DVD-Rezension: Chicago P.D., Staffel 8

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Nachdem die letzte Staffel vorzeitig nach 19 Episoden abgebrochen werden musste, weil wegen der beginnenden Corona-Pandemie keine sicheren Dreharbeiten mehr möglich waren, bringt es die aktuelle Staffel 8 auf 16 Episode, da es noch einige Produktionsverzögerungen gegeben hat. Weniger Episoden, deswegen vielleicht weniger Zeit für gute Erzählungen? Nein, das muss nicht die logische Folge sein! Denn manchmal hilft die Aussicht auf weniger Erzählzeit dabei, auf unnötige Filler-Episoden zu verzichten und stattdessen durchgängig Gas zu geben. Welcher Fall liegt nun bei Staffel 8 von "Chicago P.D." vor?

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Inhalt

Das 21. Police Department in Chicago besteht aus zwei Gruppen: Den uniformierten Polizisten, die auf Streife gehen und der Geheimdiensteinheit, dem Team, das die größten Straftaten der Stadt wie organisierte Kriminalität, Drogenhandel und hochkarätige Mordfälle untersucht. Dieses Team steht unter der Leitung von Hank Voight (Jason Beghe). Diesmal werden die Ermittlungen von der Corona-Pandemie und den zunehmenden Unruhen gegen Polizeigewalt erschwert.

Rezension

Foto: Jason Beghe & LaRoyce Hawkins, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC
Jason Beghe & LaRoyce Hawkins, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC

Nachdem viele Dreharbeiten in den ersten Monaten von 2020 abrupt abgebrochen werden mussten, haben sich einige Serienmacher*innen in die Karten schauen lassen, was sie in den bereits fertig gestellten Drehbüchern der restlichen Episoden noch so geplant hätten. Bei "Chicago P.D." hat sich Rick Eid in die Karten blicken lassen und u. a. verraten, dass noch eine Figur ermordet werden sollte. Während es anfangs so aussah, als würde Eid als Showrunner diesen Handlungsstrang mit in Staffel 8 nehmen, ist von diesen Plänen wieder Abstand genommen worden. Die Drehpause war sehr, sehr lang und die USA wurden von Protesten aufgerüttelt, nachdem der unfassbare Todesfall von George Floyd für Aufsehen gesorgt hat. Da Staffel 7 damit endete, dass Kevin Atwater (LaRoyce Hawkins) sich in einem internen Kampf mit Polizeikollegen wiederfand, war es nur sinnig und folgerichtig, den Staffelauftakt anhand einer thematischen Doppelfolge mit eben diesem Konflikt zu gestalten. Zum einen ist es ohnehin so, dass Kevin viel zu selten größere Storylines bekommt, zum anderen war es wichtig, dass "Chicago P.D." hier mit dem Zeitgeist gegangen ist und einen intensiven Blick auf die zwei Lager innerhalb der Polizei geworfen hat. Da sind die einen, die unabhängig von äußeren Faktoren ihren Job nach Recht und Ordnung ausrichten und dort gibt es die, die die Gesetze nach ihrem Willen ausdehnen oder missachten. Es waren wirklich zwei starke Episoden gleich zu Anfang, die direkt wieder Lust auf "Chicago P.D." gemacht haben und die vor allem Kevin, der einen haushohen Sieg für sich davonträgt, sehr gut gestanden hat.

Foto: Nicole Ari Parker, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC
Nicole Ari Parker, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC

Im weiteren Verlauf der Staffel wurden die Folgen von Polizeibrutalität und ähnlichen Themen leider nicht immer ganz so konsequent weiterverfolgt. Mit der Einführung von Samantha Miller (Nicole Ari Parker) als Deputy Superintendent, die verbissen eine Polizeireform umsetzt und sämtliche Leichen aus den Kellern holt, waren die Voraussetzungen eigentlich großartig. Sie selbst hat auch als Figur durchweg einen guten und spannenden Eindruck hinterlassen, aber dann gab es so Episoden wie #8.07 Game Over!, die wieder völlig gegenteilige Botschaften gesendet haben. Mir ist bewusst, dass "Chicago P.D." immer schon sehr mit dem Brechen von Gesetzen gearbeitet hat, aber wenn man einen thematischen Standard zu Beginn von Staffel 8 setzt, an dem man sich dann auch messen lassen muss, dann ist das enttäuschend. Samantha als eigenständige Figur stand aber für etwas, woran nicht zu rütteln war und dafür habe ich sie echt bewundert. Zudem war sie auf ihrem Posten auch die bislang sympathischste Besetzung. Denn sie geht nicht gleich mit Vorurteilen in die Zusammenarbeit mit Hank, sondern sie hat ihnen von Anfang an eine Chance gegeben und das hat gefruchtet. Es ist ihm und seine Intelligence Unit wahrlich nicht immer leicht gefallen, alle Aspekte der Polizeireform mitzutragen, aber es war ein Geben und Nehmen, das erstaunlich gut geklappt hat. Zudem wurde damit auch erstmals bei Hank etwas herausgekitzelt, denn teilweise haben sich seine Leute auch gegen ihn gewandt und er wurde so in die Enge getrieben, dass er erkannt hat, wie der Polizeiweg richtig zu gehen ist. Aber wie es leider oft in Bezug auf Hank ist, wo er zwei Schritte nach vorne macht, geht er gleich mindestens einen wieder zurück.

In Andre Cooper (Cleveland Berto) gab es einen weiteren Zugang, bei dem ich gedacht habe, dass er wirklich neues Teammitglied werden würde und zwei Episoden lang ist sich mit ihm auch wirklich Mühe gegeben worden, bis er dann von jetzt auf gleich verschwunden ist. Eine Erklärung ist dazu nie abgegeben worden. So etwas ist in einer verkürzten Staffel definitiv ein Aspekt, der sich sehr negativ zu Buche schlägt. Denn wenn gleich zwei Episoden für eine vermeintlich neue Hauptfigur draufgehen, dann muss man das im Nachhinein als verschenkt abhaken und das muss einfach nicht sein. Zumal sich "Chicago P.D." damit seiner Linie treu bleibt, dass Abgänge oft kommentarlos erfolgen und bei uns Zuschauer*innen für unnötige Fragezeichen sorgen.

Foto: Patrick John Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC
Patrick John Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC

"Chicago P.D." ist für mich immer dann besonders stark, wenn es um persönliche Konflikte und Weiterentwicklungen geht und davon hat Staffel 8 einiges zu bieten. So mussten wir in der vergangenen Staffel herzzerreißend miterleben, wie Adam Ruzek (Patrick Flueger) und Kim Burgess (Marina Squerciati) ihr gemeinsames Baby verloren haben. Das hat aber zum Glück nicht ihre Beziehung nachhaltig belastet. Zwar sind sie immer noch kein richtiges Paar, aber sie sind eine Familie, was vielleicht manchmal sogar mehr wert ist, denn es ist unwiderruflicher, sich ohne Blutsverwandtschaft als Familie zu bezeichnen. Und 'Familie' passt auch insofern, weil sie in dieser Staffel noch mehr zu einer zusammenwachsen, denn der letzte Neuzugang der Staffel ist Makayla (Ramona Edith Williams), ein kleines Mädchen, das auf brutale Art und Weise ihre Familie entrissen bekommt und damit ins Pflegesystem muss. Da sie aber eine enge Verbindung zu Kim aufgebaut hat, nimmt diese Makayla schließlich bei sich auf. Das war für mich wirklich die logische Fortsetzung der verhinderten Mutterschaft, denn Kim war bereit dafür und sich nun bewusst einen neuem Kind zu stellen, das war ungeheuer mutig von ihr. Auch wenn Adam damit nicht gleich ebenfalls die gesetzliche Verantwortung eingegangen ist, gehörte er aufgrund seiner Verbindung zu Kim unweigerlich dazu. Das ist natürlich auch für seine Figur eine riesige Herausforderung, die nicht über Nacht zu bewältigen ist. Deswegen kommt es auch zu einem großen Konflikt zwischen den beiden, der für mein Shipper-Herz nur schwer zu ertragen war, aber in Endeffekt ihre Beziehung auf ein weiteres neues Level gehoben hat. Damit haben die beiden offiziell die platonischste nicht-plantonische Beziehung, die ich im TV je gesehen habe. Hier kann es nur spannend werden, wie es für die Kleinfamilie weitergeht!

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Chicago P.D.
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Nach ewigem Hin und Her ist auch Hailey Upton (Tracy Spiridakos) und Jay Halstead (Jesse Lee Soffer) ihre Beziehung vergönnt. Jedoch bin ich hier nicht völlig enthusiastisch. Ihr Zusammenkommen wirkte schon sehr plump, dafür dass der Aufbau dahin elendig lang war. Zudem hat sich danach schnell gezeigt, dass Hailey sehr viel Ballast mit in die neue Beziehung bringt. Kaum haben die beiden das erste Mal miteinander geschlafen, tischt sie ihm direkt Lügen auf oder verheimlicht ihm entscheidende Details aus ihrem Leben. Das ist nun wahrlich kein guter Start für eine ehrliche Beziehung. Dennoch gefällt es mir im Staffelverlauf besser, dass Haileys Ballast immer mehr thematisiert wird. Nicht nur beruflich gerät sie an eine persönliche Grenze, wo selbst Hank eine Warnung ausspricht, sondern auch privat muss sie ihre Grenzen neu setzen, um Jay nicht zu verlieren. Durch diese deutlich ehrlichere Ebene war ich in der zweiten Staffelhälfte definitiv mehr bei den beiden als Paar, obwohl noch viel zwischen ihnen steht, was durch das Staffelfinale im Grunde ja nur noch mehr wird.

Foto: Patrick John Flueger & LayRoyce Hawkins, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC
Patrick John Flueger & LayRoyce Hawkins, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; 2020 NBCUniversal Media, LLC.; Matt Dinerstein/NBC

Ein weiteres Thema, das sich sporadisch durch die gesamte Staffel zieht, ist die Freundschaft zwischen Adam und Kevin. Bei den beiden war immer klar, dass sie trotz einiger charakterliche Unterschiede immer wie Pech und Schwefel zusammenhalten. Doch in dieser Staffel herrschen ungewöhnlich viele Spannungen zwischen ihnen. Als Kevin zu Beginn der Staffel gegen die Polizeikollegen nahezu auf sich alleine gestellt ist, bleibt Adam höflich im Hintergrund. Das steigert sich im späteren Verlauf der Staffel sogar noch, weil Kevin dieses Alleinsein auch anspricht, damit aber bei Adam auch in ein Wespennest tritt, denn dieser hat das Gefühl, dass die Themen Rassismus sowie Polizeibrutalität ein einziges Minenfeld sind. Das stimmt wohl auch, aber ich verstehe auch, dass es DIE Beziehungsprobe schlechthin ist. Dieser Konflikt trägt sich sogar bis ins Staffelfinale. Da hat es auch wehgetan, den Streit so eskalieren zu sehen, denn wie auch schon bei Adam und Kim, solche Streitigkeiten gehören wohl dazu, aber wenn es bei einem so liebgewonnen Cast passiert, ist es immer schwerer zu ertragen. Insgesamt kann man auch sagen, dass Staffel 8 auch wieder vier wirklich nicht gute Episoden hatte. Das ist auf 16 Episoden verteilt ein Viertel, was echt nicht wenig ist. Dennoch kann man sich bei "Chicago P.D." immer darauf verlassen, dass es ein spektakuläres Finale gibt. Nahezu alle Konflikte der Staffel sind dort verarbeitet worden und das auf eine gute verwobene Art und Weise. Das ist wirklich eine Bank der schöpferischen Erzählung und sorgt immer dafür, dass man unbedingt weiterschauen möchte!

Specials & Technische Details

Foto: Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.
Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.

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Erscheinungstermin: 25. November 2021
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 645 Minuten
Bildformat: 16:9 – 1.77:1
Sprachen (Tonformat): Deutsch, Englisch, Französisch (alle Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch

Fazit

Auch Staffel 8 von "Chicago P.D." hat wieder einige deutlich schwächere Episoden zu bieten, doch das Gute ist stets, dass diese im Rückblick nicht so sehr in Erinnerung bleiben wie die Highlights und solange das Fall ist, mache ich mir um die Zukunft der Cop-Serie keine Sorge. Auf privater Ebene ist mit unserer Kleinfamilie sowie Hailey und Jay wirklich viel passiert. Mit Samantha Miller ist eine überzeugende neue Nebenfigur eingeführt worden, die zum einen Hank mal in ein anderes Licht gestellt hat und die zum anderen für die Kommentierung des Zeitgeschehens stand, da sie mit ihrer Polizeireform die Reaktion auf die Proteste aufgrund der Polizeibrutalität ist. Es gab also viele gute Entwicklungen, die in einem atemraubenden Staffelfinale gipfelten. Dadurch ist die Wartezeit auf die nächste Staffel so brutal wie eh und je.

"Chicago P.D." ansehen:

Lena Donth - myFanbase

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