Bewertung: 6

Review: #6.16 Die Vergessenen

Superintendant Brian Kelton hat sich mit seinem erstmaligen Auftauchen in #6.11 Trust schnell als neuer Gegenspieler herausgestellt, den wir für die Staffel definitiv im Auge behalten müssen. In den vergangenen Folgen hat er Hank Voight und der Intelligence Unit immer mal dazwischengefunkt, in dieser Folge eskaliert die Situation nun aber und verschärft das angespannte Verhältnis beider Alphatiere. Mal sehen, ob uns dieser Disput noch bis zum Staffelfinale begleiten wird.

In dieser Folge wird mit Lexie (die Namensähnlichkeit zu Lexi Olinksy finde ich fast schon unverschämt oder soll das eine Hommage sein?) eine Informantin eingeführt, die schon jahrelang für die Intelligence Unit arbeitet, nun aber ihrem letzten Auftrag entgegensieht, da sie für ihre kranke Mutter nach Ohio ziehen wird. Man merkt deutlich, dass sich die Autoren bemüht haben, zwischen Lexie und den Mitgliedern der Unit eine innige Beziehung darzustellen. Wenn sie mit ihr freudig anstoßen oder wenn Hailey Upton sie nur "Lex" nennt. Dennoch finde ich es immer schwer, sich in solch langjährigen Beziehungen, von denen man nur einen Bruchteil tatsächlich erlebt, emotional einzufinden. Vor allem Hank hat eine besondere Beziehung zu ihr, da sie ihm einmal das Leben gerettet hat. Dies war wieder mal ein Moment, wo ich bedauert habe, dass "Chicago P.D." nie mit Rückblenden arbeitet, denn das wäre eine Szene gewesen, die ich gerne gesehen hätte. Denn selbst Miterlebtes zieht immer mehr als nur Gehörtes. Kurzum: eine beabsichtigte emotionale Storyline hat mich nicht so erreicht, wie es wohl intendiert war.

Dennoch waren die Ermittlungen und die Suche nach Lexie unheimlich spannend, da es doch einige Wendungen gab und man stets mitgefiebert hat, ob sie sie wohl noch lebend finden werden. Die Offenbarung, dass wir es mit einem Serienmörder zu tun haben, war eine dieser Wendungen, da man eher gedacht hat, dass es sich um eine Racheaktion für ihre Tätigkeit als Informantin handelt. "Chicago P.D." beschäftigt sich auch sehr selten nur mit Serientätern und bei den einzelnen Vorgehensweisen des Täters ist es mir schon kalt den Rücken runter gelaufen. Insgesamt hat aber ein entscheidender Teil in diesen Ermittlungen gefehlt: die Darstellung der Psyche des Täters. Innerhalb der Folge erleben wir ihn nur sehr kurz, merken dabei, dass es sich um einen nach außen überaus charmanten Mann handelt, aber da er wenig später schon tot ist, bleibt vollkommen offen, was ihn überhaupt angetrieben hat. Vielleicht habe ich auch zu viel "Criminal Minds" gesehen, aber ich will immer wissen, warum? Und das Warum wird in keiner Weise beantwortet. Klar, es werden ein paar Hinweise gegeben, aber auch sein kurzes Gespräch mit Hailey hat vermutlich eher eine falsche Fährte gelegt. War er nun Frauenhasser oder hatte er ein Problem mit erotischen Tänzerinnen? Schade, dass die Episode an dieser Stelle so dünn geblieben ist.

Gelungen ist aber definitiv, wie Kelton in diesen Fall eingebunden war. Nicht nur als Bürgermeisterkandidat kauft er sich Stimmen unter der Hand, schon als Abteilungsleiter kannte er keine Skrupel. Hauptsache sein Ruf und seine Karriere waren gesichert. Damit zeichnet sich ein sehr scharfes Bild von ihm, das auch beweist, dass es sich bei ihm um einen ganz gefährlichen Gegner handelt. Denn wer so konsequent mit kriminellen Geschäften seinen Weg geht, der wird auch ansonsten über Leichen gehen. Kelton ist in meinen Augen eines Showdown-Gegners wirklich würdig. Am Ende der Episode haben wir dann den Punkt erreicht, wo Hank seine Abscheu vor ihm kaum noch verhehlen kann. Nachdem sie Lexie nur noch tot auffinden konnten, weil Kelton sich so eingemischt hat, dass seine Leute den Killer tödlich ausgeschaltet haben, so dass er ihnen Lexies Aufenthaltsort nicht mehr sagen konnte, ist Hank an einem Punkt, an dem er Kelton am liebsten verprügelt hätte. Gut, dass er noch seine Unit hat, die ihn im Griff hat. So wütend und aufgebracht haben wir Hank wirklich schon lange nicht mehr erlebt.

Hanks Wut auf Kelton führt natürlich nun dazu, dass sich seine Zusammenarbeit mit Ray Price intensiviert. Zu Beginn der Folge war er noch auf neutralem Gebiet unterwegs, was ich auch nachvollziehen konnte, da Hank sich in politische Angelegenheiten noch nie gerne freiwillig eingemischt hat. Im Endeffekt hat er seine Meinung zu diesem Thema auch mit dem Ende der Folge nicht geändert, da er Price ja nur Informationen überreicht, die Kelton einen Nackenschlag versetzen könnten und weiterhin nicht selbst eingreift. Dennoch glaube ich nicht, dass Hank sich noch lange zurückhalten kann. Bei Price wiederum muss ich immer wieder begeistert feststellen, dass ich nie gedacht hätte, dass er sich mal zu einer Figur entwickeln würde, für die man mitfiebern würde. Er war für mich immer der Antagonist, der so ambivalent ist, dass er Freude und Stirnrunzeln verbreitet. Nun aber werden mehr und mehr seine menschlichen Seiten gezeigt und man kommt nicht umhin, ihm zu wünschen, dass er Kelton mit weitem Vorsprung den Schneid abkauft.

Ganz am Anfang der Episode gab es eine kleine Szene, die etwas lose im Raum stand, aber über die man viel spekulieren kann. In #6.14 Ties That Bind wurde Blair Williams das erste Mal als Keltons politischer Berater eingeführt, der zudem Interesse an Kim Burgess entwickelt hat. Zwei Episoden später erfahren wir nun, dass die beiden eine Affäre, vielleicht sogar eine Beziehung eingegangen sind. Einerseits war es schön zu sehen, dass Kim auch privat mal wieder eine Geschichte bekommt, gleichzeitig schrillen meine Alarmglocken aber überlaut, als Blair sie nach der gemeinsamen Nacht zu Price ausfragen will. Zum einen rätsle ich nun, ob er mit ihr nur etwas angefangen hat, um Informationen zu erhalten oder ob er doch ehrliches Interesse an ihr hat. Wenn es sich nun um reines Kalkül handelt, bin ich zum anderen sauer, dass die Autoren Kim wieder in so eine verzwickte Liebesgeschichte stecken. Ihr letzter Partner, Matt Miller, den wir in #5.08 Odessa kennengelernt haben, hat zwar nicht mit ihr gespielt, aber schon da ist sie zwischen die Fronten geraten und ich fände es sehr schade, wenn Kim eine sehr ähnliche Storyline noch einmal erlebt. Diese Beziehung kann eigentlich nur katastrophal enden!

Fazit

"Chicago P.D." verschärft in dieser Folge den politischen Konflikt im richtigen Maße, so dass man hier erahnt, dass vielleicht ein großer Handlungsbogen des Staffelfinals vorbereitet wird. Der prinzipiell spannende Fall der Woche hatte es dagegen etwas schwer, da die beabsichtige Emotionalität mich nicht erreichen konnte und das Täterprofil ist leider zu kurz gekommen.

Lena Donth – myFanbase

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