Bewertung: 9

Review: #6.09 Descent

In meiner Review zu 6.04 Ride Along habe ich bekannt, dass ich kein großer Fan von Abhängigkeits-Storylines bin. Nun wurde Antonio Dawsons drohende Abhängigkeit nur sehr unterschwellig behandelt. In der letzten Folge sah er schon sehr elendig aus, so dass man ahnen konnte, dass bald eine Folge bevorstehen würde, wo sich um ihn herum alles zuspitzen würde. In dieser Folge ist es nun soweit und die Abhängigkeit wird für alle aus der Intelligence Unit sichtbar.

Ich bin meist kein großer Freund von der Darstellung von Suchtkrankheiten, weil ich immer an den Punkt komme, wo ich mich frage, warum niemandem die Veränderungen an den Betroffenen auffällt und warum nicht konsequenter eingeschritten wird. Bei "Chicago P.D." fand ich es nun aber überraschend gut gelungen, da das Thema eben bis dato noch so nebenbei stattfand, aber nun zum Höhepunkt, bei dem niemandem mehr die Anzeichen von Antonios Abhängigkeit entgehen können, kommt es direkt zu einem konsequenten Eingreifen. Ursprünglich hatte ich mir eher erhofft, dass sich eine tolle Partnerschaftsgeschichte zwischen ihm und Kim Burgess ergibt, da die beiden in der bisherigen Staffel doch eher zu kurz gekommen sind, nachdem es in der vorherigen Staffel so tolle Moment gegeben hat. Letztlich hat man sich aber für Hank Voight entschieden, was aber natürlich ebenso gut funktioniert hat. Dieser durchschaut Antonio ohne viele Worte, vielleicht auch, weil sein eigener Sohn Justin selbst schon ähnliche Geschichten durchgemacht hat. Daher greift er konsequent ein und stellt Antonio, nachdem dieser sich Opiate gekauft hat. All die Szenen, die sich von da an zwischen Hank und ihm entwickeln, sind locker die volle Punktzahl für diese Folge wert, da die Verzweiflung bei Antonio, als seine Sucht nun das erste Mal einem Außenstehenden bewusst geworden ist, sehr greifbar und einnehmend dargestellt wurde. In dem Zusammenhang war dann einfach großartig, dass sich Hank Antonios Situation nicht schön geredet hat, sondern konsequent eingegriffen und kein Widerspruch geduldet hat. Somit ergab sich genau der Umgang mit einem Süchtigen, den ich gerne viel öfter erleben würde. Letztlich kam nur der Fall der Woche dazwischen, da sich Antonio sonst sicherlich längst im Entzug befände.

Insgesamt ist diese Folge hochdramatisch erzählt. Sei es am Anfang, als wir Antonio bei seinem Arzt erleben und wo er erstmals ganz eindeutig das Verhalten eines Süchtigen zeigt, als er auf die Weigerung des Arztes, ihm ein neues Rezept für ein Schmerzmittel auszustellen, aggressiv reagiert. Oder wenn er später vor Wut seine Faust in den Badezimmerspiegel schlägt. Mit Emotionen wird in dieser Episode wahrlich nicht gegeizt. Sei es dargestellt durch die DarstellerInnen oder hervorgerufen, weil wir Zuschauer im Dunklen gelassen werden, wer der Flüchtige ist, als die Unit ein Drogenlager ausheben will. Die Entführung von Antonios Tochter Eva ist dann natürlich der absolute Höhepunkt. Natürlich haben wir das Ganze so ähnlich schon in #1.02 Auf der falschen Seite der Gefängnistür mit Diego erlebt, aber ich sehe es dennoch als die passende Wahl, um einen Antonio, den es nach Drogen verzehrt, an seine psychischen und physischen Grenzen zu bringen. Aber es wurde natürlich nicht nur auf negative Emotionen gesetzt. Positive Energien werden vor allem erzeugt, wenn einmal mehr der Zusammenhalt innerhalb der Unit hervorgehoben wird. Als Antonio ihnen gegenüber zugibt, dass er von Schmerzmitteln abhängig geworden ist, sind alle betroffen, aber es gibt keine kritische Äußerung. Als die Ermittlungen gegen den Entführer von Eva anlaufen, stellt Hank frei, ob sich alle ihnen anschließen, da diese inoffiziell verlaufen. Doch keiner zögert, keiner sucht den einfach Weg hinaus, stattdessen demonstrieren sie wie immer Geschlossenheit.

Dieser Zusammenhalt der Unit gipfelt schließlich auch im Cliffhanger des Herbstfinales. Dass sich Antonio die persönliche Rache an Rizzo nicht nehmen lassen würde, war klar, aber es war nicht unbedingt damit zu rechnen, dass der Entführer so ein verrückter Kerl ist, der Antonio absichtlich versucht, aufs Blut zu reizen. Bereits bei Recherchen zu ihm war festgestellt worden, dass er wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen eine Haftstrafe verbüßt hat. Mit dem Umstand wird natürlich gespielt. Ich selbst bin überzeugt, dass Rizzo Eva nicht vergewaltigt hat, da er vermutlich viel zu sehr gedanklich damit beschäftigt war, neue Drogen zu besorgen. Aber für Antonio als emotional aufgebrachter Vater, war natürlich allein die Möglichkeit zu viel und dann auch noch Rizzos kühne Behauptung, führt schließlich zu einem abrupten Angriff, der den Entführer in den Tod stürzen lässt. Dieser Ausgang des Falls der Woche ist wirklich grandios gewählt, da die Unit nun vor einem großen Problem steht. Denn Antonio konnte sich zwischenzeitlich Pillen besorgen und war somit high an einem Einsatz beteiligt und hat dann auch noch einen Verdächtigen getötet. Kein Wunder also, dass Hank und Adam Ruzek entsetzt das Geschehen mitverfolgen und sich verzweifelt fragen, wie sie aus dieser Angelegenheit nun unbeschadet rauskommen. Besser kann man den Ciffhanger wirklich nicht wählen, denn es zeichnet sich absolut noch nicht ab, wie es weitergehen wird, so dass man sich in der mehrwöchigen Pause nun fleißig seine Gedanken machen kann.

Etwas lose und ohne Zusammenhang wirkt in dieser Folge dann die Anfangsszene, in der Adam Hailey Upton eine Wohnung zeigt, in die er gerne einziehen würde. Aber ich mag diese kleinen Szenen zwischen den beiden wirklich gerne, zumal sie erneut unterstreicht, dass Adam kein Problem damit hätte, über mehr als eine Affäre mit ihr hinauszugehen. Dass er unbedingt ihre Meinung zu der Wohnung eingeholt hat, war schon ein deutliches Zeichen, dass er zumindest unbewusst, diese gerne irgendwann mal mit Hailey teilen würde. Er äußert diese Idee sogar in der Aussage, dass sie mal die Miete teilen werden, aber tut dies sofort wieder als Scherz ab, weil er ganz genau weiß, dass er Hailey damit eher verjagt als überzeugen kann. Ich bin wirklich sehr gespannt, wann man bei den beiden wieder einen Schritt weitergeht.

Fazit

"Chicago P.D." setzt den bisherigen Höhepunkt der Staffel genau passend zum Herbstfinale. Die Episode ist unheimlich fokussiert erzählt, weil es bis auf eine kleine Szene zwischen Adam und Hailey, wirklich nur um Antonio geht und wie er durch seine Abhängigkeit von Schmerzmedikamenten an seinem absoluten Tiefpunkt ankommt. Die Folge war emotional aufgeladen und macht dabei alles richtig, indem sie am Ende in einem Ciffhanger endet, der ungewisser nicht ausfallen könnte, so dass die Wartezeit bis zur nächsten Folge wirklich zur Qual werden könnte.

Lena Donth – myFanbase

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