mir eine andere Sichtweise auf viele Dinge gegeben. Zum Abschluss gebe ich somit gerne die volle Punktzahl!

Daniela S. - myFanbase

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