Bewertung: 9

Review: #1.10 Feuer und Blut

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Jason Momoa & Emilia Clarke, Game of Thrones
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Mit der zehnten und letzten Episode #1.10 Feuer und Blut endet nun die erste Staffel von "Game of Thrones" und ich muss sagen, dass die Serie meine Erwartungen sogar übertroffen hat. Nach der ohnehin schon großartigen vorletzten Episode #1.09 Baelor setzt das Finale noch eins drauf und rundet damit nicht nur die Staffel perfekt ab, sondern ist auch die beste Episode der kompletten Staffel und belohnt seine Fans mit einem spektakulären Ende, das man nicht hätte besser machen können.

"I am Daenerys Stormborn of House Targaryen, of the blood of old Valyria. I am the dragon’s daughter, and I swear to you that those who would harm you will die screaming."

Eigentlich muss man bei dieser Review mit dem großartigen Ende beginnen. "Feuer und Blut" war der Episodentitel und in der letzten Szene weiß man auch warum. Der Leitspruch der Targaryens bekommt nun eine völlig neue Bedeutung. Die viele Wegweiser, wie die nicht verbrannte Hände von Daenerys und das heiße Bad, das ihr nichts anhaben konnte, ergeben nun ihren Sinn, denn die Macher haben bei Danys Storyline für diesen einen Moment hingearbeitet. Die Wiedergeburt der Drachen und somit auch die Wiedergeburt der Mutter der Drachen. Was für ein Gänsehautmoment in "Game of Thrones", bei dem mir noch immer das Schreien des Drachen in den Ohren klingt. Dieses Bild spiegelt nicht nur die epische Inszenierung der Serie wieder, sondern zeigt auch, in welche Richtung die "Game of Thrones" in der zweiten Staffel gehen wird. Bisweilen wurden die magischen Elemente nur angedeutet, aber mit der Geburt der Drachen bekommt die Serie einen ganz anderen Mysteryeffekt. Noch ist es zu früh, über eine Eroberung von Königsmund zu reden, aber mit drei Drachen an ihrer Seite ist nun klar, dass Dany eine ernstzunehmende Anwärterin auf den Thron ist und, wenn die Drachen groß genug sind, eine immense Bedrohung für die Könige sein wird.

So müssen wir uns im Finale wie erwartet vom nächsten Hauptcharakter verabschieden. Und in was für einer dramatischen Szene. Nachdem all das Flehen nichts bringt und um Khal Drogo endgültig zu erlösen, erstickt Dany ihn weinend mit einem Kissen. Eine sehr ergreifende Szene, mit der verdeutlicht wird, wie wichtig Drogo in Danys Leben war. Ohne ihn hätte sie nie zu ihrer wahrhaftigen Stärke gefunden. Während Khal Drogos Leben nun zu Ende geht, fängt Danys erst richtig an. Mit der Geburt der Drachen hat sie ihre Bestimmung gefunden. Ihre Charakterwandlung hat mich mit am meisten beeindruckt und die fesselnde Ansprache bei der Feuerzeremonie hat gezeigt, wie selbstbewusst sie geworden ist. Dany ist in der Tat in der Lage, die Targaryen-Dynastie neu aufleben zu lassen. Emilia Clarke ist eine der Neuentdeckungen bei "Game of Thrones" und sie wurde ihrer anspruchsvollen Rolle mehr als gerecht. Wie Dany aus der Asche emporsteigt, die drei perfekt animierten Drachen auf ihren Körper ruhen und Ser Jorah Mormont mitsamt den Dothrakis vor der Mutter der Drachen auf die Knie fallen, ist einfach eine atemberaubende Schlussszene.

"I tell you what. I'm gonna give you a present. After I raise my armies, and kill your traitor brother, I'm going to give you his head as well."
- "...or maybe he'll give me yours."

Die Folge knüpft nahtlos an der Hinrichtungsszene von Ned Stark an und sofort steigen die Gefühle, die man während der grausamen Szene verspürte, wieder hoch. Und wieder wird man an die Pilotfolge #1.01 Der Winter naht erinnert, in denen man die Starks als glückliche Familie erlebt hat. Viel ist davon nicht mehr übriggeblieben. Arya wird mit Yoren ihren Weg zur Mauer antreten und hat mit ihrer Nadel schon ein junges Leben auf dem Gewissen. Glücklicherweise wird Gendry sie auf diese Reise begleiten und obwohl wir erst wenig über ihn erfahren haben, macht er schon jetzt einen positiven Eindruck und lässt Arya nicht alleine wirken. Sansa dagegen wird als Geisel in Königsmund festgehalten und lernt Joffreys grausame Seite erst richtig kennen. Es wäre wohl zu einfach gewesen, durch einen simplen Schups Joffrey loszuwerden, auch wenn man seinen Tod nicht gerade bedauern würde. Im Moment ist der Hasscharakter Nummer eins und hat sich diesen Titel redlich verdient. Immerhin haben wir das erste Mal Sandor Clegane von einer sympathischen Seite aus kennengelernt, in dem er Sansa vor der Dummheit bewahrt, Joffrey in den Abgrund stürzen zu wollen. Verdient hätte er es allemal, aber auf Sansa hätte wohl auch der Tod gewartet.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Tyrion wird nach Königsmund geschickt, um die Dinge zu richten und als Hand zu dienen. Diese Idee kommt ausgerechnet Tywin Lannister und mehr noch. In dem Gespräch betrachtet er ihn das erste Mal als seinen Sohn und nicht als Krüppel. Vielleicht hat Tywin eingesehen, dass die Lannisters zusammenhalten müssen, da Robb zu einer echten Bedrohung wird. Noch weiß ich nicht, ob ich Tywins Worte abkaufe, denn dazu hat er sich zu oft als Rabenvater für Tyrion erwiesen.

Natürlich ist der Platz neben dem König als rechte Hand sehr begehrt, was – kaum wunderlich – Lord Varys und Kleinfinger aufhorchen lässt. Sie sind immer für ein Wortgefecht gut und sind mit ihren versteckten Drohungen und falschen Spielchen stets präsent. Auch wenn der Kampf um den Thron und deren Könige in den Vordergrund rückt, machen mit die Handlanger in Königsmund einen fast noch gefährlicheren Eindruck. Bestes Beispiel dafür ist Großmeister Pycelle, dem man dieses kurze Vergnügen mit der Hure Ros unter keinen Umständen zugetraut hätte.

"I will kill them all. Everyone of them. I’ll kill them all."

Die Freude und das Glück sind bei "Game of Thrones" nur von kurzer Dauer. Nach dem gewonnenen Krieg gegen die Lannisters müssen Robb und Catelyn nun alle Kräfte bündeln. Auch wenn ihre gemeinsame Trauerszene sehr kurz war, hat sie mich sehr berührt und ich bin froh, dass sie nicht an Neds Tod zerbrechen, sondern Rache schwören. Sehr stark auch der Moment, als Robb zum König des Nordens gekrönt wird und besonders von Theon Unterstützung erhält. Mir gefällt ihre Freundschaft seit Beginn und ich bin froh, dass Robb ein starkes Heer und Freunde an seiner Seite hat. Noch mehr hat mich Catelyn beeindruckt, die nun als alleinerziehende Mutter trotz der Angst um ihrer Kinder den Mut aufbringt, vernünftig zu handeln und sich von ihrer Trauer nicht überwältigen lässt. Obwohl sie Jaime Lannister in ihrer Gewalt hat, tut sie ihm nichts an und lässt den Stein fallen. Diese Geste beweist wahre Charakterstärke und lässt Catelyn nicht nur als Sympathiecharakter dastehen, sondern zeigt abermals das starke Frauenbild in "Game of Thrones".

Endlich bekommt auch der jüngste der Stark-Kinder seinen verdienten Auftritt. Nachdem Bran Stark den dreiäugigen Raben in seinen Träumen sieht, scheint auch Rickon mit einer Gabe geboren zu sein. Sein Traum um Neds Tod hat sich bewahrheitet. Natürlich werden die Traumsequenzen nur angerissen und nicht gelüftet, aber eines ist klar: Brans und Rickons Träume sind mehr als außergewöhnlich und ich kann es schon jetzt kaum erwarten, was dahintersteckt.

"Honor made you leave, and honor brought you back."

Auch Jon Schnee hat eine große Charakterentwicklung druchgemacht. Insgesamt hat mir seine Storyline als Nachtwächter an der Mauer sehr gut gefallen, ebenso wie die ständige Zwiespalt zwischen Verpflichtung und Familie. Auch wenn ich ein Wiedersehen zwischen Jon und Robb sehr begrüßen würde, handeln Samwell und die anderen Nachtwächter richtig, in dem sie Jon überzeugen, an der Mauer zu bleiben. Statt lange Reden zu halten, sagen sie Jon den Eid der Nachtwache auf, was nicht besser hätte in Szene gesetzt werden können. "Game of Thrones" vermeidet lange, klischeehafte Dialoge, sondern setzt auf die Tiefgründigkeit seiner Charaktere, die durch die fabelhaften Schauspieler getragen werden und deshalb auch nicht viel Gerede notwendig ist, um die Emotionen der Figuren vollständig zu erfassen. Noch einmal nimmt der Lord Commander Jon unter seine Fittiche und eröffnet den Moment, auf den die Fans und Jon schon lange hingefiebert haben. Die Reise jenseits der Mauer kann beginnen.

Fazit

Ein grandioses Finale, an dem es nichts, aber auch gar nichts zu bemängeln gibt. Es ist viel passiert in der Folge und die Macher haben wieder ein Mal hervorragend unter Beweis gestellt, dass die Fülle an Charaktere unter einen Hut gebracht werden können und jeder Charakter seinen Moment bekommt. Insgesamt hat "Game of Thrones" eine spitzenmäßige erste Staffel hingelegt, die gegen Ende hin, vor allem was die Charakterentwicklungen betrifft, immer stärker wurde. Man darf mehr als gespannt sein, was die zweite Staffel bereit hält.

Tanya Sarikaya - myFanbase

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