Bewertung: 7

Review: #7.16 Der Sinn des Lebens

Eines wollte uns „Desperate Housewives“ schon immer klarmachen: Der Schein trügt. Diese Botschaft hat das Ende der Episode perfekt vermittelt. Begleitet von einer, wie so oft, wunderschön komponierten Melodie sehen wir eine Susan, die zusammen mit ihrem Ehemann eine Landstraße entlanggeht; eine Lynette, die gemeinsam mit ihrer Freundin Renée lachend einen Schluck Kaffee trinkt und eine Gaby, die freudestrahlend ihrer kleinen Tochter beim Tanzen zusieht. Ja, das Ende vermittelte den Eindruck, als würde uns #7.16 Searching mit einer angenehm schönen und idyllischen Atmosphäre zurücklassen. Doch eine Frau holt und zurück in die Realität – und zwar mit einem ordentlichen Knall: Beth Young tut es ihrer Vorgängerin gleich, und schießt sich eine Kugel in den Kopf. Zwar nicht vollkommen unerwartet, aber dennoch so schockierend, dass diese Szene ihre Wirkung nicht verfehlt hat und das Highlight dieser Folge darstellte.

Our lives are brief. That’s why it’s important to search for meaning …

Doch zuvor verlief diese Episode zunächst einmal relativ unspektakulär. Nach Susans übertrieben dramatischem Zusammenbruch in #7.15 Farewell Letter, geht es ebenso künstlich-dramatisch weiter: die Ärzte sind besorgt um Susans Gesundheitszustand und prognostizieren ihr eine nicht allzu lange Lebenserwartung – die typische Entwicklung, wenn man eine Story noch einmal ein wenig dramatischer gestalten möchte. Leider wirkt das Ganze dann gleichzeitig aber auch zu schematisch und gekünstelt, zumal man doch genau weiß, dass Susan mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sowieso überleben wird. Daher hat auch die Endszene zwischen Susan und Mike nicht allzu viele Emotionen entlocken können, obwohl es mir gefallen hat, dass nicht Susan als diejenige dargestellt wird, die Schwarz für die Zukunft sieht, sondern Mike. Susans Lean on me. I'm a lot stronger than you think. War wirklich ein starker Moment und lässt über die anderen, doch sehr kitschigen Szenen hinwegblicken. Das ganze Drumherum vorher, also Mikes verzweifelter Versuch, den perfekten Tag für Susan zu gestalten, samt etlichen Patzern, war wiederum sehr witzig gemacht und daher insgesamt unterhaltsam.

We find it in our doughter’s smile ...

Gaby bekam in dieser Woche eine Stand-Alone-Story aufgedrückt, was aber völlig in Ordnung geht, nachdem Gaby in dieser Staffel bisher auch mit genügend folgenübergreifenden Storyarcs präsent war. Allerdings hätte man sich ruhig etwas Originelleres einfallen lassen können, als mal wieder ihre Tochter in den Mittelpunkt zu stellen, sowie Gabys panische Angst, zu verlieren: in dieser Folge legt sie sich mit Lee an und macht aus einem eigentlich harmlosen Talentwettbewerb den ultimativen Bewährungstest ihrer Erziehungsmethoden, der die Frage aufkommen ließ: "Will it be the overbearing, hypocritical father or the loving mom who still looks hot in these sweats?"

Wie schon erwähnt, war das nicht allzu neu und erinnerte doch sehr an die Konkurrenzkämpfe, die Gaby und Susan bereits in #6.13 Therapie oder #6.18 Der perfekte Sohn ausgetragen haben. Nichtsdestotrotz beinhaltete die Story zahlreiche witzige Szenen und war somit gute, wenn auch belanglose Unterhaltung. Wirklich im Gedächtnis bleibt mir allerdings die wunderschön inszenierte Schlussszene, als Gaby ihrer Tochter nach deren Auftritt stolz zujubelt. Emotional war das wirklich ergreifend und ich kann mir diese Szene noch heute immer wieder ansehen. Ebenso alle Szenen mit Juanita, denn während ich diesen Charakter zu Beginn der Serie noch als überaus nervig und überflüssig, sowie in den emotionalen Szenen einfach nur als schlecht, empfand, muss ich zugeben, dass sie in den humorvollen Momenten immer voll zu überzeugen weiß. Vielleicht wäre die Darstellerin in „Modern Family“ besser aufgehoben, wo ich sie mir gut als Mannys übergewichtige Cousine vorstellen könnte.

In the warmth of our friends …

Nein, mit Lynettes Charakter bin ich in dieser Staffel nach wie vor nicht zufrieden und auch in dieser Episode bemühte man sich erst gar nicht darum, irgendeinen Storyarc für sie vorzubereiten. Stattdessen konzentrierte man sich auf Renée, deren Wunsch nach einem Kind schön des öfteren durchsickerte. Nun beschließt sie wirklich ein Kind zu adoptieren, wird zuvor jedoch vor eine Bewährungsprobe gestellt und soll auf Lynettes Baby aufpassen. Dass das schief laufen wird, konnte man bereits erahnen und daher war es nicht wirklich überraschend, dass Renée als Babysitterin versagen würde. Und trotzdem konnte ich mich vor Lachen nicht mehr halten, als Renée im Restaurant verzweifelt und hysterisch nach Lynettes Baby sucht und dabei mal wieder bewiesen hat, wie toll Vanessa Williams sein kann, mit deren Charakter ich mich mittlerweile wirklich zufrieden gebe. Die Entwicklung innerhalb der Folge fand war etwas bedauerlich, denn dass Renée nun darauf verzichtet, ein Kind zu adoptieren, könnte uns eine ganz interessante Story vorenthalten. Denn Renée als völlig überforderte Mutter eines Kindes zu sehen, das so gar nicht in ihren Lebensstil passt, könnte für tolle Momente sorgen und dafür, dass man Renée auch eine eigene überzeugende Storyline verschafft, statt sie immer nur mit den anderen Hausfrauen interagieren zu lassen. Letztendlich befürchte ich nämlich, dass man es, wie bei Katherine, verpasst, einen eigenständigen Charakter zu kreieren. Und das wäre schade, denn Renée ist wirklich eine Figur, die das Zeug dazu hätte, eine Story ganz alleine zu tragen. Daher hoffe ich, dass man vielleicht doch noch einmal auf das Thema zurückgreift und Renée vielleicht ein Kind an ihre Seite stellt. Eine verwöhnte, reiche Glamourlady, die dann mit all den Problemen kämpfen müsste, mit denen sich auch gewöhnliche Hausfrauen herumschlagen müssen, würde mit Sicherheit grandios werden.

Or the comfort of our faith ...

Brees Storyline in dieser Folge war eher nebensächlich, beinhaltete aber dennoch einige klasse Szenen. Zunächst einmal war das Treffen mit Reverend Sykes wieder einmal herrlich, was mittlerweile so etwas wie Brees Ritual ist, nachdem sie erneut einen Mann verloren hat. Schlecht ist das nicht, denn Reverend Sykes zählt zu meinen persönlichen Lieblingsnebencharakteren der Serie und hat auch in dieser Folge wieder den Vogel abgeschossen:

"I've always found the treats you prepare for my visits are a reliable indicator of your level of spiritual turmoil. The more exquisite the baked goods, the more anguished your soul. This is a hazelnut-chocolate chip scone with currants. So I ask again: Have you killed someone?"

Reverend Sykes macht Bree, die momentan darunter leidet, dass ihr Leben so wenig perfekt verläuft, klar, dass sie sich nicht darauf konzentrieren soll, was sie verloren hat, sondern auf das, was sie geben kann. Folglich beschließt Bree, etwas Gutes zu tun und setzt alle Hebel in Bewegung, um Susan eine neue Niere zu verschaffen. Auch das sorgte dann für irrsinnig komische Szenen, wie beispielsweise Karens Reaktion darauf, ob sie sich nicht testen lassen könne ("Donate a kidney? Hello?! Have you met me?! I'm like a 112 years old!") oder Brees angebliche Nachbarschaftsparty, die sich als „Finde den Spender“-Brunch entpuppt, samt bereits engagierter Krankenschwester. Einzig Brees egoistisches Handeln hinterlässt dann einen kleinen, unschönen Nachgeschmack. Denn Brees Streben nach einer guten Tat war oberflächlich zwar eine nette Sache, aber eigentlich hat Bree das Ganze nicht für Susan getan, sondern für sich selbst. Wie egoistisch sie dabei agierte, zeigte dann gut die Szene zwischen ihr und Beth, wo sie Beths verzweifelten Zustand gekonnt ignoriert, um selbst ihren Willen durchzusetzen. Was das für schreckliche Auswirkungen hatte, und dass ihr Streben nach einer Wohltat letztendlich tödliche Folgen beinhaltete, zeigte ja dann der Schluss.

Then there are those who make their lives meaningful by making a great sacrifice.

Und somit kommen wir auch zu Beth, die das eigentliche Highlight dieser Episode war und jede einzelne Szene mit ihr einfach nur mitreißen konnte. Beth war schon immer ein Charakter, den man irgendwo bemitleiden musste. Erst war sie eine armselige Marionette, abhängig von ihrer Mutter und dann, als sie es ihr endlich gelang, die Fänden durchzuschneiden und sich voll und ganz auf Paul einzulassen, sieht dieser in ihr nur eine Verräterin, statt zu merken, dass sie die einzige Person ist, die ihn wirklich liebt. Vor allem ihre Szenen mit Paul in den vergangen Folgen zeigten, was für ein liebenswerter Charakter Beth war und deshalb kann man eigentlich auch nur sauer auf die anderen Damen sein, dass sie Beth immer wieder die kalte Schulter zeigten.

Und kalte Schultern waren das, was Beth in dieser Folge oft zu Gesicht bekommen hat. Zunächst einmal misslingt ihr Versuch, Paul klarzumachen, wie sehr sie ihn liebt – und wird abermals von ihm aus dem Haus geworfen, samt der Erkenntnis, dass Paul sie die ganze Zeit belogen und er sehr wohl ihre Tante Martha ermordet hat. Mit dieser Erkenntnis versucht sie ihre Mutter zurückzugewinnen, doch auch diese hat nichts mehr für Beth übrig und sieht sie als einzige Enttäuschung. Und letztendlich hat Beth die Chance, in ihrem Leben etwas Gutes zu tun, als sich herausstellt, dass sie die gleiche Blutgruppe wie Susan hat und somit als Spenderin in Frage kommt. Doch auch hier bekommt sie einen Schlag ins Gesicht, denn auch Bree ist eine potentielle Spenderin und sieht es gar nicht ein, Beth den Vortritt zu überlassen.

Dabei hatte jede einzelne Szene eine wahnsinnig mitreißende Intensität und den Machern ist es wirklich gelungen, Beths Grad der Verzweiflung von Szene zu Szene deutlicher zu machen und im Zuschauer ein riesiges Gefühl des Mitleids hervorzurufen. An dieser Stelle Hut ab für Emily Bergl, die ich anfänglich gar nicht als so starke Schauspielerin eingeschätzt hatte, hier aber wirklich voll und ganz zu überzeugen wusste. Letztendlich war das Ende der Folge im Nachhinein betrachtet keine große Überraschung mehr, weil man es schon hätte kommen sehen können. Dennoch war es eine echter Überraschungsmoment, als Beth plötzlich mitten im Krankenhaus ihren Revolver zieht und sich selbst in den Kopf schießt. Dabei war auch die Inszenierung ihres Selbstmords sehr geschickt gemacht, denn die Kameraeinstellung waren exakt die gleichen, wie jene, als sich Mary-Alice in der ersten Folge #1.01 Schmutzige Wäsche das Leben nahm.

Und nun? Welche Konsequenzen wird Beths tragischer Selbstmord haben? Wie wird Paul damit umgehen, und vor allem, welche Auswirkungen wird Beths Tod auf Felicia haben? Schließlich ist Paul nun nicht nur für den Tod ihrer Schwester, sondern auch noch für den Tod ihrer eigenen Tochter verantwortlich. Wobei auch Felicia selbst nicht gerade unschuldig an Beths Tat ist. Wie dem auch sei: Traurig, dass Beth nun tot ist, bin ich allemal, auch wenn mir bereits nach ihrem ersten Auftritt in #7.02 Mehr als nur Sex klar war, dass sie auf der Staffel-7-Todesliste landen würde. Unklar war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch, wie sehr mir der Charakter ans Herz wachsen würde.

Fazit

Letztendlich lieferte uns "Desperate Housewives" mit #7.16 Searching eine eigentlich nur durchschnittliche Folge ab. Denn auch, wenn jede Storyline mindestens eine richtig tolle Szene bereithielt, waren die Storys an sich lediglich solide. Richtig aufgewertet wurde das Ganze allerdings durch die mitreißende Storyline um Beth, die einfach in jeder Szene überzeugte und schlussendlich zu einem schockierenden und durchaus überraschenden Ende führte, wodurch diese Folge doch noch einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen kann.

Manuel H. - myFanbase

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