Bewertung: 7

Review: #8.08 Protect And Serve

Diese Nachricht vorweg hat mich wohl selbst am meisten erleichtert: "Chicago P.D." hat den inhaltlichen Durchhänger überwunden und präsentiert sich stark verbessert. Das liegt an zwei Schlüsselentscheidungen. Zum einen haben wir ein öfters gesehenes Thema, aber völlig neu verpackt und endlich haben wir mal wieder eine Episode, die sich auf Kevin Atwater und Adam Ruzek als Partner und Freunde konzentriert.

Zwar ist das Thema 'Weißer Polizist erschießt unschuldigen schwarzen Mann' zuletzt viel in TV-Produktionen, auch "Chicago P.D." selbst, behandelt worden, aber dessen überdrüssig kann man angesichts der Brisanz des Themas kann nicht werden. Jeder, der bei diesem schockierenden Thema aufgerüttelt wird, ist ein Gewinn für das Funktionieren einer toleranteren Gesellschaft. Dennoch sage ich auch nicht nein, dass das Motiv diesmal überraschend anders verpackt wurde. Vor allem bei "Chicago P.D." ist das aktuell wirklich ein immenser Meilenstein, denn die letzten Episoden fühlten sich so alt und lustlos an, dass das Wagnis von neuen Wegen hervorzuheben ist. Dass Kevin wieder mittendrin ist, ist nur logisch und ohne ihn hätte die Episode auch eine ganz andere Wirkung gehabt.

Dass Detective Wheelan einen schwarzen Mann unrechtmäßig getötet hat, daran besteht in dieser Episode kein Zweifel, weswegen auch schnell ein Haftbefehl ausgestellt wird. Ungewöhnlich ist dann eher, dass die Verhaftung einem Staatsakt gleicht, denn die Angehörigen, aber auch eine stetige wachsende Menge unterschiedlicher Hautfarben, die ungleiche Behandlungen anprangern, sind kaum noch ruhig zu halten. Deswegen ist von Anfang an klar, dass diese Überführung in die Untersuchungshaft kein Zuckerschlecken wird, weswegen Deputy Superintendent Samantha Miller sich eigenhändig die Intelligence Unit und konkret Adam und Kevin für diese Aufgabe aussucht. Nach dieser Episode habe ich mal wieder gemerkt, dass sie als konstante Nebenfigur schon jetzt viel mehr Eindruck hinterlassen hat, als der von Paul Adelstein dargestellte Jason Crawford, der nach Staffel 7 sang- und klanglos verschwunden ist, je erreicht hat. Sie dürfte gerne öfters auftauchen, denn mir gefällt es, wie überraschend sie immer eingesetzt wird. Mehr und mehr zeigt sich, dass sie wirklich keine Widersacherin für Hank Voight ist. Dieser vermutet das immer wieder und wird dann doch überrascht. Damit ist Samantha eine unerwartete Verbündete, für die sicherlich noch etwas Größeres geplant ist.

Aber nun zurück zum eigentlichen Thema dieser Episode. Mit Kevin und Adam wurden wirklich genau die richtigen beiden ausgewählt. Zum einen haben wir es mit schwarz-weiß zu tun, zum zweiten haben wir es mit Freunden zu tun und zum dritten haben wir eine moralische Diskrepanz. Das war nicht immer so, aber spätestens seit dem Staffel-8-Auftakt sollte klar sein, dass Kevin sich durch die Loyalität zu seinem Job nicht verblenden lässt, sondern Ungerechtigkeiten anprangert, selbst wenn es seine Kollegen betrifft. Aber bei Adam ist so eine Entwicklung nie erfolgt. Er kennt nur die Loyalität zum CPD, deswegen wäre er auch für Antonio Dawson vor zwei Staffeln ins Gefängnis gegangen. Deswegen wird die ganze Episode angedeutet, dass er sich nicht automatisch gegen Wheelan stellt, während Kevin dieser Schritt keine Überwindung kostet. Zwar wird Adam nicht als Beschützer dargestellt, denn dafür sind die Beweise gegen Wheelan zu offensichtlich, aber er macht auch nicht intuitiv Stimmung gegen ihn. Bei diesen Voraussetzungen ist es kein Wunder, dass es mit zunehmendem Verlauf der Episode zwischen Adam und Kevin schwelt.

Letztlich kommt es zu einer richtig mitreißenden Diskussion, die im Endeffekt auch erklärt, warum Adam und Kevin die Staffel über kaum etwas miteinander zu tun hatten. Denn es hatte sich unterschwellig zwischen ihnen etwas aufgebaut, was vor allem daher rührt, dass sich Adam auch schon bei Kenny Nolan nicht so entschieden positioniert hat, wie Kevin das gerne gehabt hätte. Deswegen war dieses emotionale und danach so heilende Gespräch bitternötig. Ich fand es vor allem gut gemacht, dass beide in dieser Diskussion ihre Lage darstellen durften, denn es wäre sicherlich der falsche Weg gewesen, einen von beiden zum Buh-Mann zu machen. Denn im Endeffekt gibt es im Fall von Diskriminierung nicht die eine Lösung, die sich logisch abzeichnet und das sorgt für Verunsicherung und wird es immer tun. An Kevins und Adams Positionen hat man schließlich deutlich gesehen, wie unterschiedlich man ein Thema betrachten kann und wie in sich schlüssig es dennoch für beide einzeln ist. Hiernach gibt es zwar keine innige Bromance mehr, aber dennoch wird dem Zuschauer mit einfachen Mitteln unterstrichen, dass die beiden wieder auf einem guten Weg sind.

Meine bisherigen Beschreibungen sollten verdeutlich haben, dass ich den Großteil der Episode über ein wirklich gutes Gefühl hatte. Das wurde neben den Inhalten natürlich auch dadurch gefördert, dass die Episode auch fachlich extrem spannend, logisch und immer zuspitzender erzählt wurde. Wheelan war mit seinem ewigen Zwischenreden sicher eine Herausforderung der Nerven, aber auch mit ihm wurde noch etwas geschaffen. Denn so überzeugt wie er anfangs von seinem Recht war, so sehr fällt er in sich zusammen, als er feststellt, dass er die Situation mit der Polizeikontrolle doch falsch eingeschätzt hat. Das mal so deutlich bei einem Polizisten zu zeigen, war ebenfalls ein neuer Ansatz. Denn oft waschen sie angesichts der Macht ihrer Position ihre Hände in Unschuld und würden selbst bei einer Verurteilung noch genau das behaupten. Das ist arrogante Borniertheit, die hier mit Wheelan ausgehebelt wird. Ein Sympathisant wird er dadurch auch nicht mehr, aber dennoch ist es ein hoffnungsgebendes Zeichen. Denn wir alle machen Fehler, die einen schwerwiegender als die anderen, aber das Wichtigste dabei ist, sich diese auch eingestehen zu können.

Am Ende nimmt die Episode aber leider noch eine Wendung, die den so positiven Eindruck doch noch schmälert. Zum Anfang der Episode gibt es für die Teammitglieder ein psychologisches Gutachten, das Zukunftshandlungen voraussagen soll. Während ich zunächst dachte, dass das nur dafür gut ist, um die Unterschiede zwischen Adam und Kevin zu betonen, zeigt sich am Ende, dass damit auch gezeigt werden sollte, dass Wheelan eigentlich ein Vorzeigepolizist war, der nur ein einziges Mal die falsche Entscheidung getroffen hat. Das schwächt das Rassismusthema leider zu sehr ab und das darf nicht sein. Selbst neben der eigentlichen Ermordung hat Wheelan Sachen von sich gegeben, die definitiv nicht ideal für einen Polizisten waren. Warum also diese Umkehr noch? Während "Chicago P.D." ein Problem hinter sich lassen konnte, bleibt leider bestehen, dass die Serie im Setzen von Statements weiterhin fragwürdig bleibt. Die Ansätze sind alle richtig, aber so konsequent, wie sie zum Staffelauftakt umgesetzt wurden, ist es aktuell nicht mehr. Kevins Ängste am Ende, dass ein jeder eine fatale Entscheidung infolge einer falschen Wahrnehmung treffen kann, dürften für niemanden neu sein. Die Gefahr bestand immer schon, aber das hat nichts mit Rassismus zu tun und um den hätte es allein gehen sollen.

Fazit

"Chicago P.D." zeigt sich zum Glück deutlich verbessert. Eine spannend inszenierte Episode wird durch eine neue Umsetzung vom Thema Rassismus begleitet und dabei wird auch die gekittete Beziehung zwischen Adam und Kevin in den Fokus genommen. Einzig die kleine Wendung am Ende sorgt für eine unnötige Abschwächung der brisanten Thematik und es bleibt die Frage, warum sich "Chicago P.D." weiterhin so vage positioniert?

Lena Donth – myFanbase

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