Bewertung: 7

Review: #8.09 Impossible Dream

Nach dem eher unschönen Rausschreiben von Lisseth Chavez alias Vanessa Rojas aus "Chicago P.D." ist die Intelligence Unit unvollständig geblieben. Doch nun wird wieder aufgestockt. Darf ich vorstellen: Cleveland Berto alias Andre Cooper, dessen baldiges Auftauchen wir euch hier schon angekündigt hatten. Nur hat er seitdem seinen Rollennamen von Jalen Walker eben noch zu Andre Cooper gewechselt. Ist er denn charakterlich eine Verstärkung fürs Team?

Zunächst einmal setzt die Episode da an, wo die vorherige aufgehört hat, bei der wieder florierenden Freundschaft von Kevin Atwater und Adam Ruzek. Es ist schön, dass das durch eine kleine Szene noch einmal unterstrichen wird. Andererseits geht es in ihrem Gespräch darum, dass Kevin mit Adam in seinem Viertel, wo er aufgewachsen ist, gerne investieren würde, um dort wieder Leben in die Bude zu bringen. Im Grunde finde ich das eine schöne Idee, zumal es die perfekte Analogie zu Kevin in der aktuellen Staffel ist, aber wenn ich Adams Zweifel hinzuziehe, dann würde es mich nicht wundern, wenn diese Thematik wieder so schnell Schnee von gestern ist, wie zahlreiche andere Handlungen sonst auch. Hauptsache die beiden gehen weiterhin Hand in Hand, würde ich sagen.
Nun aber zu Andre Cooper, den wir schon in der vergangenen Episode kennengelernt haben, denn er war der Rookie, der Officer Whelan zugeteilt war, als dieser einen unschuldigen schwarzen Mann getötet hat. Er hatte in dem Geschehen sicherlich nur eine Nebenrolle, aber man hat dort schon gemerkt, dass Andre ein Idealist durch und durch ist, der seinen Job aus dem einfachen Grund gewählt hat, weil er Menschen helfen will. Doch selbst die barmherzigsten Motive machen einen nicht gleich zu Everbody's Darling, vor allem nicht in der knallharten Realität, in der "Chicago P.D." ohnehin eher zur Düsternis neigt. Nun ist die Situation innerhalb der Polizei auch gerade so angespannt, weil alle sich untereinander beäugen, weil sie wiederum beäugt werden. Und da ist Andre als Partner von Whelan, der medial zerrissen wird, in der denkbar schlechtesten Position.

Hier kommt nun Samantha Miller ins Spiel, die einmal mehr ehrbare Motive statt politisches Kalkül beweist, denn sie hat erkannt, dass Andre ein Cop mit Potenzial ist. Also bringt sie ihn bei Hank Voight und der Intelligence Unit ins Spiel, ohne aber dessen Beschäftigung zu verlangen, was sie vermutlich aber rein vom Papier her hätte tun können. Das ist für Andre selbst ein Segen, denn wenn er nur wegen guter Kontakte in einer der besten Einheiten des CPD untergekommen wäre, wäre sein Ruf von Anfang an beschädigt gewesen. So ist Hank mehr als skeptisch und Andre muss sich beweisen, um sich seinen Platz zu verdienen. Bei dieser Konstellation musste ich gleich an Adam denken, denn dieser wurde sogar gleich von der Akademie weg engagiert, also noch einen Schritt vor Andre und auch er ist erst in zahlreiche Fettnäpfchen getreten, bevor er respektiertes Mitglied war.

Die Episode insgesamt erweist sich als ideal, um eine neue Figur nachdrücklich einzuführen. Der Fall der Woche ist nämlich eher trivial. Viele der Elemente haben wir schon in anderen Konstellationen erlebt. Das nimmt aber die Fokussierung vom Fall selbst weg und erlaubt stattdessen, dass man sich als Zuschauer ganz auf die neue Figur einlassen kann. Dabei wird schnell einiges augenscheinlich. Andre ruht in sich. Er kommt mehrfach an einen Punkt, ob nun undercover oder in Gesprächen mit seinen neuen Kollegen, wo man merkt, dass es in ihm brodelt, ob nun vor Angst/Sorge oder Wut sei mal dahingestellt, aber dennoch ist ihm kaum etwas anzumerken. Zudem ist er sehr clever und redegewandt. Das hebe ich an dieser Stelle heraus, weil diese Charakterzüge dafür sorgen, dass er trotz seiner mangelnden Erfahrung souverän agieren kann. Und abschließend ist er eben dieser angesprochene Idealist, der nicht ein Leid akzeptieren kann, weil ein anderes aufgewogen wurde. Er will überall das Optimum herausholen. Dass das utopisch ist, bekommt er in dieser Episode, aber sicherlich auch in den nächsten, als Realitätscheck mitgeliefert.

Aber genau diese Charakterkombination macht ihn erstmal zu einer gelungenen Ergänzung des bestehenden Teams. Er erinnert mich auf Anhieb an eine männliche Form von Kim Burgess, nur dass ihm seine Emotionalität nicht vom Gesicht abzulesen ist. Aber dennoch gehen einige Charakterzüge schon in die gleiche Richtung. Spannend ist sicherlich auch seine Hautfarbe, denn nun haben wir mit ihm und Kevin gleich zwei schwarze Männer in der Unit. Das ist in dem Bemühen, die Realität mit den behandelnden Geschichten aufzufangen, sicherlich eine gute Lösung. Aber es ist auch eine Fortführung von Kevins Geschichte, denn dieser will für einen Wandel stehen und je mehr er im Rücken hat, die haargenau dasselbe fühlen wie er, desto einfacher wird das komplizierte Vorhaben wirken. Gleichzeitig eröffnet das auch eine Mentorenhandlung, wie wir sie in der vergangenen Staffel bei Vanessa und Hailey Upton erlebt haben. Damals durfte Letztere entscheiden, ob Vanessa bleiben darf, nun bekommt Kevin diese Aufgabe für Andre zugeteilt. Erstmal finde ich diesen Schritt richtig, weil die beiden thematisch nun mal zusammenpassen, aber gleichzeitig muss er auch mit den anderen interagieren dürfen, denn nur so bekommt man eine neue Figur auf Dauer beim Publikum akzeptiert. Zudem hat man auch schon merken dürfen, dass Andre und Kevin trotz gleicher Hautfarbe dennoch eine unterschiedliche Geschichte haben. Das kann konkret neue Geschichten eröffnen, erlaubt aber auch Anknüpfungspunkte zu anderen Charakteren.

Fazit

"Chicago P.D." versucht sich an der neuen Einführung einer Hauptfigur. 'Versuchen' sei hier so betont, weil das zuletzt mit Hailey Upton gelang, die nun schon wieder drei Staffeln lang zum Hauptcast gehört. Aber bei langlebigen Serien ist leider keine Selbstverständlichkeit, dass neue Gesichter sofort mit offenen Armen empfangen werden. Ob dieser wichtige Schritt bei Andre Cooper gelingen wird, kann nur die Zukunft zeigen, aber die inhaltlich unspektakuläre Episode war in jedem Fall eine gute Plattform, um sein Profil zu schärfen. Nun muss der Weg nur weitergegangen werden.

Lena Donth – myFanbase

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